Frische Luft, Zeit in der Natur und einfach für Einsteiger: Stand-up-Paddling erfreut sich immer größerer Beliebtheit – nicht nur, weil es die perfekte Sportart zum Abstandhalten ist.

Entwicklung zur Trendsportart

Der Markt für Stand-up-Paddling-Boards hat sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt. Der entscheidende Faktor, der der Outdoor-Sportart zum Durchbruch verholfen hat: die Erfindung des aufblasbaren Stehpaddelbretts, kurz iSup (englisch: inflatable Stand-Up-Paddling-Board). „Sie haben den Sport zugänglicher gemacht. Man braucht jetzt keinen Dachgepäckträger mehr und je nach Board nicht zwingend ein Auto, um es transportieren zu können“, sagt Myriam Eismann, Geschäftsfüherin und Designerin von Lite Venture SUP bei Freiburg. Eismann sieht Stand-up-Paddling nicht nur als eine Trendsportart. „Ein Trend ist etwas, das schnell verschwindet. Stand-up-Paddling ist etwas, das bleibt“, so Eismann weiter.

Myriam und Anne von LiteVenture

Myriam Eismann und ihrer Geschäftspartnerin Anne van Roode von Lite Venture SUP. Bild: Jonas Conklin

 

Das perfekte Ganzkörpertraining für Entdecker

Einsteiger finden schnell einen Zugang zur Sportart, die sich für kleine oder große Gruppen oder sogar ganze Familien eignet – selbst der Hund kann mit. Wer sich mit der Balance auf dem Board schwertut, kann darauf sitzen, knien oder liegen. Stand-up-Paddler lieben es, Orte aus einer anderen Perspektive, also vom Fluss oder See aus, kennenzulernen. In Hamburg gibt es beispielsweise das Café Canale, das auch vom Wasser erreichbar ist.

Stand-up-Paddling wirkt mühelos, trainiert aber den ganzen Körper. Wer bei der Arbeit viel sitzt und dadurch Rückenprobleme hat, kann mit Stand-up-Paddling seine ganze Muskulatur aktivieren.

Stand-up-Paddling ale effektives Ganzkörpertraining

Stand-up-Paddling ist ein perfektes Ganzkörpertraining. Bild: Tanja Ecker

 

See eignet sich für Anfänger

Anfänger starten am besten auf einem See, da man dort an der gleichen Stelle ein- und aussteigen kann und nicht viel planen muss. Beim Paddeln auf einem Fluss muss man die Fließgeschwindigkeit mit berücksichtigen. Auf einigen Flüssen ist es möglich, hin und zurück zu paddeln, bei anderen ist die Fließgeschwindigkeit zu stark, und man muss einen Rücktransport organisieren. Auf dem Meer geht es dank der Wellen etwas unruhiger zu und man treibt leichter ab. Das Fahren auf dem Meer ist auf jeden Fall etwas für geübtere Stand-up-Paddler.

 

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Schwimmen ist Grundvoraussetzung

Stand-up-Paddler sollten gute Schwimmer sein – das ist eine der Grundvoraussetzungen, unabhängig davon, ob sie eine Schwimmweste oder andere Hilfen nutzen. Da man nicht allein auf dem Wasser ist, muss man die anderen Teilnehmer im Blick behalten und aufpassen, dass man Schiffen, Booten und Fähren nicht in die Quere kommt oder gar in deren Sog gerät.

Bevor man aufs Board steigt, ist ein Blick in den Wetterbericht Pflicht. Bei Windstille paddelt es sich leichter als bei starken Böen, die genau wie Strömungen dafür sorgen können, dass man abgetrieben wird. Bei starker Sonne sollte man Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor auftragen, denn auf dem Board ist man der Sonne komplett ausgeliefert. Gerade im Frühjahr und Herbst, wenn die Wassertemperatur niedrig ist, ist Neoprenbekleidung oder ein Trockenanzug unverzichtbar.

Jeder Stand-up-Paddler sollte eine Schwimmweste tragen. Einige schwören auch auf eine so genannte Restube, eine Art Rettungsboje, die im Notfall ausgelöst werden kann. Je nachdem, wo man einsteigt, können Schwimmsocken oder -schuhe hilfreich sein. Zudem bietet sich bei frischeren Temperaturen ein
Neoprenanzug oder sogar ein Trockenanzug an. Brillenträger sollten sich beim Optiker ein Gummiband zur Fixierung der Brille besorgen – denn die ist beim Sturz ins Wasser schnell weg. Auch ein kleiner Trockensack zum trockenen Verstauen von Wertsachen, Autoschlüssel und Mobiltelefon ist sinnvoll.

