Über eine Woche ist es jetzt her, dass Sturmtief Niklas über Deutschland wütete. Auch hier im Südschwarzwald wirbelte der Orkan kräftig umher und knickte einige Bäume ab. Fällt eine Tanne ungünstig in die Freileitung, kommt es zu einem Kurzschluss, der einen Stromausfall auslöst.

Die Kollegen von der Netzleitstelle aus Rheinfelden und die Monteure waren im Dauereinsatz, um die Schäden, die Niklas an den Freileitungen verursachte, zu orten und so schnell wie möglich zu beheben. Was genau passiert in einer Netzleitstelle und wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen der Leitstelle und den Monteuren?

Um mir ein konkretes Bild von der Leitstelle machen zu können und Antworten auf meine Fragen zu bekommen, verabredete ich mich kurzer Hand mit Peter Detterbeck, Leiter der Netzleitstelle der ED Netze in Rheinfelden.

Peter Detterbeck treffe ich im ersten Stock des ED Netze Gebäudes in der Schildgasse 20 in Rheinfelden. Durch eine dicke Glastür blicke ich in das Herz der regionalen Stromversorgung: die Netzleitstelle.

Bevor wir eintreten, muss Detterbeck erst noch die große Türe aufschließen. Da staune ich nicht schlecht. Am Arbeitsplatz eingesperrt zu sein, ist für mich eine seltsame Vorstellung. Gleichzeitig zeigt dies auch, wie wichtig dieser Ort ist und dass nur ein kleiner Kreis Zugang zur zentralen Stromversorgung hat.

Die Netzleitstelle sieht auf den ersten Blick wie ein normales Büro aus, einzig die überdimensionalen Bildschirme, die bunten Linien und Punkte zeigen und das ertönende Signalgeräusch trügen das Bild.

Für einen Moment komme ich mir vor, als wäre ich in einer Luftraumüberwachungszentrale.

Peter-Detterbeck_Netzleitstelle

Vom Leiter der Netzleitstelle Peter Detterbeck persönlich bekomme ich die Zeichen auf dem Monitor erklärt, die das Netz abbilden.

Die Striche und Punkte verwirren mich, aber zum Glück gibt es auch einige Buchstaben, die sich zu mir bekannten Ortsnamen zusammensetzen lassen.

„Ah! Eine Landkarte!“, denke ich und höre weiter aufmerksam zu. Als Detterbeck aber meine Heimatgemeinde Bad Bellingen auf dem Bildschirm aufruft, wird meine Vorstellung einer Landkarte zerstört. Denn die vergrößerte Auflösung zeigt einige Straßennamen und Ortsmerkale wie „Rathaus“ und „Schlosspark“. Mein Orientierungssinn rebelliert, weil die Karte nicht mit der geografischen Wirklichkeit übereinstimmt.

„Das muss aber so sein, um den Überblick über das komplexe Netzsystem behalten zu können und eine Überwachung überhaupt möglich zu machen“, klärt mich Detterbeck auf. Erst jetzt erkenne ich, dass die Linien auf dem Bildschirm gerade verlaufen und das tun die Freileitungen und Kabel im Erdreich ja schließlich auch nicht. Das abgebildete Netz ist also eine rein schematische Darstellung und bildet nicht den tatsächlichen Netzverlauf ab.

Netzkarte

So sieht das Stromnetz am Bildschirm aus.

Nachdem das geklärt ist, kommt Peter Detterbeck auf die Farben zu sprechen. Rot bedeutet: Achtung, hier fließt Strom, Grün das Gegenteil: diese Leitung steht nicht unter Spannung.

Noch eine weitere Farbe ist reserviert: Lila. Die kleinen lila Dreiecke zeigen an, dass die Leitung geerdet ist und somit kein Strom fließt.

Alle anderen Farben dienen zur Übersichtlichkeit und Abgrenzung der Ortschaften und Netzgebiete. Ein bisschen erinnert mich das Gezeigte an abstrakte Kunst und versprüht einen Hauch von Ästhetik in der sonst eher schlicht gehaltenen Netzleitstelle.

Anhand einer Deutschlandkarte zeigt mir Detterbeck, die vier großen Netzbetreiber der Bundesrepublik: Tennet, 50hertz, Amprion, und Transnet BW.

Das Versorgungsgebiet von Energiedienst gehört zur Transnet BW. Das Unternehmen mit Sitz in Stuttgart betreut das Übertragungsnetz mit 380 und 220 Kilovolt. In Baden-Württemberg ist Energiedienst ein sogenannter Verteilnetzbetreiber und für den Südschwarzwald zuständig.

ED Netze ist, wie der Name schon sagt, nur für das Netzsystem zuständig und nicht für die Stromerzeugung. Der Netzbetreiber kümmert sich hauptsächlich um das Verteilnetz, der 110, 20, 10 Kilovolt und 400 Volt Spannungsebene. Die Senkung der Spannung im Netz erfolgt an den Umspannwerken und Trafostationen.

Von Hochspannung wird der Strom auf Niederspannung gedrosselt, bevor er über die Ortsnetz-Trafostationen ins Ortsnetz eingespeist wird und in die einzelnen Haushalte fließt.

