Vor ziemlich genau zwei Jahren hatte ich eine dreimonatige Jobpause. Meine große Anreise nach Aylesbury in die Provinz Kanadas dauerte „ein ganzes halbes Jahr“ und noch ein bisschen länger. Angelehnt an den bekannten Titel des Bestseller-Romans können Sie sich aber sicher vorstellen, dass die Reisezeit im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug verging.

Doch wie kam es dazu? Energiedienst ermöglicht seinen Mitarbeitern seit geraumer Zeit Wertguthaben zur Finanzierung von Freistellungszeiten auf einem Wertekonto anzusparen. Dafür gibt es eine Betriebsvereinbarung, die bestimmte Regeln enthält, wie die finanziellen Mittel angespart und anschließend die freie Zeit genutzt werden kann.

Diese Möglichkeit machte ich mir zu eigen und entschied meinem Bürostuhl eine Zeitlang fern zu bleiben und das Klackern der Tastatur gegen eine Mistgabel und Reitstiefel einzutauschen. So war die Idee von einem Kontrastprogramm geboren. Auf einer Farm in der Provinz Kanadas wollte ich insgesamt zehn Wochen mit viel Bewegung, körperlicher Arbeit, Abgeschiedenheit und in der Natur verbringen. Damals hatte ich noch keine Ahnung, was mich dort tatsächlich erwartet.

Mein Reiseziel: Eine Farm in Aylesbury

Ein Jahr nach meinem Antrag zur Auszeit war es dann soweit: Mit dem Flugzeug ging es von Basel über Frankfurt nach Calgary und von dort nach Regina. Nach einer kurzen Übernachtung im nächstgelegenen Hotel fuhr ich mit dem Bus am nächsten Morgen in aller Frühe weiter nach Aylesbury, dem Ort, an dem ich die nächsten zehn Wochen verbringen sollte.

Nach der zweistündigen Busfahrt fand ich mich an der Haltestelle Aylesbury, einer vereinsamten Tankstelle mitten im gefühlten Nirgendwo wieder. Dort wurde ich bereits sehnsüchtig und gespannt von vier weiteren Volontären erwartet. Nochmal ging es etwa eine halbe Stunde mit dem Pickup weiter, bis ich endlich mein Domizil erreichte. Aylesbury hatte zu diesem Zeitpunkt 41 Einwohner, verteilt auf 128.000 m2 Land. Die Farm lag daher so abgeschieden, dass der nächste Nachbar etwa zehn Kilometer entfernt war.

Mitten im Nirgendwo …

Die Farm ist nicht ein Hof im klassischen Sinn. In erster Linie ist es ein Ort für Gäste.

Den Tag meiner Ankunft hatte ich noch Schonfrist: „just be here and look pretty“ war meine erste Arbeitsanweisung der Farminhaberin, als ich gegen 10 Uhr morgens dort eintraf. Bei der Farm handelte es sich nicht um einen Hof im klassischen Sinne. In erster Linie war es ein Ort für Gäste, die tageweise in sogenannten „Cabines“, das waren spartanisch eingerichteten Zimmer, untergebracht waren. Zusätzlich gab es noch einen Camping-Platz für Dauercamper. Des Weiteren gab es eine Herde von Pferden, die sich über unendliche Weidefläche freuen durften.

 

Ich tauschte den Bürostuhl und die Tastatur gegen Mistgabel und Reitstiefel ein.

Aber am nächsten Tag ging es dann auch ziemlich schnell ans Eingemachte. Zu den Aufgaben der Volontäre gehörte Kaffee und Frühstück für die Gäste zubereiten, Pferde reinrufen (ja richtig! Rufen! Ein absolutes Highlight, denn nach den ersten Lauten konnte man in der frischen Morgenluft die Vibration und das ferne Getrappel der Pferdehufe wahrnehmen. Das sorgte für pure Gänsehaut!) und füttern, Ausritte vorbereiten und durchführen, allgemeine Instandhaltungs- und Umbauarbeiten, wie Scheune abreißen, Dächer montieren, Zäune reparieren, das Wohl von 180 Weiderindern prüfen und vieles mehr….

Zu meinen Aufgaben gehörten unter anderem auch Instandhaltungs- und Umbauarbeiten, wie zum Beispiel diese Scheune abreißen.

Die Woche hatte sieben Arbeitstage, aber das Vergnügen kam nie zu kurz. Wann immer es unsere Gäste und die Arbeit zuließen, konnten wir die Pferde satteln und ausreiten oder einfach zu einer Wanderung aufbrechen oder in der nächsten Ortschaft ein Eis essen…

Wann immer es die Zeit zuließ, konnten wir ausreiten.

Nach knapp zehn Wochen in Kanada war eine sehr erlebnisreiche Zeit vorbei und ich musste meine Rückreise antreten. Was bis heute bleibt, sind die unwahrscheinlich vielen Eindrücke von einem einsamem Stückchen Land, was auf den ersten Blick so wenig zu bieten, aber mir doch so viel gegeben hat: Natur, neue Kontakte, Herausforderungen körperlicher, mentaler, sprachlicher und kultureller Art, Kenntnisse rund um Farm und Pferd, aber auch Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber den kleinen Dingen, die man viel zu oft im Alltag übersieht.

Zehn Wochen Kanada: eine erlebnisreiche Zeit mit vielen Eindrücken.

Vielen Dank daher auch an meine direkten Kolleginnen und Kollegen, die für mich in dieser Zeit die Arbeit gestemmt haben und auch ein Dankeschön an Energiedienst, die diese Erfahrung erst ermöglicht hat.

Melanie Ruf

Melanie Ruf arbeitet bei Energiedienst in der Kundenberatung.
„Vereinfacht ausgedrückt sind meine Tätigkeiten wie der Strom in seiner physikalischen Eigenschaft – spannend“.

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