Die Welt im Griff von Corona, und der Planet Erde atmet durch. Was bedeutet die Pandemie fürs Klima? Und ist nach der Corona-Krise vor der Umwelt-Krise?

Der Corona-Virus reist um die Welt. Die Menschen müssen zu Hause bleiben. Flüge stornieren. Hochzeiten absagen. Auf Geburtstagsfeste, Kino, Festivals und Restaurantbesuche verzichten. Mit Abstand, Händewaschen und Mundschutz kämpft die Welt gegen einen gefährlichen Virus. Draußen atmet inzwischen der Planet auf. Weil Flugzeuge am Boden bleiben, weil Autos nicht fahren, weil Fabriken stillstehen.

 

Luftverschmutzung sinkt in Corona-Zeiten

Die gute Nachricht: Deutschland wird aller Voraussicht nach das Klimaschutzziel 2020 erreichen. Dafür gibt es laut Denkfabrik Agora Energiewende zwei Gründe: Die Corona-Krise und der milde Winter. „Wir gehen aktuell davon aus, dass der Rückgang der Emissionen bei 40 bis 45 Prozent liegen könnte“, sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Auch weltweit geht die Luftverschmutzung zurück. Satellitenbilder aus China der US-Raumfahrtbehörde NASA hatten Anfang März für Aufsehen gesorgt. Sie enthüllten, dass die Stickoxid-Werte durch die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie auf ein Rekordniedrigwert gesunken sind. Die Europäische Weltraumorganisation ESA meldete wenig später ebenfalls einen Rückgang der Luftverschmutzung, insbesondere über Norditalien. Das Gebiet ist besonders schwer von der Corona-Krise betroffen. In den spanischen Metropol-Städten gebe es seit Corona ebenfalls weniger „dicke Luft“, vermeldet die Europäische Umweltagentur.

Die Industrie fährt während der Corona-Pandemie zurück.

Qualmende Schornsteine könnten nach der Corona-Krise das Bild wieder bestimmen. Möglicherweise sogar überproportional, befürchtet Dr. Patrick Graichen. Bild: Elmar Gubisch/AdobeStock

 

Die schlechte Nachricht: Der Rückgang der Emissionen sei nicht automatisch eine gute Nachricht für den Klimaschutz, betont Dr. Patrick Graichen. Die Emissionen würden nach der Krise wieder ansteigen. Möglicherweise sogar überproportional. Zudem befürchtet er nach überstandener Pandemie, dass klimaschutzrelevante Investitionen zögerlicher angegangen würden. Andere Klima-Experten fürchten ebenfalls den Corona-Effekt. Die Virus-Krise könnte dafür sorgen, dass die Klima-Krise erst einmal in den Hintergrund rücke.
Satellitenbilder seien kein Ersatz für Schadstoffmessungen, sondern lediglich ein Indiz für einen Rückgang der Emissionen. Darauf weist Ute Dauert, Fachgebietsleiterin vom Umweltbundesamt, hin. Die Daten müssten in ihrer Gesamtheit betrachtet werden. Eine Bilanz könne erst am Jahresende gezogen werden, so Dautert.

 

Schützen Corona-Maßnahmen das Klima?

Die gute Nachricht: „Die Corona-Krise zeigt, dass die Gesellschaft in der Lage ist, schnell, konsequent und solidarisch zu handeln und dadurch Erfolge erzielen kann“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick. Er ist Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie gGmbH. „Auch der Klimaschutz erfordert eine kollektive Leistung und strukturelle Veränderungen, die wir nun mutig angehen sollten“.
Die schlechte Nachricht: Eine drohende Rezession könnte Maßnahmen zum Klimaschutz ausbremsen: „Die Gefahr besteht durchaus, vor allem wenn ein mögliches Konjunkturprogramm nicht gezielt dazu genutzt wird, in den Klimaschutz, die Digitalisierung und die Schaffung krisenfester Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen zu investieren“, sieht Prof. Fischedick Gefahren. Die Rufe nach einem Stopp oder Verschieben von Klimaschutzmaßnahmen seien „ausgesprochen kurzfristig gedacht“. Er vermutet: „Intensität und Dauer eines nachhaltigen Klimawandels sowie dessen Auswirkungen dürften viel höher sein als diejenigen der Corona-Krise.“

Fridays for Future-Aktivisten treffen sich in orona-Zeiten im Internet.

