Das Linde-H2-Bike. © The Linde Group

Umweltfreundlicher Vortrieb dank Wasserstoff

Der Markt für E-Bikes kommt in Bewegung, erste Zweiräder mit Brennstoffzelle erreichen die Serienreife. Der Wasserstoffantrieb punktet mit zahlreichen Vorteilen: Ordentliche Reichweite bei rascher Betankung.

Haben Bleiakkus und Lithium-Ionen-Batterien schon bald ausgedient? Ganz so schnell wird es nicht gehen, dafür sorgt schon der Preis der neuen Technik.

Mitte Oktober hat der Technologiekonzern Linde sein erstes selbst entwickeltes Pedelec mit einer kompakten Brennstoffzelle vorgestellt, das „Linde-H2-Bike“.

Der Strom für den Antrieb wird umweltfreundlich aus Wasserstoff und Sauerstoff erzeugt, als Abfallprodukt entsteht lediglich Wasserdampf.

100 Kilometer mit 34 Gramm Wasserstoff

Mit nur 34 Gramm Wasserstoff bei einem Druck von 340 bar kommt das Pedelec rund 100 Kilometer weit. Lange Ladezeiten an der Steckdose gehören der Vergangenheit an, denn das System ist in nur sechs Minuten befüllt. Mit einem eigenen Gaszylinder ist das auch zu Hause möglich.

Der Wasserstoff wird von Linde mittels Windenergie oder Biogas nachhaltig produziert. Antriebsbatterien mit begrenzter Lebensdauer werden beim Brennstoffzellenrad von Linde nicht benötigt. Eine kleine Pufferbatterie mit 60 Wattstunden verhindert das ständige an- und abschalten der Polymer-Brennstoffzelle.

Das gesamte Antriebssystem wiegt rund 3,7 Kilogramm, das Rad insgesamt etwa 23,6 Kilogramm.

In Sachen Komfort setzt das Rad neue Maßstäbe: Der Wärmetauscher der Brennstoffzelle ist in den Fahrradrahmen integriert, sodass die freigesetzte Wärme die Hände des Radlers an kühlen Tagen wärmen kann.

Teure Kleinserie zeigt Machbarkeit

Bei allen Vorteilen wird das Wasserstoff-E-Bike vorerst doch eine Ausnahmeerscheinung auf unseren Straßen sein.

Bezahlbar ist das technische Wunderwerk für den Normalverbraucher gegenwärtig nicht und so hat der Technologiekonzern eine auf hundert Stück limitierte Serie produziert.

Noch sind die Preise nicht bekannt, das Pedelec dürfte jedoch deutlich mehr als 7.000 Euro kosten. Mit steigenden Produktionszahlen wird der Preis aber sinken.

Gleich mehrere Anbieter drängen auf den Markt

Aber Linde ist nicht der einzige Anbieter, der auf die umweltfreundliche Brennstoffzellen-Technik setzt. Das Neusser Unternehmen Gernweit tüftelt bereits seit 2008 am Wasserstoffrad, das in Kürze auf den Markt kommen soll.

Der Prototyp „Ped-Hy-lec“ wurde schon 2012 auf der eCarTec in München präsentiert.

Das Gernweit-Rad wird mit zwei voneinander unabhängig nutzbaren Wasserstofftanks je 25 Gramm an den Start gehen. Ist ein Tank leer, kommt man mit der zweiten Flasche problemlos bis zur nächsten Auffüllstation.

Dort können leere Tanks einfach gegen gefüllte Tanks getauscht werden. Preislich dürfte sich das „Ped-Hy-lec“ auf einem ähnlich hohen Niveau wie das Konkurrenzprodukt bewegen.

Auch in Frankreich ist das Pedelec mit Wasserstoffantrieb Thema.

2013 präsentierten die drei französische Unternehmen Cycleurope, Pragma Industries und Ventec das „Gitane Alter Bike“.

Es soll 2016 in den Verkauf gehen und setzt auf chemisch gebundenen Wasserstoff in recyclingfähigen Behältern.

Power_to_Gas_Prozessschritte

Strom in Gas umwandeln. © Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) / www.powertogas.info

Woher kommt der Wasserstoff?

Es gibt viele Möglichkeiten, Wasserstoff herzustellen. Alle verlangen jedoch einen hohen Energieeinsatz.

Mit dem zunehmenden Ausbau der erneuerbaren Energien gewinnt aber die Power-to-Gas-Technologie an Bedeutung.

Dabei wird überschüssiger Strom aus Solar- und Windkraftanlagen über den Weg der Elektrolyse zur Produktion von Wasserstoff verwendet. Zwar geht auch hier bei einem Elektrolyse-Wirkungsgrad von 70 Prozent und anschließender Rückverstromung rund die Hälfte der Energie verloren, allerdings handelt es sich um überschüssigen Ökostrom, der aufgrund mangelnder Speichermöglichkeiten derzeit erst gar nicht gewonnen wird.

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