Bereits früh morgens hieß es für ein elfköpfiges Team von Energiedienst: Abfahrt nach Friedrichshafen zu dem zweitätigen Seminar „EnergyNext“.

Wirklich gemütlich startete der Tag für uns jedoch nicht, denn auch Erste Klasse Tickets konnten uns in dem überfüllten Zug von Basel nach Friedrichshafen nicht vor dem Kampf um einen Sitzplatz bewahren. Erst als wir gemeinsam in Friedrichshafen ausstiegen und es zum Wachwerden einen Kaffee gab, konnten wir uns zum ersten Mal in Ruhe begrüßen.

Mit dabei waren zum einen die DHBW-Studentinnen Selina Harde, Sarah Baumgartner, Svenja Walter und ich sowie unser Wirtschaftsinformatik-Studenten Patrick Bühler. Zum anderen nahmen mit Thomas Zwigart, Anja Milanovic, Norbert Seifert, Jasmin Oswald, Julia Hendler und Kristina Richter einige Kollegen aus dem Personalbereich am Seminar teil.

Wir alle waren gespannt, was uns dort erwartete.

Worum geht es bei EnergyNext?

In den folgenden zwei Tagen sollten wir am Energieplanspiel EnergyNext teilnehmen. EnergyNext ist ein innovatives energiewirtschaftliches Planspiel der ProAccom GmbH, einem Unternehmensberater aus Offenburg.

EnergyNext wurde 2012 erstmalig auf der E-World in Essen präsentiert. Einige Energieversorger, Beratungsgesellschaften, Verbände und Vereine haben EnergyNext seit der Markteinführung eingesetzt.

Darüber hinaus befindet sich das Planspiel im Curriculum mehrerer Hochschulen.

Aller Anfang ist schwer…

Gemeinsam mit rund 15 Studentinnen und Studenten des Studiengangs Elektrotechnik – Schwerpunkt Energie und Umwelttechnik – an der DHBW Friedrichshafen wurden wir von Matthias Heidemann und Steffen Ziegler von EnergyNext im Schulungsraum begrüßt. Die beiden erklärten uns dann mit Hilfe eines kurzen Films, wie das Planspiel genau ablaufen sollte.

Mehrere Energieunternehmen treten miteinander in den Wettbewerb. Vor dem Hintergrund eines dynamischen Marktumfeldes sollten wir als Energiehändler, Erzeuger und Vertriebler permanent Entscheidungen treffen, um unser Unternehmen möglichst erfolgreich zu führen.

Das Spiel erstreckte sich dabei über drei Planungsrunden, die jeweils fünf Planjahre umfassten. Somit konnten nicht nur kurzfristige, sondern auch mittel- und langfristige Effekte unserer Entscheidungen abgebildet werden.

Ein Kernelement von EnergyNext ist die datenbankgestützte und webbasierte Software.

Gruppenfoto mit allen Energie-Teams beim abschließenden Energiekongress.

Lasset die Spiele beginnen

Zu Beginn wurden wir in sieben gemischte Teams eingeteilt. Jedes der Teams stellte ein Energieunternehmen dar. Neben den zwei großen Energieversorgern „Bluepower“ und „Redpower“ waren mit „Greenpower“, „Yellowpower“, „Indigo Power“ und „Greypower“ auch mittelgroße und kleine Energieversorger auf dem Markt vertreten.

Gemeinsam mit Luisa und Sabrina von der DHBW Friedrichshafen war es meine Aufgabe das Unternehmen „Greypower“ zu führen. Ob wir gegen die beiden Energieriesen am Markt eine Chance haben werden?

Sabrina Jerk, Anna-Lisa Butowski und Luisa Wolf vom Team „greypower“ bei der Arbeit.

„Einen Gewinner gibt es bei EnergyNext nicht. Das Spiel hat keine Musterlösung, es ist von den Entscheidungen der einzelnen Akteure abhängig und das Ergebnis jedes einzelnen Unternehmens ist offen“,

machte uns Steffen Ziegler zu Beginn klar.

Mittlerweile war auch Daniel Schölderle, Leiter Energiewirtschaft bei Energiedienst, in Friedrichshafen eingetroffen. Er übernahm im Planspiel den Part der Bank.

Gunnar Schubert, Studiengangsleiter des Studiengangs Elektrotechnik Schwerpunkt Energie- und Umwelttechnik, agierte als Regierung und versuchte durch politische Entscheidung Einfluss auf die Entscheidungen der Energieversorger zu nehmen.

Gunnar Schubert als Regierung und Daniel Schölderle als Bank versuchten das Geschehen auf dem Energiemarkt von außen zu lenken.

