Hunde und Katzen sind des Menschen treue Begleiter und zuverlässige Stresssenker mit positiven Nebenwirkungen für die Gesundheit. Einerseits. Andererseits sind Miezen und Wuffis aber auch echte Umweltsünder. Als Fleischfresser hinterlassen sie einen gewaltigen ökologischen Fußabdruck. Mit nachhaltiger Tiernahrung kannst Du die Klimabilanz Deines Vierbeiners maßgeblich verbessern.

Ganz von der Fürsorge für die lieben Vierbeiner erfüllt, verlieren die meisten Hunde- und Katzenhalter keinen Gedanken an den Klimawandel. Doch der ökologische Fußabdruck unserer Haustiere ist immens. Laut einer Studie der TU Berlin verursacht ein durchschnittlicher Hund 8,2 Tonnen Klimagase in seinem gesamten Leben. Das entspricht etwa dem CO2-Ausstoß von 13 Flügen zwischen Berlin und Barcelona. Ausschlaggebend für die schlechte Klimabilanz unserer geliebten Vierbeiner ist ihr hoher Fleischkonsum. Ökologisches Tierfutter kann die Umweltbelastung reduzieren. Doch ist eine klimaneutrale Haustierhaltung möglich?

 

Hoher Fleischkonsum ist unökologisch

Fleisch und Klimawandel hängen eng zusammen. Tierische Lebensmittel – also auch Käse oder Butter – sind in der Herstellung viel energieaufwändiger als Obst und Gemüse und verursachen auch deutlich mehr CO2-Emissionen. Die sogenannten Nutztiere – allen voran die Rinder – produzieren sehr viel Methan und Lachgas, die Viehhaltung ist also sehr emissionsintensiv. Der hohe Bedarf an Soja als Futtermittel – vor allem bei Schweinen und Geflügel – führt wiederum zur Rodung von Urwäldern, was natürliche Ressourcen im großen Stil zerstört und zum vermehrten Ausstoß von Treibhausgasen führt. Dadurch steigt die globale Erderwärmung immer weiter. Fleisch ist auch unheimlich durstig: Laut der gemeinnützigen Organisation Water Footprint Network braucht die Produktion eines Kilo Fleisches 16.000 Liter Wasser. Für ein Kilo Weizen sind dagegen 1.350 Liter nötig.

Nachhaltiges-Tierfutter- Abwechslungsreiche Ernährung

Unsere Vierbeiner haben oft eine schlechte Klimabilanz. Grund dafür ist ihr hoher Fleischkonsum. Bild: Adobe Stock/annaav

 

Ökologischen Fußabdruck von Haustieren verringern

Der Umwelt zuliebe könnten wir unsere Fellfreunde auf eine streng vegane Kost setzen – und das tun auch viele engagierte Umweltschützer. Zum Glück gibt es aber diverse andere Möglichkeiten, den Speiseplan unserer Hunde und Katzen nachhaltiger zu gestalten. Mehrere kleine Schritte machen die Umstellung im Alltag erträglicher als gravierende Veränderungen auf einen Schlag. Mit folgenden Methoden kannst Du die Ernährung Deines Haustieres umweltfreundlicher machen:

  • selber kochen
  • saisonal & regional einkaufen
  • weniger Fleisch
  • Bio-Futter
  • auf Rindfleisch verzichten
  • eher Nass- als Trockenfutter
  • 1-2 vegane oder vegetarische Tage pro Woche
  • Insekten als nachhaltige Proteinquelle
  • größere & umweltfreundliche Verpackungen

 

Tierfutter damals und heute

Bevor die Industrialisierung der Nahrungsmittel in den 50er-Jahren zu boomen begann und die Massentierhaltung zum Usus wurde, war Fleisch eine Delikatesse und die Fütterung der Haustiere mit Tischresten gang und gäbe. Die Futtermittelindustrie musste damals enorme Werbegeschütze auffahren, um Fertigfutter für Hunde und Katzen zu etablieren – denn anfangs wollte es niemand haben. Mit der Zeit hielten Beutel, Dosen und Säcke mit Fertigfutter Einzug in die tierischen Haushalte und sind heute nicht mehr wegzudenken. Nass- und Trockenfutter hat sich als „ausgewogen“ und „mit allen nötigen Nährstoffen versehen“ in den Köpfen der Tierhalter festgebrannt.

