Abbildung: Das ZDF nutzte für Dreharbeiten aus der Luft eine Drohne

32 Grad zeigt das Thermometer, gefühlt sicherlich noch ein paar Grad mehr. Ich stehe voll in der Sonne an einem Strommast direkt neben dem Umspannwerk in Rheinfelden. Und ich hab heute noch den angenehmsten Job…

Umspannwerk Energiedienst Andras Merk Schaltgespräch

Kurze Vorbesprechung am Umspannwerk: Andreas Merk erklärt das Schaltgespräch.

Denn heute ist die ZDF-Drehscheibe bei uns und filmt für einen Beitrag über Freileitungsmonteure. Eine Begleitreportage soll es werden. Also was machen Freileitungsmonteure, wie sieht ihr Arbeitsalltag aus, was ist das Besondere an ihrer Arbeit und dergleichen.

Da ohnehin an einem Strommast ein schadhafter 11o kV-Porzellan-Isolator ausgetauscht werden muss, passt die Anfrage der Redaktion. Also rückt die Redakteurin mit ihrer Filmcrew (ein Kameramann und ein Tontechniker) zu den Dreharbeiten an. Der Beitrag soll 4 bis 5 Minuten werden, was für einen Fernsehbeitrag schon recht lang ist. Normalerweise dauern die rund 90 Sekunden.

Helmkamera

Die Helmkamera sitzt.

Es müssen daher viele und eindrucksvolle Bilder her. Entsprechend ist das Team mit Helmkamera und Drohne ausgerüstet. Wir stellen zusätzlich noch einen Hubsteiger samt Fahrer, damit sich Redakteurin und Monteure auch auf dem Mast stets auf Augenhöhe begegnen können. Kurzes Vorgespräch, was gedreht werden kann und was nicht, Sicherheitseinweisung vor Ort, Helme auf und ab geht’s ins 110/20 kV-Umspannwerk Rheinfelden. Ganz klar, bevor die Monteure auf den Mast können, muss der erst einmal zu weiten Teilen spannungsfrei geschaltet werden. Das passiert direkt im Umspannwerk.

Die Kamera ist direkt auf unseren Techniker Andreas Merk gerichtet, während er für das Schaltgespräch mit der Netzleitstelle telefoniert. Von der Netzleitstelle aus wird die Leitung spannungsfrei geschaltet. Mit einem lauten Zischen und einem gut sichtbaren Lichtbogen gehen die 110 kV-Sammelschienentrenner auf. Die jeweiligen 110 kV-Abgangsfelder werden frei geschaltet und gegen Wiedereinschalten gesichert. Das Gleiche passiert inzwischen in der 20 kV-Schaltanlage. Gute Bilder fürs Filmteam.

Alim Bislimi mit Gurtzeug

Sicherheit geht vor: Vor dem Aufstieg legt Alim Bislimi das Gurtzeug an.

Inzwischen haben sich die Kollegen am Mast positioniert und warten auf das Kamerateam. Hauptakteure sind Viktor Waßmer und Alim Bislimi. Sie sollen auf dem Mast den Isolator tauschen. Unterstützt werden sie von Christof Waßmer und Marian Schynol als Bodenpersonal.

Sie sichern die Kollegen am Mast und versorgen sie von unten mit Werkzeug, Gurten, dem neuen Isolator und natürlich Wasser! Das ist nötig, denn mit Gurtzeug, Helm und Ausrüstung auf dem rund 30 Meter hohen Mast zu arbeiten, ist an sich schon kein Zuckerschlecken, aber bei den Temperaturen heute schweißtreibende Schwerstarbeit.

Die Kamera filmt, wie Alim und Viktor ihre Gurte mit den Sicherungshaken anlegen, Alim erhält zudem noch die Helmkamera, um die Arbeiten und die Höhe aus seiner Perspektive filmen zu können.

Isolator mit Bodenpersonal

30 bis 40 Kilogramm wiegt der Isolator. Das Bodenpersonal hat alle Hände voll zu tun.

Die Männer geben ihr Bestes. Bislang war mir nicht klar, mit wie viel Aufwand das Arbeiten an einem Strommast verbunden ist. Sicherheit steht an erster Stelle. Und so müssen zunächst nach den fünf Sicherheitsregeln die freigeschalteten und gegen Wiedereinschalten gesicherten Leitungen am Mast auf Spannung überprüft, geerdet und kurzgeschlossen werden sowie mit einer grünen Fahne als „sicherer Arbeitsbereich“ gekennzeichnet werden. Bei drei 110 kV- und zwei 20 kV-Leitungen, die über die drei Traversen verteilt sind, dauert das eine ganze Weile. Immer wieder halten die Kollegen inne, um die Fragen der Redakteurin zu beantworten und zu beschreiben, was sie gerade tun und warum.