Runde 1: „Bigger is better“

Nach der Gruppeneinteilung loggten wir uns in die zugeteilten Nutzerprofile ein. Über die Benutzeroberfläche wurden uns alle erforderlichen Informationen und Interaktionsmöglichkeiten bereitgestellt. Nach dem ersten Kennenlernen der Software waren wir startklar und die erste Planspielrunde wurde eingeläutet – Thema „Bigger is better“.

Diese Runde umfasste den Zeitraum von 2006 bis 2010. Wie sah der Energiemarkt zu dieser Zeit aus?

Der Strommarkt ist bereits seit einigen Jahren liberalisiert, die Energiewende ist noch kein allzu großes Thema. Auf dem Energiemarkt dominieren die großen Anbieter „blue power“ und „red power“ und die Nachfrage nach erneuerbaren Energien hält sich noch in Grenzen.

Innerhalb unserer Teams sollten wir uns zunächst eine Strategie für unser Unternehmen ausdenken und die Aufgaben verteilen. Dabei gab es in jedem Team zwei Rollen.

Bei unserem Unternehmen „greypower“ arbeiteten Luisa und Sabrina gemeinsam als Erzeuger und Händler. Ihre Aufgabe war es unseren Kraftwerkspark bestehend aus Windkraftanlagen, Steinkohle-, Braunkohle, Laufwasser- und Gaskraftwerken zu managen und außerdem Strom über die Strombörse zu handeln.

Auch ein OTC-Handel (over-the-counter) mit den anderen Energieversorgern war möglich.

Ich arbeitete als Vertrieblerin und musste Runde für Runde darum kämpfen, virtuelle Kunden aus dem Kundenportal der Software mit unseren Angeboten davon zu überzeugen, unsere Stromkunden zu werden. Dabei war es wichtig, die Aktivitäten zwischen Vertrieb und Erzeugung bzw. Handel genau abzusprechen, um einerseits für eine ausgeglichene Energiebilanz zu sorgen und andererseits angemessene Strompreise berechnen und anbieten zu können.

Über die Gewinn- und Verlustrechnung sowie die Bilanz konnten wir einsehen, wie sich unsere Entscheidungen auf die Ergebniskennzahlen auswirkten und ob sich nicht vielleicht doch ein kalkulatorischer Fehler in unsere Berechnungen eingeschlichen hatte…

Unser Fazit nach der ersten Spielrunde:

Wir hatten immerhin drei Kunden gewinnen können und unsere Energiebilanz war ausgeglichen, das heißt wir hatten genauso viel Strom produziert, wie wir absetzen konnten. Außerdem trafen wir hinsichtlich der zu erwartenden Energiewende die strategische Entscheidung in den Bau eines Pumpspeicherkraftwerkes zu investieren.

Zum Glück erhielten wir in letzter Sekunde noch einen Kredit bei der Bank, um die Finanzierung unseres Kraftwerks sicherzustellen.

Und der Handel an der Börse? Nun ja, damit taten sich alle Energieversorger in der ersten Runde noch etwas schwer.

Am Ende des ersten Seminartages freuten wir uns alle auf ein leckeres Abendessen und einen entspannten Abend. So viele Informationen und Eindrücke mussten erstmal verarbeitet werden. Abseits des Planspiels boten die beiden Tage auch eine gute Gelegenheit, um gerade unsere neuen Kolleginnen aus dem Personalbereich kennen zu lernen. Bei so vielen neuen Gesichtern und Namen ist es nicht immer ganz einfach, den Überblick zu behalten.

Ausgeschlafen starteten wir motiviert in den Seminartag Nummer zwei, an dem uns zwei weitere Planungsrunden erwarteten.

Zunächst gab uns jedoch Daniel Schölderle einen kurzen, aber sehr informativen Einblick in den Energiehandel bei Energiedienst. Er erklärte dabei, wie sich die dezentrale Energieversorgung durch erneuerbare Energien auf den Energiemarkt auswirkt.

Die Planbarkeit der Energieproduktion ist aufgrund der vielen kleinen Einspeiser und der starken Wetterabhängigkeit komplexer geworden. Während wir im Planspiel unseren Strom in vier Perioden á 6 h pro Tag handeln bzw. vertreiben, kann an der realen Börse Strom im viertelstündlichen Takt gehandelt werden.

Runde 2: „Change is the word“

Daniel Schölderle erklärt uns, wie bei Energiedienst mit Strom gehandelt wird.

Daraufhin starteten wir unter dem Motto „Change is the word“ in die zweite Runde, die Jahre 2011 bis 2015 umfasste.

Der Atomausstieg wurde eingeläutet, die erneuerbaren Energien wurden immer stärker. Während die Energieeffizienz zunahm, nahm der allgemeine Stromabsatz ab. All diese Umweltfaktoren waren von uns als Energieversorgung bei unseren Planungen zu beachten.

