Wir können dem Leben nicht mehr Zeit geben, aber wir können der Zeit mehr Leben geben: Dieses Motto begleitet Energiedienst-Mitarbeiterin Claudia Trimpin. Sie unterstützt ehrenamtlich Familien mit schwerstkranken Kindern.

Bei der vom Energiedienst-Betriebsrat initiierten Aktion „Stundenspende“ können Mitarbeiter Stunden aus Überzeitkonten spenden oder direkt einen Geldbetrag. 2018 unterstützten die Energiedienst-Mitarbeiter so den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser, das Dorfhelferinnenwerk Sölden und eine von einem Großbrand betroffene Familie.

„Wir haben die Kollegen nicht nur zum Spenden aufgefordert“, erklärt Alexia Weisser vom Betriebsrat „sondern auch um Ideen gebeten, wer das Geld bekommen soll.“ Nachdem Energiedienst-Mitarbeiterin Claudia Trimpin von ihrem ehrenamtlichen Engagement beim Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst berichtet hatte, stand schnell fest, wer die erste Spende bekommen soll.

Wir wollten es genauer wissen und haben bei Claudia Trimpin nachgefragt.

Wie bist Du zum Kinder- und Jugendhospizdienst gekommen?

Es mag sich seltsam anhören, aber die Themen Sterben und Tod begleiten mich schon zeitlebens. Ich musste mich leider aufgrund einiger Todesfälle in meiner Familie schon sehr früh damit auseinandersetzen. Ich habe gesehen und erlebt wie unterschiedlich Menschen mit Krankheit und Verlust einer nahestehenden Person umgehen. Manche schaffen es gut, können die Trauer verarbeiten, andere werden aus der Bahn geworfen und finden manchmal ihren Weg nicht mehr.

Ich wollte einfach helfen, da sein und habe mich gefragt, warum es keine oder zu wenig professionelle Hilfe für die betroffenen jungen Menschen gibt. Nach langer Suche habe ich 2017 den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser entdeckt und mir war klar: Das ist es. Und nun wirke ich dort seit eineinhalb Jahren ehrenamtlich mit. Ich bin gelernte Erzieherin und habe 25 Jahre in diesem Beruf gearbeitet, bevor ich zu Energiedienst kam. Außerdem engagiere ich mich seit 40 Jahren in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit und dort insbesondere bei der Erstkommunion- und Firmvorbereitung.

 

Simone Frache und Claudia Trimpin engagieren sich im Hospizdienst.

Simone Frache (links), Koordinatorin Kinder- und Jugendhospizdienst, bespricht mit Claudia Trimpin die kommenden Einsätze. (Bild: Energiedienst)

Benötigt man für diese ehrenamtliche Aufgabe eine Ausbildung?

Um die Familien mit einem unheilbar erkrankten Kind oder Elternteil zu begleiten, kommen wir Ehrenamtlichen für ein paar Stunden pro Woche zu ihnen, übernehmen aber keine pflegerischen, therapeutischen oder medizinischen Aufgaben. Unser Ausbildungskurs, der auch ein Praktikum beinhaltete, umfasste rund 120 Stunden. Zur Qualifizierung gehörten nicht nur Informationen über Hospizarbeit und Palliativmedizin, sondern auch die Auseinandersetzung mit Tod, Sterben und Trauer. Von 40 Interessenten wurden nur 12 zum Kurs zugelassen.

Es ist sehr wichtig, dass wir nicht allein gelassen werden mit der großen Verantwortung. Wir können bei Fragen oder Problemen jederzeit auf eine Ansprechpartnerin, wie zum Beispiel die Koordinatorin Simone Frache zurückgreifen.

 

Claudia Trimpin liest Kindern vor.

Claudia Trimpin sucht die passende Lektüre aus, um den Kindern vorzulesen. (Bild: Energiedienst)

Wie läuft ein Einsatz in den betroffenen Familien ab?

Wir arbeiten ehrenamtlich und sind in der Regel zwei Stunden pro Woche im Einsatz. Fast alle meine Kolleginnen, die von Steinen aus im gesamten Landkreis Lörrach und am Hochrhein Familien betreuen, sind berufstätig und haben eigene Familien.

Wir betreuen entweder die erkrankten Kinder selbst, deren Geschwister oder auch Kinder sterbender Eltern. Wir versuchen wieder ein Stück Normalität zurück zu bringen und Lebensqualität zu erhalten, die durch die Ausnahmesituation verloren gegangen ist. Wir lesen den Kindern vor, spielen mit ihnen oder machen kleinere Ausflüge. Wir fühlen uns in die Familie ein, schenken Zeit, hören zu und richten dabei die Aufmerksamkeit auf den Anderen. Das erfordert eine mentale Stärke und professionelle Distanz und ist nicht immer einfach. Die Kinder und Jugendlichen sind lebensverkürzend erkrankt und die ehrenamtlichen Helfer sind ab Diagnosestellung in den Familien. Diese Begleitung kann mehrere Jahre dauern.

