Computer, Handy und Fernseher – schon die Kleinsten bedienen sich heute modernster Kommunikationsmittel. Doch woher kommt die Energie, die diesen Geräten Leben einhaucht?

Die Schüler der Hector-Kinderakademie Efringen-Kirchen forschen nach und werden im Wasserkraftwerk Rheinfelden fündig.

Als einer der Initiatoren der Zusammenarbeit von Energiedienst und der Kinderakademie begleite ich die Schüler bei ihrem Besuch in Rheinfelden. Eines kann ich vorweg verraten: So macht Lernen Spaß!

Angebot für Grundschulen

Die Hector-Kinderakademien sind benannt nach dem SAP-Mitbegründer Hans-Werner Hector.

In den Einrichtungen können Kinder besondere Begabungen vertiefen, wobei das kostenlose Lernangebot über das Basiswissen der Grundschule hinausgeht.

Mit ihrem Angebot richtet sich die Kinder-Akademie Efringen-Kirchen an alle Grundschulkinder der Landkreise Lörrach und Waldshut. Die Kurse und die Workshops decken ein breites und vielfältiges Spektrum ab.

Mit einem Anteil von rund 60 Prozent bildet der MINT-Bereich (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) den Schwerpunkt der Kurse. Die Kraftwerksbesucher sind Schüler der dritten und vierten Klasse verschiedener Schulen.

Mit Zitteraalen Strom erzeugen

Die Entdeckungsreise im Wasserkraftwerk Rheinfelden beginnt im Infocenter. Besucherreferentin Sabine Trapp-Brüstle führt mit einer PowerPoint-Präsentation in das Thema ein. In groben Zügen skizziert sie die Funktionsweise des Kraftwerks und bezieht dabei die Kinder mit ein.

Umwelt und Naturschutz kommen dabei selbstverständlich nicht zu kurz. Eine von den Kindern ins Spiel gebrachte Idee, Strom mittels Zitteraalen zu erzeugen, wird aus Gründen des Tierschutzes schnell wieder verworfen. „Das wäre nicht nett“, meint ein Junge.

Dann geht es ans Eingemachte: Was ist eine Kilowattstunde Strom? Wie lange kann man damit fernsehen, kochen oder bügeln? Doch die Kinder wären keine Hector-Kinder, brächten sie nicht einiges an Vorwissen mit.

Mit ihren Schätzungen kommen sie der Wirklichkeit schon sehr nahe. Nur beim Strompreis müssen sie passen, das interessiert wohl doch eher die Eltern.

Elektronen per Handschlag

Wie kommt der Strom vom Kraftwerk zum Verbraucher? Besucherreferent Simon Kuner hält sich nicht lange mit theoretischen Erklärungen auf. Ganz nach dem Motto: Was man selbst entdeckt und ausprobiert, kann man sich besser merken.

Schon stehen die Kinder in einer Reihe und simulieren eine Stromleitung. Vorne die Batterie, hinten die Lampe und dazwischen der Schalter. Die Elektronen werden per Handschlag weitergegeben. Das ist verständlich. „Und wie war das“, fragt Simon Kuner in die Runde? „Einleuchtend“, sagt die Lampe. So einfach kann Physik sein.

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Vorne die Batterie, hinten die Lampe und dazwischen der Schalter.

Strom selbst zu erzeugen, kann ganz schön anstrengend sein. Es braucht einiges an Körperkraft, um eine Energiesparlampe oder eine gute alte Glühbirne zum Leuchten zu bringen.

Die Hector-Kinder probieren es aus und stellen rasch fest, dass diese Methode zum Fernsehschauen wahrlich nicht geeignet ist. „Da will ich mich schließlich entspannen“, heißt es aus der Runde.

Als ein Radiogerät angeschlossen wird, geht jedoch ein Motivationsschub durch die Reihen. Krachmachen kommt bei Kindern immer gut an.

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„Seid froh, dass ich den Wasserkocher nicht mitgebracht habe“, sagt Simon Kuner mit Blick auf die vor Anstrengung geröteten Gesichter.

Nach so viel Sport gibt es zur Abwechslung ein paar Experimente. Es gilt herauszufinden, welche Materialien den Strom leiten.

Ein Durchgangsprüfer ist eine feine Sache: Schnell lassen sich Leiter von Nichtleitern unterscheiden.

Doch warum piepst das Ding, wenn man seine Enden an den eigenen Körper hält? „Du bist eben ein echter Terminator“, scherzt Simon Kuner. Bei den Grundschülern kommt die direkte und lockere Art an.

