Den internationalen Weltwassertag am 22. März möchte ich gern zum Anlass nehmen, um unser Konsumverhalten etwas zu hinterfragen.

Hier also gleich ein paar Zahlen: Haben Sie gewusst, dass für die Produktion von einem Liter Wein 960 Liter Wasser nötig sind? Ein Kilogramm Käse benötigt sogar 5.000 Liter und in einem Kilogramm Rindfleisch stecken unvorstellbare 15.500 Liter Wasser. Mit dieser Menge kann ein Pool von 3,5 x 6 Metern gefüllt werden.

Im Gegensatz dazu folgende Zahl: In Deutschland braucht jeder von uns 126 Liter Wasser am Tag.

Jeder versucht, Wasser und Energie zu sparen, um dadurch vor allem den Geldbeutel zu entlasten.
Was viele jedoch nicht beachten, ist der enorme Wasserbedarf für industrielle Produkte, die wir alltäglich konsumieren. Dieser Wasserbedarf liegt bei ca. 4.000 Litern pro Person und Tag.

Das ist der sogenannte „virtuelle“ Wasserverbrauch und ist die Menge Wasser, die in einem Produkt oder einer Dienstleistung enthalten ist oder zur Herstellung verwendet wird. Sozusagen der Wasserfußabdruck.

Der virtuelle Wassergehalt ausgewählter Produkte

Hier finden Sie einige Beispiele für den nicht sichtbaren Wasserverbrauch in unseren alltäglichen Konsumprodukten:

KARTOFFELN: Ein Kilogramm Kartoffeln benötigt 255 Liter Wasser; eine Tüte Kartoffel-Chips (200 Gramm) hat einen Wasserfußabdruck von 185 Litern.

Frühkartoffeln in den Wintermonaten kommen vor allem aus Ägypten, Algerien und Marokko, wo diese mit einem hohem Bewässerungsaufwand wachsen. Dabei wachsen Kartoffeln auch bei uns und in ganz Westeuropa hervorragend.

WEIN: Weintrauben brauchen nicht nur Sonne, sondern auch jede Menge Wasser. In unseren Breiten spielt die künstliche Bewässerung keine große Rolle. Ganz anders sieht es in den beliebten Anbauregionen in den USA oder Südafrika aus – der steigende Import dieser Weine bedeutet zugleich einen erhöhten Wasserverbrauch.

KÄSE: Für die Herstellung von einem Liter Milch werden 1.000 Liter Wasser benötigt. Dies setzt sich aus dem Wasserbedarf für die Futterpflanzen, für die Kuh selbst, für den landwirtschaftlichen Betrieb und für die Weiterverarbeitung der Milch zusammen.

Für die Herstellung von einem Kilogramm Käse werden jedoch 10 Liter Milch benötigt, wofür wiederum 10.000 Liter Wasser erforderlich sind. Bei der Verarbeitung vom 10 Litern Milch zu Käse fallen 7,3 Liter Molke an.

Daher wird die Wassermenge jeweils zur Hälfte auf die beiden Produkte Käse und Molke verteilt. Eine Scheibe Käse zu 20 Gramm hinterlässt also einen Fußabdruck von 100 Liter Wasser.

RINDFLEISCH: In der heutigen Intensivhaltung haben Rinder nach drei Jahren ihr Schlachtgewicht erreicht. Bis dahin verspeist ein Tier etwa 1.300 Kilogramm Kraftfutter aus verschiedenen Getreiden und Soja, 7.200 Kilogramm Raufutter (Weidefutter, Heu, Silage) und 24.000 Liter Wasser.

Für ein Kilogramm Rindfleisch werden also rund 15.500 Liter virtuelles Wasser benötigt, von dem allein 15.300 Liter für das Futter aufgewendet wurden.

Da viele Grundnahrungsmittel auch als Tierfutter eingesetzt werden, entsteht hier oft eine Konkurrenz zwischen der menschlichen Grundversorgung in ärmeren Ländern und der Fleischproduktion in den reichen Ländern.

Virtuelles Wasser – ein globales Problem

Im überwiegend regenreichen Mitteleuropa kann der Wasserbedarf zur Herstellung von Waren in der Regel ohne Übernutzung der Wasservorkommen und ohne Konflikte mit der öffentlichen Trinkwasserversorgung bereitgestellt werden.

Der virtuelle Wasserverbrauch ist besonders dann problematisch, wenn in trockenen und wasserarmen Ländern nicht genügend natürliche Wasserressourcen zur Verfügung stehen und somit eine Übernutzung der Wasservorkommen erfolgt.

Der Export der Grundnahrungsmittel als Tierfutter steht daher oft in Konkurrenz zur menschlichen Grund- und Trinkwasserversorgung in den ärmeren Ländern.

