Ich bin jetzt seit einem Monat Praktikantin im Bereich Kraftwerke bei Energiedienst und habe meinen Arbeitsplatz im Turm des Wasserkraftwerks Laufenburg.

Bereits in den ersten Wochen habe ich bemerkt, dass es für Kraftwerksleute kein schlechtes Wetter gibt. Die ersten beiden Wochen meines Praktikums waren hauptsächlich sonnig und so ein schönes Wetter freut wohl generell jeden. In den darauf folgenden Wochen gab es jedoch auch heftigere Regenschauer. Aber auch das schien niemand als „schlechtes Wetter“ anzusehen.

Das hängt natürlich damit zusammen, dass Wasser die Quelle unseres Stroms ist. Je mehr es regnet, desto mehr füllt sich der Rhein. Laufenburg hat mit seinen zehn Straflo Turbinen eine Ausbauwassermenge von 1.370 m3/s und Rheinfelden nach dem Neubau sogar 1.500 m3/s. Die Ausbauwassermenge ist die maximale Wassermenge, die durch die Turbinen abgeführt und zur Stromerzeugung genutzt werden kann.

So lange die Turbinen ihre Ausbauwassermenge noch nicht erreicht haben, kann es ruhig ordentlich regnen und den Rheinpegel steigen lassen.

In meinen ersten Tagen bekam ich, zusammen mit einer neuen Auszubildenden, von Christian Oeschger, Sicherheitsbeauftragter und im Kraftwerk zuständig für das Magazin, eine Führung durch das Wasserkraftwerk Laufenburg. Im Besucherhaus besprach er dann anhand des Modelles auch das Thema „Wassermenge“ mit uns.

Dabei kamen wir auch auf das Thema Hochwasser zu sprechen. Er fragte uns, ob das wohl gut oder schlecht für die Stromproduktion wäre. „Na sicherlich gut“, war unsere Antwort. Da es ja mehr Wasser geben würde. „Das könnte man denken, aber es ist genau umgekehrt. Hochwasser bedeutet, dass weniger Strom produziert wird“, erklärt uns Christian.

Wie kommt das? Sobald der Rhein eine Wassermenge über der Ausbauwassermenge der Turbinen erreicht, wird das überschüssige Wasser ungenutzt über das Wehr abgelassen und der Unterwasserspiegel steigt weiter an. Dies bewirkt eine Verminderung der Fallhöhe und das wiederum hat einen Wirkungsgradverlust der Turbinen zur Folge.

Genau dieses Problem konnte ich mir diese Woche im Wasserkraftwerk Laufenburg selbst angucken – und das bei schönstem Wetter. Es hatte stark geregnet und die Turbinen schafften die erhöhte Wassermenge nicht mehr und so musste das überschüssige Wasser über das Wehr abgelassen werden.

Wasserkraftwerk Laufenburg

Wasserkraftwerk Laufenburg. Das überschüssige Wasser wird über das Wehr abgelassen.

Doch nicht nur die verminderte Stromproduktion, sondern auch die daraus zusätzlich resultierende Arbeit macht ein Hochwasser unbeliebt. Durch die stärkere Durchströmung des Rheins und den Uferübertritt bringt der Rhein uns alles Mögliche an Geschwemmsel mit an die Kraftwerke.

Denn der Rhein nimmt, wenn er bei Hochwasser das Ufer überflutet, mehr lose Äste und Laub mit als bei normaler Wasserführung. Die teilweise sogar richtig dicken Baumstämme bleiben am Rechen hängen und die Rechenreinigungsanlage schafft es nicht mehr die dicken Brocken heraus zu holen. Die Kraftwerksmitarbeiter müssen teilweise mit dem Kran nachhelfen, was hohen Personaleinsatz nach sich zieht.

Aber ansonsten hat ein bisschen Regen noch niemandem geschadet. Wie sagt man so schön? „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur die falsche Kleidung“? Und zumindest was das betrifft, können die regnerischen Herbsttage von mir aus ruhig kommen – ich wurde nämlich gleich zu Beginn meines Praktikums von oben bis unten mit wetterfester Kleidung eingedeckt.

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Maxine Werkmeister: „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur gutes und schönes“

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