Die Elektromobilität ist in den letzten Monaten verstärkt in das Blickfeld der Öffentlichkeit geraten. Der Dieselskandal bei VW oder auch die Feinstaubproblematik in den Großstädten haben die Bürger sensibilisiert. Hinzu kommen die weit gesteckten Ziele, die sich aus der Ratifizierung des Pariser Klimaschutzabkommens für das Ende fossiler Antriebstechnologien ergeben. Alles gut also für die Elektromobilität? Nicht ganz, denn noch ist man aus der Nische nicht herausgefahren.

Der ursprüngliche Plan der Bundesregierung, die Elektromobilität zu fördern, definierte unterschiedliche Phasen. Zunächst begann es mit einer Art Experimentier- und Forschungsphase. Hier wurden in regionalen Schaufenstern Technologie- und Nutzerverhalten quasi in Feldversuchen im Großmaßstab und unter Echtweltbedingungen untersucht. Diese Phase war 2015 abgeschlossen. Sie soll abgelöst werden von einer Phase des Markthochlaufs. Bedeutet: Das Wachstum in diesem Segment des Automobilmarktes sollte nun selbsttragend werden.

Der Markthochlauf ist schleppend gestartet. Die Neuzulassungen von E-Autos in Deutschland im dritten Quartal 2016 haben zwar gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 22% zugelegt. Doch das ist angesichts des niedrigen Niveaus, wir reden über 3.321 Fahrzeuge, nicht mehr als ein Hoffnungsschimmer. Bei der Infrastruktur ist man vorangekommen. Aber eine wirklich flächendeckende Versorgung mit Ladepunkten ist noch nicht gelungen. Am 30. Juni 2016 standen in Deutschland 6.517 öffentlich zugängliche Ladepunkte an 2.859 Ladestationen zur Verfügung. Das ist sicher nicht ausreichend für eine zukünftige größere Flotte.

Umweltbonus läuft etwas schleppend an

Um den Umstieg auf die klimapolitisch wichtige Elektromobilität zu fördern, hat der Bund zusammen mit der Automobilindustrie eine Kaufprämie für Elektroautos eingeführt. Der „Umweltbonus“ beträgt bis zu 4.000 Euro bei Kauf eines Neuwagens, wobei sich Bund und Hersteller die Prämie teilen. Die Prämie gibt es seit Juni 2016 und das zuständige Bundesamt hat inzwischen erste Zahlen zum 31. Oktober vorgelegt, wie oft und für welche Fahrzeuge die Prämie beantragt wurde. Demnach sind bisher 3.343 Elektroautos und 2.438 Hybridfahrzeuge gefördert worden. Aufgeschlüsselt nach Modellen stellt sich die Top 5 bei den rein batterieelektrischen Autos so dar

  1. Renault Zoe: 1065
  2. BMW i3: 1025
  3. Kia Soul EV: 214
  4. Nissan Leaf: 158
  5. e-Golf: 137

Noch kann man also von einem Erfolg des Umweltbonus nicht sprechen. Bedeutet andererseits: Der auf 5 Mrd. Euro begrenzte Topf ist noch lange nicht ausgeschöpft. Wer sich für ein Elektroauto interessiert, kann also ganz in Ruhe abwarten, was sich auf dem Modellmarkt so tut. Noch sind nämlich viele Verbraucher zurückhaltend. Wie es scheint, ist vor allem die noch zu geringe Reichweite bei den Mittelklassemodellen ein Kaufhindernis. Das soll sich nun entscheidend ändern. Die Batterietechnologie schreitet voran und lässt bei höherer Energiedichte und gleichzeitig geringeren Preisen nun einiges mehr zu. Auf dem Pariser Autosalon präsentierte die Industrie daher Anfang Oktober auf breiter Front elektrische Modelle, die jetzt in die Produktionsplanung gehen. Diese Messe war in Bezug auf die Elektromobilität bahnbrechend in Europa. Vor allem deutsche Hersteller haben massive Investitionen in neue Modellreihen angekündigt, allen voran die vom Dieselskandal tief erschütterte Volkswagen AG.

