Es ist eigentlich nur ein Fluss. Rund 1.238 km lang, 883 km davon für die Großschifffahrt nutzbar. Die mittlere Abflussmenge am Staatspegel in Rheinfelden beträgt 1.037 m³/s.

Dieser Fluss treibt seit Jahren die Turbinen in unseren Wasserkraftwerken zuverlässig an. Aber in ihm liegt mehr als nur ein Quell unerschöpflicher Energie!

Der Rhein. Er zieht nicht nur eine Linie zwischen Deutschland und der Schweiz, er ist eine Hürde zwischen EU und nicht EU.

Auch wenn wir auf beiden Seiten des Rheins das gleiche Wetter haben und die gleiche Luft atmen, beginnt bereits damit der Unterschied, in welcher Währung wir unsere Getränke am Automaten bezahlen.

Auch der in der EU eingekaufte PC, der an einem Arbeitsplatz in der Schweiz angeschlossen werden soll, benötigt einen Adapterstecker, um überhaupt in die dort vorhandene Steckdose zu passen.

Und eben diese EU-Außengrenze hat bei Energiedienst eine ganz besondere Bedeutung. Ihr Verlauf geht nämlich direkt durch unsere Flusswasserkraftwerke. Und stellt uns als Unternehmen vor ganz spezielle Herausforderungen.

Grenze-Deutsch_Schweiz

Wasserkraftwerk Laufenburg – Grenze zwischen Wehrfeld Nr. 1 und Wehrfeld Nr. 2

Andrea Brandau, zuständig bei Energiedienst für die Abwicklung der zollrechtlichen Belange, weiß, was da so alles an „Spezialitäten“ auftritt, denn jede Person, die über unser Stauwehr läuft, reist aus der EU in die Schweiz ein oder umgekehrt.

Und für Grenzübertritte im Schengenraum gelten eben bestimmte Richtlinien was den Personen- und Warenverkehr angeht. Darauf weisen wir auch auf unseren Stauwehren eindeutig  hin.

Gelten für Privatpersonen Freigrenzen beim Überqueren der deutsch/schweizerischen Grenze, so muss ein Unternehmen sämtlichen Warenverkehr anmelden und zollrechtlich bearbeiten lassen.

Die vielen Richtlinien und Verordnungen kann Andrea mittlerweile im Schlaf aufsagen. Genauso wie die Auflistung aller Daten, die sie von den jeweiligen Fachbereichen benötigt, um überhaupt die Verzollungspapiere erstellen zu können.

Eine kleine Kostprobe?

Anzahl, Wert, Gewicht, Herkunftsland, Zolltarifnummer, Steuernummer, Lieferantenerklärung …, um nur einige zu nennen. Aus diesen Informationen baut sie dann die entsprechenden Zollpapiere, wie Zollrechnung, Ausfuhranmeldung, EUR1 usw. zusammen.

Der hier entstehende Aufwand ist abhängig vom Warenwert, aber auch der Herkunft der zu verzollenden Waren. Hier wird hauptsächlich unterschieden nach EU-Ware, die dann als präferenzbegünstigte Ware zollfrei ist, jedoch einfuhrumsatzsteuerrechtlich behandelt wird, und Drittlandsware wie zum Beispiel aus China oder Slowenien.

Diese Waren unterliegen je nach Zolltarifnummer festgelegten Zollsätzen sowie der Einfuhrumsatzsteuer.

Alles klar?

Und nebenbei sei noch erwähnt, dass die Zollpapiere zum einen für die Ausfuhr aus dem jeweiligen Land, als auch für die Einfuhr in das andere Land erstellt werden müssen. „Und jedesmal sind andere Zollpapiere nötig“, weiß Andrea.

Jede Kraftwerksbegehung, jede Kontrolle des Stauwehrs, Reparaturen und Wartungen … Bei all dem muss immer der magische Strich, der Grenzverlauf im Kraftwerk, berücksichtigt werden.

Wird zum Beispiel am Stauwehr, das sich in Deutschland befindet, ein Bauteil zur Reparatur ausgebaut, transportiert der Kran dieses in die Schweiz. Hier müssen alle Zollformalitäten erledigt sein, bevor die Maßnahme durchgeführt wird.

Und manchmal muss dieses Bauteil dann zur Revision wieder zurück nach Deutschland und wird anschließend über den Kran in der Schweiz als aktiv veredelte Ware in das Stauwehr auf der deutschen Seite eingebaut.

Richtig gezählt! Für dieses eine Bauteil müssen Papiere für vier Grenzübertritte ausgestellt werden!

Um solche Arbeitsvorgänge nicht unnötig lang hinzuziehen, haben uns die Zollbehörden Sonderbewilligungen erteilt, die immer wieder überprüft und erneuert werden müssen.

Sind bei solchen Maßnahmen noch Mitarbeiter von Fremdfirmen beteiligt, müssen sich diese um die nötigen Arbeitsbewilligungen etc. kümmern, damit der Mitarbeiter beim Arbeiten mal kurz aus der EU ausreisen kann.

Und ein ganz aktuelles Thema beschäftigt Andrea gerade. Ein so mit der EU-Außengrenze lebendes Unternehmen wie die Energiedienst-Gruppe beschäftigt Mitarbeiter mit deutscher und Schweizer Staatsangehörigkeit.

Und auch der Fuhrpark besteht aus Fahrzeugen mit Schweizer Kontrollschildern und deutschen Nummernschildern. Und wie soll es auch anders sein? Auch hier gibt es wieder Regelungen und Formulare. Welcher Mitarbeiter darf mit welchem Fahrzeug fahren? Ein in der Schweiz wohnhafter Mitarbeiter darf zum Beispiel kein in Deutschland zugelassenes Fahrzeug fahren.

Also gibt es wieder viel abzuklären, Bewilligungen zu beantragen, Mitarbeiter zu informieren und mir wird klar, dass dieses Thema „Zoll“ nicht einfach mal nebenher läuft. Bei der Anzahl an Prozessen, Bewilligungen und gesetzlichen Vorgaben braucht es kompetentes Wissen.

Um alle Vorgänge zollrechtlich genau abwickeln zu können, setzt Andrea auf die vielen vorausschauenden Mitarbeiter.

Sie betont: „ Die rechtzeitige Meldung anstehender Verzollungen und Bauarbeiten ist unbedingt nötig, um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.“

Bei der Arbeit, die hinter einer solchen Verzollung steckt, ist das jetzt, glaube ich, uns allen klar.

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