Durstig beim Stadtbummel? Einfach die mitgebrachte Trinkflasche mit Leitungswasser auffüllen. Kostenlos. Wo? Die Non-Profit-Organisation Refill zeigt’s. Energiedienst macht in Lörrach mit.

Laut Eurostat verursacht ein Deutscher 37 Kilogramm Müll aus Plastikverpackungen pro Jahr. Fische und Meeressäuger verwechseln das Plastik oft mit Futter. So landen neben Flip-Flops, Fußbällen und Fischernetzen auch Plastikflaschen im Magen von Fisch, Walen und Robbe. Eine PET-Flasche benötigt 450 Jahre, um im Meer zu verrotten. Laut Seas at Risk verbrauchen die Deutschen jährlich 9,6 Milliarden dieser Einwegflaschen. Völlig unsinnig, findet eine Non-Profit-Organisation in Deutschland und macht sich unter dem Namen Refill stark für eine einfache Idee: Kostenlos Leitungswasser in die eigene Trinkflasche füllen und damit Plastikmüll vermeiden. Stephanie Wiermann startete im März 2017 in Hamburg die Aktion. Mittlerweile engagieren sich mehr als 130 ehrenamtliche Mitarbeiter, an über 3.000 Standorten in Deutschland öffnen Teilnehmer Tür und Wasserhahn für jedermann. Flasche auffüllen, Plastik vermeiden, das alles kostenlos.

 

So viel Plastikmüll produziert jeder

Quelle: https://de.statista.com/infografik/12419/so-viel-plastikmuell-verursachen-eu-buerger/

14 neue Refill Stationen in Südbaden

Energiedienst holte die Aktion 2019 nach Südbaden – bisher ein weißer Fleck auf der Refill-Landkarte: Gemeinsam mit den Geschäftspartnern maxx! Gesundheitszentren und den Studios von fixx! fitness zählt der NaturEnergie TREFF von Energiedienst in Lörrach neu zu der Gemeinschaft der Wasserflaschenfüller. Dank der Kooperation bekommt Refill 14 neue Standorte auf einmal im Süden Deutschlands. Markus Fandry, Operations Manager bei maxx! Gesundheitszentrum und fixx! Fitness klebte selbst den ersten blauen Aufkleber der Organisation an die Eingangstür. Jeder Teilnehmer, egal ob Geschäftsmann, Organisation oder private Zapfstelle, ist daran erkennbar.

 

Leitungswasser zapfen in den Maxx Fitnessstudios

Die maxx! Gesundheitszentren gehören zu den ersten Refill Stationen in Südbaden: Hier können Gäste ihre Trinkflaschen mit kostenlosem Leitungswasser füllen.

Wasser – aber nicht in PET

Worum genau geht‘s? Refill ist eine Initiative gegen PET Flaschen. In teilnehmenden Läden, Büros, Cafés oder Restaurants können stattdessen mitgebrachte Flaschen kostenlos mit Leitungswasser aufgefüllt werden. Auch Parteibüros, Yogastudios und Tourismus-Informationen beteiligen sich. Dazu kommen Städte, die die Initiative mit dem Bau von Trinkbrunnen unterstützen. In München sollen 2019 elf solcher Brunnen errichtet werden. „Wir helfen mit unserer Aktion aktiv, dem Plastikwahnsinn ein Ende zu bereiten und auf die Verschmutzung durch Plastikmüll hinzuweisen“, erklärt Initiatorin Stephanie Wiermann. Dass ihre Initiative in Deutschland so schnell wächst, „war gar nicht so geplant.“ Stephanie Wiermann, Grafikdesignerin und Bloggerin zum Thema „Plastikfreier leben“, schrieb immer wieder zum Thema Plastikflaschen und Wasser; bei ihrer Recherche lernte sie die Refill Bristol kennen. In der englischen Hafenstadt gibt es die Initiative seit 2015.

 

Aufkleber kennzeichnen die Refill Stationen

Der blaue Aufkleber signalisiert: Hier ist eine Refill Station

Einfach erfolgreich: das Refill-Konzept

Der Erfolg liegt ihrer Meinung nach im simplen Konzept: „Man bringt einfach einen Aufkleber an der Ladentür oder am Fenster an und signalisiert damit: Hier könnt ihr eure Wasserflaschen kostenlos mit Leitungswasser auffüllen. Kein Startkapital, kein Umbau, einfach ein paar Aufkleber.“ Die produzierte in Hamburg „Hamburg Wasser“. Das Design entwarf die Grafikerin selbst, die Website gleich dazu. Zunächst für Hamburg geplant, gab es kurz darauf Anfragen aus Chemnitz, Dresden, Kiel, Köln und Bonn. „Durch die Medien hat das so schnell Fahrt aufgenommen, dass ich im Juli 2017 aus Refill Hamburg einfach Refill Deutschland gemacht habe“, sagt Wiermann.

