Am 22. Mai ist der Internationale Tag zur Erhaltung der Artenvielfalt. Die Vielfalt ist in Gefahr: Eine Million Tier- und Pflanzenarten könnten laut den Vereinten Nationen für immer verschwinden.

Artenvielfalt, auch Artendiversität genannt, ist ein Maß für die Vielfalt der biologischen Arten innerhalb eines Lebensraumes oder eines geographischen Gebietes. Sie beschreibt, wie viele Arten existieren innerhalb eines Lebensraums (zum Beispiel dem Ozean) oder eines Gebiets (zum Beispiel im Schwarzwald). Seit dem Jahr 2000 gibt es den Tag der Artenvielfalt, den die UNO einführte. Sie schlägt Alarm:  Noch nie war das Ausmaß des Artensterbens so groß wie heute.

 

Wie hat sich die Anzahl der Tier- und Pflanzenarten verändert?

Am 6. Mai 2019 veröffentlichte der Weltbiodiversivitätsrat IPBES die Ergebnisse einer mehrjährigen Studie. Von geschätzten acht Millionen Arten sind eine Million vom Aussterben bedroht. Es gab immer wieder Katastrophen, die ein Artensterben verursachten. Neu ist die Geschwindigkeit, mit der die Bedrohung der Arten voranschreitet.  Sie ist zehn- bis einhundertmal höher als im Durchschnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre. Hinzu kommt, dass dem heutigen Artensterben keine natürlichen Ursachen zugrunde liegen. Es ist der Mensch, der es verursacht.

 

Weshalb ist der Erhalt der Artenvielfalt so wichtig?

Auf manch eine Tierart könnte der Mensch gerne verzichten, denkt wohl jeder von uns. Wer schimpft nicht über Wespen, die sich auf den Kuchen stürzen oder am Haus Nester bauen?

Wespen schützt der Tag der Aertenvielfalt

Fleisch mögen Wespen besonders gern. Foto: Fotolia

 

Aber so einfach ist es nicht. Insekten zum Beispiel bestäuben rund 80 Prozent aller Nutzpflanzen und sorgen dafür, dass wir Obst und Gemüse ernten können. Und wenn unsere Nutz- und Heilpflanzen nicht mehr bestäubt werden, weil es eben diese Insekten nicht mehr gibt, werden wir zukünftig ein Problem bei der Nahrungsmittelproduktion haben. Es sei denn, wir bestäuben die Pflanzen selbst, wie es in manchen Ländern Asiens teilweise schon geschieht…

 

Müssen wir zukünftig wie dieser Hobbygärtner unsere Pflanzen selbst bestäuben? Foto: Sabine Trapp-Brüstle

 

Tier- und Pflanzenarten des Jahres 2019 – was können wir für sie tun?

Um besonders gefährdete Arten zu schützen, rücken Organisationen die Tiere und Pflanzen eines Jahres mit dem Titel „Tier oder Pflanze des Jahres“ in den Fokus. Sie tragen damit Maßnahmen zum Schutz in die Öffentlichkeit.

Einige habe ich mir genauer angeschaut:

 

Fisch des Jahres 2019 – der Atlantische Lachs

Der Deutsche Angelfischerverband (DAV) kürte den Atlantischen Lachs zum Fisch des Jahres 2019. Lachse sind Wanderfische, die vom Meer in ihre ursprünglichen Laichgebiete zurückkehren. Den Weg dorthin legen sie über Flüsse zurück, die deshalb barrierefrei sein müssen. Damit Lachse und andere Fischarten an den Wasserkraftwerken aufsteigen können, bauen Kraftwerksbetreiber Fischtreppen an ihren Anlagen, mit deren Hilfe die Fische am Kraftwerk vorbei aufsteigen können.

In Fischreppen passieren Fische das Wasserkraftwerk Rheinfelden.

