Dezentralisierung, Digitalisierung, Sektorenkopplung – das waren die Themen, die auf dem Messegelände in München im Rahmen der ersten Messe The smarter E im Zentrum standen. Vorab: Die Messe der intelligenten Energie absolvierte ihre erste Ausgabe mit Erfolg. Laut Veranstalter zeigten 1.200 Aussteller ihre Produkte. Fast 50.000 Besucher kamen. Für die Premiere eines neuen Messeformats beachtlich.

Bei der dreitägigen Veranstaltung handelte es sich um die logische Weiterentwicklung einer bereits seit Jahren sehr erfolgreichen Messe, der Intersolar. Dieses Jahrestreffen der internationalen Photovoltaikbranche entstand in den 90er Jahren. Die Messe wuchs Jahr um Jahr und entwickelte zuletzt eine ergänzende Parallelveranstaltung: die ees Europe, Europas größte Fachmesse für Batterien und Energiespeichersysteme. Dieses Jahr kamen zwei weitere Formate hinzu: die EM-Power, die neue Fachmesse für die intelligente Energienutzung in Industrie und Gebäuden, sowie die Power2Drive für Ladeinfrastruktur und Elektromobilität.

Um all das unter einem sinnvollen Label zusammenzufassen, tauften die Veranstalter die Messe The smarter E – die intelligentere Energie.

Was sagt uns die Entwicklung der zentralen Fachmesse über die Entwicklung einer ganzen Branche? Sehr viel. Die Solarwirtschaft befindet sich immer noch in einem starken Wandel. Dieser betrifft nicht nur die kostengünstige Erzeugung von Strom. Es geht auch um dessen effiziente Speicherung, intelligente Verteilung und sparsame Nutzung. Dem trägt die neue Messe Rechnung.

Der Branche geht es gut

Der Bedarf ist da: Der Branche geht es gut. Inzwischen wird doppelt so viel Kapital in die Erzeugung von Strom durch regenerative Technologien wie in die Erzeugung durch konventionelle Anlagen investiert. Grund: Die Kosten für die Solartechnik sind inzwischen durch die Massenproduktion so gesunken, dass sich in vielen Weltgegenden der Strom günstig mit der Sonne erzeugen lässt.

Hinzu kommt, dass die Technologie immer leistungsfähiger wird. Einige Unternehmen präsentierten besonders flexibel verwendbare Photovoltaikanlagen, die man nicht nur auf dem Dach montieren kann. Dünne, rahmenlose, halbtransparente, farbige oder verformbare Photovoltaikelemente erlauben die Stromerzeugung an Orten, wo diese bisher nur schwer oder gar nicht machbar war: Fensterflächen, Gebäudewände, komplex geformte Dächer, Brückengeländer usw.

The samrter E: LG 395-Watt-Modul

Solaranbieter werden zu Systemhäusern

Auffällig: Viele Hersteller haben sich von reinen Solaranbietern zu Systemhäusern entwickelt. Sie bieten neben der Erzeugung auch Produkte für die Stromspeicherung und -verteilung an.

Die Herausforderung der Solarenergie ist, dass Erzeugung und Verbrauch zeitlich auseinanderklaffen. Nur durch Zwischenspeicherung passen sie zusammen. Das schlägt sich in konkreten Produkten nieder, wie Speichertechnologien in allen Größen und Formaten, zumeist Akkus mit Lithium-Ionen-Technologie. Auf dem lukrativen Speichermarkt mischen auch deutsche Traditionshersteller mit.

Die gute Nachricht für den Privatanwender, der eine eigene Solaranlage betreibt: Akkusysteme werden immer billiger. Inzwischen ist es günstiger, sich einen eigenen Speicher anzuschaffen, um den tagsüber selbst produzierten Strom auch abends und nachts zu verbrauchen, als in diesen Zeiten ohne eigene Erzeugung auf das allgemeine Stromnetz zurückzugreifen. An dieser Stelle wird das Stichwort „Cloud“ immer wichtiger. Hiermit ist der Umstand gemeint, dass der gespeicherte Eigenstrom ja nicht unbedingt selbst verbraucht oder gespeichert werden muss, sondern in einem System von tausenden solcher Anlagen der eine Verbraucher dem anderen Strom überlassen kann. Der einzelne Prosumer (Erzeuger und Verbraucher in einer Person) wird im Verbund ganz und gar unabhängig. Um solche Prozesse physikalisch und betriebswirtschaftlich sauber abzuwickeln, bedarf es spezieller digitaler Technologien.

Die dezentrale Erzeugung durch mittlerweile 1,6 Millionen Solaranlagen in Deutschland, deren Ausstattung mit Speichersystemen und Vernetzung durch digitale Technologien ermöglicht eine regenerative Stromnutzung in Sektoren, die bisher gar nicht oder in geringem Umfang elektrifiziert sind. Dazu zählt die Mobilität ebenso wie die Wärme- oder Kälteerzeugung.

Intelligente Planung von Fahr- und Ladezeiten durch digitale Systeme

Bei der Elektromobilität wurden im wesentlichen Anlagen zum Betrieb einer Ladeinfrastruktur präsentiert. Zum einen geht es dabei um die notwendige Hardware in Form von Ladestationen und allem, was dazu gehört. Zum anderen um die intelligente Nutzung elektrischer Fahrzeug in Flotten oder in Abhängigkeit von regenerativer Erzeugung bzw. Speicherung.

The smarter E: Akku eines Plugin-Hybrid-Fahrzeugs von Mercedes Benz

Foto: Präsentation von Mercedes Benz Energy: Akku eines Plugin-Hybrids. Kapazität 13,5 kWh.

Fazit: Die Technik für die Energiewende ist da

Die Digitalisierung der Solarwirtschaft und damit der gesamten Energiewirtschaft schreitet weiter voran. Extrem leistungsfähige Photovoltaikmodule erzeugen zu wettbewerbsfähigen Kosten Strom, der durch digitale Technologien intelligent verteilt, gespeichert und genutzt wird. Intelligent bedeutet hier auch, dass Verbrauch und Erzeugung immer besser miteinander verzahnt werden. Der Eindruck auf der Messe: Die Technik für die Energiewende ist da, und sie wird immer besser.

Foto ganz oben: Hingucker am Stand eines chinesischen Herstellers: Musikerin spielt Zheng, die chinesische Zither

Dirk Baranek

Dirk Baranek ist Geschäftsführer einer Agentur für digitale Kommunikation in Stuttgart. Er war als Freier Online-Redakteur und Jour­na­list (DJV) tätig, ist Blogger, PR-Berater, Dozent und Tesla-Fahrer.

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