Nach gut sieben Jahren bekommt das meistverkaufte Elektroauto der Welt einen Nachfolger. In einem kurzen Fahrtest muss der neue Nissan Leaf zeigen, ob er ein würdiger Erbe ist.

Seit Dezember 2010 verkauft Nissan den vollelektrischen Leaf. Fast 300.000 Stück wurden seitdem gebaut. Damit ist der Leaf das meistverkaufte Elektroauto der Welt. Nach zwei Modellpflegen 2013 und 2015 tritt jetzt der Nissan Leaf ZE1 das Erbe an.

Gefälligeres Design beim neuen Nissan LeafAn der ersten Generation des Nissan Leaf scheiden sich die Geister. Das eigenwillige Design mit den großen glubschigen Scheinwerfern und der langgezogenen Front wird entweder geliebt oder gehasst. Auch der Innenraum und Fahrkomfort überzeugte nicht jeden. Für manche war das Fahrwerk zu schwammig und das ganze Fahrzeug wirkte wie ein fahrender Rentnersessel. Andere wiederum hoben gerade diesen Komfort und die gute Geräuschisolierung des Leaf hervor.

Pionier und lange konkurrenzlos

Die ersten Jahre hatte der Leaf nahezu keine Konkurrenz und war das einzige Elektroauto seiner Klasse. Erst mit dem günstigeren Renault ZOE, der 2013 auf den Markt kam, bekam er in Europa wirkliche Konkurrenz. In den USA und Japan konnte der Nissan sein Alleinstellungsmerkmal noch etwas länger verteidigen. Erst nach und nach gab es mit dem BMW i3, dem Volkswagen eGolf und letztlich dem Hyundai ioniq weitere Konkurrenz. So gingen in den letzten Jahren auch die Verkaufszahlen in den meisten Märkten zurück. Der Nissan Leaf war in die Jahre gekommen. Zeit also für einen Neuen, der mit der gewachsenen Konkurrenz wieder mithalten kann.

Gefragt: Die Lieferzeiten beim Leaf sind auf bis zu neun Monate gewachsenGerade weil der Erste so ein großer Erfolg war, sind die Erwartungen an die neue Generation riesig. Im September 2017 präsentierte Nissan den Leaf ZE1 das erste Mal offiziell der Öffentlichkeit. Seit Oktober 2017 ist er bestellbar und die ersten wurden im Januar 2018 ausgeliefert. In Deutschland hat die Auslieferung im März begonnen. Die Nachfrage nach dem Leaf ist in allen Märkten so groß, dass die Lieferzeit inzwischen auf bis zu neun Monate gewachsen ist.

Gefälligeres Design

Schriftzug "Zero Emission" beim Nissan LeafIch hatte Gelegenheit auf Einladung von Nissan den neuen Leaf auf einer ersten Spritztour durch Taunus und Rheingau zu erleben. Von außen fällt auf den ersten Blick das deutlich gefälligere Design auf.

An den alten Leaf erinnern von außen nur noch die „ZeroEmission“-Schriftzüge. Er ist zwar nur ein bis zwei Zentimeter flacher geworden, durch die besser geschwungene Karosserieform wirkt er aber insgesamt weniger klobig. Geblieben ist die hohe Ladekante am Kofferraum.

Im Innenraum dagegen finden sich noch viele Reminiszenzen an den ehrenvollen Vorgänger. Die Schalter für die elektrischen Fensterheber, Sitzheizung und die Klimaanlage sind eins zu eins aus dem Vorgänger übernommen worden. Auf dem 7 Zoll Multimediasystem läuft optisch das gleiche Betriebssystem wie in der letzten Version des alten Leafs. Neu hinzugekommen sind Apple Car Play und Android Auto.

Die Menüführung des Multimediadisplays ist alles andere als intuitiv und wirkt auf den ersten Blick unübersichtlich. Um wirklich durch alle Funktionen durchzusteigen, muss man sich intensiv mit dem System beschäftigen. In der Kürze der Zeit war es jedenfalls nicht möglich, alle Funktionen ausgiebig zu testen. Vieles lässt sich auch direkt vom Lenkrad aus bedienen. Die 20 Knöpfe auf dem Lenkrad bedürfen aber ebenfalls eines eingehenderen Studiums der Bedienungsanleitung. Die Haptik der Lenkradbedienung hat sich aber gegenüber dem Vorgänger deutlich verbessert.

Multifunktionsdisplay im Armaturenbrett

Multifunktionsdisplay im Nissan LeafAuffällig im Armaturenbrett ist der analoge Tacho neben dem Multifunktions-TFT-Display. Das Display ist eine deutliche Aufwertung im Vergleich zum Vorgänger. Jetzt in Farbe und mit einer deutlich höheren Auflösung lassen sich alle wichtigen Informationen vom Energieverbrauch über den Status der Assistenzsysteme bis zu Navigationsanweisungen anzeigen. Umschalten lässt sich die Anzeige über die Tasten am Lenkrad. Hier braucht es aber auch einige Übung bis man sicher durch die verschiedenen Anzeigen navigieren kann.