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Gemeinsam werden einfache Schaltungen gebaut.

Nachdem jetzt klar ist, dass ein Kabel den Strom hervorragend leitet, ist es an der Zeit, gemeinsam erste einfache Schaltungen zu bauen. Wieder werden Batterie, Schalter und Birne miteinander verbunden. Diesmal in echt und es funktioniert wie zuvor simuliert.

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Batterie, Schalter und Birne werden miteinander verbunden und es funktioniert!

Nach so viel geballter Information in Theorie und Praxis ist eine Pause sehr willkommen.

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Energiespeicher werden aufgefüllt: Belegte Brötchen, Kekse und Getränke bringen neue Kraft und schon geht es weiter.

Schnell Jacken, Schals und Mützen holen, Schirme stehen schon bereit. Es schüttet wie aus Eimern, doch das kann die kleinen Forscher nicht aufhalten.

Ausgestattet mit Kopfhörern werden die ökologischen Begleitmaßnahmen des Kraftwerks inspiziert.

Biber liefert just-in-time

Ein paar Erläuterungen zur Fischtreppe und schon geht es weiter. Wo die Eidechsen leben und wie die Biber übers Kraftwerksgelände kommen? Sabine Trapp-Brüstle gehen die Antworten nicht aus.

Pünktlich zum Rundgang hat ein Biber seine angenagten Hölzer hinterlassen. Was für ein Zufall.

Erste müde Gesichter

Zurück im Infocenter wird die Kraftwerksanlage anhand von Modellen erläutert. Die ersten Kinder beginnen etwas zu schwächeln.

Simon Kuner allerdings hat alles im Griff: Ein flotter Spruch hier, eine kleine Ermahnung da und schon läuft die Sache. Der Umgang mit Kinder liegt ihm.

Langsam kehrt das Leben zurück in die Gruppe. Schon hagelt es wieder Fragen: Wie schwer ist eine Turbine? Simon Kuner weiß auf alles eine Antwort. Noch ein kurzer Film und dann ab ins Maschinenhaus.

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Simon Kuner weiß auf alles eine Antwort.

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Nach einem kurzen Film geht’s ins Maschinenhaus.

Die Führung durch das Maschinenhaus ist der Höhepunkt.

Schon die Geräuschkulisse beeindruckt, mehr noch allerdings die imposanten Maschinen. Hier ist alles eine Nummer größer.

12.000 Tonnen Stahl sind alleine im Maschinenhaus verbaut, dagegen ist der Eiffelturm ein Waisenknabe.

Auch im Lärm des Maschinenhauses kann man Wissen vermitteln. Simon Kuner bindet seine Schützlinge in das Geschehen ein, zeigt alles ganz genau und fragt nach.

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Die Geräuschkulisse im Maschinenhaus ist enorm.

Manches kann man nur an einem Plan erklären, schließlich liegen große Teile der Anlage unter Wasser und sind nicht zugänglich. Aber auch hier zeigen sich die Kinder diszipliniert und hängen Simon Kuner an den Lippen.

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Simon Kuner erklärt den wissbegierigen Kindern, wie ein Wasserkraftwerk funktioniert.

Ein spannender Nachmittag geht zu Ende. Noch eine kleine Stärkung und dann ist Schluss. „Diesen Nachmittag werde ich so schnell nicht vergessen“, sagt ein Junge.

Die Referenten freuen sich: „Grundschüler sind meist sehr begeisterungsfähig und interessiert und es macht einfach großen Spaß mit ihnen zu arbeiten“, meint Sabine Trapp-Brüstle.

Die nächsten Hector-Kinder kommen am 17. Juni ins Wasserkraftwerk nach Rheinfelden.

Am 25. April darf erst einmal Stephan Kuhny, Leiter der Technischen Ausbildung Rheinfelden, ran. Dann werden in der Lehrwerkstatt Solarboote gebaut.

Stephan Kuhny ist da schon fast ein „alter Hase“. Er sammelte bereits Erfahrungen mit Hector-Kindern. Im letzten Jahr hat er schon zwei gut besuchte Kurse veranstaltet.

Mehr zur Hector-Kinderakademie Efringen-Kirchen gibt es unter www.hk-efringen-kirchen.de
Ingo Fleuchaus

Diplom-Physiker Ingo Fleuchaus macht mit seiner PR-Agentur textdirekt seit mehr als zehn Jahren Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Kunden aus der Energiebranche. Die Schwerpunkte bilden Themen aus den Bereichen Energieversorgung, Erneuerbare Energien, Elektromobilität und Forschung.
http://www.textdirekt.de

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