 

Gute Orte finden

Die Plattform SUPscout ist DIE Seite zum Thema Stand-up-Paddling. Dort findet man gute Tourentipps in ganz Deutschland, egal ob auf Seen, Flüssen oder auf dem Meer. Auch Infos über die besten Einstiegsstellen, nahe gelegene Parkplätze sowie kurzfristige Sperrungen findet man dort. Nicht überall ist Stand-up-Paddling auch erlaubt. Manche Seen sind beispielsweise in privater Hand oder Naturschutzgebiet. Auch diese Hinweise finden sich auf SUPscout.

 

Paddeln auf dem Rhein

Auf dem Rhein ist Stand-up-Paddling an vielen Orten erlaubt. Aufgrund der Strömung eignet sich der Rhein eher für erfahrene Stand-up-Paddler. Anfänger sollten auf jeden Fall nur mit einem Guide oder einem Ortskundigen auf den Rhein gehen. Sehr schön, meist ohne Motorboote und oft nahezu strömungsfrei zu befahren sind die Altrheinarme, die in manchen Gegenden einen richtigen Urwaldcharakter haben. Generell gibt es viele schöne – auch längere – Touren auf dem Rhein, die man sich erpaddeln kann, zum Beispiel auf dem Hochrhein von Öhningen nach Büsingen. (Weitere Touren hier: https://wellenliebe.de/sup-rhein/)

Stand-up-Paddling auf dem Rhein

Alte Weiden und unberührte Natur am „Illinger Altrhein“ bei Illingen Höhe Rastatt. Tipp: Hier lässt sich nahezu ohne Strömung eine Rundtour paddeln, die zum Ausgangspunkt zurückführt.
Google Maps Koordinaten Einsatz-Stelle: 48.95647339967476, 8.199733298098419. Bild: Lite Venture SUP

 

Beraten lassen und testen

Anfänger sollten sich gut beraten lassen und frühzeitig überlegen, wie sie die Sportart betreiben wollen – also, ob sie allein paddeln möchten oder Kinder oder der Hund mit aufs Board sollen. Wer längere Touren anvisiert, sollte sich gleich ein Touring-Board zulegen. Mit breiteren Boards ist man zwar nicht so schnell unterwegs, sie eignen sich aber beispielsweise sehr gut, um darauf Yoga zu machen. SUP-Yogakurse werden immer beliebter.

Generell ist es gut, sich von einem erfahrenen SUP-Scout einweisen zu lassen und zumindest am Anfang einmal unter Aufsicht zu paddeln und verschiedene Boards zu testen.

 

Interview mit Myriam Eismann, Geschäftsführung Lite Venture Sup

Haben aufblasbare SUP-Boards dem Sport zum Durchbruch verholfen?

Ich denke, das hat den Sport etwas zugänglicher gemacht. Man braucht jetzt keinen Dachgepäckträger und je nach Board auch kein Auto mehr, um es transportieren zu können.

Hardboards haben mit Blicka auf das Fahrverhalten den Vorteil, dass man sie individuell formen kann. Wir sind auch Fans von Hardboards, daher stellen wir sie auch her. Ein Hardboard kann man gezielter shapen, sprich man kann die Form an den Einsatzzweck anpassen. Insbesondere bei unseren Touring-Hardboards mit der auffälligen Nase wirkt es sich deutlich spürbar aus, dass es sehr spurstabil ist. Die Boards sind durch ihre Bauweise mit dem Carbon-Layup auch sehr steif, das macht schon einen spürbaren Unterschiedzu den meisten Inflatables.

Sind Hardboards vielleicht auch weniger gefährlich?

Das kann man nicht so sagen. Menschen, die die Natur unterschätzen, oder sich überschätzen, die bringen sich auf jedem Board in Gefahr

Was würden Sie Anfängern generell raten?

Ich finde gerade für Anfänger eine gute Beratung wichtig. Das Board sollte zu dem passen, was sie später vorhaben. Mann kann auch eine Stufe überspringen und muss nicht gleich ein Board nehmen, auf dem man sich zu Beginn wohlfühlt. Generell sollte noch ein bisschen Luft nach oben sein, weil man relativ schnell Fortschritte macht. Wenn man am Anfang ein Board kauft, was sehr gutmütig ist, auf dem es sofort klappt, dann hat man später vielleicht ein Board, das einem langfristig zu träge ist.

Das Board ist das eine, was sollte man sich noch zulegen, um gut und sicher auf dem Wasser unterwegs zu sein?

Jeder sollte eine Schwimmweste tragen und nicht nur dabei haben, weil man ja nicht weiß, in welcher Situation man sie brauchen wird. Auf großen Seen sind ja beispielsweise auch Motorboote unterwegs. Es gibt Momente, da kann man sich nicht mehr in Sicherheit bringen, ist bewusstlos oder erleidet einen Schock, wenn das Wasser zu kalt ist (Anmerkung: bereits Wassertemperaturen ab 18 Grad und darunter können gefährlich sein). Am Bodensee reicht es laut Verordnung aus, wenn man eine Schwimmweste ab 300 Meter Entfernung zum Ufer mitführt, aber wir finden es sicherer, wenn man sie bereits trägt.

