Pedelecs, wie Fahrräder mit elektrischem Hilfsmotor hierzulande genannt werden, haben einen wenig beachteten Siegeszug angetreten. Wie konnte es dazu kommen? Was macht diese Zweiräder zu einer veritablen Pioniertechnologie bei der Elektromobilität?

Pedelecs eilen von Rekord zu Rekord

Während die Elektromobilität in Bezug auf Elektroautos viel diskutiert wird, aber die Zulassungszahlen bisher auf niedrigem Niveau verharren, klettert die Kategorie elektrifizierter Zweiräder fast unbemerkt von der großen Öffentlichkeit von Verkaufsrekord zu Verkaufsrekord. Elektrisch verstärkte Fahrräder, die unter dem Label Pedelec (Akronym von „Pedal Electric Cycle“) angeboten werden, sind so populär wie nie. Wurden 2013 schon 413.000 E-Bikes und Pedelecs verkauft, waren es in 2014 bereits 480.000 Stück. Bereits 13% des Fahrradmarktes sind heute elektrifiziert. Das sind Marktanteile, von denen die Hersteller von Elektroautos nur träumen können. Folgerichtig räumen die großen Handelshäuser diesen Zweirädern inzwischen erhebliche Teile ihrer Verkaufsflächen ein. Insgesamt sollen inzwischen über zwei Millionen Pedelecs auf deutschen Straßen unterwegs sein.

Kombination aus Tradition und Moderne

Womit lässt sich dieser Erfolg begründen, obwohl doch auch hier wie bei den Elektroautos die Anschaffungskosten erheblich über denen für ein konventionelles Modell liegen? Für ein ordentliches Pedelec muss man mindestens 1.500 Euro auf den Tisch legen. Der Grund für die Verkaufserfolge liegt vielleicht in den für jeden Fahrradnutzer offensichtlichen Vorteilen, die so ein Zweirad bietet. Zunächst mal handelt es sich um eine bewährte Technik: Fahrradfahren kann fast jeder. Man muss also meist nichts neu lernen. Das ist bei den sich selbst ausbalancierenden Modellen von Segway ein wenig anders und erzeugt daher wohl eine gewissen Schwellenangst. Zum anderen ist der Vorteil eines elektrischen Motors, der die Tretarbeit verstärkt, jedem sofort klar, der sich schon mal eine Steigung hochgequält hat. Die Bedienung des Elektro-Motors ist bei einem Pedelec sehr einfach: Man tritt einfach wie immer. Drauf setzen, losfahren, fertig. Kein „Gashebel“ am Lenker oder andere Steuerungseinheiten verkomplizieren die Handhabung. Vielleicht ist also diese Kombination aus Tradition (Fahrrad) und Fortschritt (Elektromotor) sowie einfacher Handhabung der entscheidende Grund für den Erfolg. Und nicht zuletzt fallen im Vergleich zu einem Elektroauto für um die 30.000 Euro die Investitionsentscheidungen bei einem Budget um die 2.000 Euro auch leichter.

Was macht Pedelecs aus?

Die Branche unterscheidet zwischen Pedelecs und S-Pedelecs. Erstere funktionieren ausschließlich mit einem Trittverstärker. Wird nicht in die Pedale getreten, hat der Motor Pause. Außerdem wird der Motor automatisch bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h gedrosselt. Schneller geht nur per Pedalkraft. Daher braucht man für die Nutzung eines Pedelec keine Versicherung und kein Nummernschild.

S-Pedelecs verfügen hingegen über echte Hilfsmotoren, die mit separatem Hebel gesteuert werden. Höchstgeschwindigkeit ist wie bei dem bekannten Verbrennerkollegen MoFa 45 km/h. Es herrscht Helm- und Versicherungspflicht. Eine Bemerkung zum Helmtragen: Man sollte ein Pedelec, obwohl es nicht vorgeschrieben ist, immer mit Fahrradhelm nutzen. Selbst 25 km/h sind ohne Airbag und Knautschzone ganz schön schnell.

Der Vorteil eines elektrischen Zusatzmotors liegt jedem auf der Hand, der sich einmal auf ein solches Gefährt gesetzt hat. Sofort ist ein ganz neues Fahrgefühl spürbar, sozusagen Fahrradfahren in wirklich sehr gut. Die Märchenmetapher von den Sieben-Meilen-Stiefeln scheint hier Wirklichkeit zu werden: Kleiner Aufwand mit großen Folgen. Selbst lange Steigungen und starke Beschleunigung sind nun keine schweißtreibende Arbeit mehr, sondern ein entspanntes Vergnügen.

