Rund fünf Prozent aller klimaschädlichen Emissionen weltweit entstehen laut Umweltbundesamt durch Tourismus. Dabei ist es ganz leicht nachhaltig Urlaub zu machen.

Fünf Prozent? Das klingt erstmal nicht viel. In absoluten Zahlen sprechen wir aber von mehr als einer Milliarde Tonnen klimaschädlicher Emissionen. Freigesetzt nur im Urlaub durch Flugreisen (40 Prozent), Autoverkehr (32 Prozent) und Unterkünfte (21 Prozent).

Da kommt der ein oder andere vielleicht doch ins Grübeln – und befindet sich damit in guter Gesellschaft. Denn immer mehr Menschen möchten ihren Urlaub laut Reiseanalyse des Bundesumweltministeriums nachhaltig(er) gestalten. Demnach finden etwa 56 Prozent der Deutschen ökologische und soziale Nachhaltigkeit beim Reisen wichtig. Tatsächlich gaben die befragten Touristen aber nur für vier bis acht Prozent ihrer Urlaubsreisen an, dass Nachhaltigkeit bei der Entscheidung ein ausschlaggebendes Argument war. Woher kommt die große Lücke zwischen Einstellung und Verhalten? Sind die vermeintlich höheren Kosten ausschlaggebend? Die begrenzte Auswahl an klimafreundlichen Reisezielen und -unterkünften? Oder fällt der Nachhaltigkeitsgedanke beim Abwägen zwischen anderen Kriterien einfach hintenüber?

 

Die meisten Emissionen werden bei An- und Abreise verursacht

Wir wollen aufzeigen, dass nachhaltiger Urlaub nicht unbedingt Verzicht oder höhere Kosten bedeuten muss, sondern dass es viele Möglichkeiten gibt, Klimaschutz auch im Urlaub zu berücksichtigen. Oft reicht es schon, sich bei der der Urlaubsplanung ein paar Dinge bewusst zu machen. Hier ein paar allgemeine Tipps für sanften Tourismus:

  • Reiseziele in der Nähe bevorzugen
  • Alternativen zu Flugreisen und Kreuzfahrten suchen
  • Reiseanbieter/-angebote mit verbindlichen Umwelt- und Sozialstandards bevorzugen, etwa Öko-Hotels, Green Hotels oder andere nachhaltige Unterkünfte
  • Im Urlaub genauso umweltfreundlich leben wie zuhause
  • Rücksicht auf sensible Lebensräume oder Tiere nehmen

Wie sehr es sich lohnt, insbesondere bei der An- und Abreise auf möglichst klimafreundliche Verkehrsmittel zu achten, zeigt diese Grafik:

Grafik: Vergleich der durchschnittlichen Treibhausgas-Emissionen einzelner Verkehrsmittel im Personenverkehr in Deutschland. Besonders der Inlandsflugverkehr und Fahrten mit dem PKW verursachen viele Emissionen. Zu Fuß und mit dem Fahrrad reist man dagegen emissionsfrei.

 

Wer nicht auf die Flugreise verzichten möchte, kann zumindest den CO2-Ausstoß kompensieren. Die Lufthansa bietet eine solche Möglichkeit, es gibt aber auch unabhängige Anbieter, wie atmosfair oder myclimate. Aber: CO2-Kompensation ist immer nur die zweitbeste Lösung. Idealerweise entscheidet man sich von vornherein für eine klimafreundliche Alternative.

 

Auf dem Vormarsch: Nachhaltige Unterkünfte

Auch bei der Wahl der Unterkunft können Reisende einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Es gibt in Deutschland und weltweit immer mehr Öko- oder Green Hotels oder Ferienwohnungsanbieter, die auf sanften Tourismus setzen. Um sie zu erkennen, gibt es verschiedene Labels. Eine gute Übersicht seriöser Anbieter bietet die Website von FAIRunterwegs, die sowohl nationale als auch internationale Labels auflistet. Wer in Deutschland nach einer nachhaltigen Unterkunft sucht, kann bei Viabono zwischen rund 5.500 Anbietern wählen. Die Viabono GmbH wurde 2001 auf Initiative des Bundesumweltministeriums, des Umweltbundesamtes und diverser Spitzenverbände gegründet. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, nachhaltigen Tourismus in Deutschland zu fördern.

