Prof. Dr. Eduard Heindl lehrt an der Hochschule Furtwangen u.a. zu den Themen Innovationen und Künstliche Intelligenz. Heindl hat sich in der Öffentlichkeit vor allem einen Namen durch verschiedene Projekte in der Energiewende gemacht. Unter anderem ist er Gründer des Internetangebots Solarserver, heute die bedeutendste Info-Plattform in diesem Bereich.

Sein für Laien vermutlich spektakulärste Projekt ist der Vorschlag, große Energiespeicher zu bauen, bei denen unter Einsatz von Lageenergie Strom gespeichert und wieder abgegeben werden kann. Lageenergie bedeutet: Große Felsmassen werden unter Einsatz von Strom in die Höhe bewegt und bei Bedarf abgesenkt, wodurch dann Strom erzeugt wird.

Wir haben mit Prof. Heindl gesprochen und ihn gefragt, warum das Projekt so wichtig ist und wie es um die Umsetzung bestellt ist.

Dirk Baranek: Herr Heindl, wie ist es um die Energiewende bestellt? Gerade in den letzten Tagen diskutieren Öffentlichkeit, Energiewirtschaft und Politik ja durchaus kontrovers über die Reformvorhaben der Bundesregierung, mit denen die Kosten der Energiewende begrenzt werden sollen. Wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet?

Interview mit Eduard Heindl: "Unser Lageenergiespeicher ist nachhaltig"

Prof. Dr. Eduard Heindl.
Foto: Dominik Haderer. Unter CC-Lizenz in Wikipedia

Eduard Heindl: Ja, in Deutschland droht die Energiewende jetzt ins Stocken zu geraten. Dabei waren wir die ersten, die den Umbau der Erzeugung auf Erneuerbare massiv vorangetrieben haben. Und inzwischen ist sogar ein durchaus beachtliches Niveau erreicht worden. Der Anteil von 30 Prozent durch regenerative Energien in einem großen, klimatisch nicht gerade begünstigten Industrieland ist doch ein enormer Erfolg. Deutschland ist daher eigentlich ganz gut aufgestellt, zum Beispiel in Vergleich zu China, wo die klimaschädliche Erzeugung im Großmaßstab noch die Regel ist und die Erneuerbaren noch einen langen Weg vor sich haben. Wir müssen ja aus klimapolitischen Gründen das Projekt Energiewende global denken. Nun soll die privatwirtschaftlich organisierte, regenerative Erzeugung behindert werden, indem man sie mit Steuern belastet. Das ist kontraproduktiv.

Ihr großes Thema ist ja die Speicherung von Strom. Warum ist dieses Thema so zentral für die Energiewende?

Mit der Gründung des Projektes Solarserver 1997 habe ich mich zunächst der Verbreitung der Idee gewidmet, Strom durch Photovoltaikanlagen zu erzeugen. Da sind wir ja inzwischen schon recht weit gekommen. Wenn man das allerdings weiterdenkt und annimmt, dass 80% unseres Stroms mit Solarenergie erzeugt werden soll, dann kommt man von selbst auf die Speicherproblematik. Denn selbstverständlich brauchen wir auch nachts eine zuverlässige Energieversorgung, wenn die Sonne bekanntlich nicht scheint. Da hilft nur die Ein-und Ausspeicherung von Strom im großtechnischem Maßstab. Weltweit wird das aktuell vor allem mit Pumpspeicherkraftwerken organisiert, die 98% der Speicherkapazität ausmachen. Aber deren Kapazität reicht natürlich aktuell nicht aus. Daher gibt es in der letzten Zeit eine umfangreiche Diskussion über den Einsatz von Lithium-Ionen-Akkus, privat im eigenen Haus oder auch für den Großeinsatz geballt in kompletten Containern. Als Ingenieur und Physiker habe ich mir allerdings meine eigenen Gedanken gemacht und schlage daher den Bau von viel kostengünstigeren Lageenergiespeichern vor.

Ich habe in einem älteren Video von Ihnen gesehen, wie Sie einen Speicher von nahezu babylonischen Ausmaßen vorschlagen. Bis zu 500 Meter soll der Felskolben mit einem Durchmesser von ebenfalls von 500 Metern in die Höhe ragen. Halten Sie es für realistisch, dass so ein Bauwerk tatsächlich einmal umgesetzt wird? Das dürfte Potenzial als Touristenattraktion haben.