Stand-up-Paddling ist der perfekte Social-Distance-Sport. Im vergangenen Jahr haben sich schon sehr viele Stand up Paddler auf den Flüssen und Seen getummelt. Besteht die Gefahr, dass es zu voll wird?

Ich glaube, dass viele zuhause bleiben und den Urlaub in Deutschland bevorzugen und dann natürlich auch aufs Wasser wollen. Ich denke, es wird ähnlich voll werden wie im vergangenen Jahr.

Ist die Nachfrage dadurch vielleicht sogar größer als das Angebot?

Das sehen wir bei einigen Herstellern. Es gibt auch zum Teil Verzögerungen bei der Produktion oder in der Lieferkette. Es kann sein, dass man auf das Wunschboard je nachdem etwas warten muss.

„Wir sehen Stand up Paddling nicht als Trend, der irgendwann wieder verschwindet.“

Warum hat sich Stand up Paddling Ihrer Meinung nach zu einer Trendsportart entwickelt?

Der Begriff wird ja in dem Zusammenhang gerne verwendet. Für mich ist ein Trend etwas, dass auch schnell wieder verschwindet. Wir sehen, Stand-up-Paddling einfach als eine Art der Fortbewegung und des Sports in der Natur, die für sehr viele Menschen zugänglich und ein einfaches, schönes Erlebnis ist, das bleiben wird. Wir sehen das nicht als Trend, der irgendwann wieder verschwindet.

Eigentlich sollte man ja auch ein guter Schwimmer sein, um Stand-up-Paddling zu machen.

Eigentlich schon. Wir beobachten viel Sorglosigkeit. Ein Sturz ins Wasser, ohne Schwimmen zu können und ohne entsprechende Sicherung wie Leash, Schwimmweste oder Restube, kann fatale Folgen haben. Wir vergleichen die Schwimmweste ein bisschen mit dem Fahrradhelm. Ich kann ja auch Fahrrad fahren, ziehe mir aber trotzdem den Helm auf, obwohl ich nicht ständig stürze. Das ist eine Selbstverständlichkeit, die da noch fehlt. Ich hoffe einfach, dass sich die Menschen zunehmend informieren und achtsam verhalten. Noch ein Tipp: Man sollte auch üben, ohne Hilfe auf das Board wieder aufzusteigen, wenn man keinen Grund mehr unter den Füßen hat.

„Es ist ein super Ganzkörpertraining“

Warum macht Stand-up-Paddling Ihnen persönlich so viel Spaß?

Weil es ein ganz besonderes Erlebnis ist, auf dem Wasser zu sein. Das ist eine besondere Ruhe – vorausgesetzt man ist nicht irgendwo, wo Motorboote fahren. Ich mag es auch, weil es den ganzen Körper trainiert. Es ist wirklich ein super Ganzkörpertraining, wenn man zum Beispiel durch viel Sitzen Verkürzungen oder Rückenprobleme hat, kann Stand up Paddling hier gut helfen, weil das auch die Muskulatur aktiviert, wie man es sonst nicht kann. Ich stehe um Beispiel keine zwei Stunden auf dem Wackelbrett (Anmerkung: ein Gerät aus der Physiotherapie), aber wenn ich zwei Stunden eine Tour paddel, dann merke ich gar nicht, dass ich da gerade etwas Gutes für mich tue.

Haben Sie einen Geheimtipp für uns?

Ich würde Anfängern empfehlen auf einen See zu gehen – also nicht gleich auf einen Fluss. Bei einem See kann man an der selben Stelle ein- und aussteigen. Man muss da also nicht so viel organisieren, man hat nicht mit der Strömung zu tun und kann sich dadurch besser auf das Paddeln an sich konzentrieren.

Die Seen im Schwarzwald wie Schluch- oder Titisee sind durchaus gut fürs Paddeln geeignet.

Was war bisher Ihre außergewöhnlichste Tour?

Der Eibsee an der Zugspitze ist ein wunderschöner Spot zum Paddeln. Im Sommer ist er sehr überlaufen. Wir waren da im November, mit dem Trockenanzug bei drei Grad, die Zugspitze schneebedeckt, der See türkisblau und glasklar, das war schon toll. An dem Tag war auch niemand anderes dort.

 

Stand-up-Paddling auf dem Eibsee

Anne van Roode von Lite Venture SUP auf dem herbstlichen Eibsee vor der schneebedeckten Zugspitze.. Bild: Lite Venture SUP

 

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