Mit neun pflanzte Felix Finkbeiner seinen ersten Baum. Bis heute folgten 15 Milliarden Bäume. Wie sein Schulreferat eine globale Bewegung entfachte.

Felix Finkbeiner betritt die Sporthalle in Murg, in der er gleich einen Vortrag über die Klimakrise hält. Er sieht aus wie Harry Potter in groß: kurze, braune Haare, braune Brille, ein Pfiffikus. Unter seinem dunkelblauen Sakko lugen die grünen Bäume auf seinem Plant-for-the-Planet T-Shirt hervor. Das ist die Organisation, die er mit neun Jahren gründete. Soll ich den 21-Jährigen duzen oder doch lieber siezen? „Sie“ ist besser. Schließlich ist er laut Forbes Magazin einer der 100 einflussreichsten Menschen Deutschlands. „Hallo, ich bin Felix“, begrüßt er mich.

Felix Finkbeiner im Gespräch

Beim Murger Zukunftsgespräch interviewte ich Felix Finkbeiner vor seinem Vortrag. Bild: Juri Junkov

 

Woher kommst Du gerade?

Aus Zürich. Seit September bin ich an der ETH (Eidgenössische Technische Hochschule) und arbeite an meiner Doktorarbeit im Fach Ökologie.

 

Was sagen Eltern, wenn ein Neunjähriger vor ihnen steht: Ich muss die Welt retten?

(Felix lacht). So war es nicht. Begonnen hat alles mit einem Referat für die Schule zum Thema Klimakrise. Bei meiner Recherche bin ich auf Wangari Maathai gestoßen. Die Kenianerin war die erste Professorin ihres Landes. Sie und ihre Mitstreiterinnen pflanzten 30 Millionen Bäume in 30 Jahren. Das wollte ich auch machen. Wangari Maathai ist bis heute mein Vorbild. Ich habe sie 2011 getroffen. Da waren wir bereits seit vier Jahren aktiv. Es war so schön ihr zu erzählen, was wir erreicht haben.

Felix wirbt für Klimaschutz

Bereits mit neun Jahren engagierte sich Felix für den weltweiten Klimaschutz. Bild: Plant-for-the-Planet

Wann war Dir das erste Mal bewusst, dass wir das Klima nicht genug schützen?

In meinem Referat ging es darum, die Eisbären zu retten, bis mir klar wurde, es geht nicht um sie, sondern um meine Zukunft. So entstand die Idee eine Millionen Bäume zu pflanzen in jedem Land der Erde. Damals hatte ich allerdings keine Vorstellung davon, was das bedeutet (Felix lacht). Es war einfach die größte Zahl, die ich kannte.

 

Wie ging es weiter?

Nach dem Referat pflanzte meine Schule in Starnberg den ersten Baum vor dem Gebäude, worüber der Bayerische Rundfunk und die Süddeutsche Zeitung berichteten. Viele Schulen in der Umgebung zogen nach. Es entstand ein Wettbewerb, wer die meisten Bäume pflanzt. Bereits im ersten Jahr waren es 50.000. Unsere Aktion verbreitet sich schnell auch in anderen Ländern, und alles bekam eine internationale Dimension.

Kinder pflanzen Bäume

Damals war Felix‘ Ziel eine Millionen Bäume zu pflanzen in jedem Land der Erde. Heute sind es über 15 Milliarden. Bild: Plant-for-the-Planet

Plant-for-the-Planet hat prominente Schirmherren: Kaus Töpfer, ehemaliger Bundesumweltminister, und Fürst Albert II. von Monaco. Wie entstand der Kontakt?

Klaus Töpfer habe ich einen Brief geschrieben und er hat gleich zugesagt. Fürst Albert von Monaco bin ich zufällig immer wieder auf Veranstaltungen begegnet. So kamen wir ins Gespräch. Heute treffe ich ihn regemäßig und berichte ihm über die neusten Entwicklungen.

