Die Antwort auf diese Frage scheint offensichtlich: niemand! Strom ist gewissermaßen ein (physikalisches) Naturprodukt. Und selbst die Entdeckung des Phänomens zog sich über Jahrhunderte hin. Von einem klar zu benennenden Erfinder kann also keinesfalls die Rede sein. Und dennoch gibt es eine Reihe von Menschen, die uns die Elektrizität im Laufe der Geschichte derart nahegebracht haben, dass wir heute gar nicht mehr ohne sie klarkommen.

Alles gottgegeben?

Eine der natürlichsten – und damit wohl am längsten bekannten – Erscheinungsformen von Elektrizität stellen Blitze dar. Früher wurden sie als Zeichen Gottes oder vergleichbarer Instanzen gedeutet. Die alten Griechen zum Beispiel betrachteten den Göttervater Zeus höchstpersönlich als Verursacher. Strafend warf er die Blitze von Hand auf die Erde herab.

Den Römern galt die Gottheit Jupiter als verantwortlich. Leute, die vom Blitz getroffen wurden und mit ihrem Leben davonkamen, sah man als von Jupiter begünstigt an. Einen Vorteil hatte es also wenigstens.

145.000 km/s Höchstgeschwindigkeit, 400.000 Ampere Stromstärke und bis zu 321 km Länge… Blitze sind mächtige Erscheinungen. Die Luft um einen Blitz herum wird schlagartig auf ca. 30.000°C erhitzt. Die Luft dehnt sich dadurch explosionsartig aus und verursacht den Donner. Die alten Germanen glaubten, es sei Thor mit seinem Hammer.

 

Dichter und Denker

Der griechischer Philosoph Thales von Milet – dem einen oder anderen noch aus dem Geometrieunterricht bekannt – entdeckte zudem bereits sehr früh das Phänomen der elektrostatischen Aufladung. Er rieb einen Bernstein (griechisch: „Elektron“) an einem Fell und stellte fest, dass der Stein danach in der Lage war, Korkschnipsel anzuziehen.

Was ihn dazu bewegte einen Bernstein an einem Fell zu reiben, bleibt sein Geheimnis. Einige Zeit später fiel er beim Beobachten des Sternenhimmels in einen Brunnen. So richtig langweilig wurde es mit Herrn von Milet also nie.

Bernstein in der Sonne

 

Gewitterblitze und elektrostatische Aufladung wurden aber lange Zeit nicht in Verbindung miteinander gebracht. Im 18. Jahrhundert gab es zwar regelrechte Elektrisier-Shows, an deren Höhepunkt unschuldigen Damen die Haare zu Berge standen und riesige Wollknäuel zwischen großen Metallkugeln umherschwebten, ein technischer Nutzen war daraus aber nicht erkennbar. Und Blitze wurden nach wie vor als Zeichen des Himmels gedeutet.

 

Der Beweis!

Erst Benjamin Franklin, amerikanischer Präsident und Wissenschaftler, ließ 1752 wagemutig einen Drachen in eine Gewitterwolke steigen und beobachtete an der Schnur elektrische Funken. Eine nicht ganz ungefährliche Aktion, für Franklin aber der Beweis, dass Blitze elektrische Erscheinungen sind.

Folgerichtig installierte er auf seinem Dach eine Metallspitze und verband diese über einen Draht mit der Erde. Er hatte damit nicht nur den Blitzableiter erfunden, sondern auch eine der großen Fragen der Menschheit beantwortet. Man stelle sich vor, der aktuelle amerikanische Präsident würde solch nutzbringenden Hobbies nachgehen…

Die wohl bekannteste Abbildung Benjamin Franklins: Die Einhundert-US-Dollar-Banknote, im Volksmund deshalb auch „Benjamin“ genannt.

 

Die technische Umsetzung

Nach einigen Jahrzehnten des weltweiten Experimentierens war es der Engländer Michael Faraday, dem am 3. September 1821 ein Experiment gelang: Ein stromdurchflossener Draht (Spule) drehte sich unter dem Einfluss eines Dauermagneten um seine eigene Achse. Die sogenannte „elektromagnetische Rotation“ war eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung des Elektromotors.

