Ein schrilles Pfeifen ertönt aus dem kleinen Gerät, das aussieht wie ein winziger Taschenrechner mit wenigen Tasten. Alle Kollegen im Büro schrecken auf. Für eine Sekunde steht der Atem still. Was ist los? Alarm? Feuer?

Nur Werner Gerspach bleibt ruhig. Den Alarmton seines Funkmelders kennt er nur zu gut. Für ihn bedeutet das: Feuerwehreinsatz. Fertigmachen. Ausrücken.

Werner Gerspach arbeitet bei Energiedienst als Elektromeister im Bereich der Gebäudetechnik. Gleichzeitig engagiert er sich ehrenamtlich bei den Freiwilligen Feuerwehren in Eichsel und Karsau. Seit 2015 ist er Brandschutzbeauftragter bei Energiedienst und gibt regelmäßig Schulungen für Mitarbeiter.

Der Tarifvertrag von Energiedienst regelt, dass die rund 70 ehrenamtlichen Feuerwehrleute im Unternehmen im Einsatzfall von ihrer Arbeit freigestellt werden.

„Je länger man dabei ist, desto ruhiger wird man. Vor 15 Jahren war ich auch bei jedem Alarm aufs Neue nervös. Mittlerweile weiß ich, dass ich in erster Linie Ruhe bewahren muss.“ Im Display seines digitalen Funkmelders sieht er nur die wichtigsten Informationen: „Wohnhausbrand in Niedereichsel.“ Anders als beispielsweise bei Überschwemmungen und Wassernot heißt das: Keine Zeit verlieren.

Für den Weg zum Einsatzort bleibt wenig Zeit, denn Werner Gerspach muss zuerst zum Gerätehaus der Feuerwehr fahren. Er gibt seinen Arbeitskollegen Bescheid, sie halten ihm den Rücken frei. Langsam macht er sich doch so seine Gedanken: Was könnte passiert sein? Sind Menschen in Gefahr? Aber er weiß, jetzt loszurasen bringt nichts. Er will schließlich keine Mitmenschen gefährden.

Im Gerätehaus der Feuerwehr hat alles seine Ordnung: Dort befinden sich die Löschfahrzeuge und die Ausrüstung der Mannschaften (Bild: Fotolia / #133575301).

Im Gerätehaus angekommen holt er seine Ausrüstung. Auch die anderen Kameraden treffen nach und nach ein. Jeder kennt den Ablauf. Jeder hat seine Aufgabe und seine Position.

Ins Löschfahrzeug passen neun Feuerwehrleute: der Maschinist, also der Fahrer des Fahrzeugs, der Gruppenführer und zwei Personen als Angriffstrupp mit Atemschutzgerät, je zwei Personen als Wasser- und Schlauchtrupp und der Melder, der das Gebiet vor Ort erkundet.

Wenn das Löschfahrzeug voll besetzt ist, geht es los. Das heulende Martinshorn durchdringt die Straßen. Passanten horchen auf, Autofahrer machen Platz.

Schon aus der Ferne sieht Werner Gerspach die dunkle Rauchsäule. Die Lage scheint doch ernster zu sein als gedacht. Ein Mehrfamilienhaus steht in Flammen. Werner Gerspach kennt die Anwohner und das verwinkelte Gebäude. Das Feuer ist von der Garage über die Isolierung der Außenfassade bis ins Dachgeschoss des Hauses geklettert. Die Situation ist brenzlig.

Zusätzlich werden die Feuerwehrabteilungen von Adelhausen, Degerfelden und der Stadt Rheinfelden mitalarmiert. Auch die Rettungssanitäter kommen an und die Feuerwehrmänner evakuieren die schockierten Anwohner. Bestürzung macht sich breit.

Über das Haus führt eine Freileitung mit zwei Aluminiumbündelleitern, die das Dorf mit Strom versorgen. Sie ist aber bereits durchgebrannt und liegt – noch unter Spannung – auf dem Boden. Werner Gerspach koordiniert das Abschalten der Leitung mit den Technikern der ED Netze, die sich dann erst einmal um eine provisorische Lösung kümmern.

Schwarzer Rauch sammelt sich im Dachstuhl des Wohnhauses. Werner Gerspach sieht die kleinen Blitze in den pulsierenden Schwaden und weiß, gleich wird es gefährlich. Es droht die Rauchgasdurchzündung – ein sogenannter Flashover. Plötzlich gibt es einen lauten Knall, die Ziegel schießen vom Dach und eine gewaltige Feuerwolke bricht auf beiden Seiten aus dem Dachstuhl.

Jetzt ist klar: Das Nachbarhaus muss vor der Hitze und den Flammen abgeschirmt werden. Die Feuerwehrmannschaften handeln koordiniert und stauen den nahegelegenen Bach, um mit Hochdruck eine Wasserwand zwischen den Häusern aufzustellen. So kann das Feuer nicht übergreifen. Zweihundert Liter Wasser schießen in der Minute durch den Schlauch und kesseln die Flammen gezielt ein.

Züngelnde Flammen, beißender Rauch, schlechte Sicht und Unmengen an verdampfendem Löschwasser – Menschen retten unter schwersten Bedingungen.

