Energieeffizienz ist das Thema der Stunde. Die Antwort auf die Frage, wie Energie gespart werden kann, entscheidet mit über den Erfolg der Energiewende. Ein Baustein, um die Antwort positiv zu formulieren, sind Smart-Home-Lösungen. Wo Menschen bei der sinnvollen Nutzung von Energie versagen, sollen intelligente Systeme einspringen und uns unter die Arme greifen. Aber können sie das tatsächlich? Hier ein Erfahrungsbericht aus der Praxis.

Nach dem Umzug noch ohne Smart Home

„Ich lass mal die Heizung auf 2,“ sagte meine Frau am Ostersonntag, als wir am Vormittag die Wohnung verließen. „Sonst ist es abends so ausgekühlt und wir sitzen im Kalten“, fügte sie noch hinzu, bevor wir zum Besuch der Schwiegermutter in Südhessen aufbrachen. Abends würden wir zurückkommen. „Ja“, seufzte ich und dachte: Was für eine Verschwendung! Wenn wir doch erst unser Smart Home in der Wohnung hätten, in die wir grade eingezogen sind. Noch ist das System nicht installiert, sondern für den nächsten Herbst fest eingeplant, wenn die Heizperiode beginnt.

Unsere Heizung ist für eine Smart-Home-Steuerung perfekt geeignet. Im Keller versorgt ein Blockheizkraftwerk die Wohnungen des Doppelhauses mit heißem Wasser im System. Das BHK läuft mit Gas und produziert nebenbei Strom, den wir sogar verkaufen, aber das ist eine andere Geschichte. Die Heizung jedenfalls funktioniert zuverlässig. Wenn man in der Wohnung die Thermostate öffnet, sind die Heizkörper sofort heiß und es breitet sich unmittelbar Wärme aus.

Smarter Funkthermostat

Smarter Funkthermostat

Das SmartHome wäre also einfach installiert: Man muss nur die teilweise uralten Heizkörperregler durch smarte Funk-Heizkörperthermostate ersetzen. Dann gilt es, die Basisstation von Qivicon, etwa so groß wie ein handelsüblicher Router, an das Internet anzuschließen und die Apps zum Betrieb zu installieren: Den HeizungsManager und der GeräteManager. Dann werden die Funkthermostate an die Basisstation „angelernt“, mit einer selbst erklärenden Weboberfläche in das System integriert und gemäß individueller Verhaltensvorgaben konfiguriert.

Das Ergebnis: Man muss sich um seine Heizung einfach nicht mehr kümmern. Das Herumlaufen und das Drehen an den Ventilen morgens, mittags, abends – es entfällt vollständig. So ist jedenfalls die Erfahrung, die wir mit dem Smart Home in unserem Büro gemacht haben, das wir vor zwei Monaten installierten.

Smart Home im Smart Office

Ein großes „Studio“, ein Besprechungsraum, ein weiterer Büroraum, ein kleiner Flur, eine Toilette, eine Teeküche – unser Büro ist nicht üppig, aber für unsere Zwecke völlig ausreichend. Es liegt zentral in der Stuttgarter Innenstadt, hat Charme und viele Heizkörper. Die Herausforderung ist eigentlich gar nicht so groß: Ein Büro hat einen ziemlich geregelten, klar abgrenzbaren Nutzungszeitraum, während dessen ein Büro eben angenehme Temperaturen haben sollte. Es sollte um 8:30 Uhr warm sein und um 19 Uhr könnte die Temperatur wieder abgesenkt werden und das alles nur von Montag bis Freitag. Am Wochenende ist ja eh niemand da. Aber am Montag morgen soll es bitte schön um 8:30 Uhr dann auch warm sein.

Exakt diese Informationen, wann welcher Raum über welche Temperatur verfügen sollte, das lässt sich im HeizungsManager exakt hinterlegen.

Die intelligente Heizungssteuerung

Die konkrete Steuerung der Heizkörper übernimmt das System auf der Basis dieser hinterlegten Informationen ganz allein und zwar wirklich sehr clever. Dafür sorgt eine intelligente, lernende Heizungssteuerung. Denn es ist ja die einfache, eher banale Lösung, mit dem SmartHome jedem einzelnen Heizkörper zu sagen, wann er für heißes Wasser geöffnet sein soll und wann wieder geschlossen. Denn mehr können ja diese Regler nicht. Das bedeutet also, dass ich die Regler auf 8 Uhr programmieren muss, wenn ich es um 9 Uhr warm haben will, richtig? Man weiß es eigentlich nicht. Kommt drauf an, zum Beispiel wie kalt es draußen ist.

Genau an diesem Punkt greift die intelligente Heizungssteuerung. Der sage ich nur „Raum um 9 Uhr auf 23 Grad“ – wie die Heizung dahin kommt, wann welcher Heizkörper wie lange geöffnet ist, das berechnen Algorithmen, die sogar lernen und sich anpassen. Wenn es draußen Stein und Bein friert, wird es eben länger dauern, den Raum warm zu kriegen als im Vorfrühling. Um all diese Fragen muss ich mich jedenfalls nicht mehr kümmern. Auch das lästige „Der Letzte macht die Heizung aus“ entfällt jetzt. Um die Heizung muss sich niemand mehr kümmern. Nur am Karfreitag, da hätte mir das System eine Nachricht schicken können: „Nach meinem Kalender ist heute Feiertag. Klicken Sie hier, wenn Sie heute nicht ins Büro gehen.“ Zukunftsmusik. Kommt aber sicher irgendwann.