Fahrsituation mit mehr Dynamik im neuen Nissan LeafNach Druck auf den Startknopf und Einlegen der Fahrstufe am Fahrstufenwahlhebel in der Mittelkonsole – beides übrigens ebenfalls identisch mit dem Vorgänger – ist der Leaf fahrbereit. Nach dem ersten Tritt auf das Fahrpedal merkt man neben dem neuen Design den zweiten großen Unterschied zum Vorgänger: Der Elektromotor ist deutlich stärker geworden. Die Leistung ist um knapp 40 Prozent auf jetzt 110 Kilowatt gestiegen. Das Drehmoment ist mit 320 Newtonmeter gut ein Viertel höher als noch beim Vorgänger. Das reicht, um in 7,9 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer zu sprinten. Auch jenseits der 100 Stundenkilometer packt das Drehmoment kräftig zu, so dass Überholmanöver auf der Autobahn oder der Landstraße zügig von statten gehen. Bei 144 Stundenkilometern ist allerdings Schluss. Hier regelt der Motor elektronisch ab.

Rentnerschaukel wird zum Kurvenfresser

Nissan Leaf 2018, seitlich / RückseiteDie Teststrecke ging nach wenigen Autobahnkilometern in Serpentinen den Taunus hoch und runter. Genug Gelegenheit, die Fahreigenschaften des neuen Nissan Leaf zu erproben. Dabei überzeugt der erste Eindruck. Aus der einstigen Rentnerschaukel ist ein gut abgestimmter Kompromiss zwischen Komfort und Straffheit geworden. Die Serpentinen meistert er jedenfalls problemlos. Der im Unterboden verbaute Akku sorgt auch hier für einen niedrigen Schwerpunkt und macht den Leaf zum Kurvenfresser. Die Lenkwege sind kürzer als beim Vorgänger. Manchmal wünschte man sich aber mehr Feedback von den Rädern.

Im Innenraum des Leaf ist es noch leiser geworden. Zusätzliche Dämmungen sorgen dafür, dass Roll- und Windgeräusche noch weniger in die Fahrgastzelle eindringen. Inverter und Elektromotor sind ebenfalls kaum noch im Innenraum zu hören.

Der neue Nissan Leaf wartet mit neuen Funktionen auf. ProPilot ermöglicht teilautonomes Fahren auf der Autobahn und im Stop-and-go-Verkehr und ist eine Kombination aus adaptiven Tempomat und Spurhalteassistent. Der Leaf hat einen Notbremsassistenten. Dieser verhindert nicht nur Auffahrunfälle, sondern kann auch querende Fußgänger und vorausfahrende Radfahrer erkennen. Wer selbst einparken möchte, hat nicht nur eine Rückfahrkamera, sondern auch den schon aus dem ersten Leaf bekannten „Birdview“, der eine Rundumsicht des Autos zeigt. Wer lieber den Computer einparken lassen will, kann sich ProPilot Park dazu bestellen.

Fahren mit einem Pedal

Ein besonderer Clou ist das sogenannte E-Pedal. Damit lässt sich der neue Nissan Leaf in 90 Prozent aller Fahrsituationen nur mit dem Fahrpedal fahren. Eine deutlich stärkere Rekuperation von bis zu 70 Kilowatt und ein perfektes Zusammenspiel mit der Bremsanlage verzögert den neuen Leaf bis zum Stillstand und hält das Fahrzeug fest – egal ob man auf der Ebene steht, bergauf oder bergab. Das E-Pedal lässt sich intuitiv bedienen und man gewöhnt sich schnell an den Komfort, den diese bisher einmalige Funktion bietet.

Lade-Anschlüsse Nissan LeafBeim Aufladen der 40 Kilowattstunden-Batterie setzt Nissan weiter auf einen einphasigen Wechselstromlader mit maximal 6,6 Kilowatt. Hier dauert eine Vollladung etwa 6,5 Stunden. Für die Schnellladung steht ein 50 Kilowatt CHAdeMO-Ladeanschluss bereit. In mindestens 40 Minuten ist damit der Akku wieder zu 80 Prozent gefüllt. Nach dem neuen WLTP-Zyklus gibt Nissan eine kombinierte Reichweite von 270 bis 285 Kilometer an. Im Alltag dürfte die Reichweite etwa bei 200 bis 250 Kilometer liegen.

Für Wärme und Kälte sorgt ab der Acenta-Version eine Wärmepumpe. Ein aktives Thermomanagement für die Fahrbatterie fehlt jedoch leider.

Nissan bietet den Leaf in vier Ausstattungsvarianten an. Die Einstiegsversion Visia kostet mit Batterie 31.500 Euro und kommt in spartanischer Ausstattung ohne Wärmepumpe und Schnellladung daher und dürfte für die meisten Privatkunden unbrauchbar sein. Die Top-Ausstattungsvariante Tekna kostet 39.850 Euro. Mit dem neuen Leaf bietet Nissan keine optionale Batteriemiete mehr an.

Weiterführende Links:

EURO NCAP Crashtest Nissan Leaf ZE1: //www.youtube.com/watch?v=CVeSCjgACiA
Nissan: Nissan Leaf //www.nissan.de/fahrzeuge/neuwagen/leaf.html

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