Sie interessieren sich für Energie-Themen? Energiewende, Strompreiserhöhung, EEG-Umlage und Netzausbaukosten sind Schlagworte, zu denen Sie eine Menge Fragen haben? Sie möchten sich über erneuerbare Energien austauschen und Ihr Wissen teilen? Sie werden zu vielen Veranstaltungen eingeladen, aber nie gefragt, ob Sie einen Vortrag halten möchten? Sie fragen sich: “Wo finde ich spannende Menschen, mit denen ich mein Fachthema in einem unkomplizierten Umfeld diskutieren kann?”

Sie schauen in den Posteingang Ihrer E-Mail und sehen die nächsten Veranstaltungen, an denen Sie teilnehmen sollen. Mal ist es nur eine Eigendarstellung eines Unternehmens, da können Sie kostenlos teilnehmen, dann wiederum verlangen einige Konferenzen teures Eintrittsgeld.

Konferenzen sind doch meistens etwas unpersönlich, oder? Es ist schwierig, mit den Menschen, die man nicht kennt, ins Gespräch zu kommen. Die Redner langweilen einen mit Frontalvorträgen, leiern die Power-Point-Folien herunter und überziehen, so dass keine Zeit mehr für die Diskussion bleibt. In der Kaffeepause steht man allein oder bestenfalls mit dem Kollegen zusammen und keiner der anderen Teilnehmer fängt ein spannendes Fachgespräch mit einem an. Gibt es eine Lösung?

Eine Unkonferenz – ein Barcamp Renewables – was ist das?

Genau das glatte Gegenteil – von den eben beschriebenen Szenarien – ist das Barcamp Renewables, das die Energieblogger organisiert haben. Kurz erklärt: ein Barcamp ist keine Konferenz, daher sagt man auch Unkonferenz. Wofür steht dieser etwas exotische Begriff? Die Agenda samt Referenten wird nicht im Vorfeld festgelegt, sondern am jeweiligen Morgen eine Art “Stundenplan” mit allen Teilnehmern erstellt. Jeder hat die Möglichkeit, ein Thema vorzuschlagen. Dabei ist es nicht wichtig, ob man selber darüber referieren möchte, eine Diskussionsrunde auf Augenhöhe oder auch für Neugierige mit wenig Vorwissen eine Grundlagen-Session starten möchte. Gibt es mehr Angebote als Raum und Zeit zur Verfügung steht, wird offen darüber abgestimmt, welche Themen den meisten Zuspruch finden.

So beginnt ein Barcamp immer mit einer Tasse Kaffee oder Tee und ein paar Frühstückssnacks. Mein Tipp: Erscheinen Sie frühzeitig, denn dann sehen Sie, wer nach und nach zum Informations-Counter geht und sich das Namensschild abholt, das üblicherweise an einem Lanyard (Karabinerband) angebracht wird. Das Wichtigste an einem Barcamp startet nun und hört normalerweise gar nicht mehr auf: das Netzwerken. Dabei geht es um das Thema an sich und nicht etwa um – sogar teils lästige – Akquisegespräche. Manchmal sieht man sogar Personen das erste Mal, deren Blog man schon lange liest oder mit denen man auf Facebook, Twitter oder anderen Social Networks “verbunden” ist. Das macht besonders viel Spaß.

Zuschauer gibt es nicht beim Barcamp

Barcamp Renewables bei SMA in Kassel. Foto: Heiko Meyer

Sessionplanung beim Barcamp Renewables

Die hochmotivierten Teilnehmer sind allesamt Mitmacher, jeder kann sich beteiligen und jede Session (Diskussion, Vortrag – oder eine Mischung aus beidem) lebt vom Wissensaustausch und Kontroversen sowie neuen Erkenntnissen. Wenn sich der Stundenplan in der Sessionplanung gefüllt hat, sieht man erstmalig, womit man sich den Tag über beschäftigen kann. Beim Barcamp der Energieblogger standen insgesamt 36 Sessionangebote mit einem breiten Themenspektrum für 2 Tage zur Auswahl. Die Sessions laufen in drei Räumen parallel, so dass man immer ein Thema findet, das einen interessiert, manchmal kommt es sogar vor, dass man sich am liebsten klonen lassen würde, weil man zur selben Zeit gern in zwei oder sogar drei Sessions gleichzeitig gehen würde – wenn man nicht gerade seine eigene Session hält.

Wer geht auf ein Barcamp Renewables, ist das was für mich?

