Vom Baum im Wald bis zum Warmwasser im Heizkörper: Wie aus Holz Fernwärme wird und warum das gut für die Umwelt ist.

Auf den Spuren der Holzwärme

Bäume fällen für den Klimaschutz – so könnte man die nachhaltige Nutzung von Holzwärme provokant vereinfachen. Doch was steckt dahinter? In Müllheim gehe ich dem nach: Im Zentrum der südbadischen Stadt steht das Heizwerk der Holzwärme Müllheim GmbH. Die beiden Gesellschafter des Unternehmens, die Stadtwerke MüllheimStaufen und Energiedienst, gewähren mir einen Einblick in die Wärmeerzeugung aus Holz. Zusammen mit Stephan Günther, dem Pressesprecher der Stadtwerke, treffe ich mich mit den Experten der verschiedenen Verarbeitungsschritte.

 

Den Wald schützen

Die erste Station ist ein Waldstück im Müllheimer Forst: Herbert Stiefvater, der Leiter des Forstbezirks Staufen-Müllheim Breisach, führt uns durch den dichten Wald und erklärt: „Wir befinden uns hier in einem Eichenwald. Neben Eichen wachsen hier aber auch Ahorn, Eschen, Kastanien und vor allem Buchen.“ Für die Eichen ist das ein Problem. Die Buchen wachsen schneller und höher. Den Wipfeln der Eichen fehlt somit Sonnenlicht. In solchen Situationen greift Herbert Stiefvater ein. Er fällt gezielt Bäume, um das gesunde Gefüge im Wald zu erhalten.

 

Forstamtsleiter Herbert Stiefvater, Marvin Freiter, Martin Käfer (Geschäftsführer Holzwärme Müllheim GmbH), Michael Sattler (Geschäftsführer Holzwärme Müllheim GmbH) und Stephan Günther (Stadtwerke MüllheimStaufen GmbH) gehen einen Waldweg entlang.

Forstamtsleiter Herbert Stiefvater (zweiter von rechts) erklärt, warum es für einen gesunden Wald wichtig ist, Bäume zu fällen. Von links: Marvin Freiter (Volontär bei Energiedienst), Martin Käfer (Geschäftsführer Holzwärme Müllheim), Michael Sattler (Geschäftsführer Holzwärme Müllheim), rechts Stephan Günther (Stadtwerke MüllheimStaufen). (Bild: Juri Junkov)

 

Der Weg des Holzes

Einen Teil der gefällten Bäume lässt Herbert Stiefvater im Wald als Nährboden zurück. Insekten, Käfer und Mikroorganismen zersetzen dann die Stämme. „Bei Bäumen, die wir dem Wald entnehmen, teilen wir das Holz in zwei Kategorien“, erläutert der 63-jährige Forstmann. Das Stammholz verkauft der Forstbezirk an die Industrie. Im Müllheimer Forst schreddert Philipp Seywald mit seiner Firma die übrig gebliebenen Äste, das Restholz, zu Holzhackschnitzeln. Seine Holzhackmaschine ist das Ziel unserer Waldwanderung. Auf dem Weg dorthin beantwortet mir Herbert Stiefvater meine Frage, warum Holzwärme nahezu klimaneutral ist.

 

Forstamtsleiter Herbert Stiefvater und Martin Käfer im Gespräch.

Die passionierte Förster Herbert Stiefvater (links) erklärt den Lebenszyklus eines Baumes. Rechts: Martin Käfer, Experte für Wärme- und Energielösungen bei Energiedienst (Bild: Juri Junkov)

 

Holz als klimaschonender Rohstoff

„Während seiner Lebenszeit bindet ein Baum große Mengen Kohlenstoffdioxid“, erläutert der Förster und führt weiter aus: „Wenn der Baum im Wald verrottet oder wenn er verbrannt wird, setzt er genau diese Menge CO2 wieder frei.“ Verwendet man das Stammholz, um beispielsweise einen Schrank oder ein Gartenhaus zu bauen, ist der Kohlenstoff sogar langfristig gebunden. Zwischen den Baumstämmen sehe ich die Umrisse der großen Holzhackmaschine von Philipp Seywald. Der mobile Holzhacker arbeitet eng mit Herbert Stiefvater zusammen.

 

Mobile Holzhackmaschine verarbeitet Äste für Holzwärme Müllheim

Mit dem Greifarm der Maschine befördert Philipp Seywald Astbündel in den Rotor. Der Rüssel pustet sie kleingehäckselt in einen Container. (Bild: Juri Junkov)

 

34-Tonnen-Häcksler

Mit seiner 34 Tonnen schweren Maschine fährt Philipp Seywald dann in den Wald. Hier warten bereits riesige Stapel dicker Äste, die der Förster bereits vorbereitet hat. Mit dem Greifarm der Holzhackmaschine packt der Jungunternehmer große Holzbündel und legt sie auf das Förderband. Das Fließband befördert das Restholz in einen Rotor. Der besteht aus einer Walze mit messerscharfen Klingen und schneidet die Äste in kleine Schnitzel. Ein Rohr bläst das Kleinholz dann in einen Container. Mithilfe der 770 Pferdestärken seiner nagelneuen Holzhackmaschine erzeugt Philipp Seywald bis zu 150 Schüttkubikmeter Holzhackschnitzel pro Stunde: „Würde die Maschine konstant durcharbeiten, wäre die doppelte Produktionsmenge möglich. Durch den Wechsel der Container reduziert sich die tatsächliche Menge.“ Weiter erklärt der Holzhacker: „Das Holz frisch gefällter Bäume lässt sich besser schneiden. Trockenes Holz können wir allerdings direkt aus dem Wald zum Heizwerk fahren.“

 

Philipp Seywald deutet auf seine Holzhackmaschine.

