Unser Praktikum im größten Trafowerk Sloweniens

„Es hat geklappt; ihr dürft für zwei Wochen nach Slowenien in ein Trafowerk und vorher macht ihr noch einen Sprachkurs für technisches Englisch“. Mit diesem Satz unseres Ausbilders beginnt das größte Abenteuer in unserer gesamten bisherigen Ausbildung bei Energiedienst. „Uns“, das sind: Lukas Metzger und Jannick Spahn. Wir sind im 4. Lehrjahr unserer Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik.

Wie bereits mehrere Azubis vor uns, freuen wir uns natürlich riesig, dass auch wir ein Trafowerk im Ausland besuchen dürfen. Aber es gibt noch viel für uns zu organisieren und die Zeit ist recht knapp. Also los: Wir brauchen eine günstige Unterkunft in Ljubljana, einen Englisch-Sprachkurs, ein Auto, Freistellung von der Berufsschule und noch vieles mehr.

Markus Linder, Leiter Hochspannungsanlagen und Sekundärtechnik, hat für uns den Kontakt zur Firma Kolektor Etra in Slowenien hergestellt und uns das Praktikum ermöglicht. Er war auch schon mehrmals im Trafowerk vor Ort und konnte uns wertvolle Insidertipps für unsere Planungen geben.

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Lukas Metzger, Istok Jerman (Berater der Geschäftsleitung der Kolektor Etra ) und Jannick Spahn im Prüflabor.

Aufbruch ins Abenteuer

Sonntag, 5. Oktober 2015: Wir sitzen in unserem Passat und können kaum glauben, dass wir tatsächlich ganz auf uns alleine gestellt, und über Bayern und Österreich nach Slowenien fahren. Die Landschaft ist herbstlich und wunderschön.

Auch der fast schon obligatorische Stau in München kann unsere Stimmung nur kurz drücken. Die restliche Fahrt verläuft zügig und reibungslos. Slowenien ist im Norden sehr gebirgig und noch viel schöner als wir es uns vorgestellt haben.

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Stau in München

Unsere WG-Wohnung auf Zeit

Wir wohnen und arbeiten direkt in der Hauptstadt Ljubljana. Unsere Unterkunft ist eine kleine Ferienwohnung mit Küche und liegt direkt im Zentrum und nur 10 Minuten vom Trafowerk entfernt. Schnell sind die Koffer ausgepackt und der Koch- und Aufräumplan für unsere WG auf Zeit gemacht.

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Unser kleines Reich für die nächsten zwei Wochen.

Die erste Woche verbringen wir hauptsächlich damit unser Englisch aufzupolieren und die Stadt und die Umgebung zu erkunden. Der Englischkurs ist speziell auf uns beide zugeschnitten und beinhaltet vor allem technisches Englisch und Business-Englisch.

Außerdem kann uns Mr. Marshall, unser Englischlehrer – ein Ire, der bereits 10 Jahre in Ljublijana lebt – viel über Land und Leute in Slowenien beibringen. „All Slovenies have love in their name“ Häh?? „Slovenia“ Ach so!!

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Ljubljana

Unterwegs in Slowenien

Bei unseren Erkundungen, die wir in unserer Freizeit ausgiebig unternehmen, fällt uns immer ein faszinierender Zwiespalt auf, den Slowenien aufgrund seiner bewegten Geschichte aufweist. Slowenien ist immer irgendwie „Zwischen“.

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Slowenien ist ein Land zwischen Meer …

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… und Bergen.

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… zwischen Kommunismus …

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… und Demokratie.

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… zwischen österreichischer KuK Monarchie …

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… und modernem Industrieland.

 

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Straßencafés, wie im Süden.

Die Sprache klingt für uns fast russisch, die Landschaft und das Klima ist eher italienisch und die Architektur wirkt auf uns oft österreichisch. Dazu kommen mediterrane Cafes und ein täglicher Markt, wie in Frankreich.

Auf den Spuren unserer Vorgänger

Das Wochenende nutzen wir für eine Fahrt nach Venedig. Das hat in unserer Lehrwerkstatt schließlich schon Tradition, weil alle unsere Vorgänger in einem Trafowerk bei Venedig waren. Da war ein Besuch in der Stadt natürlich Pflicht.

Slowenien liegt wie Venedig an der Adria und die anderen Azubis haben von dieser Stadt geschwärmt.

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Auch Venedig hat bereits über Slowenien geherrscht und dadurch Spuren hinterlassen.

Trafo – Mehr als nur ein grüner Klotz?