 

Refill Deutschland Inititive: Leitungswasser in Flaschen abfüllen

Koordinatoren wie zum Beispiel Hannah-Lena Flechtker in Stuttgart tragen dazu bei, Refill in ganz Deutschland zu verbreiten.

Refill kühlt im Hitze-Sommer

Im niedersächsischen Celle eröffnete die erste Refill Station Ende August 2017, inzwischen füllen 35 Teilnehmer in und um Celle Leitungswasser in Flaschen. Michael Weinrich kümmert sich um Presseanfragen. Im Hitze-Sommer 2019 waren es besonders viele. Wenn das Konzept von Refill und neuen Geschäften gut zu passen scheinen, fragt Weinrich aktiv nach, informiert und bringt Aufkleber vorbei. Jeder Teilnehmer erscheint schließlich auf der Landkarte von Refill Deutschland.

 

In Celle gibt es Refill Stationen

Ob Café, Bar oder auch Blumenladen: Jedes Schäft mit Leitungswasseranschluss kann mitmachen.

Stuttgart gegen Plastikmüll

Die erste Station in Stuttgart wurde im Dezember 2017 die Werbeagentur Loup GmbH, die das Projekt finanziell unterstützte, um die Aufkleber für Stuttgarter Teilnehmer zu drucken. Mittlerweile zählt Stuttgart mehr als 50 Stationen und Trinkbrunnen. Lea Mika und Hannah-Lena Flechtker koordinieren die Arbeit vor Ort. Die Refill-Idee begeisterte sie: Plastikmüll vermeiden, Umwelt schützen, gutes Wasser trinken und Menschen inspirieren, plastikfreier zu leben.

Darum versuchen sie, möglichst viele Bürger dafür zu begeistern. Sie organisieren Vorträge zu verschiedenen Anlässen, um damit die Aufmerksamkeit auf die Initiative zu lenken. Allerdings schien Stuttgart auf Refill gewartet zu haben. „Bis heute haben wir kaum aktive Akquise betrieben, stattdessen kommen Geschäfte auf uns zu, um Teil von Refill zu werden“, sagt Lea. „Wir wissen allerdings nicht, wie die Initiative tatsächlich angenommen und genutzt wird“, erklärt sie.

 

Lea Mika (ganz rechts) und ihre Mitstreiter in Stuttgart gönnen sich ein Gläschen Leitungswasser.

Im „Ohne“ Wasser kostenlos

Christine Traub eröffnete vor drei Jahren mit zwei Partnern in München den ersten verpackungsfreien Supermarkt Bayern. Er trägt den Titel „Ohne“ und da passt es gut, dass Traub sich um Refill München kümmert. Ihr ist es wichtig, das tägliche Leben für jeden nachhaltiger zu gestalten – „mit leichten, kleinen Schritten, die jeder ohne Probleme in den eigenen Alltag integrieren kann“. In München bekommt die Initiative viel Zuspruch – aber nicht nur: „Es gibt durchaus Cafés und Restaurants, die für ihr Leitungswasser Entgelt verlangen (wollen), dort kommt man mit einer Aktion für kostenloses Trinkwasser nicht weiter“, erklärt Traub, deren Kunden Wasser kostenlos bekommen – entweder aus der Wasserkaraffe oder direkt aus der Leitung.

 

Chrisitine Traub schenkt kostenloses Wasser in ihrem Laden in München aus.

Wasser: Qualität zum kleinen Preis

Fans hat die Non-Profit-Organisation inzwischen weltweit. „Die Zeit ist einfach reif für dieses Projekt, denn wir ersticken im Plastikmüll. Plastikflaschen sind eine Möglichkeit, an der jeder sehr einfach ansetzen kann“, erklärt Initiatorin Stephanie Wiermann. Mittlerweile gibt es Refill in Griechenland und Luxemburg, Südtirol soll bald dazu kommen. Voraussetzung: Das Leitungswasser muss Trinkwasserqualität haben. Das Trinkwasser in Deutschland überzeugt durch seine sehr gute Qualität und ist das Lebensmittel, das am strengsten kontrolliert wird. Dazu ist es mit 0,2 Cent pro Liter günstig.

Michael Weinrich, Refill-Verantwortlicher für Celle, bekennt: „Ich bin ein großer Fan unseres Leitungswassers, dessen Qualität immer noch zu selten wahrgenommen wird. Daher ist Trinkwasser in Plastikflaschen völlig sinnfrei.“

 

Mitstreiter in der Refill-Bewegung: Michael Weinrich in Celle.

 

Umweltpreis für Refill

Der überdurchschnittlich heiße Sommer 2018 trug weiter zum Erfolg von Refill bei. Im November 2018 erhielt Refill den Bundespreis ecodesign des Bundesumweltministeriums, am gleichen Tag verkündete Bundes-Umweltministerin Svenja Schulze ihren Plan, mehr Nachfüllstationen etablieren zu wollen.

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