Soll das nächste Fahrzeug ein Elektroauto sein? Immer mehr Autofahrer befassen sich mit dieser Frage. Da E-Mobility aber noch immer relativ neu ist und für viele Interessierte ein Buch mit sieben Siegeln, existieren Unsicherheiten. Nicht jedem ist klar, welche Konsequenzen der Wechsel vom Verbrennerantrieb hin zum Elektroauto hat. Im Folgenden beantworten wir 10 Fragen, die man sich stellen sollte, bevor man eine qualifizierte Entscheidung trifft.

1. Wie hoch ist mein Mobilitätsbedarf?

Die meisten Elektroautos schaffen ohne Probleme 150 Kilometer, elektrische Oberklasse-Fahrzeuge sogar bis zu 500 Kilometer. Daher ist wichtig, sich bei der Wahl des entsprechenden Fahrzeugs Gedanken darüber zu machen, wie weit man im Alltag fahren will, ohne das Auto erneut aufzuladen. Wer zum Beispiel jeden Tag zu seiner Arbeitsstelle 50 Kilometer hin und wieder zurück fährt, der kann diese Anforderung ohne Probleme bestreiten. Voraussetzung natürlich: Das Aufladen müsste bei einem kleinen E-Auto dann täglich gewährleistet sein.

2. Wie funktioniert eigentlich ein Elektroauto?

Diese Frage wird so manchen erheitern, weil sie banal klingt. Natürlich mit Strom! Hört sich einfach an, aber wenn man das komplett durchdenkt, ergeben sich daraus wichtige Konsequenzen.
Zunächst muss der Strom mitgeführt werden, und das geschieht mit einem Lithium-Ionen-Akku. Dessen Kapazität wird in Kilowattstunden (kWh) beziffert.

Handelsüblich sind Akkus zwischen 15 und 100 kWh. In diesen Akku muss die Energie hinein, und zwar möglichst schnell. Das ist technisch anspruchsvoll, weshalb alle Akkus mit einer komplexen Elektronik gesteuert werden. Am schnellsten lädt der Akku im Bereich zwischen 30 bis 70% Ladezustand. Ist er fast leer oder fast voll, lädt er etwas langsamer.

Den elektrischen Antrieb für Fahrzeuge gibt es seit mehr als 100 Jahren. Seitdem ist er in der Entwicklung und inzwischen komplett ausgereift, leistungsstark, langlebig und nahezu wartungsfrei. Viele Dinge, um die man sich bei einem Auto normalerweise Gedanken machen muss, sind damit überflüssig. Ein Elektroauto hat weder Getriebe noch Gangschaltung. Der Motor dreht einfach hoch und entfaltet seine ganze Kraft in jedem beliebigen Zustand. Und er hat viel Kraft, sehr viel…

Es braucht außerdem weder Vergaser noch Lichtmaschine, Zündung oder Auspuffanlage – alles Verschleißteile, die nicht gewartet werden müssen. Allerdings erzeugt der Motor auch keine Wärme, die zum Heizen im Fahrzeuginneren ausreicht. Klimatisiert und geheizt werden muss also mit Strom. Ungewohnter Nebeneffekt: Die Motorhaube wird im Winter nicht automatisch eisfrei.

3. Brauche ich einen besonderen Führerschein für ein Elektroauto?

Kein Scherz, diese Frage habe ich schon oft gehört. Die Antwort ist: Nein! Wenn man in Besitz eines gültigen Führerscheins für einen Pkw ist, setzt man sich in ein Elektroauto und fährt los.

4. Muss ich bei einer Panne oder einem Unfall etwas Besonderes beachten?

Nein, das ist nicht notwendig. Trotz der noch relativ geringen Verbreitung von Elektroautos sind Pannen- und Unfallhelfer bereits entsprechend geschult und wissen um die Besonderheiten. Bisher hat es keine besonderen Vorfälle mit diesen Fahrzeugen gegeben.