Auf der Grundlage dieses Wissens ließ Werner von Siemens im Jahre 1866 seine Dynamomaschine patentieren. Sie ermöglichte erstmals die Erzeugung elektrischer Energie in größerem Umfang. Die Menschheit hatte also endlich entdeckt, wie sie Strom selbst herstellen kann.

Der Universalgelehrte Michael Faraday war berühmt für seine Experimentierfreude und für seine spannenden Vorlesungen.

 

…aber wozu das alles?

Die Frage war nur noch: Wer braucht denn Strom überhaupt? Der Mensch kam schließlich seit tausenden von Jahren auch ohne Elektrizität ganz gut zurecht. Aber so wie wir Menschen tausende von Jahren ohne Smartphones auskamen (und jetzt nicht mehr ohne können) waren es auch damals Erfindungen, die das Leben nicht zwingend besser, aber in jedem Fall komfortabler machten.

Unter der Patentnummer 223898 registrierte am 27. Januar 1880 ein gewisser Thomas Alva Edison sein Patent der Glühbirne. Neben Alexander Graham Bells Telefon und diversen motorbetriebenen Maschinen, die alle etwa zur selben Zeit erfunden wurden, war nun auch einer breiten Masse der Nutzen dieses neuen Phänomens vermittelbar. Weltweit setzte eine unglaubliche Dynamik ein, die in den Geschichtsbüchern als Epoche der Elektrifizierung bezeichnet wird.

Rheinfelden am 20.03.1896. Im Hintergrund Schloss Beuggen. Links die Fläche, auf der heute unter anderem Evonik, Aluminium Rheinfelden oder Energiedienst angesiedelt sind.

 

Das größte Kraftwerk der Welt

Auf Initiative der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft (AEG) wurde 1894 mit dem Bau des Wasserkraftwerks Rheinfelden begonnen. Es war nach seiner Fertigstellung mit 17.000 Pferdestärken das größte Flusswasserkraftwerk der Welt und stellt die Geburtsstunde der Stadt Rheinfelden und des Unternehmens Energiedienst dar.

Rheinfelden am 20.08.1897. Die Bauarbeiten am Maschinenhaus sind fortgeschritten. Das Bild wurde vom Schweizer Ufer aus aufgenommen.

 

Wie diese Geschichte wiederum vonstattenging, erfahren Sie am eigenen Leibe bei einer historischen Führung. Emil Rathenau, Gründer und Vorstandsvorsitzender der AEG, höchstpersönlich erläutert Ihnen anhand historischer Turbinentechnik den Bau des Kraftwerks und vermittelt darüber hinaus noch eine Menge Zeitgeist aus dem Jahre 1894.

Rheinfelden am 27.12.1897. Stillgestanden! Hunderte von Menschen wirkten beim Bau des Kraftwerks (hier das Stauwehr) mit. Ab und an mussten sie für ein Foto posieren.

 

Rheinfelden im Jahre 1898. Die leere Fläche auf der deutschen Seite des Rheins macht deutlich, dass Rheinfelden (Baden) eine recht junge Stadt ist.

 

Mehr Infos zu den Historischen Führungen am Wasserkraftwerk in Rheinfelden gibt es unter: https://www.energiedienst.de/produktion/kraftwerksbesichtigungen/

Sehr lesenswert ist das Buch „Baden unter Strom – Eine Regionalgeschichte der Elektrifizierung“ von Bernward Janzig: http://www.doldverlag.de/shop/baden-unter-strom/

Simon Kuner

Als Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Event-Management arbeitet Simon Kuner in der Besucherinformation von Energiedienst: „Wir müssen Nachhaltigkeit und die Verantwortung für unseren Planeten täglich praktizieren. Nur so inspirieren wir andere, es auch zu tun. Als Referent in einem Wasserkraftwerk bin ich dafür genau an der richtigen Stelle!“

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