Tesla Powerwall

Die Umstellung der Stromerzeugung auf erneuerbare Energien wird ohne gleichzeitige Schaffung von Speicherkapazitäten kaum gelingen. Dieses Mantra der Energiewende erhält nun mit der Ankündigung des US-Unternehmens Tesla Motors vorletzte Woche, einen Stromspeicher für Zuhause auf den Markt zu bringen, eine neue Wendung. Vielleicht gelingt Tesla mit der Powerwall, was den bisherigen Anbietern solcher Systeme bis dato versagt blieb: Die Speicherung von Solarstrom zwecks Eigenverbrauch populär zu machen.

Pionier Tesla

Das kalifornische Unternehmen Tesla Motors wird seit Jahren als ein Pionier auf dem Feld der Elektromobilität gehandelt. Gegründet 2003 von einem Team um den Internetunternehmer Elon Musk, der unter anderem mit dem Online-Bezahldienst PayPal ein Milliardenvermögen gemacht hat, ist Tesla heute der erfolgreichste Hersteller von Elektroautos weltweit. Allein im ersten Quartal 2015 wurden über 11.000 Fahrzeuge des Models Tesla S ausgeliefert, das in vielen Bereichen bisher unerreichte Kennzahlen aufweist. So kann der Reichweite dieses Fahrzeugs mit über 400 Kilometern bisher kein anderer Hersteller das Wasser reichen. Der mit einer gehörigen Portion Charisma ausgestattete Tesla-Chef Musk aber will noch mehr. So ist er unter anderem an einem Weltraumprojekt beteiligt (SpaceX) und betreibt mit SolarCity ein Unternehmen, das Solaranlagen konzipiert, finanziert und installiert. Auch mit Tesla hat er große Pläne. Weitere Modelle sind bereits in der Pipeline. So soll Ende 2017 eine Art Volks-Tesla auf den Markt kommen, das mit einem anvisierten Verkaufspreis von 35.000 US-Dollar den Massenmarkt für die Elektromobilität erschließen soll. Bisher bewegen sich die Tesla-Produkte im Luxussegment.

Akkus für den Massenmarkt

Um für die angepeilten hohen Stückzahlen die für die Elektromobilität essentielle Batterietechnik auf einen marktfähigen Preis zu drücken, errichtet Tesla gerade im US-Bundesstaat Nevada eine so genannte Gigafactory. In der riesigen Anlage, die mit Photovoltaik und Windenergie energieautark betrieben wird, sollen bis 2020 Kapazitäten für die Ausrüstung von 500.000 Fahrzeugen mit Akkusystemen entstehen.

 

 Elon Musk Tesla Gigafactory


Elon Musk begutachtet den Baufortschritt der Tesla Gigafactory

Viele Beobachter halten Elon Musk angesichts solcher Projekte für irgendwas zwischen einem Spinner und einen Visionär, dem es allerdings gelingt, seine oft wahnwitzig scheinenden Vorstellungen auf die Straße zu bringen und zumindest teilweise profitabel zu realisieren. Zum Beispiel werden im Moment weltweit dutzende Tesla Supercharger an den Autobahnen errichtet, an denen Besitzer von Tesla-Fahrzeugen gratis und in Rekordzeit Strom laden können. Letzte Woche wurde zudem deutlich: Der Mann hat sich intensiv Gedanken gemacht über die Notwendigkeiten, die sich aus der Energiewende für die Struktur der Energiewirtschaft ableiten.

Die Powerwall

Am Tesla-Stammsitz in Los Angeles präsentierte Musk in einer für das Silicon Valley mittlerweile üblichen Inszenierung (siehe Video unten) ein neues Produkt: Die Tesla Powerwall. Dabei handelt es sich im Prinzip um einen großen Akku, der als Stromspeicher für Zuhause dient. Die technischen Daten des in zwei Versionen vermarkteten Hausakkus sind nichts wirklich Sensationelles. Version 1 kann täglich aufgeladen und entladen werden und bietet eine Kapazität von 7 kWh. Dieser Wert ist etwas abstrakt. Angenommen ein Reihenhaus normalen Zuschnitts zieht im Alltagsbetrieb mit Licht, TV- und PC-Nutzung sowie Betrieb von Kühlschrank, Kaffeemaschine usw. etwa eine Leistung von durchschnittlich 500 Watt. Dann könnte man ein derartiges Haus mit der Powerwall von Tesla also 14 Stunden lang betreiben. Wenn man mit Strom kocht, Warmwasser damit bereitet oder den ganzen Tag die Waschmaschine läuft, dann reicht der gespeicherte Strom natürlich entsprechend kürzer. Die 7kWh-Powerwall will Tesla für 3.500 US-Dollar anbieten. Ein zweite Version bietet einen wöchentlichen Ladezyklus mit einer Speicherkapazität von 10 kWh und ist damit als eine Art stille Reserve gedacht, die immer dann herangezogen wird, wenn die kleine Version nicht ausreicht. Beide Versionen lassen sich durch eine beliebige Anzahl von Geräten zu einer großen Einheit zusammenschalten. Beispielsweise kündigt das Unternehmen Amazon, das nicht nur im Online-Versand tätig ist, sondern auch energieintensive Serverfarmen betreibt, den Test einer Anlage mit einer Kapazität von 4,8 MWh an.

