Welchen Weihnachtsmarkt steuern wir in diesem Jahr an? Mein Mann Alex und ich sind uns einig: Kopenhagen. Lichterglanz und Weihnachtsstimmung im zweitältesten Freizeitpark der Welt, im Tivoli. Nach einem anstrengenden Jahr freuen wir uns auf Buden mit Holzspielzeug, handgezogenen Kerzen und ausgefallenen Christbaumkugeln. Aber mit unserem Diesel 1158 Kilometer nach Kopenhagen „abreißen“? Entschleunigen und dabei aufs Gas treten? Passt nicht. Die Lösung: Kopenhagen mit einem Elektroauto. „Da müssen wir fürs Laden Pause machen und haben Zeit für Land und Leute“, stellte mein Mann fest.

Mit dem ZOE auf Tour

Wir mögen Elektroautos. Unser eigenes ist bestellt, aber noch nicht geliefert. Deshalb mieten wir einen Renault ZOE bei my-e-car. Die Fährüberfahrt von Puttgarden nach Rødby reservieren wir im Internet und schnappen uns spontan ein Kombiangebot: Mit einem Öresundticket im Gepäck erweitern wir unsere Reise. Unser Ziel: Malmö, Schweden.

Routenplaner und Apps mit Lademöglichkeiten ziehen wir vor dem Start aufs Handy:  Die A5 Richtung Norden, vorbei an Frankfurt, Kassel und Göttingen, weiter Hannover, Hamburg sowie von Lübeck nach Fehmarn, von dort aus über den Fehmarnbelt ins dänische Rødby. Weiter in die dänische Hauptstadt. Die Lade-Apps zeigen ein überraschend dichtes Netz an Ladesäulen. Viele sogar kostenlos. Wir packen noch ein Notladekabel für die 220-V-Schuko-Steckdose ein, dann geht’s los.

Ladekabel für ZOE

Für alle Fälle: Das Notladekabel für die 22-V-Schuko-Steckdose fährt mit.

Schock an der Ladesäule

Bei 120 km/h aktivieren wir den Tempomat und schauen auf die Reichweite. Sie sinkt schneller als geplant. Halb so schlimm, entlang unserer Route gibt`s viele Lademöglichkeiten. In Achern kommen wir zu einer Tankstelle mit acht Ladeplätzen. Sechs davon belegt – von Diesel und Benzinern.  Ärgerlich, zumal eine von den freien noch defekt ist. Den Typ 2 Stecker am einzigen freien und intakten Platz mit dem Auto verbunden, die App „Charge&Pay“ von Mercedes geöffnet. Schock: 23,36 Euro pro Stunde berechnet der Anbieter. Bei einer Ladeleistung von 22 kW kostet die Kilowattstunde über einen Euro! Wucher! Wir testen trotzdem – zumindest für eine Minute.

In Ettlingen schonen wir unser Portemonnaie: In der Tiefgarage des Sparkassenhauses laden wir an der Wallbox der Stadtwerke per Knopfdruck – ohne Chipkarte, ohne Handy. Inzwischen bummeln wir in der weihnachtlichen Altstadt. Für unseren Zwei-Stunden-Stopp zahlen wir nur Parkhausgebühren. Zurück auf der Autobahn – unsere Geschwindigkeit zugunsten der Reichweite auf 100 Stundenkilometer reduziert – müssen wir feststellen, dass drei bis vier Ladestopps zu optimistisch gedacht waren. Mit einer Restkapazität von neun Prozent erreichen wir das hessische Rosbach vor der Höhe.

Schnell kann so langsam sein

„NextPlug“ berichtet, dass sich der Verschluss der ausgewählten Ladesäule nach Anruf einer Nummer im Display öffnet. Wow, klappt wirklich! Allerdings nur mit unserem eigenen Kabel. Wir nutzen die Ladepause fürs Mittagessen. Nach zwei Stunden ist der Akkustand bei 87 Prozent. Ernüchternd, wie langsam „Schnellladen“ sein kann. Unterwegs recherchiere ich über die Ladeeigenschaften und finde heraus: lieber häufiger, dafür kürzer laden. Klingt kurios, aber wir werden es ausprobieren.

Wie lang braucht die Ladung? Manchmal kann Schnellladung langsam sein.

 

Nach vier Zwischenstationen erreichen wir in Burg auf Fehmarn den letzten Ladepunkt auf deutschem Boden. Laden auf der Fähre sei aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Klingt für uns irgendwie wie eine Ausrede, zumal der Kühl-LKW neben uns selbstverständlich an den Strom angeschlossen wird.

Celina Geiger steht vor Brücke

Celina Geiger an der Brücke auf die dänische Insel Farø.

Ladung für ZOE schwankt

Ankunft in Dänemark: Mit der „NextPlug“-App navigieren wir uns auf die Insel Farø und entdecken die Ladesäule auf einem kleinen Parkplatz. Kostenlos gibt`s hier keinen Strom, aber wir wollen es ja auch nur ausprobieren. Wir schalten mit der „EasyPark“-App frei und starten einen 5-Minuten-Test für 68 Cent. Ein weiterer 5-Minuten-Test eine Stunde später an der Raststätte Køge bringt 1,78 kWh für ca. 1,24 Euro. Seltsam, wie die Preise schwanken. Aufgrund des sehr hohen Strompreises starten wir nur noch einen Test in Kopenhagen: Hier ragen die Ladesäulen mit Typ 2 Steckdose unscheinbar als rot-weiß gestreifte Pfosten am Bordstein aus dem Boden.

