Die Bloggerin Shia Su verursacht fast keinen Müll, denn ihr nicht recycelbarer Jahresabfall passt in ein Einmachglas. Wie „Zero Waste“ im Alltag funktioniert.

„Zero Waste“ bedeutet gleich zweierlei: „Null Abfall“ und „Null Verschwendung“. Dahinter steckt eine Lebensphilosophie wie bei Shia Su. Die 35-Jährige ist eine echte Expertin, lebt „Zero Waste“ seit fünf Jahren konsequent. Für den nicht recyclebaren Jahresabfall ihres Zwei-Personen-Haushalts reicht tatsächlich ein profanes Einmachglas! Wie das funktioniert? Shia Su bloggt dazu auf www.wastelandrebel.com. Außerdem hat die Bochumerin ein Buch darüber geschrieben. Ihre einfache Devise: „Zero Waste“ bedeutet, sich ganz konkret an die eigene Nase zu fassen. Eine Zahl zum Nachdenklich-Werden: Im Jahr 2012 produzierte der deutsche Bundesbürger laut Shia Sus Recherchen 1,7 Kilogramm Müll pro Tag.

Shia Su ist Zero Waste Expertin: Ihr Jahresabfall passt in ein Einmachglas.

Der Jahresmüll von zwei Personen – in einem Einmachglas? Bei Shia Su funktioniert es. Sie empfiehlt eine Politik der kleinen Schritte. Foto: Weiger

 

Was ich wirklich brauche…

Hinter dem Konzept um weniger Verpackungsmüll steht zunächst einmal eines: bewusster Konsum. Wer kennt das nicht? Im Badezimmerschrank stehen drei verschiedene Körperlotionen, in der Speisekammer vier angebrochene Päckchen mit Grieß. Erster Grundsatz: Aufbrauchen! Mancher wird erstaunt sein, wie lange man von dem zehren kann, was man daheim angehäuft hat – unerheblich ob im Eisschrank oder in der Süßigkeiten-Schublade. Neu gekauft wird nur, was wirklich gebraucht wird oder ersetzt werden muss. Shia Su selbst setzt auf Qualität – ganz nach Omas Grundsatz: „Wer billig kauft, kauft zweimal.“ So genannte „Fast Fashion“, also schnelle, meist wenig fair produzierte, günstig erhältliche Mode, hat in ihrem Schrank keinen Platz.

 

Zero Waste: Wie anfangen?

„Zero Waste“-Profi Shia Su mixt Haarshampoo aus Roggenmehl selbst oder wäscht ihre Wäsche mit Rosskastanien. Doch zunächst bietet es sich an, mit kleinen Schritten anzufangen. Wir wollen kein Plastik mehr, also alles raus? Natürlich nicht, sagt Shia Su. Am Anfang sollte man sich seinen Müll einmal genau angucken. Sind viele Coffee-to-go-Becher drin, ist eine Mehrwegtasse schon einmal eine tolle Lösung. Ganz wichtig: Vorhandenes Plastik, Vorratsbehälter, die regelmäßig genutzt werden, Boxen oder Picknickgeschirr, bleiben selbstverständlich im Schrank. All das ohne Not zu entsorgen, wäre wenig nachhaltig. Shia Su empfiehlt eine Politik der kleinen Schritte: Wenn ein Haushalt seine Müll-Problemzonen erkannt hat, kann er leichter dagegen angehen.

 

Frische Leckereien gegen die Müllflut

Zugegebenermaßen: Die Lieblingspizza aus der Packung ist nach Feierabend ratzfatz fertig. Doch egal ob Junkfood vom Imbiss, Doseneintopf oder Tütensuppe: Fertiggerichte gehen nicht nur richtig ins Geld, sondern füllen durch viel Verpackungsmüll auch die Tonne. Die Pizza ist nicht nur in Pappe, sondern auch in viel Plastik eingepackt. Die Pulversuppe steckt in einer mit Aluminium versiegelten Tüte, der Döner kommt womöglich in Styropor gehüllt daher. All das muss nicht sein: Frisch kochen verursacht deutlich weniger Müll, wenn die Zutaten möglichst „verpackungsfrei“ eingekauft worden sind. Und wer den Kilogramm-Preis von Fertigpizza betrachtet, empfindet Biogemüse im Direktvergleich als gar nicht mehr so teuer.

Selber kochen, hilft Müll zu vermeiden.

Wer selber kocht, statt zu Fertiggerichten zu greifen, vermeidet Müll. Foto: Adobe Stock/Trendsetter

 

Mehrweg ist immer der bessere Weg

Nichts ist unnötiger als Einweg-Verpackungen – egal ob die Plastikflasche für den Lieblingssaft oder der Joghurtbecher mit Alu-Abziehdeckel. Glasverpackungen bedeuten Mehrweg und sind im Zweifel die bessere Alternative. Das gilt genauso für Wattepads, Backfolie, Grillschalen, Frischhaltefolie, Strohhalme oder Taschentücher: Für viele Wegwerfprodukte gibt es nachhaltige Mehrweg-Alternativen mit langem Leben.

