Wenn wir an Energieeinsparung von Gebäuden denken, dann fallen uns immer die gleichen Maßnahmen ein:

  • Dämmung der Gebäudehülle mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS)
  • Dachdämmung
  • neue Fenster
  • eine neue Heizungsanlage.

Alle diese Wege zur energetischen Sanierung von Gebäuden sind aber teuer. Sie erfordern hohe Investitionen. Auch die Förderung macht sie nicht attraktiv genug. So kommt der Sanierungsmarkt nicht richtig in Schwung.

Gebäude können aber einen maßgeblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten! Glücklicherweise gibt es noch einige andere Maßnahmen, die mit wenig Aufwand viel bewirken können:

Geringinvestive Maßnahmen.

Wer sein Haus energetisch sanieren möchte, hat das Ziel, möglichst viel Energie mit möglichst wenig Aufwand einzusparen. Daher betrachtet man in der Regel zuerst die größten Flächen und ihren Energieverlust oder die großen Verbraucher.

Man vergisst dabei aber einige Maßnahmen, für die man nur wenig investieren muss. Bei diesen Maßnahmen kann man mit geringem Einsatz verhältnismäßig viel Energie einsparen. Hinzu kommt, dass bei diesen Maßnahmen viele Argumente, die gegen ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) vorgebracht werden, unwichtig sind. So spielt die Optik bei diesen Maßnahmen in der Regel keine Rolle, auch der Brandschutz ist nicht immer relevant.

Haben Sie schon von diesen Dämm-Maßnahmen gehört?

Was sind das für Maßnahmen, die nicht so bekannt sind, aber wenig kosten und verhältnismäßig viel Energie einsparen?

Dämmung von Hohlräumen

In sehr vielen Gebäuden gibt es Hohlräume, die man mit Einblasdämmung ohne Probleme ausfüllen kann. Diese finden wir nicht nur bei zweischaligem Mauerwerk mit Luftschicht dazwischen, die es in Süddeutschland eher selten gibt. Vielfach sind es auch Geschoß- und Holzbalkendecken oder Fußböden mit Hohlraum. Es gibt häufig auch ungedämmte Dachschrägen und Drempel. Hinzu kommen noch Gebäudetrennfugen und belüftete Flachdächer von Hochhäusern oder Bungalows.

Nach den Experten des IpeG-Instituts in Paderborn gibt es in Deutschland viel zu oft Hohlräume in Gebäuden. Vor allem in Norddeutschland existieren auch Gebäude mit zweischaligem Mauerwerk. Diese können verhältnismäßig günstig mit einer Einblasdämmung gefüllt werden. Diese Dämmung des Hohlraums ist wichtig. So bringt die Dämmung der Luftschicht im zweischaligen Mauerwerk pro Quadratmeter Wandfläche fast genauso viel Energieeinsparung wie ein Wärmedämmverbundsystem (auf einschaligem Mauerwerk) – bei nur einem Fünftel der Kosten.

Dämmung der obersten Geschossdecke

Die Dämmung der obersten Geschossdecke ist vermutlich die Maßnahme, die am bekanntesten ist. Zudem ist sie in der Energieeinsparverordnung (EnEV) erwähnt. Diese fordert die Dämmung der Decken oberhalb von beheizten Wohnräumen mit einem maximalen Wärmedurchgangskoeffizient von 0,24 W/m²K, wenn die in §10 genannten Bedingungen erfüllt sind. Demnach reicht auch der Mindestwärmeschutz nach DIN 4108, zum Schutz vor Feuchteschäden aus, um die rechtlichen Anforderungen einzuhalten.

Aus energetischer Sicht ist es jedoch sinnvoll, an dieser Stelle möglichst viel Dämmung einzusetzen. Bei einer Einblasdämmung fällt dann kein zusätzlicher Arbeitsaufwand an. Wird der Dachraum nicht zu Wohnzwecken genutzt und kann kalt bleiben, dann ist die Dämmung der obersten Geschossdecke die effizienteste Maßnahme am Gebäude. Dies gilt auch, wenn die Dämmung begehbar sein soll. Eine offene, nicht begehbare Dämmung ist hoch wirtschaftlich, sie kann sich schon im ersten Winter bezahlt machen.

Dämmung der Kellerdecke von unten

Besonders in Mehrfamilienhäusern kann der Wärmeverlust nach unten zum unbeheizten Keller hin nicht unerheblich sein. Die Bewohner im Erdgeschoss spüren diesen Wärmeverlust von 5 bis 15% durch kalte Füße und höhere Heizkosten als die Nachbarn in den Etagen darüber. Eine Dämmung der Kellerdecke von unten oder in Hohlräumen lässt sich ohne Störung des Wohnkomforts durchführen. Sie kostet pro Wohnung ca. 3.000 EUR. Damit sind die Kosten bereits in ca. vier bis fünf Jahren wieder eingespart.

Bauteildämmung für Bodentreppe oder Rollladen

Gerade in alten Gebäuden kann der Energieverlust über die Bodentreppe oder über die Rollladenkästen hoch sein. Wenn bisher noch keine Dämmung vorhanden ist, dann rechnet sich die Umrüstung schnell. Eine Investition, in beispielsweise Phenolharz-Dämmplatten, ist in wenigen Jahren wieder eingespart.

Gibt es Förderung für die geringinvestiven Maßnahmen in der Gebäudedämmung?

Die aufgezählten Maßnahmen verursachen keine hohen Kosten. Meist liegen diese unter 3.000 EUR pro Wohnung. Die KfW fördert Maßnahmen erst ab einer Auftragssumme von mindestens 3.000 EUR. Man muss den Betrag also ohne Förderung aufbringen können.

Die Beispiele zeigen, dass es noch mehr Maßnahmen für die Dämmung im Gebäude gibt, als die über die man sonst spricht. Vielleicht sind sie auch ein Anfang für weitere Sanierungsmaßnahmen am Gebäude. Und sie zeigen, dass Dämmung nicht immer teuer oder unwirtschaftlich ist.

Übrigens: Auch bei der Haustechnik gibt es geringinvestive Maßnahmen

Sie können ebenfalls helfen, Energie einzusparen. In Frage kommen die digitalen Heizungsthermostate oder der hydraulische Abgleich. Für den hydraulischen Abgleich und den Einbau von hocheffizienten Pumpen gibt es immerhin ein eigenes Förderprogramm bei der BAFA.

Abbildung oben: Mit einem an die Einblasmaschine angeschlossenen Schlauch wird Einblasdämmstoff in den Hohlraum hinter einer Außenwand eingebracht. Quelle Flickr via Wikipedia, Jennifer Dickert, Lizenz CC BY 2.0

Andreas Kühl

Andreas Kühl betreibt seit 2000 die Website http://www.energynet.de, seit dem Herbst 2006 als Blog. Der Diplom-Ingenieur (FH) für Bauphysik hat zuvor eine Ausbildung zum Elektromechaniker absolviert.

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