Die Großhandelspreise an der Strombörse sinken, die Strompreise für die Verbraucher aber nicht? Bei vielen Energieversorgern kennen die Strompreise sogar nur den Weg nach oben. Wie kann denn das sein?

Wie hängen der Strompreis für den Endverbraucher und der Preis, der an der Strombörse gezahlt wird, zusammen? Welche Rolle spielen die Energiewende und das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) dabei?

Ein Blick auf die Mechanismen hilft

Die Bundesregierung hat beschlossen, bis 2020 den Anteil der erneuerbaren Energien an der Gesamtstromerzeugung auf 35 Prozent zu erhöhen. Bis 2022 sollen die verbleibenden Atomkraftwerke vom Netz gehen.

Der dazu benötigte Ökostrom soll aus neuen Erzeugungsanlagen, die regenerative Energien nutzen, gewonnen werden. Doch Windräder und Photovoltaikanlagen sind noch nicht wirtschaftlich, rechnen sich also für die Betreiber dieser Anlagen noch nicht.

Deshalb soll das EEG mit seinen zahlreichen Fördersätzen dazu beitragen, dass weitere Anlagen gebaut werden. Die Betreiber der Anlagen erhalten eine feste Vergütung für den Ökostrom, den sie ins Netz einspeisen. Die Vergütung liegt über dem Marktwert des Stroms.

Wie geht es weiter?

Der Ökostrom muss von den Netzbetreibern abgenommen werden. Sie zahlen die Vergütung direkt an die Betreiber der EEG-Anlage und verkaufen den Strom an der Strombörse. Die Differenz zwischen dem, was sie an der Börse für den Strom erhalten, und dem, was als gesetzlich festgelegte Vergütung an die Erzeuger gezahlt werden muss, wird als EEG-Umlage an die Stromkunden weitergereicht.

Zwar gibt es seit 2012 für die Betreiber auch die alternative Möglichkeit, den erzeugten Strom selbst an der Börse zu verkaufen. Mittlerweile wird sogar mehr als die Hälfte der EEG-Strommenge über diesen Weg verkauft. Damit diese Alternative für den Betreiber aber interessant ist, zahlt ihm der Netzbetreiber mehr als die Differenz zur bisherigen EEG-Vergütung als Ausgleich.

Auch dieser Betrag, sie sogenannte Marktprämie, fließt in die EEG-Umlage ein. Das jährliche Fördervolumen beträgt im Moment übrigens stolze 24 Milliarden Euro. So weit so gut.

Der Haken bei dem Konzept

Die Vergütung ist nach wie vor so attraktiv, dass unkontrolliert neue Anlagen gebaut werden. Mehr und mehr durch das EEG geförderter Ökostrom drängt auf den Markt (dies passiert übrigens unabhängig davon, ob der Strom tatsächlich gebraucht wird oder nicht).

Die Preise an der Strombörse EEX in Leipzig sinken. Die Netzbetreiber können immer weniger für den Ökostrom erlösen. Die Differenz zwischen der gesetzlich festgelegten EEG-Vergütung und dem Börsenpreis wächst.

Demzufolge steigt die EEG-Umlage. Und das in den letzten Jahren heftig. Betrug die EEG-Umlage 2012 noch 3,592 Cent je Kilowattstunde, stieg sie 2013 auf 5,277 Cent je Kilowattstunde. Für das kommende Jahr wurde sie auf 6,24 Cent je Kilowattstunde festgelegt, eine Steigerung um fast 20 Prozent.

Mit Ursache für die steigende EEG-Umlage ist auch, dass ein Teil der Industrie aus Wettbewerbsgründen nur einen Teil der EEG-Umlage zahlen muss. Notwendigkeit oder Unsinn dieses Rabatts ist heftig umstritten.

Ein Teufelskreis.

Warum sinkt nun der Strompreis für den Endkunden nicht? Die Stellschrauben, die ein Energieversorger beim Strompreis hat, werden zusehends geringer. Inzwischen betragen Steuern und Abgaben bereits 52 Prozent des Strompreises. Hinzu kommen weitere Anteile, die staatlich reguliert sind, wie beispielsweise das Netznutzungsentgelt. Hier hat der Energieversorger nur wenige Möglichkeiten zu agieren, um den Preis zu gestalten.

Zudem kaufen seriöse Energieversorger den größeren Anteil des Stroms nicht an den Strombörsen zum günstigen aber schwankenden Tagespreis ein, sondern zum stabilen Preis über einen Zeitraum von drei Jahren.

Wir können so auf der einen Seite extreme Preisausschläge abfedern, auf der anderen Seite haben wir dennoch Spielraum, um niedrigere Preise am Handelsmarkt in unsere Strompreise einfließen zu lassen.

Darum haben wir uns entschlossen, die am 15. Oktober von den Übertragungsnetzbetreibern bekannt gegebene Erhöhung der EEG-Umlage nicht an unsere Kunden weiterzugeben und die Preise stabil zu halten.

Eine Änderung der bestehenden Fördermechanismen ist dringend notwendig. Rund ein Viertel des in Deutschland erzeugten Stroms stammt inzwischen aus erneuerbaren Quellen. Die erneuerbaren Energien haben mittlerweile große Bedeutung und sollten sich auf dem Markt behaupten.

Erneuerbare-Energien-Gesetz

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