5. Muss ich mit Tempo 100 über die Autobahn schleichen?

Nein. Elektroautos fahren problemlos über längere Strecken mit der Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Auch schneller geht es zumeist, allerdings ist das abhängig vom Modell. Was aber sicher nicht mehr geht, ist die Raserei mit Tempo 200 oder schneller über eine sehr lange Strecke. Selbst mit einem Fahrzeug der Oberklasse wie dem Tesla Model S ist das nur über 40-50 Kilometer möglich.

Grund: Der Akku erhitzt bei der starken Energieabgabe erheblich und muss daher abgeregelt werden. Im Fahrzeug erscheinen dann entsprechende Warnhinweise. Schäden kann man allerdings nicht verursachen. Elektroautofahrer sehen sehr genau, wie viel ihr Auto gerade verbraucht und wie viel Restreichweite ihnen bleibt. Ich behaupte: Elektromobilisten fahren eher defensiv in der Endgeschwindigkeit, aber drücken bei der Beschleunigung gerne mal das Fahrpedal durch, weil diese Autos richtig zügig beschleunigen. Das macht Laune!

6. Verbraucht ein E-Auto im Winter mehr und muss ich dann meine Heizung ausschalten, um ans Ziel zu kommen?

E-Autos verbrauchen im Winter mehr Energie als im Sommer, aber die Quantität des Mehrbedarfs wird oft übertrieben. Da der Antrieb ohne Verlust die eingesetzte Energie in Bewegung umsetzt, fällt nichts für die Heizung ab. Diese muss daher elektrisch betrieben werden. Auch die Akkus werden auf optimaler Betriebstemperatur um die 20 Grad gehalten. Es muss niemand frieren, um seine Reichweite zu erhalten. Sicher, es gibt knickrige Zeitgenossen, denen jede Kilowattstunde für ein bisschen Komfort zu schade ist, aber nun ja.

7. Wie ist das eigentlich mit dem Strom genau?

Als Besitzer eines Elektroautos taucht man unvermittelt in eine Welt ein, mit der man sich als Nicht-Elektriker in der Regel kaum beschäftigt: Die komplexe Welt der Stromversorgung. Keine Angst, man muss nun kein Physikstudium absolvieren, um von dieser Welt so viel zu verstehen, wie es für die Nutzung der Elektromobilität braucht.

Grundlegend für die Berechnungen ist die Einheit Kilowatt, die die Leistungsstärke des elektrischen Stroms bezeichnet. Daraus abgeleitet wird die Einheit Kilowattstunde. Es gilt: Ein Gerät, das mit einer Leistung von 1 Kilowatt (kW /1000 Watt) eine Stunde lang betrieben wird, verbraucht 1 Kilowattstunde (kWh) Strom.

Ein normaler Haushaltsanschluss liefert Strom mit einer Leistung von 3,6 kW. Das bedeutet, dass ein E-Auto-Akku mit einer Kapazität von 35 kWh mehr als 10 Stunden braucht, um von 0 auf 100 Prozent geladen zu sein. Im Vergleich dazu braucht man an einer üblichen öffentlichen Ladestation mit einer Leistung von ca 11 kW nur etwa 3,5 Stunden. Allerdings ist die Leistungsaufnahme aktueller Elektrofahrzeuge ganz unterschiedlich. So lädt zum Beispiel der neueste e-Golf technisch bedingt nur maximal 7,5 kW, selbst an einer Ladestation, die 11 kW leisten könnte.

Ein weiterer Punkt ist der Unterschied zwischen Wechsel- und Gleichstrom. Prinzipiell laden Akkus Gleichstrom und geben Gleichstrom ab. Wenn man das Fahrzeug an den Wechselstrom hängt, muss dieser also über einen Wechselrichter umgewandelt werden, der bei den meisten Fahrzeugen eingebaut ist. Für den Nutzer eigentlich kein Unterschied.