 

Selber kochen für Hund und Katz‘: Füttern wie in Omas Zeiten

Mit der heute praktizierten, stark industrialisierten Form der Fütterung schaden wir nicht nur Hunden und Katzen, sondern vor allem der Umwelt und den sogenannten Nutztieren. Naturbelassene Nahrungsmittel enthalten von Natur aus alle wichtigen Nährstoffe, die durch schonende Verarbeitung – anders als beim Industriefutter – nicht zerstört werden. So spricht auch nichts dagegen, für Deinen Hund oder Deine Katze selbst zu kochen. Die Regeln sind gleich wie beim menschlichen Speiseplan: Wir ernähren uns doch auch nicht aus Dosen und Tüten, um das volle Spektrum an Vitaminen und Mineralien zu uns zu nehmen. Bleibt die Hunde- und Katzenfütterung abwechslungsreich, ist die Versorgung mit nötigen Mikronährstoffen auch garantiert.

 

Tipp 1: Du musst nicht jeden Tag frisch kochen. Fertig zubereitete Portionen lassen sich wunderbar einfrieren.

 

Saisonal & regional: Tierfutter um die Ecke kaufen

Unabhängig davon, ob Du Dich fürs Kochen oder für Fertigfutter entscheidest, ist der regionale Bezug der Zutaten deutlich ökologischer als lange Transportwege. Bei frischem Obst und Gemüse sinkt der Nährstoffgehalt, je länger sie gelagert werden. Und weite Beförderung von Nahrungsmitteln belastet die Umwelt, ganz besonders dann, wenn sie mit dem Flugzeug transportiert werden müssen. Deckst Du Dich mit saisonalem Obst und Gemüse ein, ist es zur gegebenen Zeit auch in größeren Mengen vorhanden, was sich automatisch beim Preis positiv bemerkbar macht. Kaufst Du regional ein – auch wenn das eine lokale Tierfuttermarke ist und keine frischen Lebensmittel – unterstützt Du die eigene Region und ihre heimischen Erzeuger.

 

Tipp 2: Gemüse lässt sich ganz einfach fermentieren und so haltbar machen. Am besten eignet sich dazu Möhre, Kraut, Rote Beete, Kürbis oder Pastinake. Die meisten Hunde lieben den säuerlichen Geschmack vom Eingelegten und gesund ist es auch.

 

Lieber Ziege als Kuh, lieber Pansen als Filet

In Deutschland leben etwa zwölf Millionen Rinder und Milchkühe, 22 Millionen Schweine und 173 Millionen Geflügel. Unter allen Nutztieren sind Rinder die größten Klimasünder: Sie sind für 87 % der Methan- und Lachgasemissionen verantwortlich, die bei der Nutztierhaltung anfallen.

Schafherde beim Grasen

Schafe und Ziegen haben eine deutlich bessere Öko-Bilanz als Rinder. Bild: pixabay/TF2

 

Mit viel Abstand folgen die Emissionen von Schweinen. Andere Tiere wie Pferde, Schafe, Ziegen und Geflügel machen nur rund fünf Prozent der Gesamtbilanz aus. Auch die einzelnen Körperteile, die im Futternapf landen, sind ökologisch relevant. Denn der Trend zur „Lebensmittelqualität“ beim Tierfutter kurbelt die Fleischproduktion noch mehr an. Teilen sich Menschen und Haustiere die gleichen Filet-Stücke, steigt der Bedarf und immer mehr Nutztiere müssen sterben. Dabei eigenen sich die von Menschen verschmähten Teile für Haustiere allemal. Mehr noch: Die meisten Hunde und Katzen lieben Pansen, Kutteln, Zungen, Hälse oder Innereien. So schließt sich der Kreislauf und das gestorbene Tier wird respektvoll verwertet. Indem Du also auf bestimmte Fleischsorten und die Lebensmittelqualität beim Tierfutter verzichtest, verbesserst Du die Klimabilanz Deines Vierbeiners.

 

Tipp 3: Frage den Metzger Deines Vertrauens oder den lokalen Jäger, ob er nicht Fleischreste, Knorpeln und Knochen übrighat.

 

Bio-Tierkost besser als konventionell

Als vor ein paar Jahren die ersten Sorten von Bio Tierfutter im Handel erschienen sind, wurden ihre Erzeuger als Aliens der Branche angesehen. Heute ist Bio-Tierkost weder etepetete noch elitär – sondern ein immer häufiger gekauftes Produkt in den Zoogeschäften. Allerdings ist nicht jedes Bio-Tierfutter automatisch ein Musterschüler in Sachen Nachhaltigkeit. Je nach Zertifizierung sind die Tierhaltungsstandards teilweise lasch und auch die Herkunft spielt eine große Rolle. Muss das Bio-Futter große Strecken zurücklegen bis es bei Dir ankommt, ist seine Öko-Bilanz ebenso miserabel wie konventionelle Sorten mit Fleisch aus Massentierhaltung. Grundsätzlich jedoch punktet Bio Futter für Hund und Katze mit artgerechten Tierhaltungsbedingungen: Rinder, Schweine und Geflügel haben mehr Platz, lange Transporte sind verboten und auch synthetische Pflanzenschutzmittel beim Anbau der Futtermittel nicht erlaubt. Mit die strengsten Kriterien in Bezug auf Tierwohl und Umweltschutz haben „Demeter“ und „Bioland“, gefolgt von „Naturland“.