Der mobile Holzhacker Philipp Seywald erklärt, wie die Äste in kleine Schnitzel geschnitten werden. (Bild: Juri Junkov)

 

Regionale Verarbeitung

Ein Schüttkubikmeter Holzhackschnitzel hat die gleiche Brennleistung wie 75 Liter Heizöl. Um diesen Kubikmeter herzustellen, benötigt die Maschine von Philipp Seywald ungefähr einen halben Liter Diesel. Der Transport zur Lagerstätte, beziehungsweise direkt zum zentral in Müllheim gelegenen Heizwerk benötigt im Schnitt ebenfalls einen halben Liter Diesel. „Mit Holzhackschnitzeln zu heizen, ist somit eine sehr klimafreundliche Möglichkeit für Wärme im Haus zu sorgen“, fasst Martin Käfer, technischer Geschäftsführer der Holzwärme Müllheim, zusammen. Er ist Experte im Bereich Wärme- und Energielösungen beim Energieversorger Energiedienst.

 

Inneres des Heizwerks der Holzwärme Müllheim

Ein Förderband führt die Hackschnitzel in die erste Brennkammer (Mitte). Ein Blockheizkraftwerk (rechts) erzeugt Strom für den Eigenbedarf und speist die Abwärme in das Nahwärmenetz ein. (Bild: Juri Junkov)

 

Holzwärme für Müllheim

Martin Käfer nimmt uns mit zum nächsten Schritt auf dem Weg vom Baum zur Wärme. Gemeinsam besuchen wir das nur zwei Kilometer entfernte Holzheizwerk im Zentrum Müllheims. Von hier aus werden 110 Objekte mit mehr als zehn Millionen Kilowattstunden Wärme versorgt. Dazu gehören sowohl Einfamilienhäuser als auch große kommunale Gebäude, wie zum Beispiel die Heliosklinik. Die Hackschnitzel werden zunächst in einer kleinen Halle zwischengelagert und fallen dann über einen Schubboden auf eine Förderanlage. Da das Lager der Anlage für vier Tage ausreicht, muss das Heizwerk nur zweimal pro Woche beliefert werden. Ein Fließband befördert die Schnitzel in den Ofen. Durch die Hitze erwärmtes Wasser wird dann in drei Netzabschnitte gepumpt und versorgt die Stadt mit Wärme.

 

Martin Käfer steht im Heizwerk der Holzwärme Müllheim und hält einen Wärmetauscher in der Hand

Martin Käfer erklärt, wie der Wärmetausch des Versorgungsrohrs mit dem Haushaltsrohr abläuft. (Bild: Juri Junkov)

 

Ein gutes Fernwärmesystem sieht aus wie ein Baum

Die drei Hauptrohre des Leitungssystems verästeln sich immer weiter, ähnlich wie bei einem Baum. In Privathaushalten kommt lediglich ein kleines Rohr im hauseigenen Wärmetauscher an. Bei größeren Objekten, wie etwa der Heliosklinik mündet dementsprechend ein größerer Ast. Anlagenführer Harry Pfeiffer hat seit 10 Jahren die Kontrolle über das Heizwerk. Er weiß: „Im Sommer erhitzen wir das Wasser auf 75 Grad Celsius, im Winter auf 82 Grad. Die Rohre kühlen nämlich trotz Isolierung ab.“ Besonders an Wintermorgen läuft die Anlage auf Hochtouren. Denn dann müssen kalte Wohnungen, Büros und Klassenzimmer erste einmal aufgeheizt werden.

 

Harry Pfeiffer bedient den Kran des Hackschnitzel-Lagers der Holzwärme Müllheim

Im Heizwerk erzeugt Anlagenführer Harry Pfeiffer Wärme aus den angelieferten Holzhackschnitzeln. (Bild: Juri Junkov)

 

Wärme mit Zukunft

„Momentan bauen wir unsere Fernwärmenetze weiter aus“, so Martin Käfer. „Möglich ist das nur, weil die Hauptleitungen im Vorfeld groß genug geplant wurden“, sagt der technische Geschäftsführer und unterstreicht noch einmal die Vorteile der Holzwärme: „Der Rohstoff Holz wächst ständig nach und das sogar klimaneutral. Bei uns in Müllheim kommt hinzu, dass die Transportwege sehr kurz sind.“

 

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