„Roboter-Staubsauger attackiert schlafende Hausfrau!“ Kurz bevor ich diesen Blogbeitrag schreibe, stolpere ich über diese kuriose Schlagzeile. Hintergrund: In Südkorea verhedderte sich tatsächlich ein Staubsauger im Haar seiner Besitzerin. Während die Frau das Gerät arbeiten ließ, machte sie ein Nickerchen auf dem Fußboden.

Ein Fingerzeig, dass zu viel Bequemlichkeit und Technikbegeisterung der Gesundheit schaden? An solch abwegige Gefahren dachte ich freilich nicht, als ich vor rund zwei Jahren einen Roboter-Staubsauger kaufte. Sinnvoll oder Spielerei – das war die entscheidende Frage. Eins vorweg: Wer meint, dank des automatischen Helfers nie wieder staubsaugen zu müssen, liegt falsch.

Aber der Reihe nach: Meine Wahl fiel auf den „Roomba 780“ – ein Modell, dass in Tests und Erfahrungsberichten immer wieder positiv bewertet wurde. Ladestation aufgebaut, den Roboter einmal vollständig geladen und schon konnte es losgehen.

Scheinbar unstrukturiert machte der Roomba sich auf den Weg durch die Wohnung. Während andere Modelle dank einer Kamera (bei ausreichend Licht) gezielt navigieren, fährt er „blind“, jedoch keineswegs zufällig. Glaubt man dem Hersteller, wird der Weg unzählige Male pro Sekunde neu berechnet, damit am Ende jede Stelle im Schnitt vier Mal abgefahren wurde.

Mit der Zeit immer besser

Überprüfen konnte ich das zunächst nicht, meldete der Roboter doch nach nur zwei Räumen einen vollen Staub-Behälter – natürlich nicht, weil es überall dreckig war.

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Ein rotes Symbol signalisiert, dass der Staubbehälter voll ist.

Nein, der Roomba fuhr schlicht mühelos unter das Bett und alle Küchenmöbel. Die Reinigung dieser schwer erreichbaren Stellen ist zweifellos eine große Stärke des kleinen Roboters.

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Zehn Zentimeter Platz ist zwischen Küchenmöbeln und Boden – für den Roboter-Staubsauger kein Problem.

 

Ganz im Gegensatz zu seiner Leistung: Mit lediglich 35 Watt leistet der Roomba bei losem Schmutz auf Hartböden und festen Teppichen einen ordentlichen Dienst, an Festgetretenem und Hochfloor scheitert er dagegen schnell.

Der Eindruck nach der ersten Fahrt: Roomba hat sich bemüht, zur vollsten Zufriedenheit reicht es noch nicht. Ein paar Krümel in der Küche und das ein oder andere Blättchen von Zimmerpflanzen lassen Zweifel an der Sorgfalt und der Wegberechnung aufkommen.

Mit der Zeit wächst das Vertrauen: Der Roboter-Staubsauger fährt jeden zweiten Tag und sorgt dadurch für eine gute Grundreinheit. Für 70 Quadratmeter ist er ein bis eineinhalb Stunden unterwegs.

Der herkömmliche Staubsauger kommt seltener zum Einsatz – nur noch halb so oft, würde ich schätzen. Und auch in der Zwischenzeit sieht es eigentlich nie schmutzig aus.

Wer die Reinigung noch gleichmäßiger gestalten möchte, setzt die sogenannten „Lighthouses“ ein. Einfach gesagt, handelt es sich dabei um Lichtschranken, die im Türrahmen platziert werden. Sie durchfährt der Roomba erst, nachdem er eine gewisse Zeit in einem Raum geputzt hat. Was prinzipiell recht zuverlässig funktioniert, dürfte in Haushalten mit kleinen Kindern oder Tieren problematisch werden: Zu leicht verschieben sich die kleinen „Türwächter“ oder lassen sich als Spielzeug verwenden.

Ein Roboter sieht schwarz

Fahren lasse ich den Roomba nur, wenn ich außer Haus bin. Die Lautstärke hält sich zwar in Grenzen, lesen oder Musik hören ist nebenbei aber dennoch kaum möglich.

Die Ladestation findet der Roboter fast immer selbstständig. Hindernissen weicht er – im Gegensatz zu Modellen mit Kamera – jedoch nicht aus, sondern fährt „auf Kontakt“. Die Stöße werden allerdings abgefedert und fallen sanft aus. Schäden sind so gut wie ausgeschlossen.

Auch Türschwellen und Teppiche sind für den Roboter-Staubsauger in der Regel keine Hindernisse. Ausnahme: tiefschwarze Teppichböden. Hier kann der Roomba die Auffahrt verweigern und stehenbleiben.

Schuld sind die Sensoren, die ihn davon abhalten, Treppen hinunterzufahren. Sie interpretieren das Schwarz unter Umständen als Abgrund. Hier hilft nur Testen: Zwei meiner schwarzen Teppiche meistert er, bei einem weiteren klappt es aber nicht.

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Diesen hohen schwarzen Teppich mag der Roboter nicht. Er verweigert die Auffahrt und schaltet sich ab.

Überhaupt ist vor den Einsätzen des kleinen Helfers zu empfehlen, die Wohnung „robotertauglich“ zu machen: Stühle verschiebt der Roomba nämlich zuweilen so, dass er zwischen den Beinen keinen Ausweg mehr findet. Also umdrehen und auf den Tisch damit. Auch Schuhe sollten nicht im Weg stehen, sonst droht ein Verfangen in den Schnürsenkeln. Immerhin: Auf diese Weise verhilft der Roboter zu mehr Ordnung.

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Gefangen: Stühle verschiebt der Roboter zuweilen so, dass er keinen Ausweg mehr findet.

Fazit
Laut Stiftung Warentest sind stolze 84 Prozent der Besitzer von Roboter-Staubsaugern mit den Geräten zufrieden. Diesem Ergebnis kann ich mich anschließen: Roboter-Staubsauger sind mehr als eine Spielerei. In die Kategorie Spielerei fallen höchstens Ausstattungsmerkmale wie die Programmiermöglichkeit. Deutlich günstiger und genauso einfach: den Roboter kurz vor Verlassen der Wohnung manuell starten. Das geht sogar per Fernbedienung.

Dass der kameralose Roomba scheinbar chaotisch unterwegs ist und länger braucht als manch ein Konkurrent, ist für mich irrelevant: Schließlich bin ich währenddessen außer Haus. Obendrein verbessert sich der Reinigungseffekt, je länger das Gerät arbeitet.

Ein klarer Minuspunkt dagegen: Das Problem mit schwarzen Böden lässt sich nur lösen, indem man die entsprechenden Teppiche entfernt oder die Absturz-Sensoren abklebt. Das wiederum empfiehlt sich nur in Wohnungen ohne Treppe nach unten.

Angesichts einer Leistung von 35 Watt eignet sich der Roboter weder für den Großputz noch zum Aufsaugen von verschüttetem Mehl. Jedoch sorgt er nahezu ohne Zutun des Besitzers für Grundsauberkeit. Das macht ihn für mich zu einer „sinnvollen Spielerei“.

 

Allen, die mehr Eindrücke von Roboter-Staubsaugern gewinnen möchten, empfehle ich dieses Video: https://www.youtube.com/watch?v=WZ5j-MwtnHo Und wer noch Fragen hat, kann diese gerne in den Kommentaren stellen.

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