 

Tipp 4: Noch besser als Bio Fleisch ist regionales Wildfleisch, wenn es nicht aus einer Zucht stammt. Hirsche, Rehe und Wildschweine hatten ein artgerechtes Leben in der Freiheit und genossen naturbelassene Mahlzeiten.

 

Zu viel Fleisch macht krank

Hunde- und Katzenfutter „mit hohem Fleischanteil“ – häufig sogar pures Fleisch – steht bei ernährungsbewussten Haltern hoch im Kurs. Doch zu viel tierisches Protein führt sehr oft zu Gicht. Die harnsaure Diathese ist eine sehr verbreitete Stoffwechselerkrankung bei Hunden ab dem 5. – 7. Lebensjahr, die neben ihren fleischhaltigen Hauptmahlzeiten auch noch Wurst, Kauartikel und andere proteinreiche Snacks bekommen. Bei gestörter oder altersbedingt nachlassender Stoffwechselleistung der Leber und Niere werden die Eiweiß-Abbauprodukte und der Harnstoff schlechter von der Niere ausgeschieden. Darauf reagiert der Körper mit Ausweichstrategien: durch akute Entzündungen soll die überschüssige Harnsäure ausgeschieden werden oder sie wird in Gelenken und Muskeln gespeichert. Ergebnis sind schmerzhafte Lahmheit durch Arthritis oder Hautprobleme, wie Juckreiz, Schuppen, nässende Hot Spots sowie Ohren- und Analdrüsenentzündung. Leider wird Gicht oft nicht erkannt oder falsch diagnostiziert und nur das Symptom behandelt, meist mit Schmerzmitteln, Cortisonen und Antibiotika. Die Tierärzte Berger & Berger im sachsen-anhaltischen Drosa, die sich seit 18 Jahren mit harnsaurer Diathese bei Hunden beschäftigen, verschreiben erkrankten Tieren eine wochenlange vegane Diät.

 

Veggie Days auch für Hunde und Katzen

Veganes Hunde- und Katzenfutter kämpft sich aus den alternativen Nischen des Tierfuttermarktes in die große Arena: Immer mehr Halter wählen aus Umwelt- und Tierschutzgründen eine rein pflanzliche Ernährungsweise für ihre Vierbeiner. Doch gerade bei Katzen, die Carnivoren, also reine Fleischfresser sind, gilt das als nicht artgerecht. Streng vegane Hunde- und Katzennahrung ist auch nicht nötig.

Nachhaltiges-Tierfutter- Gemüse im Napf

1-2 vegane oder vegetarische Tage in der Woche würden die schlechte Klimabilanz von Hunden und Katzen verbessern. Bild: Adobe Stock/anastas_

 

Auch nur zum Teil fleischlose Mahlzeiten bringen eine positive Veränderung mit sich, wenn der Trend globaler wird. Vegane Tage entlasten den Körper – und die Umwelt. Für alle Tierhalter, die nicht selbst kochen wollen oder können, hält der Markt zahlreiche fleischlose Futter Alternativen parat. Veganes Nass- und Trockenfutter für Hund und Katze wird auch bei hoch allergischen Tieren empfohlen.

 

Tipp 5: Mittlerweile gibt es auch großartige vegane oder vegetarische Snacks für Zwischendurch. Belohnung & Beschäftigung kann durchaus auch fleischlos sein. Kaustangen aus Hüttenkäse beispielsweise sind lecker und reduzieren den Zahnstein.

 

Was ist nachhaltiger: Nass- oder Trockenfutter?

Alle Futtersorten, ob nass, kaltgepresst, extrudiert oder gebacken, werden bei ihrer Herstellung erhitzt – abhängig von der Methode unterschiedlich lang und unterschiedlich heiß. Tendenziell verbraucht Dosenfutter weniger Energie, weil das Herstellungsverfahren nicht so aufwändig ist wie beim Trockenfutter. Im Fall des Letzteren durchlaufen die Zutaten mehrere, sehr energieintensive Schritte, bevor sie als Kroketten oder Brocken im Futternapf landen. Sie sind auch deutlich weiter von der Natur entfernt als in Dosen gegartes Fleisch mit Beilage.

