Wer möglichst viel des Stroms aus seiner Photovoltaik-Anlage nutzen will, denkt über einen eigenen Solarstromspeicher nach. Lohnt sich das? Die Antwort lautet: Kommt darauf an.

Der Strom aus der eigenen PV-Anlage landet bei vielen Privathaushalten im öffentlichen Stromnetz. Insbesondere bei Eigentümern älterer Anlagen wächst aber das Interesse an Batteriespeichern, denn Ende 2020 laufen die ersten Einspeisevergütungen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus. Solarstromspeicher ermöglichen, den am Tag produzierten Solarstrom abends oder nachts selbst zu nutzen.

Den Strom aus der eigenen PV-Anlage speisen viele Eigentümer aktuell ins öffentliche Netz ein. Doch die Nachfrage nach Batteriespeichern steigt.

 

Ein Solarstromspeicher ist eine große Batterie – für ein Einfamilienhaus so groß wie ein Kühlschrank. Der Speicher macht den Überschuss an PV-Strom vom Tag am Abend oder in der Nacht nutzbar. Der Eigenverbrauch des selbst produzierten Stroms steigt bis auf 70 Prozent. Der Zukauf von Netzstrom reduziert sich und macht Eigentümer einer PV-Anlage unabhängig von Strompreisen und Abgaben.

Laut Einschätzungen des Bundesverband Solarwirtschaft sind rund 130.000 Batteriespeicher in Deutschland in Betrieb. Die Preise für Solarstromspeicher sanken in den vergangenen Jahren um rund 60 Prozent. Der von der Bundesregierung geplante Ausbau der Elektromobilität, der Wegfall der EEG-Vergütung nach Ablauf der 20 Jahre und die Digitalisierung könnten den Bedarf steigen lassen.

 

Der Ausbau der Elektromobilität wird die Nachfrage nach Solarstromspeichern steigen lassen. Aber auch das E-Auto selbst kann als Stromspeicher dienen und tagsüber mit Strom aus PV laden. Video: Herr Loeffler, Adobestock

 

Wann ist ein Solarstromspeicher wirtschaftlich?

Wer die Rentabilität einer Anlage bestimmen möchte, berechnet die Kilowattstunden Strom, die während der Lebensdauer in einem Solarstromspeicher gespeichert und abgegeben werden. Diese Menge teilt man durch die Investitions- und Betriebskosten des Solarstromspeichers (Kaufpreis, Installation EEG-Vergütung bei Einspeisung).

Ergebnis: Eine Kilowattstunde aus dem Solarstromspeicher kostet im genannten Beispiel 19,5 ct. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass der Betreiber bei Einspeisung ins öffentliche Netz statt in den Batteriespeicher noch die EEG-Vergütung erhalten würde.

 

Intelligente Vernetzung

Mit einem Home Energy Management System (HEMS) versorgen Hausbesitzer einzelne Geräte gezielt mit Solarstrom. Typische Verbraucher sind alle Geräte mit erhöhtem Stromverbrauch, zum Beispiel Infrarotheizungen, Heizstäbe, Wärmepumpe, Elektroauto oder Klimaanlage.

 

Pro und Kontra Solarstromspeicher: Die Entscheidung ist individuell. Ihr sollte die Beratung durch einen Fachmann vorausgehen.

 

Die Vor- und Nachteile von Solarstromspeichern im Überblick

 

Pro Speicher

1. Eigenverbrauch des Solarstroms steigt

Mit dem Einsatz eines Solarspeichers erhöhen Anlagenbesitzer ihren Eigenverbrauch erheblich von rund 30 auf bis zu 70 Prozent. Somit benötigen die Bewohner weniger Strom aus dem Netz, sie sind weniger abhängig von potenziellen Preissteigerung beim Strom. Ist eine PV-Anlage mit Speicher bezahlt, wird der Strom zu gleichbleibenden Gestehungskosten produziert.

2. Notstromversorgung bei Stromausfall

Die meisten Speicherhersteller bieten die Möglichkeit, den Solarstromspeicher als eine Art Notstromaggregat einzusetzen. Während eines Stromausfalls versorgt der Solarstromspeicher das Haus oder eine Auswahl von Geräten mit Strom.

3. Netzbelastung sinkt

In einer Region mit vielen PV-Anlagen kann die hohe Einspeisung an sonnigen Tagen zu einer Überlastung des Netzes führen. Daher dürfen viele Anlagen nicht 100 Prozent ihrer maximalen Leistung in das Netz einspeisen, sondern sind bei 70 Prozent abgeriegelt. Mit einem Solarstromspeicher können Anlagenbesitzer trotz dieser Regelung die gesamte Menge des Stroms aus der PV-Anlage nutzbar machen.