Neue Autos vom Pariser Autosalon

Opel Ampera-e
ed-ampera500 km Reichweite, Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 7,3 Sekunden, ein 10.2 Inch großer Touchscreen, Hälfte der Akkus aufladen in 30 Minuten – Opel preist sein neues Elektromodell offenbar mit genau den Funktionen an, die die anspruchsvolle deutsche Kundschaft als wichtigste abfragt. Auf den Markt kommen soll der Ampera-e im Frühjahr 2017. Kostenpunkt: Offiziell noch unklar, aber man geht von etwa 33.000 EUR aus.
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Renault
Renault ZoeDie Franzosen haben mit dem Zoe das beliebteste Elektromodell der Deutschen im Angebot. Jedes vierte Elektroauto auf deutschen Straßen ist ein Zoe. Da erscheint es folgerichtig, wenn das Modell ein Update erhält und zwar in Richtung Reichweite. Daher erhält die zum Ende des Jahres verfügbare Neuauflage des Zoe ein erweitertes Akkupaket. Statt 22 kWh hat man in Zukunft 41 kWh an Bord, was laut Angabe des Herstellers für bis zu 400 km Reichweite sorgen soll. In 30 Minuten soll man dann für 80 km nachladen können. Preislich geht es dann bei 25.000 EUR los wozu allerdings eine Batteriemiete für 69 EUR pro Monat kommt.
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Daimler
Daimler Generation EQBisher wartet der Weltkonzern aus Stuttgart nur mit einem elektrischen Smart, einer B-Klasse und einem Transporter auf. Das soll sich nun entscheidend ändern, wie Daimler-Chef Zetsche in Paris ankündigte und gleich eine neue Produktmarke präsentierte: Der Name EQ steht für „Electric Intelligence“ und bietet ein umfassendes elektromobiles Ökosystem aus Produkten, Services, Technologien und Innovationen. Das Spektrum reicht von Elektrofahrzeugen über Wallboxen und Ladeservices bis hin zum Home-Energiespeicher. Auf dem Autosalon wurde als „Konzept“ der Generation EQ gezeigt. Vor allen handelt es sich aber um eine modellübergreifende Elektrofahrzeugarchitektur, aus der ganz unterschiedliche Modelle abgeleitet werden sollen. Reichweite und Ladekomfort sollen aktuellen Standards entsprechen. Die ersten Fahrzeuge sollen „noch in dieser Dekade“ auf den Markt kommen…
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VW
VW I.D.Die Wolfsburger Automanager stehen vor der Herkulesaufgabe, das angeschlagene Image des Konzerns wieder aufzupolieren. Ein Mittel offenbar: Massive Investitionen in die Elektromobilität. Bereits im Jahr 2025 will VW mit Elektroautos ein Viertel seines Umsatzes realisieren. Das ist anspruchsvoll und soll mit der Produktlinien I.D. erreicht werden. Der I.D. wird als Elektroauto der Kompaktklasse im Jahr 2020 auf den Markt kommen, also noch ziemlich lange hin – zu lange, wie viele Beobachter meinen. Allerdings entwickelt VW gleich einen modularen Elektrifizierungsbaukasten, der konzernweit zum Einsatz kommen soll und 400-600 km Reichweite sichern soll.
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Porsche
Porsche Mission EMassive Investitionen in die Entwicklung batterieelektrischer Modelle haben auch die Zuffenhausener Sportwagenbauer angekündigt. Offenbar nimmt ihnen Tesla in der Luxusklasse inzwischen zu viel Butter vom Brot. Mehrere Milliarden Euro lässt sich Porsche das kosten und entwickelt neue Fahrzeuge in Stuttgart. 1.400 neue Arbeitsplätze sollen entstehen, um dann den Mission E zu bauen. Der Mission E wird Ende der Dekade erwartet und dann vielleicht neue Maßstäbe in Punkto Leistung und Reichweite setzen.
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Hyundai
Hyundai IoniqDer koreanische Hersteller tritt auf dem deutschen Markt mit dem neuen IONIQ Elektro an. Die Reichweite ist mit offiziellen 280 km nicht ganz so groß, wie die der Wettbewerber. Preislich beginnt es bei Hyundai bei 33.000 EUR. Bestellbar ab sofort.
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Ladeinfrastruktur: Ausbau beschleunigt sich

Während also der Fahrzeugmarkt tüchtig in Bewegung kommt, scheint sich auch im Bereich Ladeinfrastruktur nun einiges zu tun. So hat die EnBW gleich zwei Meldungen veröffentlicht, die aufhorchen lassen. Zum einen werden noch 2016 an Autobahn-Raststätten im Südwesten 68 Schnellladestationen entstehen. Zum anderen wird die EnBW als Partner von Hyundai dessen 560 Servicestellen und Vertragshändler mit Lademöglichkeiten ausstatten. Dann hat IKEA angekündigt alle ihre Märkte mit Ladezugängen auszurüsten. RWE will mit seiner neuen Tochter Innogy den Service Share & Charge etablieren, mit dem Besitzer privater Ladestationen diese für Mitglieder der Community öffnen und gegenseitig nutzen können. Auch Energiedienst ist mit einer Community Lösung, sowohl in der Schweiz als auch in Südbaden seit Herbst 2016 auf dem Markt. Im energetischen Komplettpaket für den Hausbau rundet eine Wallbox das Baukastensystem von Wärmepumpe bis zur PV-Anlage ab. Wegweisend ist hier der Ansatz, dass die einzelnen Wallbox-Besitzer sich gegenseitig den Zugang erlauben können. Zudem dürfen sie alle Stromtankstellen von Energiedienst nutzen. Es scheint also wirklich Bewegung in die Sache zu kommen…

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