„Im August wird wieder das Becken im Mattsand gespült“, wirft mir mein Kollege Philippe Ruffiner zu. Danke für die Info, denke ich. Doch, was steckt eigentlich hinter dieser Beckenspülung? Einmal im Jahr wird sie durchgeführt. Auch Michel Salzgeber und Pascal Salzmann sind mit dabei. Ich frage die drei, ob sie mir einen kleinen Einblick in ihre Arbeit geben können.

Philippe, Michel und Pascal arbeiten wie ich bei EnAlpin. Sie sind im Bereich Betrieb und Technik tätig und sind für die Beckenspülung zuständig. Ich kümmere mich unter anderem um die Öffentlichkeitsarbeit.

Warum wird das Wasser überhaupt im Becken Mattsand gestaut?

Das Kraftwerk Ackersand 2 der Aletsch AG ist ein Speicherkraftwerk. Die Energie wird in Form von Wasser im Becken gespeichert und bei Bedarf zur Stromproduktion genutzt. So ist es möglich, die Stromproduktion zu regulieren.

Wie wird das gestaute Wasser eingesetzt?

Das Wasser wird durch einen Druckstollen Richtung Stalden geführt. In der Zentrale des Kraftwerks, dem Maschinenhaus, wird das Wasser mit zwei Maschinengruppen zur Stromerzeugung genutzt.

Wie läuft eine Beckenspülung im Mattsand ab?

Als erstes schließen wir die Einlaufschleusen zum Becken. Das verbleibende Wasser im Becken wird zur Stromproduktion genutzt, bis der minimale Wasserstand erreicht ist. Danach schalten wir die Maschinengruppen ab.

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Becken beim Ablassen des restlichen Wassers über den Grundablass.

 

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Becken kurz vor Ende der Spülung.

 

Über den Grundablass des Beckens entleeren wir den Rest. Sobald das Becken leer ist, sind Sedimentablagerungen erkennbar. Mit Baumaschinen werden sie dem Spülwasser zugeführt, das der Vispa entnommen wird.

Diese Arbeiten führen wir im 24-Stunden-Schichtbetrieb durch.

Ein externes Umweltbüro überwacht die Ausschwemmung des Materials.

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Austragen der Sedimente mit Baumaschinen.

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Das halbe Becken ist bereits ausgeräumt.

 

Das Becken Mattsand wird jährlich gespült. Warum?

Bäche und Flüsse bringen Sand und Geschiebe mit. Auf flachen Strecken oder in Stauseen, wo die Schleppkraft zurückgeht, bleibt dieses Material liegen und lagert sich ab. So natürlich auch beim Ausgleichsbecken in Mattsand. Auch hier werden Feinsedimente eingetragen und abgelagert.

Das hat negative Folgen auf das Speichervolumen. Der Speicherbetrieb wird eingeschränkt. Weitere nachteilige Folgen ergeben sich, wenn die Ablagerungen den Einlauf zum Stollen erreichen und danach über die Stollen zu den Turbinen gelangen. Deshalb reinigen wir jedes Jahr das Becken.

Wie viele Kollegen arbeiten bei der Spülung mit?

Wir sind insgesamt 15.

Wie viel Kubikmeter Material werden bei der Spülung verschoben?

Die Menge ist jedes Jahr unterschiedlich. Sie variiert zwischen 30.000 und 40.000 Kubikmetern. Das sind ca. 3.000 bis 4.000 Lastwagenladungen.

Baumaschine-verfrachtet-die-Ablagerungen-im-Becken-ins-Spuelwasser

Baumaschine verfrachtet die Ablagerungen im Becken ins Spülwasser.

 

Was macht Ihr mit dem ausgebaggerten Material?

Das Material spülen wir mit Wasser aus, das wir ins Becken einleiten, und verdünnen es mit sauberem Wasser, das in der Vispa um das Becken geleitet wird. Die zulässige Schwebstofffracht im Wasser beträgt 10 ml/l.

Das Umweltbüro überwacht auch diesen Prozess.

Wird die Produktion von elektrischer Energie während der Spülung gestoppt?

Ja. Während der Spülung produzieren wir nicht.

Was würde passieren, wenn die Spülung nicht gemacht wird?

Das Ausgleichsbecken würde mit der Zeit weitgehend verlanden. Die Feinsedimente würden mit in den Stollen geschleppt werden. Die Räder der Pelton-Turbine würden überdurchschnittlich abgenutzt werden und es käme zu Betriebsstörungen.

Das Ausleichsbecken Mattsand zwischen St. Niklaus und Randa, im deutschsprachigen Teil des Kantons Wallis in der Schweiz, gehört zum Kraftwerk Ackersand 2. Das Wasser der Matter Vispa, einem rund 30 Kilometer kleinem Flüsschen, das sich bei Stalden mit der Saaser Vispa zur Vispa vereint, wird in Mattsand gestaut und im Kraftwerk Ackersand 2 in Stalden turbiniert.
Speicherkraftwerke im Wallis

Speicherkraftwerke gibt es vor allem in den Alpen, so auch im Wallis. Hier stimmen die topographischen Gegebenheiten. Ein hohes Gefälle und reichhaltige Niederschläge beziehungsweise Schnee-/ Gletscherschmelze sorgen für ausreichend Wasser. Speicherkraftwerke nutzen das Wasser aus einem hoch gelegenen See oder einer künstlichen Talsperre. Bis Energie benötigt wird, wird das Wasser gespeichert. Bei Energiebedarf wird das Wasser abgelassen und fließt über Rohre in das tiefer gelegene Maschinenhaus zu den Turbinen, die die Generatoren antreiben. Der Vorteil von Speicherkraftwerken ist, dass sie kurzfristig in Betrieb genommen werden können und so den Bedarf an Spitzenlast im Stromnetz abdecken. Die EnAlpin AG, eine Tochterfirma der Energiedienst Holding AG, mit Sitz in Visp, hat Anteile an fünf Speicherkraftwerken.

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