Die Strombörse wurde konsequent alle 15 Minuten geschlossen und wir wurden dazu angehalten, intensivere Geschäfte an der Börse zu tätigen.

Team „greenenergy“ bei der Arbeit.

Und plötzlich meldete sich die Regierung zu Wort: Im japanischen Kernkraftwerk Fukushima kam es zur einer nuklearen Katastrophe und zu schweren Störfällen.

Regierungssprecher Gunnar Schubert verkündete:

„Die Bundesregierung fordert den Ausstieg aus der Atomkraft. Bis im Jahre 2019 wird die gesamte Kernenergie vom Netz genommen.“

Alle Energieunternehmen, die Atomkraftwerke in ihrem Kraftwerkspark betreiben, mussten sich also eine Strategie überlegen, wie sie die Vorgaben der Regierung umsetzen konnten und ihre Atomkraftwerke sukzessive stilllegen konnten, ohne das Unternehmen dabei gegen die Wand zu fahren.

Im Anschluss an die zweite Planungsrunde informierte Thomas Zwigart über die Entwicklung der Energiedienst-Gruppe vom traditionellen Energieversorger hin zum innovativen Energiedienstleister.

„Die theoretische Simulation des Energiemarktes, wie sie von EnergyNext abgebildet wird, durchlebte bzw. durchlebt die Energiedienst-Gruppe in ähnlicher Form tatsächlich.“,

erklärte er sichtlich begeistert von der Realitätsnähe des Planspiels.

Runde 3: „Power to the people“

Mit der letzten Planungsrunde (2016-2020) waren wir dann zeitlich in der Realität angekommen. Alles dreht sich um die dezentrale Energieerzeugung und neben dem reinen Stromvertrieb gab es auch die Möglichkeit innovative Dienstleistungen aus den Bereichen Elektromobilität, Telekommunikation und Wärmecontracting.

„Gar nicht so weit entfernt, von unserem aktuellen Produktportfolio“,

stellte Selina Harde fest. Nachdem weiter fleißig diskutiert, gehandelt, eingekauft und verkauft wurde, neigte sich auch die letzte Planungsrunde dem Ende zu.

Um die Entwicklungen und Ergebnisse der letzten 15 Jahre vorstellen zu können, wurden alle Energieversorger zu einer abschließenden Energiekonferenz eingeladen. Jedes Unternehmen präsentierte kurz seine Entscheidungen, Erfolge und Misserfolge.

Über die EnergyNext Software konnten dafür informative und hilfreiche Statistiken beispielsweise über die Entwicklung der finanziellen Kennzahlen, der Mitarbeiterzahlen, der Energiezeugung sowie den Anteil an erneuerbaren Energien abgerufen werden.

„redpower“ präsentiert seine Ergebnisse beim abschließenden Energiekongress.

Das Fazit:

Den meisten Energieversorgern war es gelungen, ein positives Betriebsergebnis zu erzielen. Außerdem waren im Jahre 2020 alle Atomkraftwerke stillgelegt und alle Energieversorger hatten den Anteil an erneuerbaren Energien zur Stromerzeugung erheblich erhöht.

Für uns war es eine interessante Erfahrung für ein paar Stunden als Stromhändler, Kraftwerksparkmanager und Vertriebler einzutauchen und das Zusammenspiel innerhalb dieser Bereiche eines Unternehmens sowie zwischen den einzelnen Akteuren am Markt zu erleben.

Die vereinfachten Prozesse beim Planspiel selbst durchzuführen, kann uns dabei helfen, die entsprechenden Abläufe innerhalb unseres Unternehmens und die Komplexität des Energiemarkts im Allgemeinen besser zu verstehen. Somit waren die beiden Seminartage in Friedrichshafen für uns alle eine gelungene und lehrreiche Abwechslung zu unserem gewohnten Arbeitsalltag.

Blogbeiträge per E-Mail

Sie interessiern sich für Themen rund um regenerative Energie? Gern senden wir Ihnen neue Beiträge im Energiedienst Blog per E-Mail. Selbstverständlich ist das kostenlos und unverbindlich. Ihre Daten werden zu keinem anderen Zweck verwendet. Den Newsletter können Sie jederzeit wieder abbestellen, wenn Sie es sich anders überlegen sollten.

Ich möchte Blogbeiträge per E-Mail abonnieren und habe die Datenschutzhinweise (Abschnitt "Newsletter") gelesen. Den Newsletter kann ich jederzeit wieder abbestellen, entweder direkt im Newsletter oder per Brief, Telefon, Fax oder E-Mail.

Erhalten Sie neue Blogbeiträge per E-Mail! Hier geht es zum Bestellformular.