Von der Straße ins Internet: Die Friday for Future-Aktivisten treffen sich freitags zu Webinaren auf ihrem neuen youTube-Kanal. Bild: AndriiKoval/AdobeStock

 

Bedroht Corona Fridays for Future-Bewegung?

Die gute Nachricht: Die Demonstrationen der Friday for Future-Aktivisten gehen weiter – allerdings nicht mehr auf Deutschlands Straßen, sondern im Internet. Seit dem 27. März 2020 hat die Bewegung ihren eigenen YouTube-Kanal . Statt Massenprotest stehen in Zeiten der Corona-Pandemie freitags Webinare auf dem Programm: Unter dem Hashtag #TalksforFuture kommen Aktivisten, Wissenschaftler und Journalisten in den Videos zu Wort. Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick sieht in der derzeitigen Krise eine Chance für die Bewegung: Sie könne aus dem jetzigen kollektiven Handeln Mut schöpfen, den Klimawandel durch gemeinsame globale Anstrengungen in den Griff zu bekommen.

Die schlechte Nachricht: Am 24. April sollte ursprünglich der nächste globale Klimastreik stattfinden. Perfekt, um neue Bilder für die Bewegung zu kreieren. Aber genau wie die Straßenproteste liegt der Klimastreik erst einmal auf Eis. Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann sieht in der aktuellen Corona-Pandemie eine erste richtige Bewährungsprobe für die junge Bewegung. Die Hauptaufgabe für die Aktivisten bestehe darin, eine Verbindung zwischen der derzeitigen Gesundheitskrise und der Klimakrise herzustellen, so Hurrelmann gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Sollte dies der Bewegung nicht gelingen, befürchtet Hurrelmann gar ein Abdriften in die Bedeutungslosigkeit.

Wildtiere streifen durch die Straßen: Corona

Fuchs, Wildschwein und Reh erobern die Städte zurück: Während die Menschen wegen Corona im Haus bleiben, spazieren die Wildtiere durch die leeren Straßen. Bild: Zoltan/AdobeStock

Wildtiere spazieren durch Städte

Die gute Nachricht: Während sich die Welt in einem Ausnahmezustand befindet, erobert sich die Natur Lebensraum zurück – zumindest teilweise. Während sich die Menschen zunehmend in ihre Wohnungen und Häuser zurückziehen mussten, gab es vermehrt Sichtungen von Wildtieren in den Städten, darunter Rehe, Füchse oder Wildschweine. In den Kanälen von Venedig ist das Wasser aufgrund des gestoppten Schiffsverkehrs so klar, dass man bis auf den Grund sehen kann. Als Falschmeldung stellte sich die Nachricht heraus, dass Delfine gesichtet worden seien.

Überträger des Corona-Virus: die Fledermaus

Die Hufeisennasenfledermaus steht in Verdacht, das neue Coronavirus2019-nCoV über einen Zwischenwirt auf Menschen übertragen zu haben. Bild: LitterArt/AdobeStock

 

Die schlechte Nachricht: Ein Wildtier-Markt im chinesischen Wuhan könnte die entscheidende Rolle für den Ausbruch der Corona-Krise gewesen sein. Experten fordern ein weltweites Verbot der als Infektionsherde gehandelten Märkte. China setzte es jetzt durch. Andere Länder in Asien und Afrika müssen noch nachziehen.
Führende Wissenschaftler sind sicher, dass die Corona-Pandemie ein „deutlicher Warnschuss“ sei. Im Tierreich gebe es weit tödlichere Krankheiten – beispielsweise Ebola oder den Nipah-Virus, der eine tödlich verlaufende Gehirnentzündung auslöst.

Musik erleichtert Quarantäte während Corona

Musik vom Balkon: Menschen singen, applaudieren und musizieren in Corona-Zeiten gemeinsam oder für andere in ihrem Viertel. Vielleicht ein Weg für die Zeit nach der Pandemie? Bild: eshana_blue/AdobeStock

 

Die (Um-)Welt nach Corona

Die schlechte Nachricht: Zukunftsforscher Matthias Horx hat sich auf seinen Webseiten www.horx.com und www.zukunftsinstitut.de an eine viel beachtete Rückwärtsprognose gewagt. „Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.“
Die gute Nachricht: Horx hat die Hoffnung, dass die Menschheit sich neu erfinden kann. Seine Empfehlung: „System reset. Cool down! Musik auf den Balkonen!“ So gehe Zukunft. Klingt doch erst einmal ganz positiv…

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