Crowdfunding ermöglicht es jedem von uns, die Energiewende zu unterstützen. Viele Menschen, die Crowd (Englisch für „Menschenmenge“), tragen mit Finanzierung (Englisch: „Funding“) zum Gelingen von Projekten bei. Doch wie läuft Crowdfunding ab? Welche Investitionsmöglichkeiten gibt es?

Mit Crowdfunding können wir hierzulande und weltweit in Projekte der Energiewende investieren. Dann sind wir am Ertrag innovativer Erneuerbare-Energien-Anlagen beteiligt. Wir werden – wenn es gut läuft – mit attraktiven Renditen belohnt.

Crowdfunding und Crowdinvesting – die Unterschiede

Crowdfunding und Crowdinvesting unterscheiden sich in einigen Aspekten ganz entscheidend.

Crowdfunding:

…ist ein Finanzierungsmodell, bei dem die Unterstützer eines Projekts als Gegenleistung nicht etwa Anteile oder Renditen, sondern nur einmalige Belohnungen (Rewards) erhalten. Das kann ein im Rahmen des Projekts entstehendes Produkt sein. Man erhält es als Crowdfunding-Unterstützer meist vor der breiten Markteinführung und zudem unter dem künftigen Verkaufspreis – wenn es denn klappt. Oft handelt es sich aber auch um symbolische Gegenleistungen wie eine Postkarte, ein Plakat oder ein Treffen mit den Projektinitiatoren. Der Fantasie der Projekt-Initiatoren sind hier keine Grenzen gesetzt.

Diese Form des Crowdfundings gibt es zum Beispiel für Filme über Energiewende und Klimaschutz oder für Produkte oder Gadgets, etwa Solarladegeräte. Bekannte Plattformen, auf denen sich derartige Crowdfunding-Projekte präsentieren, sind Kickstarter und Indiegogo.

Doch Vorsicht: Diese Crowdfunding-Plattformen sehen ein wenig aus wie Online-Shops und sind verführerisch. Denn die „Belohnungen“ werden auf diesen Plattformen oft so dargestellt, als könne man sie einfach „bestellen“. Dabei handelt es sich meist um ein hochriskantes Investment in ein Produkt, das erst nach dem Crowdfunding erstellt wird.

Es kann also lange dauern, bis das Produkt fertig wird. Im ungünstigsten Fall, und dieser tritt auch regelmäßig ein, geht etwas schief, und man bekommt die versprochene Belohnung nicht. Dann geht man tatsächlich komplett leer aus. Kaum zu glauben, aber viele Crowdfunding-Unterstützer gehen dieses Risiko ganz bewusst ein!

Crowdinvesting:

Häufiger verbreitet im Energiesektor ist das sogenannte Crowdinvesting. Dort können Geldgeber beispielsweise in Solar- oder Windenergie-Kraftwerke investieren. Im Gegenzug erhalten die Investoren eine Rendite. Diese Verzinsung ist klar festgelegt und hat manchmal zusätzlich noch einen ertragsabhängigen Anteil.

Die Rückzahlung erfolgt aus dem Ertrag der Kraftwerke, zum Beispiel aus der Einspeisevergütung oder den Zahlungen der Abnehmer. Häufig sind die Anlagen schon ein paar Jahre in Betrieb, so dass die Funktionsfähigkeit bewiesen ist und der Ertrag auch gut abgeschätzt werden kann. Es dauert bei solchen Verträgen in der Regel zwischen fünf und acht Jahren, bis das eingezahlte Kapital plus Rendite an die Investoren zurückgeflossen ist.

Anders als in Energiegenossenschaften sind die Investoren aus der Crowd alleine und auf die Informationen des Projektinhabers angewiesen. Zudem gibt es in der Regel kein Mitspracherecht bei Entscheidungen, die die jeweilige Anlage betreffen.

Meist sind die Investoren mit einem Nachrangdarlehen an den Projekten beteiligt. Dies bedeutet, dass im Falle einer Insolvenz des Projektinhabers die Forderungen der Investoren erst nach den der anderen Gläubigern bedient werden.

