„Ich könnte doch einen Blogbeitrag zum Thema Strom schreiben“, fiel mir vor kurzem bei der Mittagspause im Aufenthaltsraum ein. „Super, dann machen wir doch gleich mal Brainstorming“, meinte Alexia, meine Kollegin aus der Kommunikation. „Erklär doch, warum der Strom in Deutschland teurer ist als in der Schweiz“, kam es von Manuel, der im Bereich Finanzen arbeitet.

Hm, gute Frage, auf die ich spontan keine seriöse Antwort geben konnte. Aber wenn Manuel schon solche Ideen hatte, konnte er mir die Sache ja auch gleich erklären. So schnell ging`s dann aber doch nicht, denn das Thema wollte gut vorbereitet sein. Outlook versandte eine Terminanfrage, wir setzten uns in einen Besprechungsraum, Manuel war mit Tabellen und Zahlen bewaffnet und ich musste meine grauen Zellen aktivieren.

Zuerst erfuhr ich die Fakten: Im Jahr 2013 betrug der durchschnittliche Strompreis in Deutschland für eine Kilowattstunde (kWh) Strom (immer gut zu wissen: mit einer kWh Strom kann man etwa eine Maschine Wäsche waschen) in einem 3-Personen-Haushalt rund 29 Cent. Die Schweizer zahlen umgerechnet 17 Cent für ihren Strom.

Wie ist dieser Unterschied zu erklären?

Beim Vergleich der Kosten für die reine Energie in den beiden Ländern (also für Erzeugung, Transport und Vertrieb von Strom) stellte ich verwundert fest, dass diese Energie in der Schweiz (Schweiz: 14,87 Cent/kWh, Deutschland: 14,42 Cent/kWh) sogar teurer ist. Also liegt der Grund für den höheren Strompreis in Deutschland nicht bei der Stromproduktion und Verteilung.

„Klar, in Deutschland fallen eben mehr Abgaben an“, werden sich jetzt viele denken. Aber welche Abgaben gibt es überhaupt? Zur Erklärung zeigte mir Manuel seine Tabellen, auf denen wir ablesen konnten, wie sich der Strompreis zusammensetzt:

In Deutschland fallen neben dem Preis für Erzeugung, Transport und Vertrieb Steuern, Abgaben und Umlagen an, die im Jahr 2013 etwa 50 % des Strompreises ausgemacht haben. Dazu gehört eine über die Jahre konstante Konzessionsabgabe, die Stromsteuer, die KWK-Umlage, die §19-Umlage, die Offshore-Umlage, die abschaltbare-Lasten-Umlage, die EEG-Umlage und die Mehrwertsteuer.

Im Vergleich dazu haben die Schweizer weniger verschiedene Abgaben: Sie bezahlen öffentliche Abgaben, KEV und Mehrwertsteuer. KEV steht für kostendeckende Einspeisevergütung und entspricht in etwa der deutschen EEG-Umlage zur Förderung regenerativer Energieerzeugung, mit der zum Beispiel der Bau von Photovoltaik-Anlagen gefördert werden soll.

Die Abgaben sowie die Mehrwertsteuer sind in der Schweiz geringer als in Deutschland. Besonders die deutsche EEG-Umlage fällt stark ins Gewicht.

Über diese weiß Manuel besonders viel zu berichten. Die EEG-Umlage beträgt 2014 in Deutschland 6,24 Cent je Kilowattstunde, mehr als zehnmal so viel wie in der Schweiz (rund 0,6 Rappen/kWh, davon 0,5 Rappen/kWh für die KEV und 0,1 Rappen/kWh für den Gewässerschutz). Die SDL-Abgabe (Systemdienstleistungen; Abgabe an die schweizerische Netzgesellschaft) von 0,64 Rappen/kWh, die die Swissgrid erhebt, wird ebenfalls an den Kunden weitergegeben.

Woran liegt`s?

In Deutschland erhält im Moment jeder, der eine regenerative Anlage bauen will, das zu dem Zeitpunkt festgelegte Fördergeld auf 20 Jahre Förderdauer zugesichert. Das führte zu einem Bau-Boom von Solaranlagen.

Der von diesen Anlagen erzeugte Strom muss von den Netzbetreibern abgenommen werden. Sie zahlen die Vergütung direkt an die Betreiber der EEG-Anlage und verkaufen den Strom an der Strombörse.

Die Differenz zwischen dem, was sie an der Börse für den Strom erhalten, und dem, was als gesetzlich festgelegte Vergütung an die Erzeuger gezahlt werden muss, wird als EEG-Umlage an die Stromkunden weitergereicht. Wie der Mechanismus genau funktioniert haben wir schon mal im Blog erklärt.

Wie geht die Schweiz die Förderung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien an?

Sie hat ihre KEV von vornherein auf ein Maximum von knapp 0,9 Rappen/kWh festgelegt. Basierend auf dem jährlichen Stromverbrauch in der Schweiz ergibt dies ein Fördervolumen von rund 500 Millionen Franken pro Jahr.

Gesetzlich festgelegt ist auch, welcher Anteil dieses Fördervolumens maximal für welche Technologie eingesetzt werden darf: 50 % Wasserkraft, 30 % für Photovoltaik, 30 % für Windenergie, 30 % für Geothermie und 30 % für Biomasse.

Die Fördergelder sind also nicht nur insgesamt, sondern auch bezüglich der einzelnen Technologien begrenzt und werden nach dem Prinzip „first comes, first serves“ vergeben. Das bedeutet, dass bei zu hoher Nachfrage nicht wie in Deutschland jeder die kostendeckende Einspeisevergütung erhält.

Wer in der Schweiz Anspruch auf Fördergeld anmeldet, wird zuerst einmal auf eine Warteliste gesetzt. Hierbei muss man sich in Geduld üben, denn von fast 42.000 Anmeldungen haben im Moment 12.646 Anlagen eine KEV-Zusage.

Die Antwort auf unsere Frage ist also soweit klar: In der Schweiz werden weniger öffentliche Abgaben, weniger Mehrwertsteuer und vor allem weniger KEV-Umlage bezahlt. Dies hält den Preis niedriger als in Deutschland.

Jetzt bin ich doch schon mal um einiges schlauer als vorher. Natürlich weiß ich noch längst nicht alles zum Thema Strompreis, denn dieser und die Abgaben werden nochmals von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst, über die wir in meiner Einführung in diese komplexe „Materie“ nicht einmal gesprochen haben.

Aber grundsätzlich habe ich nun verstanden, warum der deutsche und Schweizer Strompreis unterschiedlich ist. Und mein Interesse ist geweckt.

Mehr Infos finden Sie auf der Internetseite von Energiedienst: Info zum Strompreis sowie im Blog unter: Energiewende, EEG-Umlage und Strompreise 

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