Der Frühjahrsputz lohnt sich bei PV-Anlagen: Wer früher putzt, erzielt höhere Erträge. Wir zeigen, wie Anlagenbesitzer ihr Kraftwerk auf dem Dach am besten auf Vordermann bringen.

Nach dem Winter strahlen die Solarmodule auf dem Dach nicht mehr so frisch wie am ersten Tag. Könnten sie eine kleine Massage mit Bürste und Lappen vertragen?

Gibt es ein passendes Mittelchen im Baumarkt um die Ecke? Oder vielleicht doch mal schauen, was die Rumpelkammer an Reinigungsmitteln so hergibt?

Jetzt nicht gleich den Kärcher aufs Dach wuchten, besser erst einmal die Betriebsanleitung der Anlage studieren! Solarmodule sind keine Bodenfliesen. Scheuermilch mögen sie übrigens nicht. Es sind eben eher Sensibelchen.

 

Vor dem Frühjahrs-Check der PV-Anlage sollte man lieber erst die Betriebsanleitung lesen.

Gleich aufs Dach gehen? Vor dem Frühjahrs-Check lieber erst die Betriebsanleitung der PV-Anlage lesen. Bild: Adobe Stock /Marina Lohrbach

 

Frühjahrs-Check der Solarmodule zahlt sich aus

Photovoltaik-Anlagen sind wartungsarm, so liest man immer wieder. Herbst und Winter setzen aber auch den Solarmodulen zu. Eine regelmäßige Kontrolle des eigenen Kraftwerks sollte also schon sein.

Die beste Zeit dafür ist das Frühjahr: Wer früher putzt, freut sich länger an hohen Erträgen. Von März bis Oktober fahren die Anlagen rund 80 Prozent ihrer Jahresernte ein. Also, nichts wie ran an die Bürste!

 

Für die Wartung der PV-Module eignet sich das Frühjahr am besten.

Das Frühjahr ist die beste Zeit für den Check der PV-Anlage. Bild: Adobe Stock/Jürgen Fälchle

 

Die Sonnenstunden nehmen langsam wieder zu, ebenso die Erträge der PV-Anlage. Damit die Freude nicht getrübt wird, sollte die Anlage in einem einwandfreien Zustand sein.

Haben Schnee, Eis und Hagel in den letzten trüben Monaten vielleicht einige Module beschädigt? Gerade bei Dachanlagen sind Beschädigungen allerdings nicht so einfach aus der Ferne mit dem bloßen Auge zu erkennen.

Doch wer ein echter Heimwerker ist, hat selbstredend eine lange Leiter in der Garage.

 

Bei dem Frühjahrs-Check der PV-Anlage auf dem Dach ist Vorsicht geboten.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, vom Dach schon eher. Bild: Adobe Stock/R. Gino Santa Maria

 

Spätestens jetzt sollte auf die Unfallgefahren hingewiesen werden. Es ist eben nicht jeder ein begnadeter Kraxelkünstler. Zudem besteht die Gefahr, mit ungeschickten Klettereinlagen die Module zu beschädigen.

 

1. Schritt: Stromproduktion auswerten

Der Frühjahrs-Checks der PV-Anlage sollte mit einem genauen Blick auf die Daten beginnen. Vergleiche die aktuelle Stromproduktion mit den Werten aus den Vorjahren.

Ist der Anlageertrag ähnlich oder gibt es Leistungseinbußen? Die Maßnahme scheint simpel, ist erfahrungsgemäß aber äußerst effektiv.

 

Am besten beginnt der Frühjahrs-Check der PV-Anlage mit dem Vergleich der Produktionsdaten.

Erster Schritt: Werte der Stromproduktion vergleichen Bild: Adobe Stock/cassis

 

Moderne Wechselrichter zeichnen Stromproduktionsdaten auf, manchmal sind dafür entsprechende Zusatzgeräte notwendig. Schau Dir die gespeicherten Daten an und analysiere sie, eventuell mit einer speziellen Software.

Viele Anlagen bieten heute auch die Möglichkeit der Fernüberwachung per Internet oder Smartphone-App. Nachdem die Werte kontrolliert sind, müssen jetzt die Module inspiziert werden.

 

2. Schritt: Solarmodule inspizieren

Beeinträchtigen Herbstlaub und Blütenpollen die Ausbeute der Solarmodule? Oder haben vielleicht ungebetene Gäste aus der Tierwelt ihre Spuren hinterlassen?