Man muss also auch beim Crowdinvesting durchaus damit rechnen, leer auszugehen und sein Geld nicht wieder zu sehen. Dafür ist die mögliche Rendite mit ca. vier bis acht Prozent auch relativ hoch. Bei der Bank liegt das Geld zwar sicherer, dafür sind die Zinsen sehr niedrig. Den Effekt kennt man auch von anderen Anlagen: Je höher die Rendite, desto größer ist unter Umständen das Risiko.

Crowdinvesting für Energieprojekte in Deutschland

Häufig finanziert werden durch Crowdinvesting Energieprojekte in den Bereichen Photovoltaik, Wind- und Bioenergie. Auch Startups im Energiebereich setzen auf Crowdinvesting.

Allerdings tragen die Energieprojekte im Vergleich zu den anderen Bereichen mit 4,8 Millionen Euro in 2016 nur einen kleinen Teil (7,6%) zu den 63,8 Millionen bei, die deutschlandweit in Crowdinvesting-Projekte investiert werden (Quelle: crowdfunding.de).

Im Vergleich zu 2015 bedeuten diese Werte einen Rückgang um 17,4 Prozent, wobei bei mehreren Projekten zum Jahresende 2016 die Finanzierung noch nicht abgeschlossen war. Die Anleger verhalten sich also vorsichtig.

Projekte in Entwicklungsländern mit Crowdinvesting unterstützen

Solaranlage in Chile

Solaranlage in Chile

Im Bereich des Crowdfunding für Energieprojekte gibt es immer mehr Projekte in Entwicklungsländern. Diese fördern die Elektrifizierung im ländlichen Raum. In manchen Regionen ist Strom aus dem Netz teurer als Solarstrom vom Dach. Nur das Fehlen der Finanzierung steht dem Umstieg im Weg.

Durch Crowdinvesting wird dieses Problem gelöst. Die Anlagen müssen nicht auf Spendenbasis installiert werden. Es gibt bereits verschiedene Modelle für Solarenergie in Entwicklungsländern. Sie erzielen wirtschaftliche Erlöse, und Investoren können daran teilhaben. Doch die Risiken sind sorgfältig abzuwägen: Sie können sich deutlich von Projekten in Deutschland unterscheiden.

Bekannte Plattformen für diese Projekte sind ecoligo und bettervest.

Auf das Risiko beim Crowdinvesting achten

Fakt ist: Crowdinvesting bietet nicht nur attraktive Renditen für Investoren, es birgt auch erhebliche Risiken. Die Anlagen können ausfallen, der Projektnehmer kann zahlungsunfähig werden. Empfehlenswert ist es daher, das zur Verfügung stehende Budget auf mehrere Projekte aufzuteilen. Denn Teilverluste können eher verschmerzt werden.

Crowdfunding von Energieprojekten noch in den Kinderschuhen

Crowdfunding von Energieprojekten ist eine Form der Finanzierung von Anlagen, die sich in Deutschland immer mehr etabliert. Doch die Anzahl der Projekte ist noch sehr gering. Einen großen Beitrag zur Energiewende leistet diese Form der Finanzierung aktuell nicht.

Alternative: Ins eigene Zuhause investieren

Einige Möglichkeiten zur Investition in die Energiewende liegen sehr nahe – ganz ohne „Crowd“:

  • Man kann das eigene Haus mit einer Photovoltaik-Anlage ausstatten (hierzu passend bietet Energiedienst die NaturEnergie PV Flat).
  • Für die eigenen vier Wände kommen auch die Eigenstromoptimierung, ein Batteriespeicher und eine klimafreundlichen Heizung mit Wärmepumpe als sinnvolle Investitionen in Frage.
  • Oder man beteiligt sich aktiv und finanziell an einer regionalen Energiegenossenschaft mit Mieterstrom.
  • Die Genossenschaft e-can suisse wurde gegründet, um ein Modell zu entwickeln, das es den Produzenten von Wasserkraftstrom erlaubt, diesen nicht wie bisher über Stromverteiler oder -händler zu vermarkten, sondern direkt den Endkunden anzubieten. Die Endkunden können so wählen, in welchen Kraftwerken ihr Strom produziert wird.

Weiterführende Links zu Crowdfunding und Crowdinvesting im Energiesektor:

Andreas Kühl betreibt seit 2000 die Website http://www.energynet.de, seit dem Herbst 2006 als Blog. Der Diplom-Ingenieur (FH) für Bauphysik hat zuvor eine Ausbildung zum Elektromechaniker absolviert.

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