Jeder hat es in der Hand

Viele Menschen sind sich der Auswirkungen ihres Konsumverhaltens nicht bewusst – aber schon kleine Änderungen an unserem Verhalten können zu einer Verringerung des Verbrauchs an virtuellem Wasser führen.

Hier einige Beispiele:

Obst und Gemüse – saisonal und regional einkaufen
In Deutschland kann Obst und Gemüse, das wir oft aus dem Mittelmeerraum einführen, zumindest zu bestimmten Jahreszeiten und im Gewächshaus ebenso angebaut werden. Der Einkauf regionaler und saisonaler Produkte ist somit eine sinnvolle Alternative und verbessert die virtuelle Wasserbilanz.

Infos wann welches Obst und Gemüse bei uns Saison hat gibt’s im Internet (Stichwort Saisonkalender) oder auf Ihrem Wochenmarkt.

Fleisch – die Folgewirkungen der Globalisierung
Der massive Anstieg des Fleischkonsums geht einher mit dem Ausbau der Intensivtierhaltung, die oft auf importiertes Kraftfutter setzt.

Ein bewusster und sparsamer Konsum tierischer Produkte trägt erheblich zur Verringerung des virtuellen Wasserverbrauchs bei.

Südfrüchte – wer die Wahl hat, hat die Qual
Ein bewusster Konsum bedeutet nicht, auf den Genuss von Südfrüchten zu verzichten. Aber eine gesunde und geschmackvolle Ernährung kann auch mit regionalen Obst- und Gemüsesorten erzielt werden.

Ein kritisches Hinterfragen der eigenen Kaufentscheidung auch im Bezug zur Saisonalität hilft auch beim Kauf von Südfrüchten.

Tee – abwägen und Tee trinken
Bei der Teeproduktion spielt die Wassermenge meist eine untergeordnete Rolle. Durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kommt es jedoch zur Belastung der regionalen Wasserressourcen.

Tee aus ökologischem Anbau ist hier eine sinnvolle Alternative.

Zusätzlich verbessern Sie die oft menschenunwürdigen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Teepflücker durch ‚Fair Trade‘-Produkte und übernehmen so globale Verantwortung.

Textilien – ein Einwegartikel?
Viele Produkte in unserem Alltag dienen nicht der direkten Befriedigung grundlegender Bedürfnisse, sondern sind Ausdruck eines Modebewusstseins.

Kleidung soll zwar modisch sein – jedoch kein Einwegartikel. Wer seine Kleidung länger trägt, verringert den Bedarf an Neuware und spart damit virtuelles Wasser.

Ein bewusster Lebensstil fragt außerdem nach Qualität statt Quantität.

Papier – alt und sinnvoll
Die Verwendung von Recyclingpapier anstelle von Papier aus Frischzellstoff spart fast die Hälfte des aufgewendeten virtuellen Wassers, hat einen geringeren Energieverbrauch und schont die Holzreserven.

Die bewusste Verwendung von Papier ist damit ein wichtiger Beitrag, um den Raubbau an den natürlichen Lebensgrundlagen zu verringern.

Würde die Hälfte der deutschen Bevölkerung nur zehn Blatt Papier pro Jahr weniger verbrauchen, so ergäbe dies ca. 400 Millionen Blatt Papier und damit 4 Millionen Kubikmeter virtuelles Wasser. Warum nicht zukünftig die Papierrückseite mit bedrucken oder als Notizzettel verwenden?

Wir alle können also durch unsere täglichen Kaufentscheidungen ganz einfach Verantwortung übernehmen!!

Mit der Verwendung von regionalen und saisonalen Produkten, beim Kauf von Bioprodukten, einem reduzierten Konsum von Fleisch- und Wurstwaren sowie der längeren Nutzung unserer Kleidung und Technik leisten wir einen wertvollen Beitrag für ein globales Problem.

 

Infografik „Wieviel Wasser isst Du auf?“: http://www.industrystock.de/pressenews/de/2014/8/3
Datenquelle: Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V. www.waterfootprint.org

Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz „Virtuelles Wasser – Verstecktes Wasser auf Reisen“

Claudia Frenzel, Umwelt- und Krisenmanagement: „Ich bin verantwortlich für das Umweltmanagementsystem, das heißt ich koordiniere viele umweltrelevante Aktivitäten in den Unternehmensbereichen und erstelle zusammen mit den Kollegen die Vorgabedokumenten (zum Beispiel Arbeitsanweisungen). Das System soll sich kontinuierlich verbessern, unter anderem durch neue Umweltziele und Aktionen, aber auch durch Standortbegehungen und interne Audits.“

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