Wir hatten das seinerzeit als illustratives Beispiel entwickelt, weil die genannte Größe exakt ausreicht, um den Tagesbedarf von elektrischer Energie in Deutschland zu speichern. Tatsächlich arbeiten wir aktuell eher auf der Ebene der Kapazität eines normalen Pumpspeicherkraftwerks, die über eine Kapazität von etwa 8.000 Megawattstunden verfügen. Bei einer solchen Leistung hat der Kolben, der sich hebt und senkt, etwa einen Durchmesser von 250 Metern, würde sich also maximal 100 Meter in die Höhe heben. Eine solche Anlage leistet 1.000 Megawatt und dafür haben wir exakt durchgerechnete Businesspläne. Diese Dimensionen passen sehr gut zu mittelgroßen Solarfeldern mit einer Leistung vom 800 Megawatt, wie sie zum Beispiel in Dubai entstehen. Dort stehen wir auch bereits in Verhandlungen.

Trotz kleiner Dimensionen stellt sich die Frage nach den Kosten. Sind die nicht erheblich und verteuern damit die Energielieferung?

Für einen Lageenergiespeicher des genannten kleinen Typs muss man mit Kosten von etwa einer Milliarde Euro rechnen. Neben den reinen Baukosten müssen relativ teure Turbinen und Pumpen zur Anwendung kommen. Wir gehen davon aus, dass durch die Ein- und Ausspeicherung noch einmal der gleiche Betrag auf den Strompreis hinzukommt, der die Erzeugung gekostet hat. Allerdings müsste man ausgespeicherten Strom, der dann eben nachts zur Verfügung steht, auch teurer verkaufen.

Sie meinen, die Tarife müssten sich mehr an die Erzeugungslage anpassen, also quasi in Echtzeit den Zustand des Energiemarktes widerspiegeln?

Genau darum geht es. Nachts ist der Strom eben teurer als tagsüber. Unsere Anlagen haben aber einen entscheidenden Vorteil: Sie sind sehr langlebig und nachhaltig. Wir gehen davon aus, dass man einen Lageenergiespeicher 60 Jahre betreiben kann. Wir bauen also für mehrere Generationen. Das sieht zum Beispiel bei den Lithium-Ionen-Akkus ganz anders aus. Diese Batteriesysteme haben eine Lebensdauer von 5 bis 10 Jahren. Das ist einfach durch die Chemie bedingt. Irgendwann zerbröselt die. Für uns hat aber das Thema Nachhaltigkeit eine ganz hohe Priorität.

Bisher ist Ihr Konzept ja blanke Theorie, auch wenn Sie und Ihr Team das sicher gut durchdacht haben. Ist denn absehbar, dass einmal eine Pilotanlage ihren Dienst tun wird?

Ja, Testanlagen brauchen wir. Wir wollen genauer und aussagekräftiger untersuchen, wie sich das Geschäftsmodell genau darstellt. Auch müssen natürlich technische Fragen wie zum Beispiel die Stabilität solcher Felsmassen geklärt werden. Für eine Anlage in Österreich haben wir bereits alle Unterlagen zusammen. Es handelt sich um einen 10-Meter-Kolben mit einer Höhe von 180 Metern. Um das zu realisieren bräuchte man etwa 30 Millionen Euro. Leider bekommen wir aber überhaupt keine Förderung von der EU. Die geben zwar Subventionen von 100 Milliarden Euro für die regenerative Erzeugung aus, aber Speichertechnologien werden gering gefördert. Das ist angesichts der Herausforderungen absurd.

Sie sind aber trotzdem guter Hoffnung, dass sich Ihre Idee durchsetzen wird?

Absolut! Wir brauchen solche Anwendungen, um die Energiewende global umzusetzen. Deutschland hat dabei die Chance, seine hoch entwickelten Technologien auf dem Weltmarkt anzubieten. Das hat ja bei der Photovoltaik auch geklappt, obwohl die Produktion inzwischen in China und Korea stattfindet. Unsere Lösung ist zudem sehr nachhaltig, verbraucht keine Rohstoffe und die Wertschöpfung verbleibt durch die Bauarbeiten komplett vor Ort. Das dürfte zukünftige Investoren überzeugen.

Grafik des Speichers: www.heindl-energy.com

Blogbeiträge per E-Mail

Sie interessiern sich für Themen rund um regenerative Energie? Gern senden wir Ihnen neue Beiträge im Energiedienst Blog per E-Mail. Selbstverständlich ist das kostenlos und unverbindlich. Ihre Daten werden zu keinem anderen Zweck verwendet. Den Newsletter können Sie jederzeit wieder abbestellen, wenn Sie es sich anders überlegen sollten.

Ich möchte Blogbeiträge per E-Mail abonnieren und habe die Datenschutzhinweise (Abschnitt "Newsletter") gelesen. Den Newsletter kann ich jederzeit wieder abbestellen, entweder direkt im Newsletter oder per Brief, Telefon, Fax oder E-Mail.

 

Erhalten Sie neue Blogbeiträge per E-Mail! Hier geht es zum Bestellformular.