Die Australier Pete Ceglinksi und Andrew Turton entwickelten einen Unterwasser-Mülleimer, der Meere von Plastikmüll befreit. Simone Zettier sprach mit Pete über “The Seabin Project”.

Übervolle Mülleimer sind in der Regel kein schöner Anblick – bei ”The Seabin Project“ schon: Je voller der Eimer, desto weniger Plastikmüll bleibt in den Weltmeeren. Der 41-jährige Australier Pete Ceglinksi entwickelte zusammen mit seinem Surfkumpel Andrew Turton einen „Unterwasser-Mülleimer”, der Plastik und anderen Müll mithilfe eines Ölfilters aus dem Wasser saugt und in einem Netz auffängt. Wie die beiden auf so eine einfache wie geniale Idee kamen, wie lange der Entwicklungsprozess dauerte und was The Seabin Project in der Zukunft plant, verriet Gründer und Industrie-Designer Pete Ceglinski Gastautorin Simone Zettier im Interview.

 

 

Wie lange habt ihr gebraucht, um eure Idee für Seabin in die Tat umzusetzen? Und wie sah der Entwicklungsprozess aus?

Pete Ceglinski: Der Seabin ist im Prinzip einfach, aber die Fluiddynamik ist tatsächlich ziemlich hoch entwickelt. Wenn wir Mülleimer an Land haben, warum nicht im Wasser – das war die Frage, die wir uns ganz am Anfang gestellt haben. 2015 entwickelten wir einen Prototypen, der Anfang 2016 zu einem erfolgreichen Crowdfunding von Indiegogo führte. Danach habe ich zweieinhalb Jahre damit verbracht, das Design zu ändern, bis der Seabin V5, also Version5, im Juni 2018 produktionsreif war. Den Entwurf zu vereinfachen, war der schwierigste Teil der Entwurfsphase. Ganz im Sinne von Yvon Chouinard, Gründer von Patagonia, der einmal sagte: „Das Schwierigste, was Sie tun können, ist, Ihr Leben zu vereinfachen.“

Pete Ceglinski

Der 41-jährige Industriedesigner Pete Ceglinksi aus Australien entwickelte zusammen mit Andrew Turton einen „Unterwasser-Mülleimer”, der Plastik und Müll aus dem Wasser saugt. Bild: www.seabinproject.com

 

Derzeit gibt es viele Projekte, die sich mit Reinigung der Weltmeere beschäftigen. Die Welt scheint bereit für Projekte wie Seabin. Gab es auch eine Zeit, in der es so viele Hindernisse gab, dass ihr aufgeben wolltet?

Pete Ceglinski:  Den Gedanken aufzugeben hatte ich nur ein paar Mal und jeweils nur für einen kurzen Moment. Aber dieses Projekt mit seinem riesigen Potenzial war einfach zu gut, um nicht weiterzumachen. Die Unterstützung der Community durch unsere erste Crowdfunding-Kampagne hat uns auch noch einmal gezeigt, wie groß die Resonanz weltweit auf die längst überfällige Idee war. Vielerorts rennen wir mit Seabin offene Türen ein, bei den Entscheidern auf der politischen Ebene tun wir uns etwas schwerer damit. Politiker benötigen immer etwas länger, um auf neue Dinge zu reagieren, aber wir kommen auch dort gut voran.

 

Ist Seabin so wie es ist perfekt oder befindet sich das Projekt in einem ständigen Prozess?

Pete Ceglinski: Perfektion gibt es in meinen Augen nicht. Wir sind aber sehr zufrieden mit dem V5, unserem ersten produktionsreifen Seabin. In Unternehmerkreisen kursiert eine Redewendung: Wenn du dich in fünf Jahren nicht für deinen ersten Entwurf schämst, bist du nicht innovativ genug. Wir haben viele Erkenntnisse aus dem V5 gezogen und entwickeln den Seabin 6.0 so, dass er effizienter und intelligenter (mithilfe von Sensoren) ist und durch die Verwendung von recycelten Fischernetzen einen geringeren CO2-Fußabdruck aufweist. Die Seabin 7.0-Version in fünf Jahren wird noch automatisierter – aber das ist noch Zukunftsmusik.