An sogenannten Schnellladestationen, die jetzt vermehrt auf Autobahn-Rastplätzen aufgebaut werden, kann man zum Beispiel mit bis zu 50 kW Gleichstrom über den ChADeMo-Anschluss (sofern am Auto vorhanden) laden.

Für die Berechnung von Ladezeiten muss man also neben der Akkugröße wissen, wie viel Strom aus der Ladestation herauskommt und wie viel das Auto in der Lage ist aufzunehmen. Weiteres Beispiel: Autos der Marke Tesla können an der von dem Unternehmen exklusiv bereit gestellten Ladeinfrastruktur mit einer Leistung von bis zu 120 kW laden.

8. Brauche ich ein Ladekabel und wird das nicht gestohlen?

Anders als beim Verbrenner führt man als E-Autofahrer die Verbindung – sprich: das Kabel – zwischen Ladestation und Auto immer selbst mit. Das Kabel kann nicht entwendet werden, denn es ist während des Ladevorgangs in der Regel sowohl am Fahrzeug wie auch an der Ladestation fest verriegelt. Es kann nicht durch Fremde abgezogen werden, denn das ist nur möglich, wenn man sich entsprechend am Fahrzeug oder an der Station autorisiert, um den Ladevorgang zu beenden. Ausnahmen bestätigen die Regel, etwa bei älteren Elektroautos, wenn diese an einer regulären Haushaltssteckdose geladen werden.

Noch ein Wort zum Thema Steckersysteme. Neue Technologien fehlt es zumeist an Standards. Jeder Hersteller entwickelt zunächst eigene Systeme und versucht diese als Standard im Markt zu etablieren. Das ist bei der Elektromobilität nicht anders. Es haben sich folgende Stecker durchgesetzt

  • Schukostecker: Bis maximal 3,5 kW
  • Stecker Typ II: weit verbreitet, funktioniert an öffentlichen Ladestationen bis max 22 kW
  • CHAdeMO: Standard asiatischer Hersteller, der schnelles Laden erlaubt mit Gleichstrom bis zu 50 kW. An manchen Schnellladestationen verfügbar.
  • Combined Charging System CCS: Relativ neuer Standard für das Laden mit Gleichstrom. Wird vor allem von deutschen Herstellern für die neue Generation von E-Autos vorangetrieben

Verwirrt? Macht nichts. Als E-Auto-Fahrer hat man nach einiger Zeit Adapter dabei.

9. Ist ein Elektroauto erheblich teurer als ein Verbrenner?

Elektroautos fehlt aktuell die Akzeptanz bei vielen Konsumenten, und das liegt zum Teil am Anschaffungspreis. Ja, Elektroautos sind im Vergleich zu einem in der Ausstattung und Größe vergleichbaren Benzin- oder Dieselmodell noch erheblich teurer in der Anschaffung. Dies liegt vor allem an den Akkus, deren Preise zwar gesunken sind und weiter sinken werden, aber noch treiben sie den Preis.
Allerdings, und das scheinen sich viele Autokäufer nicht klar zu machen, verursacht die Haltung eines Autos generell mehr Kosten als die reine Anschaffung. Und an dieser Stelle ist ein Elektroauto deutlich günstiger.

  • Verbrauch: Ein E-Auto verbraucht je nach Modell etwa 10 bis 20 kWh auf 100 Kilometer. Eine Kilowattstunde kostet maximal 0,30 Euro, oft weniger. Für 100 Kilometer zahlt man also zwischen 3 und 6 Euro. Außerdem: Bei so mancher Gelegenheit kriegt man Strom geschenkt; Tesla-Fahrer oder ALDI-Kunden wissen das zu schätzen.
  • Steuern und Versicherung: In Deutschland sind E-Autos für die nächsten Jahre von der Kfz-Steuer befreit. Bei der Versicherung sind die Tarife günstig, weil bisher weniger Unfälle mit den Autos verursacht wurden.
  • Wartung: Da die Autos keinen Ölwechsel brauchen, wesentlich weniger Verschleißteile haben und selbst der Bremsabrieb aufgrund der rekuperativen Energiegewinnung beim Bremsvorgang wesentlich geringer ist, verursachen E-Autos kaum Wartungskosten.
  • Kommunale Privilegien: In vielen deutschen Städten genießen E-Autos kleine und große Privilegien. Ein finanzieller Vorteil ergibt sich vor allem aus der kostenfreien Benutzung öffentlich bewirtschafteter Parkflächen. In so manchem Parkhaus zahlt man zwar Parkgebühren, kann dafür aber während der Standzeit gratis laden.
  • Wiederverkaufswert: Das ist zwar eher eine Momentaufnahme, aber aktuell erzielen gebrauchte E-Autos Spitzenpreise.

