Mit selbstgebauten Maschinen fertigen drei Schopfheimer Studenten Handyhüllen aus Altplastik. Doch wie genau entstehen die Hüllen und was haben die drei noch für Ideen?

 

Wie seid ihr auf die Idee gekommen Handyhüllen zu fertigen?

Manuel Maeder: In meiner Freizeit tüftle ich sehr gerne. Häufig suche ich im Internet nach Anregungen. So bin ich durch Zufall auf das Thema der Handyhüllen aus Plastik gestoßen. Als ich Benjamin und Nadina davon erzählte, waren sie sofort dabei.
Nadina Maeder: Im Januar 2018 hat Manuel uns seine Idee geschildert. Seitdem arbeiten wir zusammen an dem Projekt. Durch unsere Hintergründe ergänzen wir uns sehr gut. Manuel ist Mechaniker, Benjamin Elektroniker. Jetzt studieren beide zusammen Mechatronik in Offenburg. Ich selbst studiere International Business Management. Somit kann ich mein Wissen gut bei betriebswirtschaftlichen Angelegenheiten einbringen.

 

Wie fertigt ihr die Hüllen?

Benjamin Krause: Zuerst sammeln wir Altplastik. Anschließend sortieren wir es nach Farbe. Der nächste Schritt ist, das Plastik im Schredder zu Granulat zu zerkleinern. Im Anschluss kommt es in unsere Presse. Im Prinzip besteht die Presse nur aus einem Metallrohr, das mit Heizmanschetten erhitzt wird. An eine Seite des Rohrs montieren wir unsere Spritzgussform; die andere Seite ist geöffnet. In die Öffnung füllen wir 25 Gramm Plastikgranulat. Nach einigen Minuten schmilzt das Plastik und wir pressen es in die Form. Das Plastik erkaltet in kurzer Zeit. Sobald es abgekühlt ist, entnehmen wir unsere fast fertige Handyhülle aus der Spritzgussform. Zu guter Letzt drücken wir der Handyhülle noch buchstäblich unseren Stempel auf. Fertig ist die Handyhülle.

Schredder

Schredder Marke Eigenbau: Den Motor fanden die drei auf dem Schrott und reparieren ihn. Nun treibt er die Maschine an.

 

Ihr braucht nur zwei Maschinen?

Manuel Maeder: Wir brauchen tatsächlich nur zwei Maschinen und die haben wir selbst gebaut. Dazu verwenden wir, wenn möglich, Schrott. Schließlich haben wir der Verschwendung den Kampf angesagt. Ganz nebenbei bemerkt: Es ist auch günstiger.
Benjamin Krause: Wir haben zum Beispiel einen defekten Motor repariert. Jetzt treibt er den Schredder an. Aus einer kaputten Waschmaschine entnahmen wir die Kabel für die Schaltkästen.
Nadina Maeder: Lediglich die Spritzgussform haben wir von einer deutschen Firma herstellen lassen. Schließlich sollen unsere Handyhüllen passgenau sein.

Eine selbst gebaute Presse mit Abzug in einer Raumecke..

Die Presse bauten die Studenten selbst. Um das geschmolzene Plastik in Form zu gießen, brauchen die drei Jungunternehmer ganz schön Muskelkraft.

 

Und nachdem ihr die Maschinen gebaut hattet, konntet ihr sofort die ersten Hüllen pressen?

Benjamin Krause: So einfach ist es leider nicht. Wenn wir das Plastikgranulat einschmelzen, müssen die Temperatur und die Dauer genau stimmen. Ansonsten kann das Plastik spröde werden. Anfangs mussten wir viel herumprobieren.
Nadina Maeder: Bei den Versuchen haben wir schnell gemerkt, dass sich nicht jedes Plastik für unsere Zwecke eignet. Es gibt sechs große Plastikkategorien. Heute verarbeiten wir nur noch die bestgeeignete Art: Polypropylen. Im Alltag findet sich Polypropylen zum Beispiel in Grablichtern, Nudelverpackungen oder Joghurtbechern. Produkte aus Polypropylen sind durch das Zeichen „PP“ erkennbar.

 

Testergebnisse aus gepresstem Plastik mit verschiedenen Temperaturen und Erhitzungsdauern.