Damit bei der Regulierung der Spannungsebenen keine Fehler auftreten und im Netzgebiet immer überall Strom fließt, untersteht das Netz einer ständigen Überwachung.

Die Netzleitstelle ist durchgehend besetzt, an sieben Tagen in der Woche und 24 Stunden am Tag.

Das bedeutet Schichtdienst und Rufbereitschaft auch für die Monteure, die bei Störungen von der Netzleitstelle aus kontaktiert und zum Einsatzort geschickt werden. „Oft passieren die Störfälle nicht während der regulären Arbeitszeit, sondern nachts oder ganz früh morgens und selten bei schönem Wetter“, erklärt mir Detterbeck.

Baum_in_Leitung

Fällt ein Baum auf die Freileitung kommt es zu einem Kurzschluss und der Stromfluss ist unterbrochen.

Sturmtief Niklas löste vor einer Woche gleich mehrere Stromausfälle aus.

Fließt kein Strom mehr durch eine Leitung, ertönt in der Netzleitstelle ein Störsignal und auf der Netzkarte am Bildschirm leuchten verschiedene farbige Symbole auf. Zwar können die Kollegen in der Netzleitstelle grobflächig feststellen, in welchem Gebiet kein Strom mehr verfügbar ist, die Störungsquelle muss jedoch vor Ort gefunden und repariert werden.

„Wenn so etwas Mitten im Wald passiert, bleibt den Monteuren nichts anderes übrig, als die gesamte Freileitung abzulaufen bis sie den Baum in der Leitung finden“, berichtet Detterbeck. Bei dem Gedanken, morgens um 3 Uhr geweckt zu werden und im dunklen Winterwald nach kaputten Leitungen zu suchen, fröstelt es mich ein wenig.

Dass ein solcher Einsatz Zeit kostet, ist vielen Kunden Zuhause nicht bewusst.

Treten größere Störungen auf, informiert die Netzleitstelle die Pressestelle von Energiedienst. Über Pressemitteilungen und soziale Netzwerke kommuniziert der regionale Energieversorger den Kunden und Medien den Stromausfall. Fragen von Journalisten werden beantwortet und über den aktuellen Stand der Behebung der Schäden regelmäßig berichtet.

 

Bei besonderen Ereignissen, wie die durch Niklas verursachten Störungen, gibt der Geschäftsführer von ED Netze Robert Spitz auch Interviews für den SWR.

 

Doch Störungen durch Unwetter sind Ausnahmesituationen. Die meiste Zeit sind die Männer in der Netzleitstelle mit Schalthandlungen für Instandhaltungsarbeiten am Netz beschäftigt.

Das europäische Stromnetz ist immerhin das größte zusammenhängende unter Spannung stehende Bauwerk. Damit das auch so bleibt, müssen auch die kleinsten Leitungen, die quer durch den Schwarzwald verlaufen, immer gut in Schuss bleiben und genau dafür sorgen die Kollegen in der Netzleitstelle und die Kollegen draußen im Netz.

Sorgfältige Arbeitsweise und eine gute Absprache sind unentbehrlich bei der Kommunikation zwischen Leitstelle und den Monteuren an den Freileitungen und Erdkabeln. Jeder Einsatz muss haargenau dokumentiert und abgestimmt sein. Aber nicht nur die Netzleitstelle schaltet den Strom „AUS“ und „EIN“, das macht auch der Monteur vor Ort.

Trotzdem muss die Netzleitstelle über die Vorgänge draußen am Netz ständig informiert werden, um bei anfallenden Arbeiten das betroffene Gebiet über Umschaltungen weiterhin mit Strom zu versorgen.

„Oberste Priorität ist immer, dass die Netzleitstelle das gesamte Netz überblickt und die Schaltmaßnahmen stets aktualisiert, sonst würde Chaos ausbrechen“, fasst Detterbeck die Aufgabe der Netzleitstelle kurz und bündig zusammen.

Ist das defekte Kabel gefunden und gewechselt, ruft der Monteur sofort in der Netzleitstelle an und gibt grünes Licht. Für Detterbeck und sein Team bedeutet das, die Leitung auf der Karte auf Rot schalten. Jetzt fließt der Strom wieder!

Kabelschaden

Bei der Ortung von defekten Kabeln im Erdreich helfen besondere Geräte, dadurch wird viel Zeit bei der Suche nach der durchgebrannten Stelle gespart.

Ohne Computertechnik wäre die Überwachung des Netzgebietes unmöglich. Das System speichert alle Vorgänge, die an der digitalen Netzkarte vorgenommen werden mit Namen des Ausführenden.

So können auch im Nachhinein alle Schritte rekonstruiert werden, falls dies notwendig werden sollte. Das passiert aber so gut wie nie. Denn alle sind hoch konzentriert und sich ihrer verantwortungsvollen und spannungsgeladenen Arbeit bewusst, das habe ich bei meinem kurzen Besuch auf der Netzleitstelle selbst erleben können.

 

Störungsnummer der ED Netze GmbH: 07623/92-1818 (rund um die Uhr)

Mehr Infos unter: www.ednetze.de

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