Weihnachtsbaum in Malmö

Weihnachtsstimmung nicht nur am Tivoli, sondern auch mitten in Malmö.

Genug getestet, ZOE macht Pause in einer Tiefgarage, leider ohne zu laden, dafür direkt an dem Weihnachtsmarkt im Tivoli, auf den wir uns schon so gefreut haben. Wir lassen uns vom Regen nicht abhalten oder unsere gute Laune für den ersehnten Weihnachtsmarktbesuch verderben und genießen eine der besten heißen Schokoladen, die wir jemals hatten. Mit Einbruch der Dämmerung verlassen wir den Park und fahren über die imposante Öresundbrücke zum letzten Etappenziel: Malmö in Schweden. Das Auto stellen wir in ein Parkhaus, Laden kostenlos. ZOE übernachtet neben einem Tesla S, wir im Hotel.

Die Öresundbrücke zwischen Kopenhagen und Malmö

Lautlos rollt ZOE über die imposante Öresundbrücke. Sie verbindet die dänische Hauptstadt Kopenhagen mit dem schwedischen Malmö.

Nichts geht mehr: Abreise

Nach einem Ausflug in die Hafenstadt Ystad (Heimat des Krimihelden Wallander) kehren wir zurück nach Malmö, dort lädt ZOE gratis Strom an der Firmenzentrale eines großen Energieversorgers. Wir vertreiben uns die Zeit im Casino Malmö. Offensichtlich haben wir mehr Glück mit kostenlosem Strom als beim Roulette. Dann heißt es „Adjö Malmö“. Mit einer Fähre verlassen wir Schweden unter der Öresundbrücke hindurch in Richtung Travemünde. Von der Hafenstadt an der Ostsee geht es nach Stuttgart.

Weihnachtsdeko in Ysat Schweden

Weihnachtsdeko in Ystadt, der Heimatstadt des Krimihelden Wallander.

Beweis mit Knäckebrot

In der Nacht erreichen wir unser Hotel, ohne einen weiteren Cent für Strom ausgegeben zu haben. Während unseres Einkaufstripps am nächsten Morgen lädt ZOE zum Nulltarif an einem Renault-Autohaus. Der Mitarbeiter staunt, dass wir aus Malmö kommen. Als Beweis schenken wir ihm eine Packung Knäckebrot. Er strahlt. Dann steht noch ein Familienbesuch an. ZOE nuckelt mit dem Notladekabel an der Haussteckdose.

Stromer kennt keine Grenzen

In Schallstadt laden wir das letzte Mal für den Weg nach Hause. Dann nach Hause. Müde stellen wir unseren Stromer nach 2412 Kilometern wieder zurück auf den Stellplatz am Rathaus in Wehr. Sicher ist: Wir waren nicht das letzte Mal in Schweden. Auch nicht das letzte Mal länger mit einem Elektro-auto unterwegs, denn wir wissen, dass es viele mit Strom erreichbare Ziele gibt. Die Reise ist schon einige Tage her, eines ist geblieben: die schwedische Gelassenheit. Eine Woche nach unserer Rückkehr klingelte übrigens das Telefon: „Ihr bestelltes Fahrzeug ist jetzt da und kann abgeholt werden“.

Ladesäulen-Fazit von Celina und Alex

Positiv:
Wir können bemerken, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur sehr gut vorankommt. Sicher bleibt es eine „Henne-Ei-Thematik“, aber wie wir zeigen konnten, ist es ohne Problem möglich, von der Schweizer Grenze bis nach Schweden zu fahren; dabei mussten wir nicht einmal eine spezielle Route planen. Eine große Hilfe ist das Forum www.goingelectric.de und die darauf aufbauende App „NextPlug“: Infos zu allen Ladesäulen. Wir haben nur nach „kostenlos Laden“ gefiltert.

Negativ:
Elektroladesäulen fristen ein eher tristes Dasein. Zwar gut ausgeschildert, aber oft an dunklen Ecken, abseits des Geschehens. So nutzen zwar weniger konventionellen Fahrzeugen die Plätze, empfanden wir aber als „Kröte“, die zu schlucken ist. Hier ist definitiv noch ein gewaltiges Umdenken erforderlich.

Zahlen, Daten, Fakten

Wir legten 2.412 Kilometer zurück, verbrauchten 361 kWh Strom, macht 17,4 kWh/pro 100 km. Bei 30 Cent pro kWh, wären es 5,22 € pro 100 km gewesen.
Da wir fast immer kostenlos luden (vielen Dank an dieser Stelle an Tank&Rast, innogy, Mainova, E.ON Schweden, EAM Kassel, Parkhaus Anna Malmö und Clever), belaufen sich die Kosten nur auf den reinen Mietpreis für das Fahrzeug.

 

Celina Geiger arbeitet im Bereich Finanzen und Administration: „In einer Zeit voller Risiken muss sich auch unser Unternehmen über Versicherungen absichern. Meine Aufgabe besteht in der Überwachung und Anpassung bestehender Policen sowie der Veränderung und dem Neuabschluss derselben. Und falls dann doch einmal etwas passiert, läuft die gesamte Schadensabwicklung über meinen Tisch. Diese vielseitige Aufgabe umfasst den direkten Kontakt mit Schädigern, Geschädigten, Versicherungen, Anwälten und Gerichten.“

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