Die richtige Temperatur und Erhitzungsdauer in der Presse sind elementar. Um beides zu optimieren, schmolzen die drei zunächst Plastik bei unterschiedlicher Dauer und Temperatur ein. Anschließend verglichen sie die Versuchsergebnisse, um die bestmögliche Kombination zu finden.

 

Wie kommen die unterschiedlichen Farben der Handyhüllen zustande?

Benjamin Krause: Unser erster Arbeitsschritt ist, das gesammelte Plastik nach Farben zu sortieren. Die Farbe der fertigen Hülle richtet sich nämlich nur nach der Farbe des Plastikgranulats, das wir zur Herstellung benutzen. Die Muster entstehen durch das Spritzgussverfahren und sind genau wie die Farben immer etwas unterschiedlich. Somit ist jede unserer Hüllen ein Unikat.
Nadina Maeder: An dieser Stelle muss ich noch kurz erwähnen, dass wir ständig Altplastik aus Polypropylen sammeln. Anstatt das Plastik in den Müll zu schmeißen, kann man es gerne bei uns abgeben. Dann weiß man auch, was damit passiert.
(Sie wollen Ihr Altplastik spenden? Im Infokasten unten finden Sie die Kontaktdetails.)

 

Plastikverpackung, Grablichter, Plastikranulat und eine Handyhülle aus Plastik gruppiert vor grauem Grund

Verschiedene Plastikprodukte werden zu Granulat verarbeitet, geschmolzen und zur Hülle gepresst. Für eine Handyhülle werden etwa 25 Gramm Granulat benötigt.

 

Ihr arbeitet auf kleinster Fläche in einer Scheune, wie ist es dazu gekommen?

Manuel Maeder: Meine Eltern stellten uns den Dachboden der Scheune zur Verfügung. Bis dahin diente er nur als Abstellraum. Allerdings haben wir dafür auch alles selbst umgebaut. Zuerst musste aufgeräumt werden, anschließend haben wir die Wände verkleidet und Regale und Tische eingebaut. Jetzt produzieren wir auf 4,5 Quadratmeter und haben mittlerweile sogar eine kleine Werkstatt eingerichtet.

 

Für welche Handytypen sind eure Hüllen geeignet?

Nadina Maeder: Momentan eignen sich die Handyhüllen für das iPhone 7 und 8. In Zukunft wollen wir auch Hüllen für weitere Handys anbieten.
Manuel Maeder: In Zukunft wollen wir unsere Produktpalette erweitern. Theoretisch könnten wir verschiedenste Plastikprodukte herstellen und bräuchten nur die entsprechende Spritzgussform. Wir möchten allerdings lediglich sinnvolle und nachhaltige Produkte herstellen. Unser nächstes Vorhaben ist, Kreditkartenhalter zu fertigen.

 

Ihr steckt ja voller Ideen. Habt ihr noch weitere Pläne?

Manuel Maeder: Oh, da gibt es so einige. Bereits bevor ich die Idee hatte Handyhüllen aus Altplastik zu fertigen, habe ich einige Dinge gebastelt. Zum Beispiel habe ich ein eigenes Windrad konstruiert. Außerdem habe ich ein Solarpanel auf eine kleine selbst entworfene Plattform gebaut, die sich automatisch nach der Sonne ausrichtet. Die gewonnene Solar- und Windenergie wollen wir nutzen, um unsere Maschinen anzutreiben.
Nadina Maeder: Darüber hinaus haben wir einen Preis beim Yooweedoo Ideenwettbewerb der Universität Kiel und der deutschen Bundestiftung Umwelt gewonnen. Die damit verbundenen Fördermittel werden wir verwenden, um unsere Maschinen zu automatisieren. Momentan ist zum Pressen des Plastiks noch ganz schön Muskelkraft gefordert. Wir haben schon einen groben Plan, was die Umsetzung betrifft, aber da wird noch einige Arbeit auf uns zukommen.

 

Ein Solarpanel und ein selbst gebautes Windrad stehen in der Sonne.

Das Solarpanel ist an einer Konstruktion befestigt, die sich nach dem Sonnenstand ausrichtet. So nutzt sie die Sonnenenergie perfekt. Auch das Windrad hat Manuel Maeder selbst konstruiert. Der erzeugte Strom soll bald verwendet werden, um die Maschinen zu betreiben.

 

Was macht ihr mit den produzierten Hüllen?