Der Wunsch nach Komfort, zum Beispiel durch eine Klimaanlage, wächst. Wer diese mit Strom aus dem Solarstromspeicher betreiben möchte, ist bereit, dafür zu zahlen.

 

4. Komfort und Umwelt

Der Wunsch, persönlich einen Beitrag zur Energiewende zu leisten, ist vielen Menschen inzwischen wichtiger ist als die reine Wirtschaftlichkeit. Bei Installationen von PV und Speicher entscheidet bei anderen der Wunsch nach Komfort: Wer zum Beispiel eine Kühlmöglichkeit des Hauses plant, berücksichtigt andere Argumente.

 

Kontra Speicher

1. Investitionskosten

Eine PV-Anlage für ein Einfamilienhaus mit einer Leistung von sieben Kilowatt kostet ca. 12.000 Euro. Wenn Anlagenbesitzer einen passenden Solarstromspeicher einsetzt, kommen ca. 5.000 Euro (ohne Installationskosten) dazu.

2. Langzeiterfahrungen

Der Einsatz von Solarstromspeichern ist bei netzgebundenen PV-Anlagen erst seit wenigen Jahren üblich, daher gibt es keine Langzeiterfahrungen mit den heute eingesetzten Solarstromspeichern. Lesen Sie dazu die Studie der HTW Berlin.

3. Lebenserwartung

Die meisten Hersteller geben keine Lebenserwartung in Jahren, also keinen fixen Zeitwert an. Meist nennen sie eine sogenannte Zyklenanzahl. Bei einer richtig gewählten Speicherkapazität lädt der Solarstromspeicher tagsüber voll und entlädt sich in der Nacht komplett, was einem Zyklus entspricht. Ein Solarstromspeicher durchläuft pro Jahr 365 Zyklen. Bei 5.000 Zyklen bedeutet dies eine Lebenserwartung von ca. 13,5 Jahren. Da eine PV-Anlage circa 25 Jahre hält, bräuchten Anlagenbesitzer in der Zeit zwei Solarstromspeicher.

4. Rohstoffe und Abbaubedingungen

Für die Herstellung aktuell marktgängiger Speicher sind seltene Rohstoffe erforderlich, zum Beispiel Lithium und Kobalt. Kobalt stammt zum Großteil aus der Demokratischen Republik Kongo. Insbesondere der Abbau im Kleinbergbau ist zu Recht in der Kritik: für die Arbeiter ist der Abbau oft gefährlich und findet sogar durch Kinder statt.

 

Die Anschaffung eines Solarstromspeichers mit oder für die PV-Anlage auf dem eigenen Dach ist nicht nur eine Frage des Geldes. Komfort- und Umweltaspekte beeinflussen die Entscheidung. Bild: Adobestock, stadtratte

 

Fazit: Lohnt sich ein Batteriespeicher für PV-Strom?

Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten. Eine Vielzahl von Faktoren beeinflussen die Wirtschaftlichkeit von Solarstromspeichern. Setzen Kunden auf Komfort und Unabhängigkeit, zählen nicht nur die Zahlen. Wer mit der Anschaffung eines Batteriespeichers den Umweltgedanken in den Mittelpunkt stellt, betrachtet mehr als Strompreis und Anschaffungskosten. Der Kauf eines Batteriespeichers ist – anders als vielleicht die meisten denken – also eine sehr individuelle Entscheidung. Förderprogramme, die regional unterschiedlich sind, beeinflussen diese. Was sich lohnt, ist das Gespräch mit einem Fachmann, der in allen Punkten individuell beraten kann.

 

Kontakt zum PV-Team von Energiedienst:

Telefon: 07623-922505

E-Mail: photovoltaik@energiedienst.de

www.naturenergie.de/sonnenwerkplus

 

Lesen Sie auch: Die 10 kuriosesten Ideen für bessere Batterien

Blogbeiträge per E-Mail

Sie interessiern sich für Themen rund um regenerative Energie? Gern senden wir Ihnen neue Beiträge im Energiedienst Blog per E-Mail. Selbstverständlich ist das kostenlos und unverbindlich. Ihre Daten werden zu keinem anderen Zweck verwendet. Den Newsletter können Sie jederzeit wieder abbestellen, wenn Sie es sich anders überlegen sollten.

Ich möchte Blogbeiträge per E-Mail abonnieren und habe die Datenschutzhinweise (Abschnitt "Newsletter") gelesen. Den Newsletter kann ich jederzeit wieder abbestellen, entweder direkt im Newsletter oder per Brief, Telefon, Fax oder E-Mail.

 

Erhalten Sie neue Blogbeiträge per E-Mail! Hier geht es zum Bestellformular.