Grundsätzlich: Jeder kann auf ein Barcamp gehen. Das Barcamp der Energieblogger hat einen Themenfokus, dafür sollte man sich interessieren. Vorwissen ist absolut nicht notwendig, denn Fragen und Zwischenfragen kann man immer stellen, das ist sogar ausdrücklich erwünscht.

Das Teilnehmerfeld dieses Barcamps beinhaltet unterschiedlichste Altersstufen – von Anfang 20 bis Ende 70, von privat bis beruflich interessiert, mit allen Wissensstufen. In erster Linie findet man Energieblogger, Journalisten, Aktive, wie z. B. Forenmoderatoren, aus den Social Networks und Interessensgruppen im realen Leben, Freiberufler und Firmen aus der Energiebranche sowie auch einige Energieversorger, die den offenen Austausch mit allen suchen. Eine bunte Mischung, viele spannende Leute, die etwas zu sagen haben oder gern mehr hören möchten.

Zusammenfassung zum Barcamp Renewables

Wie lange haben Sie jetzt noch Zeit? Eine Zusammenfassung würde den Rahmen eines einzelnen Blogartikels sprengen, man könnte glatt ein Buch darüber schreiben. Seien Sie das nächste Mal einfach dabei und gewinnen Sie Ihren eigenen Eindruck.

In Kürze vielleicht noch ein paar Schwerpunkte in Schlagworten formuliert, die mir auf dem Barcamp Renewables aufgefallen sind:

  • Smart Home
  • Speichertechnologien
  • Finanzierung von Energieprojekten und Geldflüsse
  • Akzeptanz von Wind- und Solarenergie
  • Energiewende allgemein und speziell
  • Hintergrundinformationen zu den wahren Kosten der Energieträger
  • Elektromobilität

Als “praktische Übung” stand ein Nissan Leaf  zur freien Verfügung – für alle Inhaber einer Fahrerlaubnis Klasse B. Eine erstaunliche Erkenntnis (für mich als E-Auto Enthusiastin seit 2010) war, dass sogar einige Energieblogger und Energie-Fachleute an diesen Tagen das erste Mal überhaupt in einem Elektroauto gefahren sind.

Auf dem Barcamp Renewables waren Probefahrten mit dem Nissan Leaf möglich.

Kommunikation bei Energiethemen

Die Energieblogger und die Leute aus den Firmenabteilungen “Kommunikation” sind garantiert hochmotiviert durch einige Sessions und auch Netzwerkgespräche vom Barcamp nach Hause gefahren. Mir war das bisher auch aufgefallen, dass es sehr interessante Fakten zum Thema gibt, aber die Texte oft schwer lesbar sind. Besonders, wenn man kein oder wenig Vorwissen hat. Die Publizisten unter uns haben quasi “mündlich beschlossen”, dass sie das ändern möchten. Das Ziel der Kommunikation ist, dass es besser verständliche, leicht lesbare Texte gibt. Auch soll das Storytelling einen größeren Raum als bisher einnehmen – heißt, dass man beim Schreiben Fakten, Meinungen und Ideen mit persönlichen Erfahrungen verbindet und den Menschen in den Vordergrund stellt.

Eine sehr gute Erkenntnis und ein schönes Ziel – gerade auch für dieses wichtige Thema “Erneuerbare Energie” –  um dieses noch mehr Leuten näher zu bringen.

Informationen und weiterführende Links

Das mittlerweile dritte – Barcamp Renewables der Energieblogger fand am 19./20. September 2014 in Kassel bei der SMA Solar Academy statt. Teilgenommen haben über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, 25% mehr als im Vorjahr.

Veranstaltungwebsite mit Informationen zu Sponsoren und Teilnehmern: http://bc.energieblogger.net
Organisation durch die Energieblogger: http://energieblogger.net

Weitere Berichte über das Barcamp Renewables:

Veranstaltungsort des Barcamp Renewable

Danke an das Orgateam, alle Mitmacher sowie Sponsoren, die das Barcamp Renewables möglich gemacht haben, denn der Eintritt war sogar kostenfrei!

Für das Jahr 2015 ist das nächste Barcamp Renewables schon in Planung, der Termin steht bereits fest: 11.-12. September 2015. Registrieren Sie sich auf der Veranstaltungswebsite und Sie erhalten rechtzeitig weitere Informationen für Ihre Teilnahme.

 

Titelfoto und Sessionplanung: Fotograf Heiko Meyer
Weitere Fotos: Nicole Y. Männl

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