Nach fast zwei Stunden sind diese Vorarbeiten endlich erledigt. Die Sonne hat inzwischen ihren höchsten Stand erreicht und die beiden Freileitungsmonteure kommen endlich zu ihrem Porzellan-Isolator. Ich frag mich noch, wie sie jetzt ans äußerste Ende der Traverse und von dort an das defekte Teil kommen, da ziehen Christof und Marian eine Leiter hoch. Sie wird an einem Ende an der Traverse befestigt und mit dem anderen in das Leiterseil eingehängt.

Monteure oben am Hochspannungsmasten

Wer findet die Monteure?

Von unten hat das den Anschein von Zirkusakrobatik, als Viktor sich auf die Leiter begibt und von dort aus am Isolator arbeitet. Tatsächlich bewegen sich die Kollegen dort oben aber so sicher wie unsereins auf dem Wohnzimmerteppich. Der Isolator ist mit Splinten und Bolzen befestigt, die sich mit wenigen Handgriffen schnell lösen lassen und so ist nach wenigen Minuten der alte Isolator entfernt.

Das Bodenpersonal ächzt etwas, als es den neuen Isolator vorsichtig nach oben zieht. Er wiegt immerhin 30 bis 40 Kilogramm und muss 27 Meter hochgezogen werden.

Nach wenigen Minuten ist der neue Isolator an seinem Patz und der Film im Kasten. Die Redakteurin ist zufrieden mit Bild und Ton. Glück gehabt, das Ganze muss nicht noch einmal gefilmt werden.

Während Viktor und Alim den Abstieg antreten und dabei an allen Leitungen des Mastes die Sicherungen und Fahnen entfernen, fährt das Kamerateam ganz entspannt mit dem Hubsteiger nach unten.

Drohne am Boden mit Energiedienst Tasche

Wie ein Spielzeughelikopter: Die Drohne wartet auf den Einsatz.

Nun kommt die Drohne zum Einsatz. Doch vorher müssen Hubsteiger, Kameraausrüstung und was sonst noch auf dem Boden liegt, das nicht Monteursausrüstung ist, weiträumig entfernt werden. Bei der Vogelperspektive soll der Fernsehzuschauer schließlich nicht sehen, dass ein Hubsteiger im Einsatz war und sich ein Kamerateam beim Mast befunden hat. Mit lautem Surren hebt das Fluggerät ab und steigt Richtung Mast. Die Drohne erinnert an einen Spielzeughelikopter, nur dass sie über vier Rotoren und natürlich eine Kamera verfügt.

Jetzt fehlen nur noch ein paar Bilder aus der Netzleitstelle. Denn zu Beginn der Arbeiten wurde ja das Schaltgespräch zwischen Andreas im Umspannwerk und der Netzleitstelle gefilmt. Da will man im Fernsehen ja auch den Gesprächspartner sehen.

Energiedienst Netzleitstelle TV Team ZDF

Aufnahmen in der Netzleitstelle. Das Gegenstück zum Schaltgespräch.

In der Netzleitstelle Rheinfelden empfängt uns eine mehr als angenehme Kühle. Herrlich! Ein kurzes Vorgespräch und schont nimmt die Kamera das „gespielte“ Schaltgespräch zwischen Techniker und Netzleitstelle auf. Es wird später so in den Beitrag geschnitten, dass es aussieht, als würden der Techniker im Umspannwerk und der Diensthabende in der Netzleitstelle miteinander telefonieren.

Das war’s. Kamerateam und Redakteurin packen zusammen. Morgen wird geschnitten. Der Sendetermin steht leider noch nicht fest, ist aber innerhalb der nächsten 14 Tage geplant.

Ich habe heute gelernt, dass die Vorbereitungen für Arbeiten auf einem Strommast mindestens so aufwendig sind, wie die Vorbereitungen für einen Fernsehbeitrag. Denn Sicherheit geht vor. Bin gespannt, wie der fertige Beitrag dann in der Drehscheibe aussieht.

 

Monteur und Redakteurin Hubsteiger

Monteur und Redakteurin sind immer gleich auf. Der Hubsteiger macht’s möglich.

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