Gerade einmal zwei Jahre verrichtete mein jüngster Drucker seinen Dienst, dann verabschiedete er sich. Hersteller und Händler sind aus dem Schneider, Garantie- und Gewährleistungszeit hat er überstanden. Kann passieren, auch bei teuren Bürodruckern. Aber war das beim Vorgängermodell vom selben Hersteller nicht auch schon so?

Wieder einmal drängt sich der Verdacht auf, Opfer einer ins Gerät eingebauten Schwachstelle zu sein. Und wie war das beim Drucker davor, andere Marke anderes Modell? Nach knapp drei Jahren auf den Müll gewandert wegen eines vollen Tintenauffangschwämmchens.

Defekte Drucker geben besonders häufig Anlass für Beschwerden. Im Internet gibt es Programme mit denen der interne Zähler-Chip zurückgesetzt werden kann.

Immer wieder hört man von „geplanter Obsoleszenz“, also einem eingearbeiteten Verfallsdatum. Wer sich in seinem Bekanntenkreis umhört, wird viele Beispiele finden. Doch gibt es so etwas wirklich, eingebaute Mängel?

Offiziell nicht – doch das Gefühl sagt etwas anderes. In nahezu allen Lebensbereichen stößt man auf Produkte, die vermeintlich vorschnell ihren Geist aufgeben. Besonders anfällig sind IT-Produkte sowie der Haushalts- und Unterhaltungselektronik. Aber auch die Hersteller von Fahrzeugen und Kleidung stehen immer wieder im Verdacht, Sollbruchstellen einzubauen.

Elektrolytkondensatoren sind Schlüsselkomponenten in Netzteilen. Ihre Lebensdauer ist stark von der Temperatur abhängig. Hochwertige Markenkondensatoren verlängern die Nutzungsdauer der Endgeräte.

Minderwertige oder unterdimensionierte Elektrolytkondensatoren werden zum Beispiel an der wärmsten Stelle moderner Flachbildschirme verbaut. Interne Zähler lösen bei Druckern nach einer bestimmten Anzahl von Ausdrucken Fehlermeldungen aus. Gehäuse werden mit Spezialschrauben verschraubt, Akkus fest verklebt. Ersatzteile sind schon nach kurzer Zeit nicht mehr lieferbar.

Historisch überliefert ist die Geschichte des Phoebus-Kartells, in dem sich 1924 führende Hersteller zusammenschlossen, um die Lebensdauer ihrer Glühbirnen von 2.500 auf 1.000 Stunden zu senken. Längst gibt es Patente für Glühbirnen mit einer Brenndauer von 100.000 Stunden, doch diese wurden aufgekauft und verschwanden in den Schubladen der Hersteller.

Das Phoebus-Kartell begrenzte die Lebensdauer von Glühlampen auf 1.000 Stunden – Normung oder Kartellabsprache?

Dass Glühbirnen durchaus lange durchhalten, beweist eine Lampe in Feuerwache der Stadt Livermore in Kalifornien, die seit 1901 nahezu ununterbrochen brennt.

Auch die Feinstrumpfhose aus Nylon erwies sich bei ihrer Einführung 1935 als zu stabil, weshalb an ihrer Haltbarkeit „nachgebessert“ wurde.

Die Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz SKS hat im Jahr 2013 zahlreiche Fälle dokumentiert, bei denen eine „geplante Obsoleszenz“ vorliegen soll.

In Frankreich drohen bei „geplanter Obsoleszenz“ zwei Jahre Gefängnis.

Noch einen Schritt weiter gingen unsere französischen Nachbarn, sie haben die geplante Obsoleszenz verboten.

Wenn Hersteller die Lebensdauer ihres Produkts vorsätzlich verkürzen, drohen ihnen zwei Jahre Gefängnis und 300.000 Euro Strafe. Laut dem französischen Energiewendegesetz kann die Geldstrafe zudem auf fünf Prozent des durchschnittlichen Jahresumsatzes des Unternehmens angehoben werden.

Wird hier etwas verboten, das es gar nicht gibt? Und welche Unterstellung wiegt schlimmer, Absicht oder Unfähigkeit? Das Umweltbundesamt sieht dies etwas differenzierter. In einer Langzeitstudie hat es sich dem Thema angenommen und seine Erkenntnisse in einem 300-seitigen Bericht zusammengefasst.

Obsoleszenz ja, aber keine integrierten Schwachstellen. Die Produkte halten so lange wie nötig, aber nicht so lange wie möglich. Sie werden auf eine geplante Gebrauchsdauer hin ausgelegt. Doch wer legt diese eigentlich fest?

Haben die Ingenieure ihre Arbeit richtig gemacht, sind nach Albert Albers sämtliche Teilsysteme eines Autos nach 200.000 Kilometern am Ende.

Wenn Albert Albers, Leiter des Instituts für Produktentwicklung in Karlsruhe, dem Nachrichtensender n-tv gegenüber erklärt, die sinnvolle Lebensdauer eines Autos liege bei 200.000 Kilometern, wird dies bei vielen Gebrauchtwagenkäufern nicht gut ankommen. Umwelt- und Klimaschützer dürften über solche Aussagen ebenfalls wenig erfreut sein.

Elektro- und Elektronikgeräte würden aus vielfältigen Gründen ersetzt. „Dabei wirken werkstoffliche, funktionale, psychologische und ökonomische Obsoleszenzformen zusammen und erzeugen ein hochkomplexes Muster“, sagt die Studie. Häufig sei schlicht der Wunsch nach einem besseren Gerät die Ursache für einen Neukauf.

Viele Elektro- und Elektronikgeräte landen aus unterschiedlichen Gründen lange vor ihrer durchschnittlichen Erst-Nutzungsdauer oder einem Alter von fünf Jahren auf dem Recyclinghof.

Auf der anderen Seite sind sich die Wissenschaftler laut Studie darüber einig, dass die Produktlebensdauer in der Regel eine planbare Größe ist, an der sich die Produktentwickler orientieren.

Allerdings beobachtet auch die Studie, dass die Diskussion um Obsoleszenz und hier besonders um werkstoffliche und funktionale Obsoleszenz seit rund fünf Jahren wieder zunimmt. Dies betreffe vor allem die Diskussion rund um den Begriff der „geplanten Obsoleszenz“.

Doch zurück zu meinem Drucker, der ist nach Auskunft des Händlers ein Fall für den Recyclinghof. Eine Reparatur lohne sich nicht. Ob nun eine eingebaute Schwachstelle Schuld war oder er einfach das Ende seiner Produktlebensdauer erreicht hat, werde ich wohl nie erfahren. Ärgerlich ist es allemal, nach nur rund zwei Jahren.

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