 

Infografik: was der Seabin täglich sammelt

Der „Unterwasser-Mülleimer“ Seabin schluckt alte Kanister, Plastiktüten, Flaschen, Kaffeebecher, Öl, Zigarettenkippen und Mikroplastik. Grafik: www.seabinproject.com

 

Ihr habt schon viel mit Seabin erreicht. Welche Ziele habt ihr für die Zukunft?

Pete Ceglinski: Unser Ziel ist es, Seabin in 192 Ländern zu etablieren. Bis jetzt gibt es bereits mehr als 860 Seabins in 52 Ländern – und das in nur 18 Monaten. Das ist selbst für uns eine erstaunliche Entwicklung. Wir hoffen, dass Seabin in naher Zukunft auch von den Städten und Ländern unterstützt wird und nicht nur von einzelnen Organisationen. Schließlich sind ja die Städte und Länder auch für die Verschmutzung verantwortlich und nicht die Yachtclubs oder die Häfen.
Aktuell läuft auch eine Kampagne, bei der jeder, der über 18 ist, Anteile an dem Projekt erwerben kann. Damit wollen wir insgesamt 35 Millionen australische Dollar erwirtschaften.

 

Mikroplastik und Öl saugt Seabin ebenso auf wie größere Teile.

Mikroplastik und Öl saugt Seabin ebenso auf wie größere Teile.
Bild: www.seabinproject.com

 

Es gibt den Wunschtraum, dass Seabin eines Tages gar nicht mehr benötigt wird, wenn wir alle besser mit unseren Ressourcen umgehen. Denkst Du, das ist realistisch?

Pete Ceglinski: Ich denke schon, aber ich persönlich werde das nicht mehr erleben. Auch wenn wir irgendwann einmal keinen Plastikmüll mehr aus dem Wasser filtern müssen, wird es immer noch wichtig sein, das Ganze wissenschaftlich zu beobachten und Daten zu erheben. Mithilfe von Seabin zeigen wir ja auch den derzeitigen Verschmutzungsgrad des Wassers auf.

 

Plastikmüll wird immer als Hauptübeltäter für die Verschmutzung der Meere genannt. Lebst Du plastikfrei?

Pete Ceglinski: Wir glauben nicht, dass ein plastikfreies Leben möglich ist. Sicher kann man bei den Plastikverpackungen ansetzen, aber völlig auf Plastik zu verzichten, würde uns in die Steinzeit zurückversetzen. Plastik ist ein geniales Produkt, von dem wir alle profitieren, wir müssen nur bewusster damit umgehen.

 

 

Du bist für viele Menschen eine Inspiration. Wer hat Dich inspiriert?

Pete Ceglinski: Vielen Dank für das Kompliment, aber ich glaube, das ist zu viel der Ehre. Ich lasse mich von allen inspirieren, die für ein besseres Leben kämpfen und dafür bereit sind, ihre Komfortzone zu verlassen, um etwas zu bewegen.

 

Daten und Fakten

  • Der Unterwasser-Mülleimer ist vollkommen recycelbar
  • Er kostet weniger als einen Dollar pro Tag, wenn man die Gesamtkosten umrechnet
  • Das Fassungsvermögen beträgt 20 Kilogramm
  • Pro Jahr können mithilfe eines Unterwasser-Mülleimers bis zu 90.000 Plastiktüten aus dem Meer gefiltert werden – oder umgerechnet 500 Kilogramm an Plastikmüll
  • Bevorzugte Orte sind Jachtclubs oder Häfen – das sind die idealen Plätze für die Installation, da dort alle Anschlüsse vorhanden sind und die Wasseroberfläche relativ ruhig ist

 

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