Wer schon einmal von der Sonne festgebackenen Vogelkot von der Motorhaube polieren musste, weiß wie hartnäckig solche Hinterlassenschaften sein können. Marderschäden sind auch keine Seltenheit, und in manchen Regionen vergnügen sich gelegentlich Waschbären auf dem Dach.

Regen und Schnee waschen einiges an Schmutz von den Modulen, sofern die Dachneigung nicht zu gering ist. Wer keine rahmenlosen Module verbaut hat, wird häufig schon von weitem insbesondere an den Übergängen zwischen den Rahmen und den Gläsern Schmutzränder entdecken.

Es führt also kein Weg an einer genaueren Inspektion der Solarmodule vorbei. Jetzt aber nicht gleich wieder die Leiter holen. Mit einem kleinen Trick lassen sich erste Erkenntnisse auch vom Boden aus gewinnen.

 

Fotografien helfen Defekte bei der PV-Anlage aufzudecken

Fotografien der PV-Anlage können Defekte entlarven. Bild: Adobe Stock/Patryk Kosmider

 

Fotos helfen bei der Ferndiagnose

Fotografiere mit einer Digitalkamera die Anlage und Anlagedetails aus verschiedenen Perspektiven. Ein Stativ sorgt für scharfe Fotos. Nun kannst Du die Bilder in aller Ruhe bei einer Tasse Kaffee am Bildschirm betrachten, nach Belieben vergrößern und die Gläser auf Schmutz und Beschädigungen untersuchen.

Jetzt sind wir mit unseren Tipps für eine Ferndiagnose allerdings am Ende, nun muss tatsächlich jemand rauf aufs Dach.

 

3. Schritt: Module reinigen

Endlich die Leiter holen oder besser den Fachbetrieb anrufen? Deine Entscheidung! Aber lass den Hochdruckreiniger, die scharfen Putzmittel und die Scheuerbürste im Keller.

Alles was Du benötigst, ist destilliertes Wasser, ein sanftes Reinigungsmittel und eine besonders weiche Bürste. Beim Reinigen unbedingt die Anweisungen der Betriebsanleitung der Anlage beachten!

Steig in den kühlen Morgen- oder Abendstunden auf das Dach, dann sind die Module abgekühlt. Spritze kein kaltes Wasser auf heiße Module, die thermischen Spannungen könnten die Gläser zerstören.

Scharfe Reinigungsmittel sind nicht geeignet für Solarmodule.

Scharfe Haushaltsreiniger sind bei Solarmodulen tabu. Bild: Adobe Stock/Sergej Toporkov

 

Auf dem Dach angekommen, siehst Du mehr: Müssen Module getauscht werden? Sind alle Schrauben fest, halten die Steckverbindungen? Was ist mit den Kabeln? Liegen sie ordentlich geführt oder scheuern sie bei jedem Lufthauch aneinander? Achte auch auf mögliche Verschattungen.

Zur Inspektion gehört ebenfalls ein Blick auf den Wechselrichter und die eventuell vorhandene Solarbatterie im Keller.

 

PV Frühjahrs-Check: Selber machen oder vom Fachmann?

Es spricht viel dafür, mit der jährlichen Inspektion einen Fachbetrieb zu beauftragen. Neben einem Sturz vom Dach riskierst Du auch den Verlust der Gewährleistung bzw. Garantie, wenn Du es selbst machst.

Der Profi verwendet spezielle Lösungsmittel, die keine Rückstände auf den Modulen hinterlassen. Ein Wartungsvertrag garantiert, dass die Reinigung der Module und die Kontrolle der Anlage regelmäßig durchgeführt werden.

Erfahrungsgemäß steigen die Erträge der Anlage nach der Inspektion um zwei bis sieben Prozent, so dass sich die Arbeiten durch die höhere Ausbeute im Lauf des Jahres amortisieren. Zudem kannst Du die Wartungs- und Reinigungskosten steuerlich absetzen.

 

PV-Anlagen Besitzer erzielen durch den Frühjahrs-Check höhere Erträge.

Eine gut gewartete Anlage erzielt höhere Erträge. Bild: Adobe Stock/grafikplusfoto

 

Etwa alle vier Jahre sollte die Anlage zudem von einem Fachmann durchgemessen werden. Anhand von Strom-Spannungs-Kennlinien kann er Defekte erkennen. Schließlich sollten alle Maßnahmen sauber dokumentiert werden. So lassen sich wiederkehrende Probleme oder minderwertige Komponenten einfach identifizieren.

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