Ich habe festgestellt, dass Kinder und Jugendliche sich bei Tod und Krankheit in der Familie zurückziehen, um keine zusätzliche Belastung darzustellen. Gleichzeitig benötigen aber erkrankte Kinder häufig psychosoziale Unterstützung. Meine Erfahrung zeigt, dass es oft ein langer Weg ist, bis Trauer und die belastende Situation verarbeitet sind. Man muss den Gefühlen Raum geben dürfen, und das kann dauern. Leider fehlt heute oft die Zeit dafür.

 

Claudia Trimpin ist ehrenamtliche Mitarbeiterin im Hospizdienst der Malteser.

Eines von vielen Bildern, die in der „Kreativen Trauerwerkstatt“ entstanden sind. (Bild: Energiedienst)

Wie gehst Du mit diesen Erfahrungen und Schicksalen um?

In regelmäßigen Teambesprechungen sowie Supervisionen, also Selbstreflektionen mit Beratung, stärken wir uns gegenseitig und als Gruppe. Aber natürlich sind auch mein privates Umfeld, die Natur und mein Glaube starke Kraftquellen für mich.

Wie geht es für Dich weiter? Was sind Deine nächsten Ziele?

Derzeit mache ich eine Weiterbildung zum „Kleinen Trauerbegleiter“. Einer der drei Kernthemen ist die Unterstützung im sozialen Umfeld etwa in Schulen oder Kindertagesstätten. Hier wird mein Schwerpunkt auf der Aufklärung und Prävention liegen. Ziel ist es das Thema Tod und Sterben zu enttabuisieren, so dass Kinder und Jugendliche früh lernen offen damit umzugehen. Für meine jüngste Hausaufgabe – ja, ich muss in meinem Alter noch Hausaufgaben machen (lacht) – habe ich mit drei jungen Menschen über deren Erfahrungen sprechen dürfen. Es war sehr beeindruckend, wie offen und herzlich sie mir gegenüber waren. Wir haben viel gelacht und Spaß gehabt. Das mag seltsam anmuten im Zusammenhang mit den Themen Tod und Trauer. Doch es zeigt auch den Lebenswillen und die Kraft der jungen Menschen und dass es trotz oder gerade wegen der dunklen Farben auch die hellen und bunten Töne zum Ausgleich braucht.

Dieses Engagement und die Weiterbildungen sind nur möglich, weil mich Energiedienst – Vorgesetzte und Kollegen – unterstützen und ich mir in Absprache mit dem Team auch die Zeit nehmen kann. Dafür bin ich sehr dankbar!

 

Der Hospizdienst der Malteser ist in Steinen in der Eisenbahnstraße

Das Büro des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes findet man in der Eisenbahnstraße in Steinen. (Bild: Energiedienst)

 

Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser Lörrach-Hochrhein mit Sitz in Steinen kooperiert mit spezialisierten ambulanten Pflegediensten und dem auf ambulante pädiatrische Palliativversorgung spezialisierten Team (SAPV) der Uniklinik Freiburg. Bundesweit gibt es Malteser Kinder- und Jugendhospizdienste inzwischen an 40 Standorten. Seit Mai 2017 auch im Landkreis Lörrach-Hochrhein. Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser Lörrach-Hochrhein mit Sitz in Steinen kooperiert mit spezialisierten ambulanten Pflegediensten und dem auf ambulante pädiatrische Palliativversorgung spezialisierten Team (SAPV) der Uniklinik Freiburg. Bundesweit gibt es Malteser Kinder- und Jugendhospizdienste inzwischen an 40 Standorten. Seit Mai 2017 auch im Landkreis Lörrach-Hochrhein. https://www.malteser-wiesental.de

 

Blogbeiträge per E-Mail

Sie interessiern sich für Themen rund um regenerative Energie? Gern senden wir Ihnen neue Beiträge im Energiedienst Blog per E-Mail. Selbstverständlich ist das kostenlos und unverbindlich. Ihre Daten werden zu keinem anderen Zweck verwendet. Den Newsletter können Sie jederzeit wieder abbestellen, wenn Sie es sich anders überlegen sollten.

Ich möchte Blogbeiträge per E-Mail abonnieren und habe die Datenschutzhinweise (Abschnitt "Newsletter") gelesen. Den Newsletter kann ich jederzeit wieder abbestellen, entweder direkt im Newsletter oder per Brief, Telefon, Fax oder E-Mail.

 

Erhalten Sie neue Blogbeiträge per E-Mail! Hier geht es zum Bestellformular.