Im Vertical-Slot-Pass beim Kraftwerk Rheinfelden können die unterschiedlichen Fischarten am Maschinenhaus vorbei aufsteigen. Foto: Juri Junkov

 

Noch besser als Fischtreppen sind Fischaufstiegs- und Laichgewässer. Dies sind künstlich angelegte Bachläufe, die vielen Fischarten die optimalen Bedingungen zum Auf- oder Abstieg und vor allem zum Laichen bieten. Das Unternehmen Energiedienst, das mehrere Wasserkraftwerke am Hochrhein betreibt, hat die Kraftwerke Rheinfelden und Ryburg-Schwörstadt bereits mit solchen Umgehungsgewässern ausgestattet.

Im Umgehungsgewässer können Fische das Wasserkraftwerk Rheinfelden passieren.

Im Fischaufstiegs- und Laichgewässer beim Kraftwerk Rheinfelden können Fische auf- oder absteigen und laichen. Foto: Juri Junkov

In regelmäßigen Abständen finden an den Kraftwerken Fischzählungen statt. Bei der Fischzählung 2012/2013 zählten Fischer im Fischaufstiegs- und Laichgewässer des Kraftwerks Rheinfelden tatsächlich zwei Atlantische Lachse.

 

Wildbiene des Jahres 2019: die Blauschillernde Sandbiene

Blauschillernde Sandbiene: Ich hörte diesen exotischen Namen kürzlich zum ersten Mal. Wildbienen kenne ich natürlich. Wie die Honigbienen braucht die Natur sie  für die Bestäubung von Pflanzen. Im Gegensatz zu Honigbienen besitzen Wildbienenarten nur einen sehr kleinen Stachel, der nicht durch die menschliche Haut stechen kann. Ein eindeutiger Vorteil für uns Menschen – vor allem für Allergiker. Beim Schutz von Wildbienen kann jeder Einzelne unkompliziert mitwirken. Gartenbesitzer säen eine Blumenwiese ein und sorgen damit für eine Nahrungsgrundlage. Die heutzutage so beliebten leblosen Schotterflächen sind zwar pflegeleicht, nutzen der heimischen Tierwelt aber leider rein gar nichts.

 

Wildblumen liefern Nahrung für Insekten.

Viele unterschiedliche Wildblumen bilden die Nahrungsgrundlage für heimische Insekten. Foto: Sabine Trapp-Brüstle

 

Als Nisthilfen für Wildbienen dienen selbstgebaute „Insektenhotels“: Einfach in ein Stück Holz mehrere Löcher bohren am besten nicht allzu groß. Oder Strohhalme in eine leere Blechdose einfüllen. In die jeweiligen Hohlräume legen die Wildbienen ihre Eier ab. Für alle Eltern mit Kindern übrigens auch eine tolle Beschäftigung für verregnete Sonntagnachmittage. Wie so ein Insektenhotel aussieht und wie man es baut, könnt ihr in unseren Blogbeiträgen nachlesen Ein Insektenhotel am Umspannwerk: Bauphase 1 und Ein Insektenhotel am Umspannwerk: Bauphase 2.

 

Insektenhotels bieten Insekten Unterschlupf.

Wildbienen nutzen die Öffnungen im Holz oder Stroh, um ihre Eier abzulegen. Foto: Sabine Trapp-Brüstle

 

Arzneipflanze des Jahres 2019: der Weißdorn.

Weißdorn wird schon seit vielen Jahrhunderten gegen Herz- und Kreislaufschwäche eingesetzt. Seit 2016 ist diese Pflanze von der deutschen Zulassungsbehörde als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Er hat keine besonderen Ansprüche und wächst nahezu überall. Wer noch Platz im heimischen Garten hat, bietet mit dieser Pflanze vielen Insekten und Vögeln eine Nahrungsgrundlage. Die getrockneten Blüten, Blätter und Früchte sind als Tee aufgekocht für uns Menschen gesund.

Die Blüten des Weißdorns sehen nicht nur schön aus, sondern sind getrocknet und als Tee aufgekocht gesund. Foto: Sabine Trapp-Brüstle

 

Fazit

Welche Auswirkungen das heutige Artensterben auf unser Ökosystem hat, kann niemand voraussagen. Deshalb ist es unsere Aufgabe, diese gefährdeten Arten möglichst umfassend zu schützen. Der Titel „Tier oder Pflanze des Jahres“ hilft dabei und es lohnt sich, diese Arten und ihre Verwandten mal genauer anzuschauen!

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