Bei Mikroplastik denken wir vor allem an Kunststoffe im Meer, dabei landet noch mehr Plastik in unseren Böden als in den Ozeanen. Erfahre, wie es dort hin kommt, was die Folgen sind und was Du dagegen tun kannst.

Schweizer Forscher haben herausgefunden, dass sogar bis zu 40 Mal mehr Plastik in den Böden als im Meer landet. Dennoch konzentriert sich die Berichterstattung bisher fast ausschließlich auf das Mikroplastik in den Meeren. Warum ist das so? Weil die Forschung in diesem Bereich noch ganz am Anfang steht. Erst seit zwei bis drei Jahren beschäftigt sich die Wissenschaft intensiv mit dem Mikroplastik an Land. „Das erste Paper zu Mikroplastik im Meer stammt aus dem Jahr 1972“, erklärt Prof. Dr. Matthias C. Rillig, Professor am Institut für Biologie der Freien Universität Berlin. „Bei den Böden sind wir mit der Forschung ein gutes Jahrzehnt hintendran“, so Rillig weiter.

Prof. Dr. Matthias C. Rillig forscht über Mikroplastik im Boden.

Prof. Dr. Matthias C. Rillig erforscht am Institut für Biologie der Freien Universität Berlin, wie sich Mikroplastik im Boden auswirkt. Foto: FU Berlin

 

Forschung extrem zeitaufwändig und herausfordernd

„Im Wasser kann man die Mikroplastik-Partikel relativ einfach herausfiltern. Trotzdem benötigt man bis zu sechs Wochen, um eine Probe zu analysieren. Im Boden ist die Analyse um einiges schwieriger“, sagt Prof. Dr. Christian Laforsch, Professor für Tierökologie an der Universität Bayreuth. Während Wasser ein partikelarmes Medium ist, ist der Boden reich an Partikeln. Um eine aussagekräftige Bodenprobe an Mikroplastik zu bekommen, muss man den mineralischen und organischen Bestand erst einmal von der Probe trennen. Dieses Verfahren ist extrem zeitaufwändig. Die zu analysierenden Plastikpartikel haben teilweise einen Durchmesser kleiner als der eines Haares, der in etwa 100 Mikrometer entspricht. Es werden daher auch Partikel zwischen einem und zehn Mikrometer analysiert. „Es ist sehr schwierig, natürlich vorkommende Partikel von potenziellen Plastikpartikeln voneinander zu trennen“, sagt Christian Laforsch. Daher ist der Nachweis von Mikroplastik in Böden mit den derzeitigen Methoden noch eine große Herausforderung. Immer mehr Wissenschaftler beschäftigen sich aber mittlerweile mit dem Thema „Mikroplastik in Böden“ und arbeiten in unterschiedlichen Projekten daran, die Methoden zu verbessern und validere Ergebnisse zu publizieren.

Prof. Dr. Christian Laforsch forscht über Mikroplastik im Boden.

Mikroplastik in der Erde zu erforschen, ist viel aufwändiger als in Wasserproben, weiß Prof. Dr. Christian Laforsch, Professor für Tierökologie an der Universität Bayreuth. Foto: Uni Bayreuth

 

Wie gefährlich ist Mikroplastik im Boden?

Mikroplastik ist nicht gleich Mikroplastik, es besteht aus ganz unterschiedlichen Kunststoffen, kommt in unterschiedlichen Größen und Formen vor, und wird daher auch unterschiedlich abgebaut. „Wir sind gerade dabei zu untersuchen, welche Eigenschaften von Mikroplastik die unterschiedlichen Effekte bedingen. Welche Auswirkungen Mikroplastik in Böden hat, ist sehr schwer zu sagen, da das Thema sehr komplex ist“, so Christian Laforsch. Und genau deshalb lässt der derzeitige Stand der Forschung auch noch keine Aussage darüber zu, ob und in welchem Maß Mikroplastik in der Erde gefährlich für Mensch, Tier oder Pflanzen ist.

„Welche Auswirkungen Mikroplastik in Böden hat, ist sehr schwer zu sagen.“ Christian Laforsch

„Mikroplastik an sich kann nicht als gefährlich bezeichnet werden“, erklärt Matthias Rillig. Studien haben allerdings gezeigt, das Mikroplastik für bestimmte Organismen im Boden gefährlich sein kann, beispielsweise für Fadenwürmer. Es kann auch einen negativen Effekt auf das Wachstum von Pflanzen haben, so leidet Salat unter Mikroplastik, Karotten wachsen wiederum trotz Plastikaufnahme gut. Daher fragen einige Landwirte, ob es nicht eine gute Idee sei, Mikroplastik über die Äcker zu streuen, um das Pflanzenwachstum anzukurbeln. Rillig versteht solche Fragen, kann solche Aktionen aber nicht befürworten. „Obwohl Mikroplastik manchmal einen positiven Effekt auf das Wachstum von Pflanzen hat, kann das aus wissenschaftlicher Sicht nicht positiv bewertet werden. Denn wir greifen damit in den natürlichen Lauf der Dinge ein“, warnt er.