Nun wird es ernst. Wir haben unseren ersten Tag im Trafowerk Kolektor Etra in Ljubljana vor uns. Der Empfang im Werk und die Freundlichkeit unserer Gastgeber übersteigen alle unsere Vorstellungen. Am Werkseingang wurde neben der slowenischen und der EU Flagge extra für uns die deutsche Flagge gehisst und wir werden vom Berater der Geschäftsleitung persönlich willkommen geheißen. Wir fühlen uns fast wie Staatsgäste und hoffen nur, dass wir quasi als Botschafter von Energiedienst und Repräsentanten unserer Lehrwerkstatt, keine Fehler machen und uns gleich mal kräftig blamieren. Das ist zum Glück nicht passiert!

Als erstes fällt uns auf, dass unsere Gastgeber nicht wirklich verstehen, was wir Azubis machen. In Slowenien kennt man unser praxisbezogenes duales Ausbildungssystem gar nicht. Dort erfolgt die Ausbildung meist rein schulisch durch ein Studium.

Wir haben uns schon vorher intensiv mit Trafos beschäftigt und wollen unser Wissen beweisen und einen guten Eindruck hinterlassen.

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Trafowerk Kolektor Etra in Ljubljana

Trafodesign und Konstruktion

Was nun folgt, ist für uns fast unglaublich. Kolektor Etra hat mehrere Mitarbeiter abgestellt, um uns die vielen technischen Details über das Design und die Auslegung von Leistungstransformatoren zu vermitteln. Jeder ist ein absoluter Spezialist auf seinem Gebiet und jeder Trafo wird nach exakten Kundenforderungen geplant und berechnet. Nahezu alles ist möglich: Der größte Trafo aus diesem Werk ist 18 Meter lang und 11 Meter hoch, erzählen die Trafodesigner stolz.

Kolektor Etra hat für Energiedienst unter anderem einen neuen 110/20/6,8 kV Trafo für das Umspannwerk in Wyhlen gebaut und geliefert. Weitere Trafos aus Ljubljana sind  in der Beschaffung.

Als besondere Wertschätzung, empfanden wir, dass wir zum Abschluss des Tages zu einem Ausflug an den See von Bled eingeladen wurden.

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Ausflug zum See von Bled

Den nächsten Tag durften wir in der elektrischen und mechanischen Konstruktionsabteilung und der Forschungs- und Entwicklungsabteilung verbringen. Es war hoch interessant für uns, so etwas einmal sehen zu dürfen.

Das Herz des Trafos entsteht

Am Mittwoch waren wir dann in der Produktion und durften die Entstehung des Kerns und der Spulen hautnah miterleben. Teils wurden die Trafobleche in reiner Handarbeit gestapelt, teils wurden Maschinen zum Aufbau der Wicklungen eingesetzt.

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Montage des Trafokerns

Montage des Trafos – Wir sind mittendrin

Die Montage der einzelnen Komponenten zu einem fertigen Trafo wurde uns am Donnerstag erklärt. Wir haben dabei ganz unterschiedliche Abteilungen durchlaufen und konnten uns alles ganz genau ansehen.

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Montage der einzelnen Komponenten

Unglaubliche 2 Millionen Volt

Ein weiteres Highlight war am letzten Tag der Besuch im Prüflabor. Hier wird die Endkontrolle der Trafos im Beisein des Kunden durchgeführt. Manche Prüfungen werden mit bis zu 2 Mega Volt Stoßspannung durchgeführt, erklärt uns Istok Jerman.

Wir staunen nicht schlecht, dies entspricht fast der 10 000-fachen Spannung von Steckdosen im Haushalt. Wir bemühen uns lieber nirgends dran zu fassen.

Bei den Prüfungen und dem Kundengespräch dürfen wir dabei sein. Wir staunen nicht schlecht, als der Kunde sich in unser Alemannisch einmischt und Lukas und mir die Messungen auf Schwiizerdütsch erklärt. Er ist von der Firma Axpo aus Rheinau. Nach zwei Wochen im Schmelztiegel Slowenien sind wir gar nicht mehr so überrascht, jemanden vom Hochrhein zu treffen.

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Auch die Schweizer Fahne wurde gehisst.

Home Sweet Home

Nach zwei spannenden Wochen in Slowenien packen wir unsere Koffer und freuen uns darauf, unseren Kollegen von unseren Erlebnissen zu berichten.

Dazu kommt ein Gefühl von Stolz, als wir ins Auto steigen, dass wir alles so gut gemeistert haben und das Vertrauen, das uns entgegengebracht wurde, voll erfüllen konnten.

Die Verabschiedung von unseren neuen Freunden bei Kolektor Etra ist noch herzlicher als die Begrüßung. Wir bekommen die Zusage im nächsten Jahr gerne wieder kommen zu dürfen.

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Die Heimfahrt führt wiederum über die uns nun schon bekannte wunderschöne Landschaft – sie ist nun winterlich weiß.

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