Fazit: Wer sich beim Kostenvergleich allein auf den Anschaffungspreis konzentriert, wird zu falschen Ergebnissen kommen. Um ein realistisches Szenario zu kalkulieren, sollte man sich alle Kostenverursacher seines bisherigen Autos anschauen, um den tatsächlichen Aufwand für die fossile Technik zu bestimmen. Wem das zu viel Arbeit ist, dem sei an dieser Stelle versichert: Die meisten Berechnungen gehen davon aus, dass sich bei normaler Nutzung ein E-Auto nach etwa 5 Jahren bezahlt macht.

Energiedienst-Ladestationen

Zur Infrastruktur am Hochrhein gehören bereits rund 90 Schnellladesäulen mit 2 x 22 kW. Diese wird laufend ausgebaut und modernisiert.

10.Und dann stehe ich stundenlang an einer Ladestation um zu laden?

Nein, das macht niemand und das ist auch nicht notwendig. Hier Beispiele für Ladeszenarien.

  • Sie haben einen eigenen Stellplatz, Garage oder Carport, privat oder am Arbeitsplatz: Das ist der Optimalfall. Dann wird das Fahrzeug einfach immer angeschlossen, wenn es dort steht. Einfach an die Schukosteckdose, fertig. Ihr Fahrzeug dürfte dann bei erneuter Benutzung wieder voll sein, denn es steht ja über Stunden dort. Oder Sie investieren in eine eigene private Ladestation, Wallbox genannt (3-phasig, Leistung 11,5 kW), dann geht es schneller. Energiedienst bietet für Kunden unterschiedliche Varianten solcher privater Ladestationen. Mit dem Gesamtpaket my-e-nergy produzieren Sie Ihren eigenen Strom und können diesen sogar verkaufen, wenn Sie und Ihre Familie versorgt sind.
  • Sie sind Laternenparker, so nennt man Autobesitzer, die keine Garage, keinen Carport oder ähnliches haben und an der Straße neben Laternen parken müssen. Dann sind Sie auf die öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen. Je nach Akkukapazität müssen Sie dort 4-6 Stunden ein bis zwei Mal pro Woche laden. Das lässt sich oft organisieren. Lassen Sie sich von dem Lamento über fehlende Ladestationen nicht irritieren. Es existieren bereits viele tausende Ladepunkte in Deutschland, und es werden in der nächsten Zeit weitere tausende errichtet werden.
  • Überlandfahrt: In diesem Szenario gibt es viele Faktoren, die die Zeitplanung beeinflussen. Wie groß ist der Akku? Wie hoch ist die Leistungsaufnahme des Fahrzeugs? Wenn ein Auto nur langsam laden kann, hilft die beste Schnellladestation nichts. Jedenfalls kann man normale Pausen einfach zum Laden nutzen und muss vielleicht mal eine mehr machen als bisher. Aber wie gesagt: Das kommt auf das Fahrzeug an. Meine persönliche Erfahrung: Man braucht für Langstrecken zwar etwas länger, aber alles ist auch irgendwie entspannter. Langstreckenfahrberichte finden sich auch hier im Blog: Schwabenurlaub mit dem Elektroauto und Tesla Model X – Im Panoramawagen durch Europa.

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