Auf der Intersolar, der größten Fachmesse für Solartechnik in Europa, kann man sich nicht nur über die neuesten Solarmodule informieren, sondern inzwischen über fast alle Aspekte smarter Energieerzeugung und -nutzung. Wir haben die Messe Mitte Juni besucht.

Stromerzeugung aus Photovoltaik wächst weltweit

Die Intersolar München ist die größte Messe der Photovoltaikbranche in Europa. Fast 40.000 Fachbesucher besuchten die sieben Messehallen, wovon mehr als die Hälfte aus dem Ausland gekommen war, um sich an den Ständen der über 1.000 Aussteller über neue Produkte zu informieren und Geschäftskontakte zu pflegen. Mit diesen Zahlen ist die Intersolar in diesem Jahr zwar nur etwa halb so groß wie die bisher größte Ausgabe in 2011, wobei man allerdings berücksichtigen muss, dass es inzwischen Ableger in Nord- und Südamerika, in Indien und China gibt.

Insgesamt blickt die Branche weiter mit Optimismus in die Zukunft. So wurden nach Angaben des Branchenverbands SolarPower Europe allein im letzten Jahr Solaranlagen mit einer Kapazität von 40 Gigawatt installiert. Damit summiert sich die weltweite Gesamtkapazität auf 177 Gigawatt. Zum Vergleich: In Deutschland betrug 2014 die Nettostromerzeugungskapazität aller Großkraftwerke insgesamt 183,6 Gigawatt.

Photovoltaikprodukte aus Asien

Dieses Wachstum erklärt sich zum einen durch die verschiedenen Fördermaßnahmen für Errichtung oder Betrieb von Photovoltaikanlagen, zum anderen aber durch die inzwischen erreichte Wirtschaftlichkeit dieser erneuerbaren Erzeugungsart. Durch die großindustrielle Produktion sinken die Preise für die Module immer weiter. In sehr vielen Ländern ist es inzwischen billiger, Strom durch Solaranlagen zu erzeugen und selbst zu verbrauchen, als diesen von den traditionellen Energieversorgungsunternehmen zu beziehen.

Dass dieses möglich wurde, liegt einfach daran, dass die Module immer leistungsfähiger geworden sind und dass wir es inzwischen mit einer veritablen Industrie zu tun haben. Dabei bedauern es natürlich die hiesigen Wirtschaftsverbände, dass große Teile dieser Industrie inzwischen nicht mehr in Europa beheimatet sind, sondern in Asien, vor allem in China. Das war auch auf der Intersolar zu besichtigen, wo mit Solarworld eigentlich nur noch ein deutscher Hersteller mit einem repräsentativen Stand anwesend war. Die restlichen Flächen wurden fast durchgängig von chinesischen oder auch koreanischen Unternehmen belegt.

Technische Weiterentwicklung immer detailfreudiger

Bei den Anlagen selbst geht die Effizienz- und Leistungsentwicklung immer weiter. Offenbar tritt die technische Innovation bei den Modulen aber etwas auf der Stelle. Inzwischen geraten andere Teilaspekte der Anlagen ins Blickfeld. So wurden bei den Intersolar Awards, dem „Oscar“ der Solarbranche (wir berichteten), ein Modul ausgezeichnet, das zweigeteilt ist und damit bei Verschattung mehr leistet. Hintergrund ist, dass normalerweise bei einer teilweisen Verschattung die Leistung des Moduls insgesamt absinkt, obwohl der unverschattete Teil mehr leisten könnte, weil dieser sich sozusagen immer nach der Leistung des schwächeren Teils richtet. Das wird bei dem ausgezeichneten Modul vermieden.

Ein weiterer Award ging an ein Modul des koreanischen Herstellers LG, die allein durch eine neuartige Verdrahtung der 60 Solarzellen auf einem Panel eine mehrprozentige Leistungssteigerung auf bis zu 320 Wattpeak erreichen. Generell leisten die auf der Intersolar ausgestellten Standardmodule mit einer Größe von 1,60 x 1 Meter Werte von etwa 230 bis 280 Wattpeak.

Kabel, Module und Maschinen

Die Intersolar bietet allerdings noch viel mehr als die repräsentativen Stände der großen Hersteller. Viele Zulieferer tummeln sich in den hinteren Teilen der Hallen und liefern ein buntes Bild. Es finden sich Hersteller von elektronischen Bauteilen, von Kabeln, von Systemen für die Dachkonstruktionen oder auch von großen Maschinen, um verdreckte Dachmodule von Staub oder Laub zu reinigen.

Auch der Deutsche Wetterdienst präsentierte sich, der über 100 von Menschen betreute Wetterstationen und über 1.000 weitere Messpunkte betreibt, deren Daten dann für Prognosen herangezogen werden, um die Netzstabilität zu erhöhen. Auch ganz außergewöhnliche Dinge findet man wie zum Beispiel einen Hersteller von Solarmodulen, die auf Textilien befestigt werden. Damit lassen sich dann Solar-Rucksäcke oder Solar-Taschen produzieren.

Smarte Energielösungen

Auf der Intersolar konnte man eine Batterie im Containermaßstab mit einer Leistung von 0,5 MWh betreten

Auf der Intersolar konnte man eine Batterie im Containermaßstab mit einer Leistung von 0,5 MWh betreten

Etwa ein Drittel der Messe war allerdings nicht der Photovoltaik gewidmet, sondern einem Bereich der erneuerbaren Energien, der immer wichtig wird: den smarten Komplettlösungen zum Speichern und effizientem Verbrauch von Energie. Auffällig war insbesondere die stark gewachsene Anzahl von Unternehmen, die jetzt hochkarätige Batteriespeicher für die private Nutzung Zuhause anbieten.

Zu sehen war natürlich die Powerwall von Tesla (wir berichteten) sowie das ganz neue Batteriespeicherprodukt der Deutschen Accumotive, einem Unternehmen der Daimler AG. Deren Mercedes-Benz Energiespeicher birgt eine Kapazität von 2,5 kWh. Bis zu 8 Module lassen sich zusammenschalten.

Intersolar Smart Home Komponenten

Auch Komponenten für das Smart Home sind auf der Intersolar ein Thema.

Andere Hersteller wie Viessmann oder auch Bosch zeigen unterschiedliche Komplettsysteme, die zum Beispiel bestehen aus einer Solaranlage, einem Wechselrichter, einem Stromspeicher, einer Wärmepumpenheizung sowie einer zentralen Steuereinheit, die all die Zu- und Abflüsse der erzeugten Energie effizient nach den Bedürfnissen des jeweiligen Hauses regelt. Derartige Gebäude dürften dann zu Energieplushäusern werden.

Außerdem konnte man sich über Smart-Home-Systeme informieren, eine Batterie im Containermaßstab mit einer Leistung von 0,5 MWh betreten sowie einen Solarcarport besichtigen, mit dem sich Elektroautos aufladen lassen.

Insgesamt kann man der Aussage Bundesminister für Wirtschaft und Energie Sigmar Gabriel beipflichten, der die Intersolar am letzten Tag besuchte:

„Ich bin beeindruckt, mit welcher Innovationskraft und mit welchem Engagement die Unternehmen zukunftsweisende Produkte und Lösungen entwickeln um den Wandel der Energiesysteme weltweit voranzubringen. Wir sehen hier Technologien auf Weltniveau, die weit über die reine Energieerzeugung hinaus gehen – in einer Branche, die so diversifiziert ist, wie die Energiewirtschaft selbst.“

Fotos: Dirk Baranek

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