Das Smart Home im Smart Grid

Aber was ist mit der Stromersparnis mit einem Smart Home? Geht da was? Ja, da geht was, obwohl hier natürlich eher der Komfortaspekt wirkt, noch, müsste man sagen. Denn wirklich viel Geld kann man ja eher mit der Heizung sparen als mit dem Strom. Das wird sich aber über kurz oder lang ändern. Aber dafür muss man etwas ausholen.

Die Idee des Smart Homes entstand ursprünglich als Ergänzung des Smart Grid, des intelligenten Stromnetzes in Zeiten erneuerbarer Energien. Die dahinter stehende Logik lautet etwa so: Wenn Solaranlagen und Windkrafträder aus wetterbedingten Gründen keinen Strom liefern, das Stromnetz also an seine Belastungsgrenze stößt, könnte diese Information, umgesetzt in einen Preis, die Endverbraucher veranlassen, den Verbrauch von Strom temporär abzusenken. Der Kunde könnte den Waschgang verschieben, die Tiefkühltruhe zeitweise ausschalten, das Elektroauto nur zur Hälfte laden usw.

Das Konzept Smart Home dient quasi als Überbegriff, um möglichst viele Informationen über die aktuell und zukünftige Nutzung von Energie durch den Verbraucher sinnvoll zu erfassen und in einen Zusammenhang mit dem Zustand des Stromnetzes insgesamt zu stellen. Konkret: Wenn auf einmal doch eine frische Brise die Offshore-Windräder antreibt, sinkt der Strompreis an der Elektrizitätsbörse. Das Preissignal für die Verbraucher fällt und schon springen 10.000 Geschirrspülmaschinen an, die durch die Kunden im System zuvor als potenzielle Verbraucher hinterlegt wurden. Technisch ist das in Labors und Feldversuchen mit Intelligenten Stromzählern bereits ausgiebig durchexerziert worden.

Strom sparen im Büro

Boiler mit Zeitschaltuhr

Boiler mit Zeitschaltuhr

Dieses Szenario ist allerdings noch nicht Wirklichkeit, weil die Energieversorger bisher solche Echtzeit-Tarife nicht anbieten. Fairerweise bleibt festzuhalten, dass es aktuell kein Smart-Home-System auf dem Markt angeboten wird, das diese Integration ins Smart Grid fertig mitliefert. Wir befinden uns also erst ganz am Anfang der technischen Entwicklung und probieren alle erstmal diese neue Welt der smarten Haussteuerung aus. In unserem Büro haben wir zumindest bei zwei Geräten die sinnlose Verschwendung von Strom eingedämmt. Wir betreiben nämlich zwei elektrische Heißwasserboiler auf der Toilette und in der Teeküche, die wir jetzt zeitgesteuert haben. Es ist doch absurd, dass ein solcher Boiler nachts um 2 Uhr heißes Wasser vorhält. Von 9 bis 17 Uhr reicht völlig.

Die Lösung ist simpel: Zwischen Boiler und Steckdose werden einfach Funk-Zwischenstecker gesteckt, die mit dem EnBW GeräteManager gesteuert werden. Quasi eine Zeitschaltuhr in gut, die man mit einer ausgefeilten Nutzeroberfläche im Browser bedienen kann. Dabei wird es nicht bleiben. Auf der Toilette werden wir die Beleuchtung noch mit einem Bewegungsmelder verknüpfen.

Konfiguration der Boiler-Zeitschaltung über eine Weboberfläche

Konfiguration der Boiler-Zeitschaltung über eine Weboberfläche

Smart Home bedeutet Komfort pur

Das Smart Home per iPhone steuern

Das Smart Home per iPhone steuern

Zurück zu meiner neuen Wohnung. Wie wunderbar dieses SmartHome werden wird. Morgens nie mehr ein kaltes Bad oder eine kalte Küche. Um 9 Uhr ist dann werktags die ganze Wohnung platt. Um 18 Uhr sind Wohnzimmer und Küche wieder automatisch auf 21 Grad. Ab 20 Uhr darf‘s im Wohnzimmer etwas mehr sein, bis 23 Uhr. Darf‘s vielleicht ein warmes Badezimmer um 22:30 Uhr sein, für ne halbe Stunde? Und natürlich sind wir nicht Sklaven dieses Rhythmus, sondern ändern die Regeln mit einem Fingerwisch. Ach, wir konnten uns doch schon früher vom Kaffeeplausch bei der Schwiegermutter abseilen und wollen es trotzdem beim Eintreffen warm haben – kein Problem, erledigen wir mit dem Smartphone. Denn technisch gesehen sind Heizungs- und GeräteManager Webapps, lassen sich also mit allen Geräteformaten mobil problemlos bedienen. Installation nicht notwendig.

Und Lichtstimmungen werden wir uns programmieren. Am liebsten hätte ich jeden Lichtschalter smart. Wenn dann nächstes Jahr die neue Küche kommt, vielleicht sind dann die ersten smarthomefähigen Geräte zu erschwinglichen Preisen auf dem Markt und ich kann endlich meinen Kühlschrank von innen sehen, wenn ich im Supermarkt stehe. Denn der lädt Fotos vom Innenraum und der Tür jedes Mal automatisch ins Netz, wenn er aufgemacht wurde. Das wird einfach gut. Ich freu mich schon drauf.

(Fotos: Dirk Baranek)

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