Messtechnik früher und heute: Einfacher, elektromechanischer Zähler (links) und moderner, vollelektronischer Zähler (rechts).

Digitale Stromzähler erobern unsere Kellerräume

Mal ehrlich, wann haben Sie sich zuletzt mit ihrem Stromzähler beschäftigt? Vielleicht beim Frühjahrsputz, als sie den Kasten mit der sich drehenden Scheibe abgestaubt haben?

Klar, den Stromverbrauch hat man im Blick, hier geht´s ums Geld. Aber den Zähler? Einmal pro Jahr den aktuellen Stand ablesen, das war´s. Wer betreibt eigentlich den Zähler? Darüber habe ich noch nicht wirklich nachgedacht, dabei kann man den Messstellenbetreiber ebenso wechseln wie den Stromlieferanten. Aber wer macht das schon? Und warum?

Jahrelang unbeachtet, erfährt der gute alte Stromzähler in jüngster Zeit neue Aufmerksamkeit. Sein Problem: Er kann zu wenig.

Ein Informationsaustausch zwischen Stromerzeugern und -verbrauchern ist nicht möglich. In einem Versorgungssystem, das zunehmend auf wetterabhängig erzeugten Strom setzt, ist aber genau das notwendig. So werden nun im Zuge der Digitalisierung der Energiewende die alten Ferraris-Zähler nach und nach durch neue digitale Modelle ersetzt.

Der Geräte-Rollout hat begonnen.

„Wir werden im ED-Netzgebiet pro Jahr rund 15.000 Zähler austauschen. Beginnen werden wir mit kleinen Schritten, die großen Chargen folgen später. Der Tausch ist für uns eine enorme logistische Herausforderung“,

sagt Martin Reinacher, Teamleiter für Messtechnik und Qualitätssicherung bei der ED Netze GmbH.

„Demnächst beginnen wir die ersten vom Tausch betroffenen Kunden anzuschreiben.“

Insgesamt müssen rund 300.000 Zähler getauscht werden.

Martin Reinacher, Leiter Messtechnik und Qualitätssicherung bei der ED Netze GmbH.

Kunden mit einem Verbrauch bis 6.000 Kilowattstunden pro Jahr erhalten eine sogenannte „moderne Messeinrichtung“. Hierbei handelt es sich in der Regel um Haushaltskunden.

Die „modernen Messeinrichtungen“ machen gut 85 Prozent der neuen Zähler aus. Allerdings werden sie vorerst noch nicht an ein Kommunikationsnetz angebunden.

Was bringt also der Gerätetausch?

„Die Kunden sollen ein Gefühl für ihren Stromverbrauch bekommen“, erklärt Reinacher. „Mit den digitalen Zählern geben wir ihnen ein entsprechendes Werkzeug an die Hand.“

Tatsächlich können die neuen Zähler den momentanen Verbrauch auf dem Display anzeigen. Stromfresser lassen sich so leicht identifizieren.

Bei Kunden mit einem Verbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden pro Jahr beginnt der Einbau von „intelligenten Messsystemen“ ab 2018.

„Das werden überwiegend Gewerbetreibende und einige wenige Haushaltskunden sein“,

weiß Reinacher. Die „intelligenten Messsysteme“ werden mit einem Gateway zur Kommunikation ausgestattet.

„Mit dem Gateway können die Daten sicher und verschlüsselt übermittelt werden.“

Das Messtechnik-Team: von links nach rechts Thomas Möller, Martin Reinacher, Michael Asal.

Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie BMWi war der Startschuss für den Ausbau des intelligenten Netzes. Wesentlicher Bestandteil ist die Einführung intelligenter Messsysteme, die das Stromversorgungssystem energiewendetauglich machen sollen.

Sie sollen den Energieversorgern und Netzbetreibern notwendige Informationen zur Verfügung stellen, um dezentrale Erzeuger und flexible Lasten besser steuern zu können.

Als Verbraucher soll auch ich vom Einbau der digitalen Stromzähler profitieren. Der neue Zähler kann mir dabei helfen, Energie zu sparen. Er informiert mich nicht nur besser über meinen Verbrauch, sondern ermöglicht es mir auch, einen Stromliefervertrag abzuschließen, der möglichst gut zu meinem Verbrauchsverhalten passt.

So könnte ich über Verbrauchsverlagerungen bares Geld sparen.

Die digitalen Zähler liefern eine zeitgenaue Messung des Strombedarfs. In Kombination mit Gateways und einer entsprechenden Infrastruktur bilden die digitalen Stromzähler ein intelligentes Stromnetz: das Smart Grid.

Johannes Hugenschmidt bei der Montage einer modernen Messeinrichtung.

Doch wer baut meinen neuen Zähler eigentlich ein? Wenn sich der Kunde nicht gezielt für ein anderes Unternehmen entscheidet, ist der grundzuständige Messstellenbetreiber für den Einbau und Betrieb zuständig.

„In unserem Netzgebiet sind wir das. Das hat gleich mehrere Vorteile. Wir sind vor Ort, sie kennen uns und mit der eigenen staatlich anerkannten Prüfstelle setzen wir höchste Qualitätsstandards.“

Natürlich profitieren auch die regionalen Betriebe des Elektrohandwerks, denen die große Tauschaktion zusätzliche Aufträge durch die ED Netze GmbH beschert.

Die Datensicherheit ist derzeit ein großes Thema. Das Messstellenbetriebsgesetz gibt den Messstellenbetreibern daher Schutzprofile und technische Richtlinien vor, um ein hohes Sicherheitsniveau für die sensiblen Daten zu gewährleisten.

Das Messstellenbetriebsgesetz regelt auch, wer welche Daten zu welchem Zweck erhalten darf und wann erhaltene Daten zu löschen sind.

Trotz aller Vorteile der neuen Technik: Ein wenig wird er mir fehlen, der gute alte Ferrariszähler mit seiner kreisförmigen Aluminiumscheibe und dem mechanischen Zählwerk. Irgendwie hat man sich an den Kasten im Keller gewöhnt.

Weitere Informationen gibt es unter: www.ednetze.de/rollout
Mehr zu den intelligenten Messsystemen kann man übrigens beim Bundeswirtschaftsministerium nachlesen.

Intelligentes Messsystem (moderner Zähler mit Gateway).

 

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