Ohne Speicher keine Energiewende

Insgesamt kann man jetzt schon feststellen, dass Musk mit seinem Auftritt wieder einmal ein Thema auf die Tagesordnung gesetzt hat, das bisher nur eingefleischten Solarstromnutzern bekannt war: den Eigenverbrauch der durch Photovoltaikanlagen auf dem eigenen Dach erzeugten Energie zu organisieren. Denn es ist ja die technologische Herausforderung, den Strom, der bei der zumeist üblichen Abwesenheit tagsüber Zuhause produziert wird, dann zu verbrauchen, wenn man anwesend ist, nämlich abends. Diese zeitliche Lücke zwischen Erzeugung und Verbrauch soll die Tesla Powerwall schließen; und natürlich die Wetterabhängigkeit der regenerativen Erzeugung generell. Was vielen Beobachtern und Akteuren in der Energiewirtschaft seit langem klar ist, dass nämlich der Umbau des Energiesystems auf regenerative Quellen ohne die Schaffung von Speicherkapazitäten im großen Stil schlicht unmöglich ist, dieser Umstand wird durch den Schritt von Tesla in das Bewusstsein der allgemeinen Öffentlichkeit gehoben. Dieser Verdienst von Musk ist schon jetzt absehbar, unter anderem auch deshalb, weil er den Skeptikern, die an der technischen Umsetzbarkeit der Energiewende generell zweifeln, eine realistische Vision entgegensetzt. Denn halb größenwahnsinnig, wie Musk nun mal auftritt, bietet er die Powerwall gleichwohl als Lösung an, um die Versorgung der gesamten Welt mit Energie, also nicht nur mit Strom, zu organisieren. Es brauche nur 2 Milliarden Exemplare der Powerwall in Kombination mit einer entsprechenden, jedoch überschaubaren Fläche von Solaranlagen, und das Problem der weltweiten Energieversorgung sei gelöst.

Nichts Neues, aber genial präsentiert

Offenbar geht das Kalkül von Musk auf. Neuesten Meldungen zufolge liegen bereits 38.000 Bestellungen der Powerwall vor, eine Zahl, die Tesla nach eigenen Angaben in diesem Jahr gar nicht bewältigen kann. Das ist wirklich beeindruckend, wenn man bedenkt, dass in diesem Jahr in Deutschland etwa 14.000 Speicheranlagen verkauft werden. Und Deutschland ist der größte Markt für derartige Systeme. Das weiß wohl auch Musk und hat daher die Bundesrepublik als einen der wichtigsten Märkte ausgemacht. Hierzulande reiben sich denn auch einige mittelständische Unternehmen, die schon seit längerem, allerdings mit eher mäßigem Erfolg solche Systeme anbieten, verwundert die Augen ob des auf einmal anbrandenden Hypes. So sagte Christoph Ostermann, Chef und Gründer des bayerischen Herstellers Sonnenbatterie, dem Manager Magazin: „Ich muss wirklich neidlos anerkennen, dass der Auftritt ganz großes Marketing-Kino war. Schließlich ist es gelungen, eine Batterie als ganz große Innovation zu verkaufen. Technisch nicht beeindruckend, kommunikativ eine Glanzleistung.“

Auch Hersteller wie LG Electronics haben derartige Systeme zu vernünftigen Preisen seit längerem im Angebot, aber offenbar ist sogar bei solchen Anschaffungen das Image eines Produktes der entscheidende Zusatznutzen, auf den die Kunden nicht verzichten wollen. Es ist eben etwas anderes, den Stromakku des innovativsten Unternehmens der Welt in den Keller oder die Garage zu hängen, als den eines bayerischen Mittelständlers.

Hier ein Video mit der 15-minütigen Präsentation von Elon Musk.

 

Fotos:

Powerwall: Tesla Motors Inc.

Elon Musk bei einer Besichtigung der Gigafactory: Wikipedia http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Tesla_Gigafactory_1?uselang=de#/media/File:Elon_Musk_oveseeing_the_construction_of_Gigafactory_(16549440890).jpg

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