Mit 13 Jahren hast Du vor der UNO Vollversammlung gesprochen als würdest Du das jeden Tag tun. Woher kam Deine Sicherheit?

Damals wusste ich nicht, was es bedeutet. Es fühlte sich an, wie vor der Schulklasse zu stehen. Außerdem ist man als Kind mutiger und freier, weil man sich keine Gedanken über die Konsequenzen macht. Das lässt nach, je älter man wird. Ein Nachteil des Älterwerdens (Felix lacht).

 

War es eine Last so jung so viel Aufmerksamkeit zu bekommen, geradezu als Wunderkind gefeiert zu werden?

Als Kind habe ich es nie so empfunden. Ganz im Gegenteil, für mich war es eine wunderbare Chance, dass mir Leute zuhören und ich sie begeistern kann. Es war ein Vorteil, denn ein Erwachsener, der über Klimaschutz spricht, bekommt weniger Aufmerksamkeit als ein Kind.

Wie entstand die Idee der Botschafter für Klimagerechtigkeit?

Meine Eltern haben sich Sorgen gemacht, dass es mir zu viel werden könnte. Daher sollten viele Kinder miteingebunden werden, damit ich nicht alleine im Mittelpunkt stehe. Die Botschafter verbreiten mit ihren Vorträgen unsere Idee auf der ganzen Welt. Heute sind wir 70.000 Kinder und Jugendliche in 67 Ländern, die von Plant-for-the-Planet zum Botschafter für Klimagerechtigkeit ausgebildet werden.

Kinder werden Klimabotschafter

Erst verstehen, dann weitergeben: In Murg bildete Plant-for-the-Planet rund 90 Kindern zu Botschaftern für Klimagerechtigkeit aus. Bild: Juri Junkov

Dein Ziel ist es, weltweit eine Billion Bäume zu pflanzen, um ein Viertel der von Menschen verursachten CO2 Emissionen zu binden. Manche halten dieses Ziel für unrealistisch.

Eine Billion Bäume, also 1.000 Milliarden, das sind pro Mensch gerade mal 150 Bäume. Eine Studie der Yale Universität kommt zu dem Ergebnis, dass weltweit mindestens 3.000 Milliarden Bäume gepflanzt werden können. Das globale Aufforstungspotenzial untersuche ich auch in meiner Doktorarbeit. Außer dem Bäume pflanzen müssen wir natürlich auch noch unseren CO2-Ausstoß drastisch reduzieren.

Felix Finkbeiner und Prinz Albert unterstützen Klimaschutz

Fürst Albert II. von Monaco und Felix Finkbeiner pflanzten einen Olivenbaum vor dem Grimaldi Forum in Monaco im März 2018. Zuvor hatten sie die Trillion Tree Campaign unterzeichnet. Bild: Daniel Nückel, Plant-for-the-Planet

Manche bezeichnen Dich als „weltweite Symbolfigur für die junge Generation“, einen „Green Giant“, „einen der 100 einflussreichsten Deutschen“. Welcher Titel gefällt Dir am besten?

Botschafter für Klimagerechtigkeit – das passt am besten.

Wo bewahrst Du Dein Bundesverdienstkreuz auf?

Im Schrank mit ein paar anderen Auszeichnungen in unserem Tutzinger Büro.

Welche drei Dinge möchtest Du noch unbedingt tun?

Meine Doktorarbeit abschließen, eine Billion Bäume pflanzen und in die Politik gehen.

Meine Stimme hat er.

Ingrid Mardo

Ingrid Mardo arbeitet in der Unternehmenskommunikation: „Als Mitarbeiterin in der Unternehmenskommunikation vermittle ich der Öffentlichkeit, was Energiedienst tut. Dafür muss ich geländegängig sein: bin mal Schreiberling, Pressebetreuer, Aufnahmeleiterin oder Twitterfee. Schwerpunkte meiner Arbeit sind Pressearbeit, Publikationen und Social Media.“

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