Plastic is NOT fantastic. Wer der Nachwelt mehr hinterlassen möchte als Einwegtüten, Strohhalme und PET-Flaschen, startet mit unseren vier Tipps.

Es ist das Jahr 1997. In einem pinken Cabrio vor einem pinken Traumhaus singt uns Aqua das Gute-Laune-Lied von Barbie und ihrem fantastischen Leben aus Plastik vor. Fast forward, 22 Jahre später: 2019 ist Plastik wieder in aller Munde, aber diesmal nicht wegen eines spaßigen One-Hit-Wonders von Aqua. Immer mehr Tiere verenden, weil sich ihre Mägen mit Plastikmüll füllen, statt Sandstränden finden sich weltweit häufig nur noch Berge aus Müll und im menschlichen Darm wird das erste Mal Mikroplastik nachgewiesen. Barbies Plastik-Traumblase scheint – zum Glück – endlich geplatzt, die Welt wacht auf und merkt, dass das life in plastic not so fantastic ist.

 

Willkommen auf dem Plastik-Planeten

Vor etwa zwei Jahren bin ich aus Barbies rosa Plastikblase aufgewacht und habe festgestellt, dass der praktische, ewig lebende Kunststoff langsam aber sicher unseren Planeten übernimmt. Zu dieser Zeit hatte ich angefangen, mich über faire Mode und Nachhaltigkeit zu informieren und während ich da so über die Auswirkungen der Modeindustrie auf die Umwelt recherchiert habe, schrie mir der volle gelbe Sack mit Verpackungsmüll „Heuchlerin“ aus der Küche zu. Da war der nächste Schritt schnell klar: In Zukunft verzichte ich auf Plastik! Nun gut, auf Plastik verzichten, das klingt erstmal ganz gut und vernünftig.

Inzwischen weiß man, dass die Produkte teilweise mehrere hundert Jahre brauchen, bis sie zerfallen: Eine Plastikflasche im Meer braucht ca. 450 Jahre und auch dann bleibt noch das allseits unbeliebte Mikroplastik übrig. Außerdem werden für die Produktion von Plastik die wichtige Ressource Erdöl sowie gesundheitsschädliche Weichmacher verwendet. Und das alles, nur damit wir unseren Latte Macchiato mit dem Strohhalm trinken können?

Das Problem ist, dass Plastik inzwischen einfach überall ist – Kinderspielzeug, Zahnbürsten, Bankkarten, Schuhsohlen, Fischernetze, Strohhalme, Prothesen und Wasserrohre – alles Menschgemachte scheint, wenn auch nur in Teilen, aus Plastik zu bestehen. Tatsächlich hat sich die weltweite Plastikproduktion allein seit 1964 verzwanzigfacht! Derzeit sind es rund 335 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr. Es ist ein Wunder, dass die Erde von oben nicht aussieht wie ein bunter Plastik-Legobausatz.

 

Ein Globus ist in Plastik einghüllt.

Die weltweite Plastikproduktion steigt kontinuierlich an. Inzwischen werden jährlich 335 Millionen Tonnen Plastik produziert.

 

Ein Leben ohne Plastik?

Wie kann es nun also funktionieren, so ein Leben ohne Plastik? Wichtig ist hier erst einmal festzuhalten, dass dieser Prozess Zeit braucht und auch, dass man sich diese Zeit auf jeden Fall nehmen sollte. In unser Leben haben sich über Jahre Gewohnheiten eingeschlichen und die gilt es erst einmal, Stück für Stück durch neue zu ersetzen. Außerdem ist ein komplett plastikfreies Leben in unserer Gesellschaft leider kaum möglich, es sei denn, man findet Freude daran, nackt in einer Höhle zu sitzen und sich sein Essen selbst zu fangen.

Manche Plastikprodukte, wie Bankkarten, Spritzen beim Arzt etc. lassen sich in unserer modernen Gesellschaft nur schwer vermeiden. Umso leichter ist es dafür mit den in unserer (Wegwerf-)Gesellschaft etablierten und ach so komfortablen Einwegprodukten, wie Coffee-to-go-Bechern, Einwegbesteck, Plastiktüten oder Verpackungen, die nur kurz ihren Zweck erfüllen und dann im Müll landen. Der Strohhalm ist hierfür mein Lieblingsbeispiel. Allein in der EU werden jährlich rund 40 Milliarden Strohhalme verbraucht. Bei 20 cm langen Strohhalmen entspricht das, aneinandergereiht, etwa zwanzig Mal der Strecke von der Erde bis zum Mond. Wir verbrauchen also eine Ressource, deren Entstehung Jahrmillionen gedauert hat, für einen kleinen bunten Plastikhalm, den wir aus Gewohnheit 10 Minuten lang benutzen und dann ohne darüber nachzudenken wegwerfen. Mit dem kleinen Haken, dass es leider kein „weg“, sondern vielmehr ein „aus den Augen aus dem Sinn“ gibt, denn von den seit 1950 produzierten, ca. 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff aus der Plastikindustrie wurden bisher nur 800 Million Tonnen tatsächlich recycelt und 600 Millionen Tonnen verbrannt. Während wir von unseren Vorgängern prächtige Bauten und Grabstätten, voll mit prunkvollem Schmuck und mumifizierten Königen, gefunden haben, so wird unsere Nachwelt überall, auch in den entlegensten Winkeln unseres Planeten, mit Sicherheit immer eines finden: bunte Plastikschnipsel.