Nach ein paar Stunden im Kampf gegen das lodernde Feuer heißt es endlich aufatmen. Zwar sind die großen, gefährlichen Flammen gelöscht, aber einige Feuerwehrleute bleiben zur Brandwache über die Nacht bis zum nächsten Mittag. Schließlich gibt es im Gebäude noch Glutnester, die sich immer wieder entzünden können. Mit der Wärmebildkamera können sie die Hitzeentwicklungen im Haus beobachten.

Zurück bleiben verkohlte Möbel und Aschehaufen, aber niemand wurde verletzt. Und glücklicherweise kommen solche Großeinsätze wie dieser vor etwa drei Jahren in Eichsel nur selten vor.

Die einzelnen Ortsabteilungen auf dem Dinkelberg verzeichnen jährlich etwa fünf bis zehn Einsätze: Brennende Mülleimer, überschwemmte Keller, gefährliche Ölspuren auf der Straße oder nur die Katze vom Nachbarn, die auf dem Baum festsitzt.

Die Abteilungen von Nollingen, Karsau und Rheinfelden kümmern sich außerdem noch um Verkehrsunfälle auf den Straßen, der Autobahn und im Nollinger Bergtunnel. Das erhöht die Einsatzzahl noch einmal beträchtlich. Die Abteilungen in Rheinfelden selbst rücken bis zu hundert Mal im Jahr aus.

Maurice Grunert und Werner Gerspach sind Feuerwehrmänner mit Leidenschaft. Das Ehrenamt bei der Feuerwehr ist für sie mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung.

Maurice Grunert, Netzbetriebsmonteur bei der ED Netze GmbH und ehrenamtlicher Feuerwehrmann in Nordschwaben, kennt seine Verantwortung: „Feuerwehrmann zu sein bedeutet weitaus mehr als nur Feuerlöschen. Wir sind es, die bei einem Einsatz den Überblick behalten müssen. Wir müssen wissen, wie wir die Betroffenen beruhigen und mit ihrer Panik umgehen können.“

Er erinnert sich an einen Kellerbrand in einem Hochhaus in Rheinfelden: „Das ganze Treppenhaus war verraucht. Also mussten wir die Menschen davon überzeugen, in ihren Wohnungen zu bleiben, obwohl der Keller in Flammen stand. Das war eine echte Herausforderung.“

Die örtlichen Feuerwehren sind rund um die Uhr in Alarmbereitschaft und leisten einen großen Beitrag zum Allgemeinwohl, auch bei kleineren Einsätzen.

Im Jahr 2013 wurde die Rauchmelderpflicht in Baden-Württemberg eingeführt. Seither kommt es vermehrt zu Fehlalarmen, weil der empfindliche Sensor des Melders manchmal schon dann reagiert, wenn das Steak in der Bratpfanne zu stark brutzelt oder die Weihnachtsräucherstäbchen angezündet werden.

Werner Gerspach ist sich aber sicher: „Lieber einmal zu viel ausgerückt als einmal zu wenig.“

Nicht nur starke Männer und Technik-Nerds

Die Freiwilligen Feuerwehren freuen sich über Zuwachs. Maurice Grunert betont: „Auch Mädchen und Frauen sind bei uns herzlich willkommen! Sie achten bei einem Einsatz auf ganz andere Dinge und bereichern unsere Kameradschaft.“

Wer selbst Mitglied der Feuerwehr werden möchte, kann beim Feuerwehrkommandanten in der jeweiligen Ortsabteilung anfragen. Die Kosten für Lehrgänge, Einsatzkleidung und Ausrüstung übernimmt die Stadt. Ab zehn Jahren können Interessierte der Jugendfeuerwehr beitreten, ab 18 Jahren der Aktivwehr.


Partner der Feuerwehr

Der Deutsche Feuerwehrverband verlieh der Energiedienst Holding AG im Juli die Auszeichnung „Partner der Feuerwehr“ und würdigte damit die langjährige Zusammenarbeit mit den örtlichen Feuerwehrmannschaften.

Mit der Plakette werden Arbeitgeber ausgezeichnet, die in ihrem Betrieb ehrenamtliche Feuerwehrangehörige beschäftigen und diese bei der Ausübung ihrer Feuerwehrpflichten unterstützen. Die Mitarbeiter von Energiedienst engagieren sich ehrenamtlich bei den Feuerwehren in den Landkreisen Lörrach, Waldshut, Breisgau-Hochschwarzwald und Schwarzwald-Baar.

Die Partnerschaft von örtlichen Feuerwehren und Energiedienst geht auch über die Unterstützung der eigenen Mitarbeiter hinaus: Seit vielen Jahren vermitteln die Mitarbeiter der ED Netze den Feuerwehren im Netzgebiet das richtige Verhalten im Brandfall an elektrischen Anlagen.

Gemeinsam üben sie mit den Feuerwehrmannschaften in den Umspannwerken und mit den Höhenrettungsgruppen an Freileitungsmasten.

ED Netze stellt den Feuerwehren zudem eine mobile Brandübungsanlage zur Verfügung, um einen realistischen Einsatz unter Atemschutz bei 600 Grad und Vollflamme zu üben. Im Juli machte der Brandübungscontainer in Weil am Rhein Station, in den Vorjahren übten die Kameraden in Wyhlen, Küssaberg und Schopfheim.

Feuerwehrmannschaften proben im Brandübungscontainer: Bei einem richtigen Einsatz wissen sie nicht, was sie hinter der Türe erwartet. Deshalb sind regelmäßige Übungen besonders wichtig.

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