Generalüberholte Handys, Laptops und Monitore preisen Händler als nachhaltig und günstig an. Stimmt das? Was Refurbishing bedeutet und worauf du beim Kauf eines refurbished Gerätes achten solltest.

 

53,6 Millionen Tonnen Elektroschrott – so viele Elektrogeräte sind laut E-Waste-Monitor weltweit im vergangenen Jahr auf dem Müll gelandet. Von der Waschmaschine bis zum Smartphone produziert demnach jeder Deutsche im Schnitt 19,4 Kilo Elektroschrott pro Jahr. Deutschland gehört damit zu den Top Ten Elektromüll-Erzeugern der Welt. Tendenz: steigend.

Tatsächlich kaufen wir mehr Elektrogeräte als jemals zuvor – und entsorgen diese auch immer schneller.

Als Folge steigen nicht nur die Müllberge. Es werden auch immer mehr Ressourcen für neue Geräte benötigt.

Genau hier kommt Refurbishing ins Spiel. Generalüberholte Elektrogeräte versprechen gute Qualität und sind dabei angeblich gleichzeitig nachhaltig und günstig.

 

Ein refurbished Gerät: Was ist das?

Das englische Wort „refurbished“ bedeutet so viel wie „aufpoliert“ oder „instandgesetzt“. Ein refurbished Gerät ist dabei in der Regel Rückläufer-Ware, die spezialisierte Händlern generalüberholen.

Dabei handelt es sich um Elektrogeräte wie Kameras, Laptops oder auch Haushaltsgeräte, die Kunden an die Händler zurückschicken. Möglicherweise kam der Kunde mit dem Gerät nicht klar oder es wies kleine Mängel auf.

Hin und wieder kann es auch Vorzeigeware sein. Auch Rückläufer aus Leasing-Verträgen zu Smartphones oder Notebooks mit Unternehmen gehören dazu.

Anders als bei Gebrauchtware, die anschließend ohne weitere Reparaturen über Plattformen wie eBay wieder in den freien Handel gelangt, warten Spezialisten ein refurbished Gerät vor dem Weiterverkauf technisch.

 

Besserer Schutz für Käufer

Bei refurbished Laptops beispielsweise handelt es sich also nicht um Secondhand-Elektrogeräte, sondern um generalüberholte Ware.

Daher findet sich bei einem refurbished Gerät auch oft die Beschreibung „so gut wie neu“.

Die Wartung übernehmen dabei die Hersteller wie Apple oder Canon selbst oder spezialisierte Händler. Denn tatsächlich darf nicht jeder Händler refurbished Elektronik anbieten. Dazu bedarf es einer speziellen Lizenz.

Das Label „Refurbished“ bietet Käufern dadurch aber nicht nur einen Qualitätsschutz. Es beinhaltet auch rechtliche Garantien, wie ein 14-tägiges Umtauschrecht und zwölf Monate Garantie. Verbraucher gehen bei einem refurbished Gerät so ein geringeres Risiko ein als beim Kauf von regulärer Gebrauchtware.

 

Refurbishing schont Geldbeutel und Umwelt

Refurbishing bietet damit viele Vorteile.

Händler können mit wenig Aufwand und geringen Kosten wiederaufbereitete Geräte noch profitabel verkaufen.

Käufer wiederum erhalten nahezu neue Elektrogeräte zum Schnäppchenpreis. Wenn man den Anbietern von Refurbished-Elektronik glauben darf, liegt das Sparpotenzial bei bis zu 50 Prozent im Vergleich zur Neuware.

Gleichzeitig reduziert man dadurch E-Waste und spart wertvolle Ressourcen.

Das „Second Life“ der Elektrogeräte kann allein bei Smartphones und Tablets die Lebensdauer der Geräte verdoppeln. Dadurch können pro Smartphone 14 Kilogramm Ressourcen und 58 Kilogramm Treibhausgasemissionen eingespart werden. Bei Tablets sind es sogar 58 Kilogramm an Ressourcen-Materialien wie Kupfer oder Gold und 139 Kilogramm CO2-Einsparungen.

 

Refurbishing so steril wie im Labor

Es ist daher nicht überraschend, dass sich mittlerweile viele Plattformen im Internet speziell auf Refurbishing spezialisiert haben. Eine davon ist Refurbed.

Hier finden Verbraucher von Smartphones über Laptops bis hin zu Staubsaugern so gut wie jedes denkbare Elektrogerät. Im Vergleich zu Neuware seien die Geräte bis zu 40 Prozent günstiger und voll funktionsfähig, sagt Refurbed-Gründer Kilian Kaminski im Gespräch mit Energiedienst.

Mit „voll funktionsfähig“ meint Kilian, dass jedes Gerät im Vorfeld im Schnitt 40 verschiedene Wartungsschritte durchläuft, bei dem jede einzelne Komponente geprüft wird. Wenn etwas nicht funktioniert, wird es repariert oder ausgetauscht. „Das darf man sich nicht wie bei einem Reparaturladen am Bahnhof vorstellen. Der Prozess ist sehr steril und sieht eher aus wie im Labor“, sagt Kaminski.