 „Mikroplastik an sich kann nicht als gefährlich bezeichnet werden.“ Matthias C. Rillig

 

Mikroplastik ist Teil des globalen Wandels

Da wir mit dem Einsatz von Mikroplastik unseren Planeten verändern und die Ökosysteme und Organismen damit beeinflussen, stellt Matthias Rillig das Mikroplastik-Problem auf eine Stufe mit dem Klimawandel. “Wenn der Einzelne begreift, dass der Gebrauch von Mikroplastik Teil des globalen Wandels ist, haben wir schon einmal viel gewonnen“, erklärt Rillig. Denn dann würde der einzelne Verbraucher aufmerksamer mit dem Thema umgehen und sensibler darauf reagieren – beispielsweise Einweg-Plastikprodukte vermeiden oder Druck auf die Industrie ausüben, dass bestimmt Produkte gar nicht mehr produziert werden. Das funktioniere laut Rillig in Deutschland bisher schon sehr gut.

„Wenn der Einzelne begreift, dass der Gebrauch von Mikroplastik Teil des globalen Wandels ist, haben wir schon einmal viel gewonnen.“ Matthias C. Rillig

 

Müll richtig trennen, um Freisetzen von Mikroplastik zu vermeiden

Sowohl Rillig als auch Laforsch wiesen im Interview darauf hin, wie wichtig eine gute Mülltrennung sei. Denn bei der Abfallentsorgung wird ein großer Teil von Mikroplastik freigesetzt. So genannte biodegradierbare Beutel beispielsweise zerfallen oft nicht vollständig. Daher gelangen Fragmente sowohl biodegardierbarer als auch konventioneller Kunststoffe aus dem Biomüll nach der Prozessierung in der Kompostieranlage zusammen mit dem organischen Dünger in der Erde. Wie „richtiges“ Trennen aussieht, darüber kannst Du Dich beim Bündnis „Aktion Biotonne Deutschland“ informieren, das Kommunen bei der Abfallberatung vor Ort unterstützt, 145 Städte und Landkreise bieten mittlerweile eine telefonische Beratung zur Biotonne an und unterstützen Dich bei Fragen, was alles in die Biotonne darf und was nicht. Beispielsweise gibt es bei Zitronen- und Orangen- oder auch Eierschalen, alten Backwaren oder auch Teebeuteln regionale Unterschiede (siehe auch Grafik)!

Was darf in die Biotonne?

Was darf in die Biotonne? Quelle: Aktion Biotonne Deutschland

 

Neben der Abfallentsorgung entsteht Mikroplastik hauptsächlich beim Abrieb von Auto- oder Lkw-Reifen, Schuhsohlen, synthetischer Kleidung oder Kunststoffverpackungen. Auch Kunstrasenplätze sind ein Faktor. Die Granulate verteilen sich durch Verwehungen in der Landschaft und landen dann auf den Äckern und in den Böden.

Woher das Mikroplastik im Boden stammt.

Woher das Mikroplastik im Boden stammt. Quelle: Statista/Frauenhofer-Institut (Juni 2018)

 

Plastik sinnvoll einsetzen

Trotz der Risiken, die der Einsatz von Mikroplastik mit sich bringt und den Ängsten bei den Verbrauchern, warnen sowohl Matthias Rillig als auch Christian Laforsch davor, Plastik zu verteufeln. „Plastik bewirkt viel Gutes und ist praktisch, beispielsweise, um sich zu schützen, oder um Lebensmittel vor dem Verderben zu bewahren, so Rillig. Laforsch gibt zu bedenken, dass Kunststoff ein vielseitig einsetzbares Material ist, dass unter anderem wichtig in der Medizin ist, und an sich nicht schädlich sei, sondern nur der Kunststoff, der in die Umwelt und damit in die Böden gelange. Daher sei es wichtig, Plastik künftig als Rohstoff zu behandeln und wieder der Wertschöpfungskette zuzuführen, so Laforsch weiter. Rillig nimmt vor allem die Industrie in die Pflicht, künftig sinnvollere und intelligentere Materialien herzustellen, die eben nicht 100 bis 500 Jahre brauchen, um vollständig in der Erde zu zerfallen.

„Plastik bewirkt ja auch viel Gutes.“ Matthias C. Rillig

Ohne Plastik ist unsere moderne Gesellschaft undenkbar. Jedoch sollten wir Kunststoff als wertvollen Rohstoff einsetzen und nicht unnötig verschwenden. Den Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt kann jeder reduzieren, indem er Einweg-Plastikprodukte vermeidet, bewusster einkauft und den Müll vernünftig trennt. Tipps findest Du hier im Blog in den Beiträgen „Vier Schritte zum plastikfreien Leben“ und „Zero Waste – Selbsttest im Alltag“

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