 

Tierisch gut ohne Fleisch: Futter aus Insekten

Wer sich gegen veganes Tierfutter sträubt, die schlechte Ökobilanz von Fleisch aber nicht hinnehmen will, hat jetzt eine wunderbare Alternative: Insektenfutter! Essbare Insekten gelten nicht nur als eine der vielversprechendsten Lösungen für die Ernährung der wachsenden Erdbevölkerung, sondern auch als Mittel gegen die Ausbeutung von Ressourcen in Viehzucht und Fischerei. Im Vergleich zu der Nutztierhaltung entsteht in der Aufzucht von Insekten nur ein Bruchteil der klimaschädlichen Gase: kein Methan und deutlich weniger Ammoniak. Krabbler brauchen auch sehr wenig Trinkwasser und lieben die Enge: Massentierhaltung ist in dem Fall wirklich erwünscht und artgerecht. Um ein Kilogramm Insektenprotein herzustellen, braucht es nur einen Quadratmeter Fläche und 1,5 Kilogramm Futter. Ein Kilo Rindfleisch benötigt dagegen etwa zwölf Kilo Futter sowie 27 bis 49 Quadratmeter Nutzfläche. Das einzige Manko – den hohen Energiebedarf für die konstante Temperatur von circa 30 Grad – lässt sich ressourceneffizient durch die Nutzung von Industrie-Abwärme umgehen. Insektenzucht scheint keine Nachteile und keine Konkurrenz zu haben – ein seltenes Phänomen.

 

Ist Hunde- & Katzenfutter im Glas ökologisch?

Nicht nur die „inneren Werte“ des Futters, sondern auch seine Hülle ist ökologisch relevant. Entscheidest Du Dich selber zu kochen, kannst Du die meiste Verpackung einsparen, indem Du Obst, Gemüse und lose Lebensmittel wie Reis, Haferflocken oder Graupen unverpackt kaufst. Kauartikel gibt es mittlerweile in Papiertüten statt in Plastik. Für Fleisch-Einkäufe im BARF-Laden eignen sich wiederverwendbare Behälter (BARF = „Biologisches artgerechtes rohes Futter“). Aber welche Verpackung vom Fertigfutter hat die beste Ökobilanz – Dose, Glas oder Tüte? „Glas ist einerseits schwer und benötigt gegenüber Folie mehr Energie bei der Herstellung“, erklärt Dr. Petra Weißhaupt vom Umweltbundesamt in Berlin. „Aluminium ist leichter als Glas, hat jedoch eine deutlich höhere Energieintensität. Folie schneidet ökobilanziell am besten ab, da sie einerseits leicht und materialsparend ist und andererseits eine vergleichsweise geringe Energieintensität aufweist.“ Und tatsächlich gibt es sowohl Hundefutter als auch Katzenfutter in der folienumhüllten Wurstform, doch nicht unbedingt in Bio-Qualität und sicherlich nicht in allen Sorten. Du kannst Deine Öko-Bilanz bei der Verpackung verbessern, indem Du:

  • regionale Produkte kaufst und damit lange Transportwege vermeidest,
  • größere Verpackungseinheiten wählst, um Abfall zu sparen,
  • Glas wiederverwendest statt es zu entsorgen, z. B. für selbst gemachte Marmeladen
  • kompostierbare Verpackung wählst

 

Tipp 6: Wer Frischfleisch online kauft, bekommt die Lieferungen in einer Styropor-Kiste, einem erdölbasierten und umweltschädlichen Material aus Polystyrol-Kügelchen. Wähle einen Lieferanten, der die Boxen zurücknimmt. Du kannst sie auch online inserieren: Styropor-Kisten werden oft von Anglern oder Hobby-Gärtnern gesucht.

 

Fazit

Als Hunde- oder Katzenhalter hast Du es selbst in der Hand, den Alltag mit Deinem tierischen Begleiter nachhaltiger zu gestalten. Je größer die Nachfrage nach ökologischem Tierfutter und nachhaltiger Verpackung auch wird, desto schneller wird die Industrie auch reagieren. Das wachsende Angebot an Bio-, Veggie- oder Insektenfutter sowie papierverpackten Kauartikeln spiegelt den grünen Trend wider und macht Lust, Teil der umweltschonenden Bewegung zu werden.

 

Weitere Infos zum Thema Tierschutz findest du hier.

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