Für den Alltag haben Pedelecs allerdings einen Nachteil: Sie sind recht schwer. Motor und Akku bringen ein paar Kilo auf die Waage, und die Konstruktion muss auf die wirkenden Kräfte ausgelegt sein. Um die 20 kg wiegen handelsübliche Modelle. In den Keller will man das lieber nicht jeden Tag tragen. Vorteil ist der grundsätzlich abnehmbare Akku. Man braucht also beim Abstellplatz keine Stromversorgung. Zumeist liefert der Akku genug Strom für 50 bis 80 km unbeschwertes Fahren, natürlich in Abhängigkeit vom Streckenprofil.

Bei den Motoren unterscheidet man unter drei verschiedenen Antriebskonzepten.

  • Frontmotor: Der sitzt in der Vordernabe und zieht also das Fahrrad. Das kann auf sandigem oder losem Untergrund oder auch in Kurven ungünstig sein. Denn dann dreht dreht das Vorderrad leicht durch oder rutscht weg.
  • Mittelmotor: Der liegt direkt über oder unter dem Tretlager. Der Motor wirkt auf die Achse zwischen den Pedalen. Der Antrieb erfolgt also über die Kette auf das Hinterrad. Das Gewicht liegt zentral und tief und beeinflusst daher kaum das Fahrverhalten.
  • Heckantrieb: Der Motor sitzt in der Hinternabe, und ist dann in der Regel nicht mit handelsüblichen Nabenschaltungen kompatibel. Heckantriebe findet man vor allem bei sportlichen Pedelecs vor.

Am Markt haben sich aus den genannten Gründen Pedelecs mit Mittelmotor durchgesetzt. Sie lassen sich angenehmer fahren und sind in schwierigen Umständen auf von ungeübten Laien beherrschbar.

Drei im August 2015 ausgezeichnete Pedelecs

Inzwischen gibt es Pedelecs in ganz unterschiedlichen Ausprägungen. Der Markt fast so vielfältig wie der Fahrradmarkt insgesamt. Als Beispiel für die verschiedenen Ausprägungen mögen drei ausgezeichnete Pedelecs dienen, denen Ende August bei der EuroBike 2015, einer der größten Fahrradmessen mit europäischem Format in Friedrichshafen am Bodensee, jeweils ein Gold Award in der Kategorie Pedelecs verliehen wurden

Das Coboc Commuter Bike ist das Pedelec für den Alltag, die Fahrt zur Arbeit. Es wiegt 15 kg und verfügt über ein Reichweite von 80 km. Um den Akku wieder vollständig zu laden benötigt man zwei Stunden.

Coboc Commuter Bike

Das Turbo Levo FSR Expert des Herstellers Specialised ist ein typisches Mountainbike. 3.000-4.000 Euro muss man dafür mindestens auf den Tisch legen. Das Pedelec wiegt 20 kg. Mitgeliefert wird eine ausgefeilte Software, die bezüglich Routenplaner, Akkumonitoring und Fahrstreckenaufzeichnung kaum Wünsche offen lässt.

Turbo Levo FSR Expert

Das Winora Radius ist ein kompaktes Modell, wiegt nur etwa 19 kg und liegt mit einem Preis über 2000 Euro eher im unteren Bereich.

Winora Radius

Anschaffungstipps

Wenn man die Anschaffung eines Pedelec in Erwägung zieht, sollte man die folgenden Tipps beachten.

  • Probefahrt machen. Sie sollten sich auf dem Zweirad einfach wohlfühlen.
  • Angenehme Sitzposition. Selbstverständlich sollte das Rad auf ihre Körpergröße angepasst sein.
  • Einfache Bedienung des Motors. Lassen Sie erklären, wie das mit dem Akkuwechseln funktioniert.
  • CE-Zeichen (Hersteller hat alle geltenden Vorschriften eingehalten) & GS-Siegel (geprüfte Sicherheit) sind Pflicht.
  • Gute Bremsen. Die sind wegen der höheren Geschwindigkeit als beim Fahrrad besonders wichtig.
  • Helm nicht vergessen!

Lesen Sie auch den Erfahrungsbericht unseres Energiedienst-Kollegen Marco Albrecht. Er hat ein Pedelec probegefahren und meint: Wenn Sie liebend gern Rad fahren, über ein neues Rad nachdenken oder radverrückt sind – ein E-Bike ist definitiv eine Überlegung wert!
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Fotos: Hersteller

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