 

Hand hebt Plastikflasche, die am Strand im Sand liegt, auf..

Plastikmüll an Urlaubsstränden ist heutzutage leider ein allzu häufiges Phänomen. Grund dafür ist vor allem die enorme Plastikverschmutzung der Meere.

 

Vier Schritte zum plastikfrei(eren) Leben

Mein Ziel ist es, den kommenden Generationen mehr zu hinterlassen als meinen Müll. Ich möchte, dass man sich an mich erinnert für die Dinge, die ich getan habe, während ich am Leben war, und nicht für die Plastikteile, die ich zurücklasse. Kling gut?

Dann lasst uns doch einfach gemeinsam noch ein bisschen mehr Müll vermeiden. Dazu startet ihr mit vier einfachen Schritten:

1. Müll analysieren

Dafür solltet ihr ganz normal weiter einkaufen und, sobald der Müll dann raus zur Tonne muss, erst einmal schauen, was tatsächlich so an Plastikmüll anfällt. Die Hauptquellen sind dabei häufig Essens- und Produktverpackungen.

2. Gewohnheiten ändern

Wenn ihr jetzt eure Müllquellen kennt, heißt es: kleine Schritte zum Erfolg! Überfordert euch nicht, sondern sucht euch eine Müllquelle nach der anderen, die ihr leicht eliminieren könnt. Das könnten zum Einstieg beispielsweise Plastiktüten sein. Indem ihr euch angewöhnt immer Tragetaschen oder Körbe zum Einkaufen mitzunehmen, lässt sich das ganz ohne Einschränkungen umsetzen. Wenn das gut klappt, sucht ihr euch den nächsten kleinen Schritt. So könnt ihr langsam eure Gewohnheiten ändern und Alternativen suchen, ohne euch zu frustrieren oder zu überfordern.

3. „Nein“ sagen

Als drittes empfehle ich, einfach mal „Nein“ zu sagen. Nein zum Plastikstrohhalm, Nein zu den Gratis Taschentüchern, Nein zum Einwegfeuerzeug oder dem Werbekugelschreiber. Kleinvieh macht definitiv auch Mist und durch solche Sachen könnt ihr einiges an Plastik sparen.

4. Selber machen

Als vierten und letzten Schritt rate ich dazu, mal wieder mehr selbst zu machen, sowohl in der Küche als auch in Bezug auf Kosmetik- und Haushaltsprodukte. Den Pizzateig, die Bodybutter oder auch den Allzweckreiniger selbst herzustellen geht ganz schnell, spart auf die Dauer Unmengen an Verpackung und Geld und vor allem wisst ihr, was wirklich in euren Produkten drinsteckt. Unmengen an Rezepten dazu gibt es auf einschlägigen Blogs und YouTube-Channels.

 

Let´s make the planet clean again!

Lasst uns gemeinsam anfangen und zusammen kleine Schritte in ein plastikfreieres Leben machen. Es geht gar nicht darum, dass schon ab morgen unsere Mülltonnen leer bleiben, sondern, dass wir alle Verantwortung für unseren Planeten übernehmen und uns bewusst machen, dass Einwegplastik zwar komfortabel aber eine große Belastung für uns, unsere Umwelt und unsere Zukunft ist.

Also schaut euch noch ein letztes Mal Aquas „Barbie Girl“-Video an und dann heißt es: “Tschüss Barbie!”. Denn wir finden, dass das Leben in Plastik gar nicht so fantastisch ist, wie du immer behauptet hast!

 

Du suchst noch weitere Tipps, um deinen Müll zu reduzieren? 5 einfache Tipps findest du im EnergiedienstBlog.

9,6 Milliarden Einwegflaschen verbrauchen die Deutschen pro Jahr. Die Non-Profit-Organisation Refill hat Plastikflaschen den Kampf angesagt. Hier gibt es den Beitrag zu Refill im EnergiedienstBlog.

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