Heureka! Endlich widmet sich mal ein Blog den wirklich wichtigen Themen des Lebens. Kinder, denen man das Thema erneuerbare Energien erklärt, stellen diese Frage unweigerlich. Bei den angeführten Primärenergien Sonne, Wind und Wasser auch zurecht. Es handelt sich schließlich um natürliche Erscheinungen. Gibt es also Strom umsonst? Die Antwort möchte ich Ihnen nicht lange vorenthalten: Ja, aber…!

Jäger und Sammler

Grundsätzlich sind dem Menschen einige Dinge bekannt, die man nicht zwingend käuflich erwerben muss. Meistens handelt es sich dabei um Lebensmittel, die in freier Wildbahn geerntet werden können. Der Klassiker sind Beeren und Pilze im Wald. Diese vermitteln dem geneigten Sammler auch oft ein archaisches Gefühl von prähistorischem Selbstversorgertum. Dass die Früchte des Waldes nichts kosten, macht die Sache dann zu einem ganzheitlich befriedigenden Erlebnis (ein nature-experience-event).

Begehrt bei Schnäppchenjägern: Der Pilz im Walde (Fotograf: Uwe Wittbrock/Fotolia)

Kritiker

Die Physiker unter uns, die in Begriffen wie „Energie“, „Arbeit“ oder gar „Gewichtskraft“ denken, merken an dieser Stelle zurecht an, dass man zum Pilze sammeln seinen Körper in den Wald und wieder zurückbewegen muss. Das kostet zum einen ein paar Kalorien und zum anderen meistens ein paar Liter Sprit, um den modernen Homo sapiens an den Rand des Waldes zu transportieren. Wir nähern uns also dem Kern des schwäbischen Sprichwortes: „Umsonschd isch nur dr Dod, un der koschds Läba.“

Donner und Doria

Aber wir wollen nicht aufgeben und dem heiligen Gral des kostenlosen Stromes noch ein wenig tiefer auf den Grund gehen. Das offensichtlichste Naturphänomen, das kostenlosen Strom liefert, sind Blitze . Diese dauern allerdings nur Millisekunden und verbrauchen den Großteil ihrer Leistung (Watt), um den mehrere 10.000 Grad heißen, Entladungskanal zu bilden, der gut sichtbar den Himmel erleuchtet. Am Boden kommt meist nur wenig an. Dass man dieser Energie auch noch hinterherrennen muss, da Blitze nie an derselben Stelle einschlagen, macht die Sache nicht einfacher, und damit auch nicht kostenlos.

Als Schauspiel besser geeignet als zur Stromproduktion: der Blitz (Fotograf: IRIS Productions/Fotolia)

Das Tierreich wird’s richten

Das wohl bekannteste Tier, das Strom produziert, ist der Zitteraal. Dieser bis zu drei Meter lange Fisch erzeugt mit seinem Körper Strom und nutzt diesen zur Jagd und Verteidigung. Mit bis zu 6.000 in Reihe geschalteten Elektrozyten (eine Art Muskelzelle) erzeugt er maximal 860 Volt und kurzfristig eine Leistung von 860 Watt. Manch ein Alligator hat es schon bitter bereut, in einen solchen Aal gebissen zu haben. Für die technische Nutzung sind diese kurzfristigen Entladungen aber ein Hindernis. Ganz abgesehen vom Tierschutz…

Ab in die Wüste

Ein weniger bekanntes Tier, das wir als Stromerzeuger zu unseren Kollegen zählen, ist die Orientalische Hornisse (Vespa orientalis). In die Haut der Hornissen sind organische Halbleiterkristalle eingelagert, die wie Solarzellen funktionieren. Forscher schalteten sechs tote Hornissen in Reihe und konnten damit immerhin eine Digitaluhr betreiben. Den Solarstrom nutzen die Hornissen sowohl, um Wärme zu produzieren als auch um ihren Bewegungsapparat oder ihre Stoffwechselprozesse mit Energie zu versorgen. In einigen Jahren könnten also organisch hergestellte Solarzellen möglich sein. Umsonst wird es die aber auch nicht geben.

Die Photovoltaikanlage immer dabei: die Orientalische Hornisse (Fotograf: PeterO/Fotolia)

Letzter Versuch: Elektrostatik

Jeder von uns hat bereits an einem Türgriff aus Metall „eine gewischt bekommen“. Das selbe Phänomen sorgt bei Kindern, die ihren Luftballon am Pulli reiben, dafür, dass danach die Haare zu Berge stehen. Italienische Wissenschaftler haben in einen Schwamm, der sich durch stetes Zusammendrücken und Loslassen statisch auflädt, Leiter eingebaut, die die entstandene Spannung abtransportieren. Dieses Prinzip lässt sich theoretisch überall dort einsetzen, wo sich Dinge regelmäßig von oben nach unten bewegen. Beispielsweise in Schuhsohlen oder unter Tanzflächen. „Dance Energy“ wäre im studentischen Umfeld sicher ein Kassenschlager durch den parallelen Verzehr von in Diskotheken üblichen Getränken aber auch nicht gratis.

Und jetzt?

Alle oben angeführten Beispiele zeigen, dass Strom nicht ohne den Einsatz von Herzblut und Technik – und damit Kosten – zu bekommen ist. Worin sich die Erzeugungsarten aber stark unterscheiden, ist der Wirkungsgrad. Der Faktor, der zeigt, wieviel Prozent der Anstrengung, die man betreibt, wirklich in Strom umgewandelt werden. Der Wirkungsgrad von Flusskraftwerken liegt mit großem Abstand zu anderen Anlagen an der Spitze. In unserem Wasserkraftwerk in Rheinfelden zum Beispiel liegt er bei über 90 Prozent. Wenn man noch hinzunimmt, dass dabei keinerlei Emissionen entstehen wird klar: Strom aus Wasserkraft hat ein prima Preis-Leistungs-Verhältnis!

Preis-Leistung ist top: das Wasserkraftwerk Rheinfelden (Fotograf: Eduardo Perez)

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