Vier Förderregionen, so genannte Schaufenster, in denen die Elektromobilität in allen Aspekten entwickelt und in der Praxis erprobt werden soll, hatte die Bundesregierung Anfang 2012 ausgerufen. Die Ergebniskonferenz des Schaufensters Elektromobilität Baden-Württemberg, dem „Living Lab BW e-mobil“, sollte zeigen, wie es um die Elektromobilität im deutschen Südwesten bestellt ist.

Ergebniskonferenz

v.l.: Wolfgang Fischer (Pressesprecher e-mobil BW), Winfried Hermann (Minister Verkehr BW), Veit Steinle (Abteilungsleiter MBVI, Franz Loogen (Geschäftsführer e-mobil BW)

Allerdings wurde auf der Konferenz deutlich, dass der wirkliche Durchbruch für die massenhafte Nutzung elektrischer Fahrzeuge noch nicht gelungen ist. Zwar wurde seit 2012 einiges erreicht, 1.000 Ladepunkte geschaffen, 1.900 E-Fahrzeuge auf die Straße gebracht und fast 18 Millionen Kilometer damit gefahren. Trotzdem: Noch bewegt man sich in den Sphären der Erprobung, was funktioniert und was nicht, sowie des Testens technologischen Neulands. Zudem werden viele Projekte wissenschaftlich begleitet und liefern damit wertvolle Erkenntnisse für die nun anstehende Vermarktung der Technologie, Markthochlaufphase genannt. Die muss dann nun auch kommen, so die Überzeugung des baden-württembergischen Verkehrsministers Winfried Hermann (B90/GRÜNE). „Wirtschaftlich ist das alles leider in der Regel noch nicht. Das aber müssen wir jetzt schaffen, sonst wird das bisher Erreichte wieder absterben“, sagte Hermann auf der Konferenz. Materielle Anreize seien die Haupttreiber selbst bei der Einführung einer derart umweltschonenden Technologie. Eine direkte Kaufsubventionierung für E-Autos hält Hermann nur dann für umsetzbar, wenn sie nicht durch die Steuerzahler insgesamt finanziert wird, sondern durch die Belastung konventioneller Antriebsformen. „Man könnte die ‚Suffs‘ belasten, diese Spritschlucker“, so der Minister.

Thema: Elektromobilität im gewerblichen Einsatz

Alle einschlägigen Studien haben bei der gewerblichen Mobilität ein hohes Potenzial ausgemacht, auf elektrische Antriebsformen umzustellen. In der Praxis werden diese Theorien zunehmend bestätigt. So berichtete auf der Konferenz die Betreibergesellschaft des Flughafens in Stuttgart über ihre Erfahrungen mit Elektrobussen bei der Passagierbeförderung auf dem Rollfeld sowie mit Funktionsfahrzeugen bei der Gepäckabfertigung oder der Bereitstellung von Ein/Ausstiegstreppen. Die technischen Herausforderungen, zum Beispiel durch die Ladepausen, entpuppten sich als insgesamt beherrschbar. Bemerkenswert ist der Umstand, dass die elektrischen Fahrzeuge bei den Fahrern eine extrem hohe Beliebtheit genießen, weil deren Belastung durch Lärm oder Motorvibration enorm reduziert wird. Für die Zukunft stellte der Flughafen eine komplette Umrüstung der Flotte auf elektrische Antriebe in den nächsten Jahren in Aussicht, weil sich zumindest die Fahrzeuge mit Bleibatterien schon jetzt auch betriebswirtschaftlich rechnen.

Das Projekt „Urbaner logistischer Wirtschaftsverkehr“ berichtete von den Erfahrungen bei der Umrüstung von Paketlieferdiensten auf elektrische Fahrzeuge. Problem dabei ist zum Teil, dass es in einigen Beförderungssegmenten noch keine Serienmodelle, sondern nur einzelne Umrüstungen gibt, was die Anschaffungskosten enorm in die Höhe und damit die Wirtschaftlichkeit ins Minus treibt. Trotzdem waren auch hier die praktischen Erfahrungen, die aus 465.000 bei Lieferfahrten zurückgelegten Kilometern gesammelt werden konnten, zum Großteil positiv, insbesondere was die Rückmeldungen der Fahrer betrifft. Für die beteiligten Unternehmen, einschlägige Paketdienste, liegt vor allem im Imagegewinn ein nicht zu unterschätzender Mehrwert. Erzwungene Ladepausen waren hingegen durchweg kein Problem, weil die durchschnittlichen Routen zwischen 60 und 75 Kilometer liegen, Strecken, die sich mit den verwendeten E-Lieferwagen problemlos bewältigen lassen. Interessant außerdem ein Szenario der den Feldtest begleitenden Forscher, bei dem von einer Lockerung der von der Stadt Stuttgart verhängten Lieferzeiten (morgens bis 11 Uhr) in der zentralen Einkaufsmeile ausgegangen wird. Da ja die elektrischen Fahrzeuge keine Luft- und Lärmbelastung aufweisen, könnte dieser Zeitraum ausgedehnt werden. Durch diese Maßnahme könnte man die Zahl der benötigten Fahrzeuge fast um ein Drittel senken.