Manuel Maeder: Im November 2018 haben wir ein Gewerbe angemeldet. Seitdem verkaufen wir als SOTOP-Recycling GbR unsere Handyhüllen über das Internet. Die Links zu den Verkaufsplattformen finden sich auf unserer Website: www.sotop-reycling.com.

 

Was ist eure Motivation – der Spaß am Tüfteln?

Benjamin Krause: Ja, im Vordergrund steht unsere Leidenschaft am Basteln und Schrauben. Auf der anderen Seite ist uns die Aussage des Projektes wichtig. Fakt ist, dass Plastik fast allgegenwärtig ist und sich das wohl nicht so schnell ändern wird. Ändern lässt sich aber die Art und Weise, wie das Plastik am Ende seiner Lebenszeit genutzt wird. Unser Projekt ist zumindest ein kleiner Schritt in die richtige Richtung und ein Statement für Nachhaltigkeit.
Manuel Maeder: Wir verleihen alten Dingen ein neues Leben. Nebenbei gewinnen wir Erfahrungen in unseren Fachgebieten dazu.
Nadina Maeder: Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass wir mit vielen Leuten ins Gespräch kommen. Zum Beispiel hat uns die Firma Vogt-Plastic-GmbH an ihren Standort in Rheinfelden eingeladen. Dort konnten wir uns ansehen, wie Recycling im großen Stil abläuft. Das war echt spannend.

 

Eine junge Frau und zwei Junge Männer lächeln in die Kamera.

Nadina Maeder, Manuel Maeder und Benjamin Krause (von links) in ihrem 4,5 Quadratmeter Werkraum.

 

Was war für euch die schönste SOTOP-Erfahrung bis jetzt?

Manuel Maeder: Für mich war die erste fertige Handyhülle die schönste Erfahrung. Darauf hatten wir monatelang hingearbeitet und waren stolz, dass wir endlich das erste Ziel erreicht hatten.
Benjamin Krause: Als wir die erste Hülle verkauften, wurde uns bewusst, dass auch andere von unserer Idee überzeugt sind. Das war ein schönes Gefühl.
Nadina Maeder: Zu unserem Produkt haben wir nur positives Feedback bekommen. Als eine Kundin von ihrer Handyhülle derart begeistert war, dass sie gleich noch weitere Hüllen bestellte, habe ich mich besonders gefreut.

 

SOTOP-Recycling – wofür steht das eigentlich?

Manuel Maeder: SOTOP ist die Kurzform für „Solution to Pollution“ (engl. Lösung für die Verschmutzung). Häufig wird Plastikmüll zum Teil thermisch verwertet. Das bedeutet, dass Plastik zur Energiegewinnung verbrannt wird. Wir bieten eine alternative Lösung zu dieser Umweltverschmutzung.

 

Wenn ihr grade mal nicht an neuen Erfindungen arbeitet, oder mit der Uni beschäftigt seid, was macht ihr dann?

Benjamin Krause: Ich bin, wie Nadina, in der Freiwilligen Feuerwehr und spiele Tischtennis.
Nadina Maeder: Ich bin gerne sportlich unterwegs mit dem Fahrrad oder auf dem Pferd. Zusätzlich treibe ich Crossfit; dabei kann ich mich so richtig auspowern.
Manuel Maeder: Wenn ich gerade nicht an Erfindungen arbeite, dann denke ich wohl über Neue nach (lacht). Auch ich treibe oft und gerne Sport. Ich bin Mitglied in einem Boxclub und häufig im Freien beim Radfahren oder Joggen.

 

Weitere Infos gibt es hier:
www.sotop-recycling.com
https://www.facebook.com/SOTOP-Recycling-764659360569114/
www.instagram.com/sotop_recycling/

 

Das können Sie tun

Plastik spenden: Die drei Jungunternehmer sammeln stets Plastik (nur Polypropylen / PP), um dieses in Handyhüllen zu verarbeiten. Wenn Sie ihr Polypropylen-Altplastik spenden möchten, melden Sie sich bei Nadina Maeder per Telefon 0162 7291649 oder Mail sotop@gmx.de.

Plastikmüll reduzieren: Sie fragen sich, wie auch Sie unnötigen Plastikmüll vermeiden können? 5 einfache Tipps, um im Alltag Müll zu reduzieren finden Sie hier: https://blog.energiedienst.de/muell-reduzieren/

 

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