 

Leitungswasser

Auch Wasser gibt es in Wegwerf-Plastikflaschen. Das dies – vor allem, wenn die Flaschen länger schon geöffnet waren – abgestanden und fade schmeckt, ist die eine Diskussion. Zudem sind Glasflaschen in der Mehrwegkiste grundsätzlich einfach die umweltfreundlichere Wahl. Und schon gewusst? Leitungswasser ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz das am besten kontrollierte Lebensmittel. Gekauftes Wasser, so weiß Shia Su, kostet mitunter das 500-fache pro Liter als die Leitungsvariante. Warum also nicht einfach eine gute Mehrweg-Trinkflasche kaufen und direkt aus dem Hahn zapfen?

Wer Leitungswasser zapft, verbessert seine Umweltbilanz.

Leitungswasser ist deutlich günstiger als abgefülltes Flaschenwasser und hat eine bessere Umweltbilanz. Foto: Adobe Stock / Trendsetter

 

Die fünf Rs – von Rethink bis Recycle

Shia Su arbeitet mit ihren persönlichen fünf Rs als Lebensmaxime. „Rethink“ steht für die gedankliche Veränderung, die am Anfang jeglichen Umdenkens steht. „Reduce“ repräsentiert das schlichte Reduzieren. Wer Müll vermeiden will, diese Erfahrung hat Shia Su gemacht, schlägt sich mit deutlich weniger Einkaufsvarianten herum als vorher. Und sind wir doch einmal ehrlich: Wer braucht drei Dutzend Kräutertees zur Auswahl? Shia Su nennt zwei beeindruckende Zahlen. Gab es im Jahr 1984 in einem durchschnittlichen Supermarkt 7.000 Artikel, waren es 2014 bereits 26.000 Artikel! „Reuse“ bedeutet Wiederverwerten, durch Second-Hand-Ware beispielsweise, „Repair“, ganz klar, die Reparatur von Kaputtem. „Recycle“, der Klassiker, haucht Ausgedientem ein zweites Leben ein.

 

Ins Netz gegangen

Dass gegen die Verpackungsflut beim Einkaufen Baumwollbeutel und Netze, helfen, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Doch Gläser, Dosen, ja sogar Geschirrtücher, tun ebenfalls treue Dienste. Viele Metzgereien füllen in mitgebrachte Boxen ab, Bäckereien in einen Brotbeutel – am besten einfach nachfragen! Obst lässt sich lose einkaufen oder in Obstnetzen. Auch diese sind vielerorts im Angebot – direkt an der Gemüsetheke. Daheim hilft für den besseren Überblick ein übersichtliches, beschriftetes Ordnungssystem, zum Beispiel aus Gläsern oder Boxen. So „verrutscht“ nichts mehr in den Untiefen der Regale.

Obst und Gemüse kann man in Mehrweg Stoffbeutel transportieren.

Am besten kauft man z. B. Äpfel aus der Region und transportiert sie im Obstnetz. Foto: Weiger

 

Hüllenloses Vergnügen

Unverpackt-Läden, der Wochenmarkt, Kaffeeröstereien, der Hofladen vom Bauern oder die Getreidemühle: Möglichkeiten, unverpackt – vielfach direkt vom Erzeuger – einzukaufen, gibt es in der Stadt und auf dem Land. Hier reichen ein Einkaufskorb, die mitgebrachte Box oder der große Beutel. Wer die Augen offen hält, entdeckt zudem manches Kleinod – ein Geschäft für Naturkosmetik, das selbst gemachte Seife am Stück verkauft. Obst lässt sich auf vielen Plantagen sogar selbst pflücken. Wie wäre es im nächsten Sommer mit eigenem Salat aus dem Hochbeet? Oder mit selbst gesäten Kräutern vom Balkon?

Müll lässt sich vermeiden, wenn man z. B. Kräuter selber zieht

Kräuter wie zum Beispiel Thymian lassen sich leicht im eigenen Garten oder sogar auf dem Balkon ziehen. Foto: Weiger

 

Essen on tour

Das Kantinenessen kommt in der Aluschale daher, in der Cafeteria ist jedes Brötchen in Plastik gehüllt: Wer sein Essen von daheim mitnimmt, weiß nicht nur, was drinsteckt, sondern auch, wie es verpackt ist. Shia Su empfiehlt nicht nur Blechdosen oder den guten, alten „Henkelmann“. Einmachgläser sind wiederum praktisch, wenn man einen Salat oder den Lieblingsporridge mit sich herumtragen will. Anders herum funktioniert die Transportkette natürlich auch: Wer sein Firmen-Mittagessen nicht schafft, kann die Reste bequem nach Hause mitnehmen! Reste-Schüsselchen lassen sich übrigens mit Bienenwachstüchern prima abdecken. Ganz ohne Frischhalte- oder Alufolie.

Für Zero Waste helfen Einmachgläser in verschiedenen Gläsern.

Einmachgläser in allen Größen: Diese sind für Zero-Waste-Profi Shia Su ideal zum Aufbewahren oder Transportieren von Lebensmitteln. Foto: Weiger

 

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