E-Autos bei Paketlieferdiensten, ein paar Zahlen...

E-Autos bei Paketlieferdiensten, ein paar Zahlen…

Thema: Elektromobilität als Teil urbaner Mobilität

Mehrere Städte der Metropolregion Stuttgart haben im Rahmen des Schaufensters Projekte aufgesetzt, die die Nutzung elektrischer Fahrzeuge innerhalb von intermodalen Verkehrsverbünden erproben. So wurde aus dem bisher etwas verlotterten Bahnhof in Ludwigsburg ein „Wohlfühlbahnhof“, an den diverse Verkehrsträger angedockt wurden: E-CarSharing, Pedelec-Leihstation, Ladeinfrastruktur, die mit Strom aus Solarmodulen auf einem Parkhaus inklusive Speicher betrieben wird, usw.

Das Projekt „e-carPark Sindelfingen“ ist hingegen stärker auf die Mobilitätsanforderungen der gewerblichen Wirtschaft ausgerichtet. Es geht dabei um die Erzeugung von Energie in einem Gewerbegebiet und deren unmittelbare Nutzung durch Elektroautos. Ein Fokus liegt dabei auf der Frage, inwieweit sich E-Fahrzeuge mittels bidirektionalem Laden als temporäre Stromspeicher eignen, insbesondere unter Einbeziehung der tatsächliche Mobilitätsanforderungen. Es zeigte sich, dass auf Grund der zeitlichen Kongruenz von Fahrzeugnutzung und Solarstromerzeugung, nämlich tagsüber, am ehesten die Fahrzeuge der Mitarbeiter für derartige Ladekonzepte geeignet sind, die eben tagsüber abgeparkt werden. Weitere Erkenntnis des Projektes: Die Initiatoren sahen sich zunächst mit einem gewaltigen Berg an Aufklärungsarbeit konfrontiert, denn insgesamt sei das Thema Elektromobilität im Gewerbe noch gar nicht richtig angekommen.

Thema: Ladeinfrastruktur

Durch die Anstrengungen der letzten Jahre hat sich in Baden-Württemberg die öffentliche Ladeinfrastruktur für Elektroautos uneinheitlich entwickelt. Komfortabel sieht es vor allem in Stuttgart aus, wo inzwischen 500 Ladepunkte zur Verfügung stehen. Auch in Karlsruhe ist die Versorgungslage gut. Anders hingegen abseits der Metropolen: Dort findet man noch viele weiße Flecken. Für die Zukunft wird es daher vor allem darum gehen, die Ladestationen auch in die Fläche zu bringen. Dem steht allerdings das weiterhin unklare Geschäftsmodell für Aufbau und Betrieb der Ladestationen entgegen. Das ist nämlich nach wie vor nicht in Sicht. Bei dem durch die Landesregierung bis 2018 weiter geförderten Nachfolgeprojekt LIS2.0 wird es daher vor allem darum gehen, neuartige Mehrwertdienste rund um die Ladeinfrastruktur zu erproben, zum Beispiel eine kostenpflichtige Reservierungsfunktion und vieles andere mehr.

Thema: Geschäftsmodelle

Ob Elektromobilität im privaten oder gewerblichen Bereich, als Verleihszenario oder als E-CarSharing wirtschaftlich betrieben werden kann, ist ungeachtet einiger Erfolge weiter ein heikles Thema, wie ja auch Minister Hermann bereits anklingen ließ. Viele der durchaus erkenntnisreichen Projekte werden wieder einschlafen, wenn kein stimmiges Geschäftsmodell entwickelt werden kann. Selbst das von Daimler mit großer Verve eingeführte und mit 51.000 angemeldeten Nutzern ziemlich erfolgreiche, rein elektrische car2go in Stuttgart scheint keine schwarze Null zu schreiben. Denn in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit äußerte Katja Bosler, Leiterin car2go Stuttgart, sie sei „grade nicht so glücklich“ damit, was immer das auch konkret heißen mag. Bosler nannte allerdings eine Zahl, die für die Zukunft elektrischer Mobilität hoffen lässt: Über 70% der car2go-Nutzer gaben als wichtigste Motivation für eine Anmeldung an, sie wollten einfach mal Elektroauto fahren. Diese 500 Smart electric drive, die zuverlässig in Stuttgart und der Region herumstromern, sind denn vermutlich auch der ultimative Beweis, dass Elektromobilität funktioniert und eine hohe Akzeptanz erfährt, wenn man ein alltagstaugliches Konzept anbietet.

Eine Broschüre, in der alle 34 Projekte des Schaufensters Elektromobilität Baden-Württemberg detailliert vorgestellt werden, steht hier zum Download zur Verfügung.

Logo_my-e-carSie möchten ausprobieren, wie sich das Fahren mit Elektromobilität anfühlt? Seit Anfang Dezember 2014 können in Südbaden über my-e-car Elektrofahrzeuge ohne großen bürokratischen Aufwand ausgeliehen werden. my-e-car ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Stadtmobil Südbaden AG und der Energiedienst Holding AG. Die Fahrzeuge können online reserviert werden. Energiedienst bietet derzeit rund 40 Ladestationen für E-Autos an.

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