Kriterien für die Klimafreundlichkeit einer Unterkunft sind beispielsweise:


Umweltschonende Energieversorgung:

Klimaanlagen, Poolheizungen, Bäder, Spas und Beleuchtung kosten Energie. Umso besser, wenn diese aus eigener Produktion stammt (z. B. über eine eigene PV-Anlage) oder wenn Ökostrom bezogen wird.


Regionale und saisonale Küche:

Landestypische Gerichte, zubereitet aus Lebensmitteln in Bio- oder Fair Trade-Qualität, sind besser fürs Klima als eine Riesen-Auswahl. Gut ist auch der Verzicht auf Buffets – so landet weniger Essen im Müll.


Traditionelle Bauweise:

Achten Sie auf Hotels in landestypischer Architektur mit lokalen, umweltfreundlichen Baumaterialien und Einrichtungsgegenständen. Im besten Fall wurden sie von lokalen Handwerkern gebaut.


Grünes Housekeeping:

Für die Reinigung werden nachhaltige Wasch- und Putzmittel verwendet, es gibt nachfüllbare Shampoo-Spender statt einzeln verpackter Badartikel. Auch wassersparende Toilettenspülungen und Mülltrennung helfen dem Klimaschutz, ebenso, wenn Handtücher und Bettwäsche nicht täglich gewechselt werden.


Sanfte Mobilität vor Ort:

Unterkünfte stellen ihren Gästen nachhaltige Transportmittel (Fahrräder, E-Autos) / Ladestationen zur Verfügung oder bieten kostenlose Tickets für den ÖPNV an.

 

Ökologischer Fußabdruck: Einmal Mexiko oder 20 Mal in den Schwarzwald

Den Südwesten Deutschlands kennen wir besonders gut, daher haben wir hier noch ein paar Tipps für nachhaltigen Urlaub in einer der schönsten Regionen Deutschlands – den Schwarzwald. Wusstet ihr, dass euer ökologischer Fußabdruck bei einer Fernreise nach Mexiko genauso groß ist wie nach 20 (!) Besuchen in unserer Heimat? Und es gibt hier so viel zu entdecken.

Wandern als nachhaltige Freizeitbeschäftigung im Urlaub

Der Schwarzwald ist ideal für ausgiebige Wandertouren geeignet. Bild: Adobe Stock/Zoran Zeremski

Die Schwarzwald Tourismus GmbH, der Nationalpark Schwarzwald, das Biosphärengebiet, hiesige Verkehrsverbünde, die Bahn und unsere beiden Naturparks haben sich schon vor einigen Jahren zusammengetan, um umweltfreundlichste Tourismusregion in Deutschland zu werden. Ein wichtiger Baustein dafür ist die Mobilität der Gäste. Um den Individualverkehr einzudämmen, wurde das KONUS-Ticket  eingeführt. Es ermöglicht Urlaubern die kostenlose Nutzung des ÖPNV in der gesamten 11.100 Quadratkilometer großen Region. Rund 150 Gemeinden mit mehr als 11.000 Gastgebern haben sich bereits beteiligt. Weitere Bausteine sind der Ausbau eines E-Carsharings, vier neue Regiobuslinien und ein Netz von mehr als 100 Verleih- und 200 Lade- und Akkutauschstationen für E-Bikes.

Auch diverse umweltfreundliche Unterkünfte stehen zur Auswahl, etwa Viabono-Unterkünfte, nach EU-Norm zertifizierte EMAS Hotels oder Öko-Campingplätze. Hinzu kommen naturnahe Urlaubsaktivitäten und touristische Angebote wie Bauern- und Winzerhofurlaub, Bauernhof-Brunch, die Käseroute, Direktvermarktung bäuerlicher Erzeugnisse oder das Angebot der Naturparkwirte und der Wirtevereinigung „Kaiserlich genießen“ vom Kaiserstuhl.

Jetzt muss nur noch gebucht werden – und dann, gute Reise!

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