„Im Vergleich zu Neuware sind die Geräte bis zu 40 Prozent günstiger und voll funktionsfähig.“

Kilian Kaminski, Gründer von Refurbed. Foto: Refurbed

Im Schnitt nur zwei Teile ersetzt

Bei den meisten Geräten auf Refurbed werden durchschnittlich lediglich zwei Komponenten ersetzt. Somit werden bei einem refurbished Geräte auf der Plattform angeblich 70 Prozent weniger CO2-Emissionen ausgestoßen als bei neuen Geräten und zusätzlich Elektroschrott vermieden. Um auf volle 100 Prozent zu kommen, pflanzt das Unternehmen pro gekauftes Gerät aus eigener Tasche Bäume in Ländern wie Haiti, Nepal oder Australien.

Für Gründer Kilian Kaminski ist Refurbed nämlich mehr als nur ein lukratives Geschäft: „Ich möchte mit dem, was ich tue, einen positiven Einfluss auf die Welt haben.“

Neben Refurbed vertreiben auch Websites wie BackMarket oder rebuy generalüberholte Elektrogeräte. Auch Amazon und Apple haben eigene Refurbished-Sparten.

 

Refurbished Gerät kaufen: Darauf solltest du achten

Nachhaltiger agieren, Geld sparen und eine Garantie auf den Kauf bekommen – das macht Refurbishing für den Kauf von Elektrogeräten sehr attraktiv. Doch bevor du ein refurbished Gerät kaufst, solltest du einige Dinge beachten.

1. Refurbished ist kein geschützter Begriff

Auch gibt es bislang auf europäischer Ebene kein Garantie-Siegel für Verbraucher. So mögen die Voraussetzungen für eine Refurbished-Lizenz von Plattform zu Plattform unterschiedlich sein und auch der Wartungsprozess kann sich stark unterscheiden. Prüfe daher vor dem Kauf sehr genau, was der Anbieter unter „refurbished“ versteht.

2. Umtausch-Rechte

Noch wichtiger als die Lizenz sind die Rückgabe-Bedingungen bei einem refurbished Gerät. Denn auch wenn theoretisch ein 14-tägiges Umtauschrecht besteht, halten das insbesondere Händler im Ausland nicht immer ein. Schaue daher vor dem Kauf, wie die Rückgabe-Bedingungen geregelt sind.

3. Geringere Lebensdauer

Ein refurbished Gerät hat unter Umständen eine geringere Lebensdauer als ein neues Gerät. Insbesondere die Akku-Leistung lässt mit der Zeit nach. Geräte aus Refurbishing bieten nie eine 100prozentige Akku-Leistung an. Das solltest du beim Kauf mit bedenken. Einige Plattformen bieten aber Garantien, falls die Akku-Leistung unverhältnismäßig schnell nachlassen sollte.

4. Nie das neueste Modell

Smartphone-Hersteller bringen nahezu jedes Jahr ein neues Modell heraus. Bei einem refurbished iPhone beispielsweise wirst du aber naturgemäß nie das neueste Modell kaufen können, da generalüberholte Ware immer zunächst einige Zeit im Umlauf ist, bevor sie gewartet und weiterverkauft wird.

5. Altes Betriebssystem

Bei Smartphones ist zudem ein weiterer Punkt zu beachten: Alte Geräte werden durch die Updates neuer Betriebssysteme irgendwann nicht mehr unterstützt. Unter Umständen könntest du zum Beispiel mit einem refurbished iPhone einer älteren Generation schneller von Updates ausgeschlossen werden.

6. Keine Neuware

Ganz klar: Ein refurbished Gerät ist keine Neuware. Einige Geräte sehen zwar aus wie neu. In anderen Fällen musst du aber mit kleinen Makeln wie Kratzern oder anderen Gebrauchsspuren rechnen.

 

Lohnt sich ein refurbished Gerät?

Ein refurbished Gerät lohnt sich immer dann, wenn du bereit bist, eventuell kleine äußere Mängel bei einem Elektrogerät in Kauf zu nehmen und auf das neueste Gerät verzichten kannst. Denn so hochwertig Refurbished-Ware sein mag, es handelt sich nie um Neuware.

Gleichzeitig bietet Refurbishing ein technisch gewartetes Gerät mit hoher Qualität und Käufergarantien, sodass du ein geringes Risiko eingehst und zudem viel Geld sparen kannst.

Zu guter Letzt schont das zweite Leben der Elektrogeräte die Umwelt. Es ist zwar nicht so nachhaltig wie gar kein Gerät zu kaufen, aber umweltfreundlicher als ein Neukauf. Refurbishing kann damit ein unkomplizierter persönlicher Beitrag zum Klimaschutz sein.

 

Titelbild: William Iven/Unsplash

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